Corporate Influencing ohne Bullshit: Was KMUs von der GLS Bank lernen können (mit Rouven Kasten)
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Aktualisiert: vor 5 Tagen
Wenn Mitarbeitende zur stärksten Stimme einer Marke werden
Rouven Kasten verantwortet das Corporate Influencer Programm der GLS Bank – einer Genossenschaftsbank mit rund 1.000 Mitarbeitenden, einer klaren Haltung und einer Marke, die seit 52 Jahren ohne grosse Werbebudgets auskommt. In Folge 103 von MACH MAL MARKE war er zu Gast und hat erzählt, wie das Programm entstanden ist, was es trägt – und was KMUs daraus direkt mitnehmen können.
Die Company-Page reicht nicht mehr
Wer heute auf LinkedIn eine Unternehmensseite betreibt, weiss: Die Reichweite ist überschaubar. Das Engagement auch. Und das hat einen einfachen Grund – Menschen folgen Menschen, nicht Logos.
Das ist kein neues Phänomen. Wir kennen es aus dem Alltag. An der Ladentheke, beim Sport, auf Partys: Wenn jemand erzählt, wo er arbeitet und was ihn daran bewegt, entsteht Interesse. Vertrauen. Eine Verbindung. Auf LinkedIn passiert dasselbe – nur skalierbar.
Die GLS Bank hat das früh verstanden. Nicht als Marketingtrick, sondern als konsequente Verlängerung ihrer eigenen Haltung: Transparenz, Offenheit, echte Substanz. Und genau deshalb funktioniert ihr Markenbotschafter-Programm.
Warum «Markenbotschafterinnen» und nicht «Corporate Influencer»
Schon die Begriffswahl ist eine Entscheidung. Rouven Kasten erklärt, warum bei der GLS Bank bewusst von »Markenbotschafterinnen« gesprochen wird und nicht von »Corporate Influencern«: Das Wort »Influencing« ist in vielen Köpfen immer noch mit Weichspüler-Posts am Strand verbunden. Das passt nicht zur Kultur der Bank – und es passt nicht zum Selbstbild der Menschen, die mitmachen sollen.
Das ist kein kosmetischer Unterschied. Ein Name transportiert eine Erwartung. Und die Erwartung an eine Markenbotschafterin ist eine andere als die an einen Influencer: Sie steht für etwas, weil sie es wirklich meint – nicht weil sie dafür bezahlt wird.
Was das Programm trägt – und was nicht
Das Markenbotschafter-Programm der GLS Bank steht auf drei Säulen: Brand Awareness, Employer Branding und Vertrieb. Das klingt nach Marketingplan. Ist es aber nicht. Es ist eher ein Rahmen, der erklärt, warum es sich lohnt – ohne den einzelnen Mitarbeitenden vorzuschreiben, was sie sagen sollen. Und das ist der entscheidende Punkt:
Es gibt keine Vorgaben. Keine Pflicht-Hashtags, keine vorbereiteten Texte, keine Postingpläne von oben. Wer als Markenbotschafterin mitmacht, schreibt über das, was ihn oder sie wirklich beschäftigt. Aus dem eigenen Alltag. In der eigenen Sprache.
Das funktioniert – aber nur, weil die Marke dahinter trägt. Weil alle, die bei der GLS Bank arbeiten, wissen, wofür sie stehen. Weil die Substanz da ist, bevor jemand anfängt zu schreiben.
Ohne diese Basis ist ein Corporate-Influencer-Programm eine Hülle. Mit ihr ist es eine der effizientesten Formen von Markenkommunikation, die es gibt.
Der Marathon-Faktor
Die grösste Herausforderung im Programm ist nicht die Technik. Nicht LinkedIn-Algorithmen. Nicht das Budget. Es ist, dass die Leute dranbleiben.
Rouven Kasten teilt die Mitarbeitenden im Programm in drei Typen: die Feuer-und-Flamme-Leute, die sofort loslegen. Die Beobachtenden, die langsam reinfinden. Und die U-Boote – die nach dem Workshop einfach abtauchen.
Mit den U-Booten muss man irgendwann ein ehrliches Gespräch führen. Manchmal fehlt Unterstützung. Manchmal fehlt Zeit. Manchmal ist das Interesse einfach nicht mehr da – und dann ist es besser, das klar zu sagen und loszulassen, als die Person offiziell im Programm zu führen, ohne dass etwas passiert.
Was die anderen hält, ist nicht Druck. Es ist Gemeinschaft. Ein Gruppenchat, in dem Beiträge geteilt werden. Tipps zu neuen LinkedIn-Features. Wissen über Reichweiten und Algorithmen. Und das Gefühl, nicht allein zu sein mit diesem etwas seltsamen Ding namens »öffentlich über die eigene Arbeit schreiben«.
