Dein teuerster Irrglaube: Stillstand ist kein Rückschritt (haben wir zu lang ignoriert …)
- 11. Aug.
- 23 Min. Lesezeit
Stillstand ist kein Rückschritt
Die meisten Unternehmer:innen haben gelernt, Stillstand als Gefahr zu lesen. Wer nicht wächst, verliert – so die Logik. Wer pausiert, wird überholt. Diese Annahme steckt so tief, dass sie kaum noch hinterfragt wird. Dabei ist sie einer der teuersten Irrtümer im Umgang mit der eigenen Marke.
Eine Marke funktioniert nicht wie eine Maschine, bei der mehr Input zuverlässig mehr Output erzeugt. Sie funktioniert eher wie ein lebendiges System – mit Phasen des Wachstums, aber eben auch mit Phasen der Ruhe.
Der Irrglaube vom permanenten Wachstum
Wer glaubt, ständige Aktivität sei gleichbedeutend mit Fortschritt, gerät früher oder später an eine Grenze, die sich nicht wegarbeiten lässt. Nicht, weil die Ideen ausgehen. Sondern weil der Mensch hinter der Marke irgendwann nur noch funktioniert, statt zu gestalten. Genau das ist der Kern des Problems: Eine Marke ist immer nur so klar, wie die Person oder das Team, das sie trägt. Wer erschöpft ist, produziert vielleicht noch Output – aber keine Substanz mehr.
»Man arbeitet eigentlich langfristig gegen den eigenen Körper.« Dieser Satz beschreibt treffend, was passiert, wenn Erschöpfung ignoriert wird: Man funktioniert weiter, obwohl längst klar ist, dass die Basis nicht mehr trägt. Die Konsequenz ist selten ein plötzlicher Zusammenbruch, sondern ein schleichender Verlust an Klarheit – bei sich selbst und in der Kommunikation nach aussen.
Pause: der erste Schritt zurück zur Substanz
Die meisten Unternehmer:innen fürchten Pausen, weil sie Zeitverlust suggerieren. Konkurrenz holt auf, Kund:innen vergessen einen, Sichtbarkeit sinkt – so die Angst. Tatsächlich passiert oft das Gegenteil. Eine bewusste Pause schafft den Abstand, der nötig ist, um überhaupt wieder klar zu sehen, was funktioniert und was nicht.
Das beginnt nicht mit grossen Gesten, sondern mit kleinen, fast banalen Entscheidungen: ein handyfreier Tag, bewusster Abstand vom Tagesgeschäft, der Verzicht darauf, jede freie Minute mit neuen Ideen zu füllen. »Mit Pause kannst du wieder am Unternehmen arbeiten, weil du dir wieder erlaubst, den Weitblick einzunehmen.« Genau darin liegt der Unterschied zwischen Stillstand als Symptom von Erschöpfung und Pause als bewusstem Werkzeug.
Reflexion: der Mut zur ehrlichen Frage
Reflexion, die im Hustle-Modus stattfindet, bleibt oberflächlich. Sie führt selten zu neuen Erkenntnissen, sondern eher dazu, dieselben Fehler schneller zu wiederholen – nur mit mehr Tempo und weniger Klarheit. Erst mit ausreichend Abstand wird aus Reflexion ein echtes Werkzeug.
Die entscheidende Frage lautet dabei selten »Was machen wir als Nächstes?«, sondern: Was hat wirklich funktioniert? Wo sind wir von der eigenen Haltung abgekommen? Was hat Energie gekostet, ohne etwas zurückzugeben?
Die meisten hinterfragen alles, ausser sich selber. Genau da liegt der Unterschied zwischen reflexartigem Optimieren und echter Klärung: Wer nur an Stellschrauben dreht, ohne die eigene Haltung zu hinterfragen, bleibt im selben Muster gefangen.
Weiterentwicklung: schärfen statt neu erfinden
Weiterentwicklung wird häufig mit Neuerfindung verwechselt – neues Logo, neue Webseite, neue Angebote. Dabei bedeutet Weiterentwicklung etwas grundlegend Anderes: das Gute behalten und ausbauen, das Überflüssige konsequent streichen. Nicht mehr machen, sondern schärfer werden.
Das zeigt sich im Alltag oft an unbequemen Entscheidungen: mühsame Kund:innen loslassen, Angebote streichen, die zwar Umsatz bringen, aber mehr Energie kosten, als sie zurückgeben. »Lieber weniger, dafür das besser. Und zwar on point.« Diese Reduktion ist kein Rückschritt, sondern die eigentliche Voraussetzung für Wachstum, das trägt – weil sie zurückführt zur Substanz, die eine Marke eigentlich ausmacht.
Das Wichtigste in Kürze
Eine starke Marke entsteht nicht durch permanentes Wachstum, sondern durch den Mut, rechtzeitig innezuhalten. Pause schafft den Raum für Klarheit, Reflexion macht sichtbar, was wirklich funktioniert, und Weiterentwicklung bedeutet, das Wesentliche zu schärfen statt ständig Neues aufzubauen. Stillstand ist dabei kein Rückschritt – er ist die Voraussetzung dafür, dass aus Erkenntnis echte Veränderung wird.
Jetzt reinhören
In Folge 123 sprechen Paul und Vinz offen darüber, wie sie selbst an diesen Punkt gekommen sind – nach anderthalb Jahren im Dauerbetrieb, gescheiterten Aufnahmen und der Erkenntnis, dass Weitermachen nicht immer die richtige Antwort ist. Wer wissen will, wie aus einer erzwungenen Pause echte Klarheit wurde, sollte reinhören.
Das Transkript zu E123
Vinz: Natur macht jedes Jahr das Gleiche. Wachsen, innehalten, erneuern. Nur Unternehmen glauben oft, sie müssten das ganze Jahr Vollgas geben und durchbügeln. Bei uns war es eigentlich so: Wir wollten zwei Wochen Sommerpause machen. Und daraus wurden es vier, weil wir keine Lust mehr hatten auf das Ganze.
Nicht weil uns Themen ausgegangen sind, im Gegenteil. Sondern weil wir einfach gemerkt haben, wir brauchen diese Zeit für uns, für die Familie, für die Kids, für unsere eigenen Unternehmen. Und vor allem Zeit, klar im Kopf zu werden. Und das Lustigste daran ist eigentlich, dass es alles Themen sind, die wir immer unseren Kunden
versuchen zu sagen. Trotzdem haben wir selber gemerkt, wie schnell es geht im Tagesgeschäft. Man ist operativ, man ist im Hustle, man ist mit tausend Sachen beschäftigt, und man merkt gar nicht, wie man langsam, aber sicher nur noch funktioniert. Bis man plötzlich erkennt:
Nicht die Arbeit fehlte, sondern ein gesunder Abstand. Für die 123. Folge, die erste Folge nach unserer verlängerten Sommerpause, habe ich das Thema mitgebracht: Warum jede starke Marke ihren natürlichen Zyklus braucht. Man könnte es auch so sagen: Was wir in vier Wochen Sommerpause über Marke wieder gelernt haben.
Lieber Paul, wir haben vor dieser Folge schon viel miteinander geschrieben, viel geredet. Das Thema habe ich jetzt mitgebracht. Willst du da schnell ein paar Worte loswerden? Wie hast du diese vier Wochen Pause genutzt?
Was ist dir vielleicht klar geworden? Was kommt dir so in den Sinn, wenn du das jetzt hörst?
Paul: Hey Vinz, erstmal voll schön, wieder zurück zu sein, so im gewohnten Setting, auch wenn es mir extrem weit weg vorkam, dass wir das das letzte Mal gemacht haben, weil es wirklich einen Monat her ist. Und es war die beste Entscheidung, die wir getroffen haben, diese Pause so lang zu verlängern. Erstmal ein bisschen Hintergrund dazu, warum wir das so gemacht haben und wie das überhaupt passiert ist: Wir waren davor komplett im Alltagshustle. Also wir waren wirklich
durchweg am Funktionieren. Wir haben die zwei Folgen pro Woche durchgeballert seit über einem Jahr, eigentlich fast seit anderthalb Jahren. Und es war wirklich sehr, sehr viel Arbeit, sodass fast jeden Abend irgendwas für diesen Podcast passiert ist. Und weil wir dachten, wir können nicht aufhören, wir dürfen nicht anhalten, machten wir einfach weiter und bereiteten so viel vor, dass wir die Sommerpause, die dann kommen würde, weil du weg warst, weil ich weg war mit der Familie,
weil wir wussten, wir können dann zwei Wochen nicht aufnehmen, wenigstens überspielen könnten. Wir hatten extra noch ein Interview gemacht, was ziemlich cool war, und versucht, drei Workshops miteinander aufzunehmen, die wir dann in die Pause reinstreuen konnten, sodass es sich für alle, die uns gerne zuhören und regelmässig begleiten, nicht nach so einer langen Pause anfühlt. Und es hat alles nicht geklappt. Stell dir vor, wir waren so fertig. Dieses Interview hat mich zur Weissglut gebracht, weil ich drei Abende lang versucht habe, das zu schneiden.
Und es ging einfach etwas mit dem Upload nicht, der Ton war nicht richtig, das Bild ist hängen geblieben. Also nach einer halben Stunde hatten wir nur noch schwarze Bilder. Und ich wusste: So wie es jetzt ist, kann ich entweder hardcore versuchen zu basteln und dann habe ich einen schlechten Kompromiss, oder wir müssen demjenigen, der bei uns war, absagen und das Ganze verschieben. Und siehe da, wir haben es gemacht. Es tat mir extrem leid und extrem weh, und es war überhaupt kein Problem. Also vollstes Verständnis kam zurück von unserem Interviewgast, der gesagt hat: Wenn
wir wieder Zeit und Kapazitäten haben, holen wir das einfach nach, und das machen wir auf jeden Fall. Also wenn du das hörst: Es wird kommen. Wir freuen uns jetzt schon drauf.
Vinz: Danke, Enrico.
Paul: Genau. Und das andere war dann mit den Workshops, dass wir uns extra vor Ort getroffen haben, ich bin über Nacht geblieben. Wir haben wirklich vier Workshops versucht vorzubereiten, hatten die ganzen Skripte fertig, haben zwei Stunden gebraucht, um das ganze Setting aufzubauen, sogar noch länger,
sassen dann da, wollten anfangen, und es war einfach so eine Blockade drin. Es hat nicht funktioniert. Es hat sich überhaupt nicht stimmig angefühlt. Es war
Vinz: Ich war richtig beschissen drauf.
Paul: ein einziger Krampf, und das willst du ja nicht als Ergebnis vorweisen. Eigentlich war das schon das Zeichen dafür, dass wir eine Pause brauchen. Und wir haben es
Vinz: Mhm.