Kontrolle loslassen – und trotzdem Rahmen geben
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem Gespräch mit Rouven Kasten ist diese: Wer ein solches Programm aufbaut, muss bereit sein, Kontrolle abzugeben. Das ist für viele Unternehmen, besonders für inhabergeführte KMUs, die eigentliche Hürde. Nicht das Budget. Nicht die Technik. Nicht der Algorithmus. Sondern die Frage: Was passiert, wenn meine Mitarbeitenden anfangen, öffentlich über uns zu reden – und ich kann es nicht mehr kontrollieren?
Die Antwort der GLS Bank lautet: Dann vertraue ich der Substanz. Und wenn die Substanz stimmt, wenn Produkt, Haltung und Unternehmenskultur wirklich zusammenpassen, dann wird das, was nach aussen geht, das widerspiegeln.
Das heisst nicht, ohne jeden Rahmen zu arbeiten. Social-Media-Guidelines gibt es. Klare Regeln für sensible Themen – Bankgeheimnis, Compliance – ebenfalls. Aber innerhalb dieses Rahmens: Freiheit. Und das ist kein Risiko. Das ist der Grund, warum es authentisch wirkt.
Was KMUs anders können als Grossunternehmen
Grossunternehmen beneiden KMUs um etwas, das KMUs oft gar nicht als Vorteil wahrnehmen: Nahbarkeit.
Adidas möchte gerne das kleine Unternehmen sein, das den Sportplatz nebenan mitfinanziert und neue Kundschaft gewinnt, weil alle im Ort wissen, wer dahintersteht. Das ist für einen Konzern strukturell kaum erreichbar. Für ein KMU ist es der Normalzustand.
Wenn ein Mitarbeitender eines 30-Personen-Unternehmens auf LinkedIn über seinen Alltag schreibt, ist das von Anfang an greifbar. Menschlich. Keine PR-Abteilung, die dazwischengeschaltet ist. Keine Abstimmungsschleifen. Nur jemand, der zeigt, was er tut und warum es ihn bewegt. Das ist kein Nachteil gegenüber der Telekom. Das ist ein struktureller Vorteil – wenn man ihn nutzt.
Was es braucht, damit es funktioniert
Drei Voraussetzungen sind aus dem Gespräch mit Rouven Kasten klar geworden:
Erstens: Jemand muss es wollen – und das oben in der Führung. Bei der GLS Bank war es ein Vorstandsmitglied, das bereits selbst aktiv war. Das hat die Hürde bis nach oben auf null gesetzt. Ohne diese Rückendeckung bleibt ein solches Programm immer ein Randprojekt.
Zweitens: Transparenz nach innen. Wenn plötzlich ein paar Kolleginnen anfangen, auf LinkedIn zu posten, und niemand weiss warum, entsteht Misstrauen. Die Neid-Diskussion – »was daddelt die Müller wieder auf LinkedIn?« – lässt sich auflösen, indem man das Programm frühzeitig erklärt, offenlegt, wer mitmacht und warum, und auch klar kommuniziert: Wer Lust hat, kann dazukommen.
Drittens: Eine Ansprechperson, die wirklich da ist. Nicht nur für den Workshop am Anfang, sondern dauerhaft. Jemand, der Beiträge kommentiert, Tipps gibt, bei Fragen antwortet, Leute motiviert, wenn sie zweifeln. Corporate Influencing ist kein Sprint. Wer das Programm aufbaut und dann sich selbst überlässt, verliert die Leute.
Takeaways zum Corporate Influencing für KMU
Corporate Influencing funktioniert nur, wenn die Marke dahinter trägt. Es ist kein Substitut für fehlende Substanz, es ist eine Verlängerung vorhandener Substanz.
Freiheit statt Vorgaben ist kein Risiko, sondern der Grund, warum es authentisch wirkt. Wer Mitarbeitenden vorschreibt, was sie posten sollen, bekommt das Gegenteil von echtem Vertrauen.
Der Marathon-Faktor wird unterschätzt. Schnelle Ergebnisse sind selten. Wer nicht mindestens ein Jahr durchhält, lernt nicht, was das Programm wirklich leisten kann.
KMUs haben einen strukturellen Vorteil, den sie oft nicht sehen: Nahbarkeit. Das ist genau das, was Grossunternehmen sich kaufen wollen – und nicht kaufen können.
Transparenz nach innen ist Pflicht. Ein Programm, das intern nicht erklärt wird, erzeugt Misstrauen und Neid. Offenheit löst das.