Paul: trotzdem gemacht. Wir haben trotzdem diesen Workshop durchgezogen. Ich dachte mir, dann haben wir mindestens eine Sache, die wir veröffentlichen können. Und nachdem wir uns dann wieder getrennt haben und wussten, jetzt gehen die Ferien los,
hatte ich das die ganze Zeit auf dem Tisch, zu wissen, ich muss dieses Ding noch schneiden. Und auch das hat irgendwie nicht funktioniert. Auch da war die Blockade drin. Und als aussenstehende Person denkst du dir vielleicht beim Hören: Jetzt ist doch klar, macht eine Pause, das war zu viel, Jungs, schaltet mal ab, gönnt euch ein bisschen Ruhe. Und was ich so faszinierend finde: Man spürt das selbst in dem Moment nicht wirklich. Ich habe es wahrscheinlich schon gespürt, ich habe versucht, es zu unterdrücken. Ich habe gedacht, das muss aber weitergehen. Und da sehe ich ein Hauptproblem:
Ich war geblendet von allen anderen und meiner persönlichen Annahme, wie es bei allen anderen durchgeht und funktioniert. Und das ist Quatsch. Nur weil alle anderen keine Sommerpause machen oder bei allen anderen der Content weiterläuft, heisst das ja nicht, dass es bei uns genauso sein muss. Und dann hat dieser Prozess eingesetzt, und das war wirklich nicht von heute auf morgen, sondern ein Prozess: diesen Abstand zu gewinnen, zu wissen, ich kann gerade nichts teilen, ich kann nichts posten, der Podcast pausiert,
und das erstmal anzunehmen, sich aber auch daran zu gewöhnen und dann zu spüren, wann bin ich denn wirklich bereit, weiterzumachen. Und das hat jetzt
Vinz: Mmh.
Paul: in Summe vier Wochen gedauert, weil ich eigentlich dachte, den Workshop schon diese Woche oder letzte Woche zu veröffentlichen. Jetzt haben wir das doch ganz gelassen und gesagt, das veröffentlichen wir einfach nicht. Wir machen dann frisch weiter, entspannt, und zwar dann, wenn es für uns beide passt. Und ich glaube, das war ein wichtiger Prozess. Entschuldige fürs lange Ausführen, aber ich glaube, das
ist wichtig, solche Sachen mal auszusprechen und allen diese Motivation und Ermutigung zu geben. Man verrennt sich ziemlich schnell und versucht, irgendwie weiter voranzukommen. Ich habe in einer der letzten Folgen mal das Bild gebracht: Man versucht, mit Kleidern am Körper schnell zu schwimmen und alle, die
Vinz: Mhm.
Paul: Schwimmkleidung anhaben, noch zu überholen oder mitzuhalten. Und das klappt einfach nicht. Oder wie auf einem kaputten Fahrrad weiterzufahren, weil man denkt, man muss diese Etappe irgendwie schaffen,
anstatt anzuhalten und zu hinterfragen: Was läuft gerade schief? Dass mein Fahrrad kaputt ist, dass ich nicht mehr weiterfahren kann, dass die Energie fehlt, dass ich mich hinterfrage: Will ich diese Etappe überhaupt fertig machen? Wo bin ich überhaupt gerade auf der Reise? Und da hilft eine Pause. Und die haben wir uns gegeben, und es war die beste Entscheidung.
Vinz: Auf jeden Fall. Da kann ich eigentlich alles unterstreichen, was gesagt wurde. Ich habe in der Sommerpause an die guten alten Gastronomie-Tage zurückgedacht, mir wieder einmal die Flasche geöffnet, hinten reingeschaut und wieder einmal zehn Tage Vollgas Gastronomie gemacht. Ich war so kaputt. Wirklich. Das hat mich richtig kaputt gemacht. Ich habe danach auch einfach eine Pause gebraucht.
Ich beschäftige mich regelmässig mit solchen Themen, auch in dieser Pause. Aber da merkte ich wieder: Wenn man das alles zu viel wird, am Podcast, am Projekt, an der Experience, wie man das auch nennen will, und man Pause macht, ist auf einmal alles wieder klarer. Man weiss, wo man hin will, was man machen will.
Es tut einfach extrem gut. Anders kann man es nicht sagen. Genau, vielleicht als kleiner Teaser: Wir haben immer gross rausposaunt, wir bringen folgende Wochen raus. Wir haben durch das ganze Gewurstel, die Pause und die Erkenntnis einfach sagen müssen: Wir haben jetzt anderthalb Jahre durchgeballert.
Irgendwann haben wir gemerkt, es leidet ein bisschen die Tiefe der Folgenthemen darunter. Darum haben wir uns dafür entschieden, ab jetzt nur noch eine Folge pro Woche rauszubringen. Die kommt jeweils am Dienstag. Und gleichzeitig machen wir ein Interview im Monat. Wenn alle enttäuscht
Paul: Denn
Vinz: sind, hören wir einfach die alten Folgen immer wieder.
Paul: Ich habe mich mit jemandem getroffen, der uns regelmässig hört. Der hat nur liebevoll gemeint, er kommt überhaupt nicht hinterher bei dem, was er da
Vinz: Haha.
Paul: pro Woche rausbringt. Von daher ist es, glaube ich, schon okay, das so zu machen. Und für alle, die uns hören, selber Marken haben, mit ihrem Unternehmen versuchen voranzukommen, und mit der Idee geliebäugelt haben, einen eigenen Podcast zu starten: Nur zur Transparenz, es ist wirklich sehr viel Arbeit. Und wir haben
parallel so viel versucht, während der regulären Folgen zu optimieren. Das heisst, wie eine Folge aufgebaut ist, wie eine Folge ausgespielt wird, wie wir eine Folge bewerben können in Form von Posts, wie man das Ganze kommuniziert. Wir haben an allen Stellschrauben immer wieder versucht, etwas zu optimieren. Und das hat dann einfach zur Folge, dass man fast jeden Abend damit beschäftigt ist. Und das soll es eigentlich nicht sein. Wir haben uns, wie gesagt, getroffen, das Ganze optimiert, diesen Prozess auch
durchleuchtet, also wirklich Dinge rausgeworfen, die uns unnötig aufgehalten haben, und haben jetzt ein System, das es uns hoffentlich erlauben wird, in Zukunft an einem Abend alles fertig zu machen: aufzunehmen, zu schneiden und schon vorzuplanen. Denn andernfalls ist es einfach ein Vollzeitprojekt, das aber noch nicht bezahlt wird wie ein Vollzeitprojekt. Wir haben einfach richtig viel investiert, und das muss man auch. Man muss durchziehen und dranbleiben, weil ein Podcast einfach ein sehr träges Medium ist und sich erst mit der Zeit
etabliert und wächst, und gleichzeitig etwas ist, das einem nie wieder jemand wegnimmt. Das ist auch schön, aber es braucht unglaublich viel Durchhaltevermögen am Anfang. Und jetzt ist es praktisch dieser Schritt des Erwachsenwerdens, zu sagen: Über 120 Folgen sind schon recht viel, jetzt können wir ein bisschen entspannter und dafür mit mehr Motivation und mehr Tiefe an die Sache rangehen.
Vinz: Genau. Ja, zur Überleitung zu unserem Thema, wir haben es schon angeteasert: Es geht um Zyklen, es geht um die Natur, es geht um Branding, um Marken, wie immer. Das Problem, das wir vorhin angesprochen haben, der Irrglaube: mehr Arbeit gleich mehr Resultate. Das mag für kurze Zeit funktionieren, aber irgendwann brennt man einfach aus. Vor allem, weil Menschen und auch Marken
nicht wie Maschinen funktionieren. Es ist nicht Input gleich Output. Es funktioniert eher wie die Natur, oder? Es gibt Phasen von Wachstum, aber es gibt auch Phasen von Ruhe und Phasen von Erneuerung. Und wer natürliche Zyklen ignoriert, das klingt jetzt vielleicht esoterisch, aber wer das tut, läuft irgendwann im Leerlauf.
Er brennt aus oder verzettelt sich komplett. Nicht, weil man zu wenig kann, sondern weil man sich nicht erlaubt, sich bewusst Pause zu gönnen. Und da ist ein Merksatz, den ich mir notiert habe: Eine starke Marke entsteht nicht durch permanentes Wachstum, wie man vielleicht das Gefühl hat, sondern sie entsteht durch den Mut, rechtzeitig innezuhalten,
ehrlich hinzuschauen und sich bewusst weiterzuentwickeln. Und um diese drei Säulen soll es heute gehen. Wir haben zu jeder Säule bereits ein eigenes Video gemacht in der Vergangenheit, aber ich finde es wichtig, dass wir in dieser Folge, die für den kleinen Neustart steht, den Punkt nochmals bringen, nochmals mit Beispielen und
eigenen Erfahrungen, die wir gemacht haben. Weil das wirklich sehr oft untergeht, vor allem in unserer, wie soll ich sagen, Hustle-Gesellschaft, wo alles immer nur schneller, höher, besser sein muss. Willst du noch etwas dazu sagen, oder soll ich einfach in die erste Säule reingehen?
Paul: Du kannst gleich mit der ersten Säule starten. Ich denke gerade darüber nach, dass wir bei uns, wenn wir ein Projekt starten, diesen Markenfokus ziemlich schnell auf eine sehr persönliche Ebene runterfahren. Und wenn man direkt am Anfang merkt, versucht man ja, eine Person, ein Gegenüber irgendwie einzuordnen. Wie tickt das Gegenüber, also die Person, die hinter der Marke steht: Ist sie
sehr gestresst, ist die Energie geladen, ist sie eigentlich komplett fertig mit den Nerven und versucht da irgendwas zu retten? Die Marke ist, und das würde ich damit auch sagen, eigentlich immer nur so gut, wie du selbst gerade funktionierst und drauf bist. Und das ist ein ganz entscheidender Faktor, den man ganz schnell vergisst. Wenn du komplett fertig bist und keine Energie mehr hast und trotzdem versuchst, weiterzukommen, weil du das Gefühl hast, alle machen das so und ich muss gerade irgendwas retten, kann das kurzfristig noch funktionieren.
Der Körper hat genügend Notreserven, und man kann noch irgendwas durchboxen. Aber man arbeitet eigentlich langfristig gegen den eigenen Körper. Und das klingt auch wieder etwas esoterisch, so dieses klassische »Fühl mal ein bisschen auf dein Bauchgefühl«. Aber das trifft meist zu. Das ist, glaube ich, ein ganz entscheidender Faktor. Wir haben jetzt selber einfach gemerkt: Bei mir war es vor allem der Schlaf. Ich habe extrem viel zu wenig geschlafen in der Zeit, in der ich am meisten Podcast-Spass mit Dingen betrieben habe.
Und das fiel dann irgendwann auf die Füsse. Ich wurde gereizt, konnte mich nicht mehr gut konzentrieren, habe für Aufgaben viel länger gebraucht. Und dann fühlt sich alles automatisch mühsam und zäh an. Und da arbeitet man eigentlich gegen den eigenen Körper, gegen diese Warnsignale, die einem sagen: Pass auf, mach eine Pause, das kommt langfristig nicht gut, was du hier gerade machst. Und man will sich selbst irgendwie beweisen und weitermachen. Das bringt es nicht. Und deswegen, man selbst ist schon die
Basis, genauso wie das Team es sein muss. Man muss darauf achten, dass es dem Team gut geht und dass es Zeit bekommt. Das ist bei ganz vielen der entscheidende Faktor. Man will eine Marke aufbauen, und wir gehen jetzt gleich in deine drei Säulen rein. Aber wenn man sich dafür keine Zeit nimmt oder denkt, das ist in einer Stunde gemacht oder in drei Tagen abgearbeitet, dann gibt man dem Ganzen überhaupt nicht den Raum, den es braucht. Dann kann es auch wieder nicht funktionieren. Dann entsteht wieder dieser Druck, irgendwas fertig bekommen zu müssen.
Vinz: Es ist ja auch ein Rattenschwanz, das habe ich mir immer wieder gesagt. Wenn irgendwo auf einer höheren Ebene Druck ist, dann überträgt sich das natürlich auf die ganze Marke, und dann implodiert sie sozusagen.