Jetzt reinhören
Rouven Kasten hat in dieser Folge nicht nur erklärt, wie das Programm der GLS Bank aufgebaut ist – er hat auch gezeigt, was die entscheidenden Unterschiede zwischen einem Programm, das läuft, und einem, das nach drei Monaten einschläft. Wer ein KMU führt und sich fragt, ob Corporate Influencing etwas für sein Team sein könnte, bekommt in dieser Folge sehr konkrete Antworten.
Das Transkript zu E103
Paul: Wir hatten seit Jahresanfang ganz viel zu dem Thema Content im weitesten Sinne. Wir hatten Leute, die zum Thema LinkedIn gesprochen haben, zum Thema Personal Branding. Wir hatten Leute aus der Creator Economy und alles ging mehr oder weniger darum, wie kann man als Unternehmen da draussen im sozialen Web aktiv sein und ankommen. Und ein Aspekt spielt dabei, gerade wenn es um Unternehmen geht, immer eine entscheidende Rolle, nämlich Corporate Influencing. Da wir dachten, das ist ein relevantes Thema, wollen wir das aber nicht alleine besprechen, bin ich mehr als glücklich, dass wir heute einen Gast begrüssen dürfen, nämlich Rouven Kasten. Er betreut nämlich das Corporate Influencer Programm bei der GLS Bank. Er kann gleich selber noch ein bisschen berichten, was dahinter steht und was es mit diesem Corporate Influencing auf sich hat. Vorneweg: Wir haben wie für jedes Interview eine kleine These vorbereitet, und da kommst du ins Spiel, Vinz.
Vinz: Hallo auch von mir, hallo Rouven und hallo an alle, die zuhören. Unsere These für das heutige Interview lautet: Corporate Influencing ist kein Programm, es ist eher eine Haltung. Du traust deinen Mitarbeitenden aktiv sichtbar zu sein und gibst ihnen dafür Zeit und auch die Möglichkeit, sich zu zeigen und das Unternehmen vorzustellen. Einfach die echten Seiten von so einem Konzern oder einer Firma zu zeigen. Und grosse Unternehmen haben das teilweise schon recht gut verstanden. Aber was könnten KMUs davon lernen, wenn sie es richtig angehen? Und die heutige Kernfrage, die wir stellen wollen, ist: Was haben Corporate Influencer Programme wirklich zu bieten, wovon KMUs profitieren können? Das ist jetzt vielleicht ein tiefer Einstieg ins Thema. Deshalb als leichten Einstieg einfach mal eine Frage an dich, Rouven: Was heisst Corporate Influencing für dich in deinen Worten konkret? Einfach gesagt, damit das jeder versteht.
Rouven: Also unser Ansatz ist ganz klassisch, das wissen wir von allen Social-Media-Kanälen, die es gibt: Menschen wollen mittlerweile gar nicht mehr mit Unternehmen sprechen. Man könnte schon fast ketzerisch sagen, die Company-Page ist tot. Und wer spricht denn besser fürs Unternehmen als die Mitarbeitenden? Das kennen wir alle aus dem analogen Raum, an der Ladentheke, beim Tischtennisverein, beim Sport, im Fitnessstudio. Man unterhält sich, man tauscht sich aus auf Partys. »Was machst du denn eigentlich?« »Ja, ich arbeite in einer Bank.« »Was für eine Bank?« »Eine Ökobank.« »Ökobank? Noch nie gehört, erzähl doch mal.« Und schon ist man eigentlich in diesem Modus, den man eins zu eins auch in die digitale Welt übertragen kann. Da eignet sich im Moment natürlich LinkedIn am besten, über die Content-Marketing-Möglichkeiten für Mitarbeitende, eben über ihre Arbeitswelt zu sprechen. Und da haben wir verschiedene Bausteine, auf die wir aufbauen, um eben Brand Awareness herzustellen, die GLS Bank beispielsweise als zukünftige Arbeitgeberin zu positionieren, oder ganz klar zu sagen: Wir haben vielleicht auch das eine oder andere passende Angebot für dich.
Paul: Und das als offene Einladung nach innen, wahrscheinlich für alle Leute, die in der Bank selbst arbeiten, oder?