Darum ist wichtig, ich sage jetzt mal die erste Säule an: Pause, so wie wir das gemacht haben. Wir haben dazu auch schon eine eigene Folge gemacht.
Wir verlinken sie,
Paul: macht das gerne in der Beschreibung. Da kommt die einzelne Folge nochmal rein, damit ihr nicht suchen müsst.
Vinz: Der grosse Irrglaube dort ist: Stillstand ist gleich Rückschritt. Das mag sein, wenn man es einfach larifari angeht. Aber eigentlich kann es auch genauso gut Vorbereitung sein. Die meisten haben Angst vor Pausen. Man denkt dann immer, ja,
die Konkurrenz holt auf, oder die Kund:innen vergessen uns, oder wir verlieren einfach Zeit, weil Zeit ist Geld. Und vielfach, wenn man es aber bewusst als Werkzeug nutzt, passiert oft das Gegenteil. Man kann wirklich klar reflektieren, was dann die nächste Säule ist. Man kann klar sehen, wo Fehler oder Missstände liegen. Und man kann eben,
wie wir das auch im Sommer erlebt haben, einfach mal durchschnaufen, alles sacken lassen. Das braucht aber Mut. Das braucht auch kleine Dinge, die sich schon so eingebrannt haben in den Alltag, dass es fast schon normal ist. Das heisst, es sind kleine Sachen wie: Mach einfach mal einen handyfreien Tag. Oder generell Abstand zum Tagesgeschäft nehmen. Einfach mal sagen: Ich bin eine Woche weg,
lasse einfach mal Stellvertretung alles abwickeln, oder was auch immer. Oder eben nicht jede freie Minute mit neuen Ideen füllen, sondern dem Kopf einfach mal erlauben, an nichts zu denken. Und sich auch nicht immer beschallen lassen von irgendwelchen Podcasts, Musik oder Fachartikeln, die man gerne liest. Einfach mal nichts. Weil,
ich habe es hier so beschrieben: Ohne Pause schaffst du irgendwann nur noch im Unternehmen. Aber mit Pause kannst du wieder am Unternehmen arbeiten, weil du dir wieder erlaubst, den Weitblick einzunehmen.
Paul: Ja, das Wort lag mir die ganze Zeit auf der Zunge, und zwar Abstand. Du gewinnst einen gesunden
Vinz: Genau.
Paul: Abstand zu dem, was du machst, und kannst das Ganze viel besser reflektieren und hinterfragen, was du überhaupt gemacht hast. Sonst bleibt der Faktor offen. Wir hatten dazu auch eine Folge zum Thema Reflektieren.
Und eigentlich ist das das Wichtige, sich mal
Vinz: Genau.
Paul: zurückzunehmen und zu hinterfragen: Was habe ich denn eigentlich zuletzt gemacht?
Das ist immer leicht gesagt, im Alltag aber extrem schwer unterzubringen, weil der Kopf voll ist, weil man ständig neue Ideen reinbekommt, wie du es beschrieben hast. Ich habe es für meinen Teil am meisten bemerkt: Dass ich monatelang überhaupt nichts mehr mit KI zu tun hatte. Ich habe überhaupt nicht mehr mit Claude gearbeitet. Davor war es der Fall, dass ich wirklich jeden, ich hab's vorhin schon gesagt, jeden kleinen Gedanken sofort hinterfragen und einordnen liess. Bei mir ist es immer dieses Klassische: Ich bin tagsüber mit den Kindern unterwegs, habe irgendeine Idee,
zum Beispiel weiss ich, ich muss jetzt was auf LinkedIn optimieren, meine Profilbeschreibung. Und ich habe die Idee und gebe sie sofort meiner trainierten KI ein und lasse
Vinz: Mh.
Paul: mir Feedback geben und Möglichkeiten aufzeigen. Und gebe an der Stelle praktisch das Denken ab, weil ich im Tagesgeschäft so drin bin, mit dem Gedanken an 25 Stellschrauben parallel. Und das tut nicht gut. Da versuchst du nur noch, Stress oder
diese ganzen Aufgaben zu verwalten, anstatt einzelne Punkte zu gestalten. Ich glaube, dieses Verwalten
statt Gestalten ist der springende Punkt.
Vinz: Da ist aber auch noch wichtig zu sagen, warum der erste Punkt Pause ist und nicht Reflexion. Weil Reflexion, wenn man sie im Hustle-Grind-Modus macht, dann kommt man schnell in so eine Spirale, wie du es jetzt gesagt hast. Man fängt an, mit KI jede noch so einfache Frage, bei der man eigentlich die Antwort selbst weiss, nochmal gegenzuchecken,
die dann teilweise auch wieder irgendwelche willkürlichen, unterschiedlichen Antworten ausspuckt, oder wo man dann auch dem wildesten Blödsinn, der einem in den Sinn kommt, blind zustimmt, je nachdem, was gerade für ein Tag und für eine Uhrzeit ist. Eben, einfach mal abschalten, und danach hat man wieder selber die Klarheit und kann dann die – Trommelwirbel – Säule 2 reflektieren, und zwar richtig reflektieren, oder?
Weil ohne Reflexion wiederholst du immer wieder stupide dieselben Fehler, nur noch schneller. Du bist dann einfach in dieser Spirale, und es geht einfach immer geradeaus weiter, weil danach
kommt ja die wichtigste Frage. Bei den meisten ist es dann schnellfertig: Was machen wir jetzt als Nächstes?
Dabei sollte es eigentlich erst darum gehen, ob wir überhaupt so weitermachen sollten. Die Fragen müssen wir uns auch stellen: Was macht denn jetzt Sinn? Wo liegt der Schwerpunkt? Was macht uns selber Freude? Was hat uns aber auch fertiggemacht? Die meisten hinterfragen alles, ausser sich selbst. Wenn man dann einfach mal fragt: Was hat denn wirklich funktioniert? Was ist angekommen?
Wo sind wir von unserer ursprünglichen Haltung, unserem Konzept vielleicht sogar komplett abgekommen? Und was hat uns einfach Energie gezehrt, anstatt sie zu geben? Das war bei uns auch ein wesentlicher Punkt, wo wir irgendwann gemerkt haben: Wir versuchen so sehr,
alle Dinge unter einen Hut zu bringen, dass es uns einfach nur noch auslaugt. Dann hat man keinen Bock mehr, ist gestresst. Wir hatten es, wie du schon gesagt hast, am Anfang auch bei den Aufnahmen von den Workshops. Schon allein bis wir das Setting aufgestellt hatten, war es eine Katastrophe. Es war wirklich eine Katastrophe. Und
Paul: der halbe Tag rum.
Vinz: Schlussendlich haben wir einen aufgenommen, und wir hatten beide dort einfach so ein schlechtes Gefühl. Normalerweise, wenn wir eine Folge aufnehmen, schauen wir uns an und sagen: Boah, geile Folge,
das hat richtig Spass gemacht. Dort war es einfach ein bisschen verhalten, kacke und einfach komisch. Also wirklich einfach
Paul: Ja, es war einfach davor auch zu viel los. Das kam ja mit dazu.
Vinz: Es sind... Wenn man Pause gemacht hat und Klarheit hat, kann man dann einfach die richtigen unbequemen Fragen stellen und dann aber auch wirklich Mut zur Ehrlichkeit haben.
Paul: Und da kann ich noch aus Erfahrung hinzufügen: Bei mir hat es wirklich eine Weile gedauert, bis diese Pause Wirkung entfaltet hat und bis ich bereit war zu reflektieren. Erstmal dieses Runterfahren, das merkt man erst, wenn man die ganze Zeit auf Hochtouren läuft, über ein halbes Jahr, über ein ganzes Jahr, über anderthalb Jahre. Wenn man sich wirklich nie eine grosse Pause eingestanden hat, seit dem letzten Sommer, merkt man erst, wie lange es braucht, davon runterzukommen, auch
Vinz: Mh.
Paul: nicht mehr LinkedIn zu checken, nicht mehr zu gucken, wie viele Aufrufe der Podcast heute noch bekommen hat, bis es irgendwann bei mir
Vinz: Mhm.
Paul: wirklich nach zwei Wochen egal war. Das hat mich nicht mehr interessiert. Ich habe vergessen, nachzuschauen, und wusste dann, jetzt geht es bald wieder weiter, es ist bald August. Da habe ich mir intern das Ziel gesetzt: Jetzt darf es wieder losgehen. Aber ich habe auch gespürt, ich bin noch gar nicht bereit dazu. Und ich habe wirklich tageweise abgewartet, bis ich bereit war zu reflektieren.
Und jetzt, wo ich
Vinz: Mmh.
Paul: merke, es kann wieder losgehen, geht es aber nicht mit 120 Prozent los, sondern gestaffelt. Ich habe erstmal letzte Woche meinen ersten LinkedIn-Beitrag rausgebracht und geschaut, wie die Resonanz ist, ob es mir Spass macht. Und gleichzeitig auch dieses Gefühl gehabt, jetzt kann man sich wieder neu, nicht neu erfinden, weil es ja nicht von Grund auf neu ist, sondern man hat wieder seine eigene
Vinz: Mhm.
Paul: Markensubstanz wiedergefunden
und kann jetzt schauen, wie man sie am besten nach draussen bringt und was einem dabei am meisten Spass macht, welche Möglichkeiten man dazu nutzen will. Bei mir war es wirklich weg von diesem Getriebensein. Ich habe mich so getrieben gefühlt von dem, was alle anderen machen, dieses »Es müssen mindestens fünf Beiträge pro Woche sein«, auch wenn ich den fünften nur mit Mühe aus der Nase gezogen habe und schon beim Schreiben das Gefühl hatte, ich weiss nicht, aber jetzt einfach raus damit, damit ich auf die fünf komme. So soll es ja eigentlich nie werden, sondern hin zu:
Wofür stehe ich eigentlich? Wofür will ich stehen? Und das macht keinen Unterschied, ob ich eine Personenmarke bin oder ein Unternehmen. Wenn du eine Marke hast, willst du für irgendetwas stehen, und das verlierst du aus dem Blick, wenn du dich viel zu sehr nach links und rechts orientierst. Und deswegen braucht es diese Pause. Es braucht diese Ruhe, um runterzukommen. Und dann braucht es den Mut, ehrlich zu reflektieren und sich diese Frage zu stellen: Wofür will ich verdammt nochmal stehen? Was
Vinz: Genau.
Paul: liegt mir denn selbst an der Marke am Herzen?
Vinz: Dann kommt man direkt zur Säule 3, Weiterentwicklung. Weiterentwicklung heisst nicht, alles neu zu machen. Viele denken, Weiterentwicklung bedeutet ein neues Logo, eine neue Webseite, neue Angebote, neue Trends, was auch immer. Aber Weiterentwicklung bedeutet etwas viel Einfacheres, nämlich: das Gute behalten und weiterentwickeln,
und das Überflüssige, das Schlechte, mit Mut streichen und loslassen. Das Wesentliche schärfen. Das, was funktioniert, verbessern, und den ganzen anderen Ballast einfach weglassen. That's the magic. Das kann heissen, wenn man mühsame Kund:innen hat, sich einfach zu fragen: Mit wem arbeite ich, und mit wem ist es nicht mühsam? Und dann auch den Mut haben, zu sagen: Okay,
dann sprechen wir aber auch genau diese angenehmen Kund:innen an. Es braucht dann aber auch den Mut, zum anderen einfach Nein zu sagen. Oder wenn man viele verschiedene Angebote hat und zwei davon nicht laufen, beziehungsweise vielleicht laufen sie, aber sie rauben mehr Energie, als sie geben. Man verdient vielleicht auch ein bisschen Geld damit, aber man ist danach ausgebrannt, hat keinen Bock mehr, kommt wieder in so einen Strudel.