Rouven: Ja, also wir haben am Anfang natürlich geschaut, wer ist denn schon auf LinkedIn aktiv und wer hat da ein Händchen für. Haben dann aber, vielleicht auch im Gegensatz zu anderen Programmen, von denen ich das mitbekomme, wirklich die Tür für alle Interessierten aufgemacht und gesagt: Wer Bock darauf hat, wer sich wirklich mit dem Unternehmen identifizieren kann – das ist ja immer diese intrinsische Motivation, von der wir alle sprechen –, das sind auch aus meiner Sicht tatsächlich die geeignetsten Markenbotschafterinnen, die wirklich Bock haben, über ihre Arbeit zu schreiben und Einblicke in ihr alltägliches Wirken zu gewähren. Und das macht natürlich dann sehr viel Spass. Und immer wieder, wenn wir neue Mitarbeitende begrüssen dürfen – wir haben zum Beispiel morgen wieder einen Tag, jetzt haben wir gerade Anfang April, an dem neue Mitarbeitende zu uns kommen –, die kommen erstmal in eine sogenannte Lernwerkstatt oder auch die sogenannten Starter-Tage und bekommen erzählt, was alles überhaupt in der Bank passiert. Und da habe ich auch einen kleinen Social-Media-Teil und kann dann direkt schon sagen: Wer Bock darauf hat oder wer das vielleicht im Unternehmen vorher schon gemacht hat, ist herzlich eingeladen, bei uns Markenbotschafterin zu werden.
Paul: Das klingt so fertig, aber es ist wahrscheinlich auch dem geschuldet, dass es ja schon läuft und zwar erfolgreich läuft. Also ihr betreibt das ja weiter. Wie kam es denn damals dazu, diesen Schritt zu gehen? Weil für uns, die sich ja den ganzen Tag mit Marken und Branding beschäftigen, denken wir direkt im Hintergrund – können wir nachher noch mal reingehen in das Thema –: Du brauchst eine starke Marke, um überhaupt zu wissen, was du da draussen erzählen willst. Und trotzdem ist es ja noch mal ein Riesenschritt. Das haben wir jetzt auch in all den Interviews mitbekommen: Dieses »Wir wissen, wer wir sind« und »Wir tragen das jetzt aktiv nach draussen« und »Wir trauen uns irgendwie in dieses Social Media rein und probieren das mal aus«. Wie war denn der Weg dahin? War das sofort klar? Kamst du damit um die Ecke mit der Idee? Wie kam es? War die Telekom das grosse Beispiel für viele, mit Corporate Influencing zu beginnen?
Rouven: Es lag mir gerade auf der Zunge. Wir kennen das alle von der Telekom. Die machen das, glaube ich, schon gefühlt seit zehn Jahren. Bei mir persönlich war es tatsächlich so: Ich war mal selbstständig und habe quasi als selbstständige Person mich auch schon damals auf Twitter gelernt, mich selbst zu vermarkten, indem ich auch schon Einblicke in meine Arbeitswelt als Selbstständiger gegeben habe. Und dann bin ich zur GLS Bank gekommen und habe das Thema tatsächlich erst mal so ein bisschen stiefmütterlich behandelt, weil ich dachte: Jetzt musst du ja keine Werbung mehr für dich selber machen, jetzt bist du ja nicht mehr selbstständig, sondern in Festanstellung. Und dann hat sich das Blatt aber sehr schnell wieder gewendet, als dann mein Kollege Stefan Möller zu einem grossen deutschen Konzert gegen rechts gefahren ist. Und wir haben ihn in Echtzeit den ganzen Tag über auf unseren Social-Media-Kanälen begleitet, haben also immer wieder Videosequenzen von ihm bekommen. Und das war dann so die Initialzündung zu sagen: Also das, was die Telekom da mit ihrem Team macht – und wenn man das Feedback hört von den Menschen, wie toll das war zu erleben, wie der Stefan da unterwegs ist, wie er unterwegs Stationen gemacht hat bei verschiedenen Kunden und Kundinnen, Bio-Lebensmittel bekommen hat, um die dann abends an die Demonstranten kostenlos zu verteilen, damit die was zu trinken und zu essen haben –, da haben wir dann schon sehr schnell gemerkt, als es auch spätestens den Weg in unser Magazin und in unser Printangebot gefunden hat, dass diese Geschichten hinter den Kulissen die Leute doch sehr stark interessieren. Und dann haben wir eins und eins zusammengezählt. Dann hat uns leider Corona so ein bisschen in die Parade gefahren – wir hatten schon vor 2019 die Idee, offiziell damit zu starten – und haben dann tatsächlich vor dreieinhalb Jahren das Ganze runtergeschrieben in ein Konzept, wie das mit den Corporate Influencern in der GLS Bank funktionieren könnte. Und haben mittlerweile viele, viele Workshops durchgeführt und haben ungefähr 100 Menschen dazu befähigt, Dinge ins Internet zu schreiben. Aktuell sind davon 40 sehr aktiv und 20 also wirklich jede Woche auch aktiv. Das macht schon Spass.