Dann macht es vielleicht Sinn, das einfach nicht mehr anzubieten, oder es vielleicht auch abzugeben, auszulagern. Das sind Sachen, die sich im Alltag zeigen, wo man dann durch die Klarheit der Ruhe am Anfang und die Klarheit der Reflexion auch klar benennen kann: Jetzt braucht es, wie wir sagen, das Ganze anzupacken, umzusetzen, weiterzuentwickeln. Und das ist etwas, wo ich schon länger ein Fan bin
vom radikalen Streichen. Wirklich, lieber weniger, dafür besser, und zwar on point. Reduktion. Dazu haben wir auch schon ein eigenes Video gemacht.
Paul: Ja, ja.
Ich will nochmal betonen, was das Wort weiterentwickeln angeht, das
hast du mir mal vor Ewigkeiten so klar gemacht: Entwickeln ist wie ein Tau, das du entwickelst, das du auspackst. Du kommst Schicht für Schicht wieder zurück
Vinz: Ja.
Paul: zum eigenen Kern. Man kann sich auch vorstellen, dass man im Alltag immer wieder neue Schichten auferlegt bekommt, immer wieder neue Sachen, die einem wichtig erscheinen, die man mitnehmen möchte. Und wenn man sich dann die Ruhe gönnt und zwischendurch mal anhält,
kann man sich wieder entwickeln. Das heisst, auspacken und zum Kern, zur Substanz zurückkommen. Und dieses Hinterfragen, wofür will ich stehen, ist wirklich das Entscheidende. Und dann die Möglichkeit nutzen, das zu verbessern. Es ist ja immer eine Weiterentwicklung, immer die Verbesserung des Status quo, vom Punkt, an dem man gerade steht. Und auch da, ein letztes Mal: Wofür willst du stehen, ist der springende Punkt. Zu überlegen, was ich dafür tun kann, damit es besser wird,
damit es mir mehr Spass macht. Bei LinkedIn war es bei mir genau das Gleiche. Es hat zwischendurch keinen Spass mehr gemacht. Ich war auch froh über die Pause, weil ich auch nicht mehr gerne auf der Plattform gewesen bin. Jetzt komme ich gerne zurück und merke aber auch, wofür will ich da stehen? Wie viel LinkedIn gebe ich mir noch, wie viel aber auch nicht mehr? Wo setze ich mir bewusst eine Grenze, zu sagen, an den Abenden passiert einfach nichts, da werden auch keine Nachrichten beantwortet? Da bin ich super schlecht, also an alle, die noch auf Antworten warten: Ich versuche es,
ich gelobe Besserung, aber ich schaffe es nicht immer. Aber auch da ehrlich zu reflektieren. Angenommen, du hast ein Unternehmen, bist super aktiv auf Instagram, und es fühlt sich verdammt nochmal zäh an, du kommst nicht voran, du gibst so viel, und es passiert einfach nichts: Pause machen, reflektieren und dann überlegen, was will ich da draussen überhaupt bewirken, und welche Methoden machen mir auch Spass? Weil das braucht es einfach. Und wenn es dir selbst keinen Spass macht, musst du wenigstens Leute finden und bezahlen können,
denen es Spass macht und die dich bestmöglich unterstützen können. Dann kommt wieder der Zauber
Vinz: Yes.
Paul: dazu. Aber ansonsten einfach weglassen, wie du meintest: radikal streichen und hinterfragen. Wenn ich weiss, wofür ich stehe, kann ich das auch nach aussen kommunizieren. Und da braucht es nicht viele
Vinz: Ja.
Paul: Worte. Und es braucht vor allem keine KI. KI ist ein super Tool, um Dinge einzuordnen, zu sortieren, oder neue Ideen und Ansätze zu finden. Aber an diesem Punkt schadet das.
An diesem Punkt bekommst du, wenn du faul bist und sagst, du kennst mich doch, liebes Claude, sag mir mal, wofür ich stehe, eine Antwort oder eine Gegenfrage. Und dann bist du aber schon wieder in einem Strudel drin, der dich nicht voranbringt. Stattdessen solltest du dich zurücknehmen und dir das selbst beantworten und überlegen: Wenn ich diese ganze Technik nicht hätte, was würde ich an einem langen Tag machen, worauf komme ich wirklich an? Und
wo möchte ich auch Verantwortung tragen und übernehmen, all diese Punkte. Dann kommen wirklich viele Fragen und wieder Antworten hoch. Und dann kann man sich um die Essenz kümmern.
Vinz: Vielleicht nochmal zusammengefasst: Der natürliche Zyklus einer gesunden, starken Marke ist Nummer eins, Pause, damit wieder Raum entstehen kann. Punkt zwei wäre Reflexion, damit Klarheit entstehen kann. Und Punkt drei wäre Weiterentwicklung, damit aus Erkenntnis echte Veränderung wird.
Und dann kann man wieder mit vollem Elan, mit Motivation, mit Klarheit ins nächste Kapitel gehen, bis man wieder an einen Punkt kommt, an dem man wieder eine Pause braucht. Denn das wird es immer geben. Das wird bei uns vermutlich, sagen wir mal, zur Weihnachtszeit auch wieder so weit sein, wo wir, obwohl wir jetzt sagen, wir machen nur noch eine Folge pro Woche,
uns das einfach gönnen werden, weil wir es brauchen. Weil es einfach guttut, weil es die Batterien wieder auflädt. Und dann kann man wieder in den nächsten Arc hineingehen, wie man heutzutage sagt, und wieder Vollgas geben. Genau.
Paul: Ja,
wie wir zum Glück nicht sagen, aber das ist ein anderes Thema. Ich habe gerade noch dieses Bild im Kopf.
Vinz: Ja.
Paul: Wir haben die letzten Tage bei uns zwei Dinge gemacht, zu Hause im Alltag, mit den Kindern. Wir haben einerseits unser Ordnungssystem nochmal optimiert, wirklich geschaut, wie wir diesen Alltag, der bei uns abläuft mit Kindern, die in Schule, Kindergarten, Spielgruppe gehen, mit unseren Arbeitszeiten, bestmöglich strukturieren können und welche Abläufe uns dabei helfen.
Vinz: Mhm.
Paul: Diese Erkenntnis, welche Abläufe es braucht, ist gewachsen aus der Tatsache, dass wir das alles durchlaufen haben, ein ganzes letztes
Vinz: Mhm.
Paul: Schuljahr. Und jetzt wissen wir, wie wir es in Zukunft besser machen wollen. Deswegen haben wir neue Systeme für uns erstellt, neue Punkte, an denen wir uns orientieren können. Und das ist für uns jetzt die Basis, um damit weiterzumachen. Man könnte fast eine eigene Folge daraus machen, wie man sich ein Markensystem aufbaut, das für einen arbeitet und mit dem man langfristig gut vorankommt.
Das ist ein ganz eigenes, sehr spannendes Thema, finde ich. Der andere Punkt, das andere Bild, ist, dass wir zeitgleich sehr viel im Garten gemacht haben. Und daran musste ich die ganze Folge über denken, weil wir bei uns ganz viel wachsen liessen. Jetzt, mitten im Sommer, sind wir an einem Punkt, wo wir sehr viel roden und Dinge zurückschneiden, weil wir jetzt erst sehen, wie das Ganze gewachsen ist und wie manche Dinge auch komisch gewachsen sind, an Stellen, wo wir es gar nicht haben wollten. Und da ist es wirklich, wie du zuletzt meintest:
Luft machen, Luft reinbringen, Dinge wieder wegnehmen, kürzen, zurückschneiden, würde man im Garten sagen, damit Dinge neu austreiben und wachsen können. Das ist ein schöner Punkt, der automatisch passiert, wenn man den Schritt davor macht. Wenn du einen Strauch, der voller Kraft und Energie ist, zurückschneidest, treibt er mit noch mehr Energie aus. Und das kann man sich zunutze machen. Dann kannst du ihn so schneiden, dass er genau in die Richtung austreibt, wie du es haben möchtest. Und wenn du ihm drumherum Luft gibst
zum Atmen, dann umso mehr. Und genau das haben wir im Garten, im Haushalt gemacht, und das passiert jetzt beruflich mit dem Podcast: genau dieses Luftschaffen, wieder einen Raum schaffen, um überhaupt weitermachen zu können. Und das tut verdammt nochmal gut.
Vinz: Ich gleite direkt in meinen Abschlusssatz, wir können ja nachher noch rumplaudern. Aber das
Paul: Ja.
Vinz: passt jetzt gerade als Überleitung. Und zwar: Die Natur kennt keinen ewigen Sommer. Sie weiss, dass jede Blüte irgendwann eine Pause braucht, damit im nächsten Frühling wieder Neues entstehen kann. Und vielleicht sollten wir als Unternehmer und Unternehmerinnen aufhören, stärker sein zu wollen als die Natur,
und anfangen, von ihr zu lernen. Denn wer sich den Mut nimmt, innezuhalten und bewusst Pausen zu machen, kommt oft mit etwas zurück, das im Alltag viel seltener entsteht, nämlich Klarheit.
Paul: Yes. Und wer das noch nicht mitbekommen hat: Bei uns dreht sich ja wirklich fast alles um Klarheit. Das kommt, glaube ich, in fast jeder Folge
Vinz: Kanal.
Paul: vor, das steht auf unseren Websites. Vinz macht seine gerade neu. Wir sind wieder zurück, wir stehen im Saft, wir haben neue Klarheit und dadurch auch neue Motivation. Und wenn ihr uns gerne hört, dann hinterlasst gerne ein paar Sterne und ein Follow auf YouTube und die Sterne auf Spotify oder Apple Podcasts, je nachdem, wo ihr hört. Das hilft uns, und
empfehlt uns weiter, sagt wirklich, das ist ein cooler Podcast, ich bin froh, dass sie zurück sind, hör auch mal rein, vielleicht gefällt es dir auch. Wenn ihr irgendwelche Themenwünsche habt, schreibt uns das gerne, seid da ganz ungeniert und schreibt uns eine Mail, schreibt mir auf LinkedIn, wie es euch passt. Meldet euch. Und wenn ihr selber mal zu Gast kommen oder vorbeikommen möchtet, auch das: Kommt mit uns ins Gespräch. Dann bin ich sehr gespannt, was das nächste halbe Jahr
wird und wie sich das Ganze weiterentwickeln wird. Aber ich freue mich verdammt nochmal drauf. Das ist wirklich die beste Entscheidung gewesen, länger Pause zu machen als wir vorhatten, und dafür jetzt aber auch frischer zurückzukommen, als wir es jemals waren, Vinz. Das ist doch schön. Frisch, klar und voller Klarheit.
Vinz: Genau.
Yes. Ja, da will ich auch nichts mehr hinzufügen, das verwässert es nur. Danke vielmals. Ich freue mich auf diese Zeit. Ich wünsche allen, die zuschauen und zuhören, viel Mut, einfach mal Pause zu machen, zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Bis zum nächsten Mal, hau rein.
Paul: Danke, Vinz, und bis nächste Woche.
Vinz: Ciao.






































































