Paul: Von wie vielen Mitarbeitenden? Also hast du da eine Prozentzahl, wie viele aktiv sind im Unternehmen?
Rouven: Wir haben ungefähr 1.000, also ungefähr 10 Prozent jetzt geschult. Und die 40 sind jetzt noch aktiv, ungefähr.
Paul: Okay, das klingt gut. Und wie seid ihr das direkt am Anfang dann trotzdem angegangen? Weil das klingt auch jetzt wieder rückblickend nach so einem logischen Schritt. Irgendwie: »Wir machen Marketing, wir müssen uns zeigen, wir müssen irgendwie Brand Awareness herstellen.« Das kennt, glaube ich, jede Marke, dieses Bedürfnis dahinter. Und dann ist es natürlich logisch: Diese Geschichten hinter den Kulissen interessieren Menschen. Wer kann die besser erzählen als die Leute, die selber in den Abteilungen arbeiten und direkt mit den Menschen in Kontakt sind?
Rouven: Ja.
Paul: Alles logisch und cool. Seid ihr das dann aber ganz mutig angegangen mit einem kleinen Experiment? Oder direkt mit einem Auftakt-Workshop? Oder wie war dann wirklich der Anfang? Oder habt ihr direkt gesagt: Wir holen uns sofort professionelle Hilfe von Externen und lassen uns schulen, damit das direkt mit 100 Leuten starten kann?
Rouven: Wir sind ja nicht mit 100 Menschen gestartet. Wir sind auch ohne aktive Unterstützung von Externen – auch bis heute – durchgezogen. Wir machen also alles inhouse. Ich habe die Workshops teilweise alle selber durchgeführt. Und wir haben gestartet – wie ich gesagt habe –, indem wir zunächst ein Konzept verfasst haben, unter der Berücksichtigung, dass bereits Menschen schon aktiv sind und Markenbotschafter sind, obwohl sie es noch gar nicht wissen oder die Begrifflichkeit für sich noch gar nicht verinnerlicht haben. Und es war eben jemand auch aus dem Vorstand bereits aktiv. Das heisst, die Hürde bis in die Vorstandsetage war sehr niedrig, weil tatsächlich unser Vorstandsmitglied Dirk, der auch selber sehr aktiv auf LinkedIn war, zu dem damaligen Zeitpunkt gesagt hat: Das ist für uns strategisch, und es könnte in Zukunft wichtig werden, dass wir Menschen dazu befähigen, eben selber ihre Expertise ins Internet zu schreiben. Und dann war es für uns natürlich sehr einfach, aufbauend mit dem Betriebsrat zu sprechen, mit der Personalabteilung, damit wir auch direkt diese rechtlichen Rahmen festlegen. Social-Media-Guidelines für die Mitarbeitenden gab es schon, aber wir haben den Passus erweitert: Wer sind Markenbotschafterinnen, was dürfen Markenbotschafterinnen und in welchem Rahmen dürfen sie dann selbstverständlich auch während der Arbeitszeit dieser Tätigkeit nachkommen? Denn du kannst natürlich von Markenbotschafterinnen nicht verlangen, dass sie das in ihrer Freizeit machen. Das ist völlig klar. Und als wir dieses Grundgerüst dann festgezurrt hatten und gesagt haben – also diese drei Säulen, die ich gerade schon genannt habe –: zum einen eben die Brand Awareness, weil wir als Ökobank, wir sind zwar Pionier, uns gibt es seit 50 Jahren in Deutschland, aber die meisten Menschen kennen uns tatsächlich noch gar nicht. Das ist unser grösstes Problem, was wir haben. Dann suchen wir natürlich auch Fachkräfte, das heisst das ganze Thema Employer Branding spielt eine Rolle. Und als dritte Säule natürlich auch der Vertrieb, das heisst unsere Angebote – klassisch Konto und Karten – publik zu machen, dass die Menschen sagen: Es wäre vielleicht eine coole Idee, zu einer Bank zu wechseln, die keine Atomkraftwerke finanziert, nicht in Waffen investiert, nicht in Massentierhaltung – oder die für erneuerbare Energien sorgt. Und das sind so die drei Hauptbausteine. Und die Workshops haben wir so auch in drei Stufen aufgebaut. Das heisst: Wir haben die interessierten Menschen erstmal so ein bisschen herangeführt: Was sind Markenbotschafterinnen überhaupt? Wir haben auch von vornherein gesagt, dass wir »Markenbotschafterinnen« sagen wollen und nicht »Corporate Influencer«, weil natürlich dieses Wort »Influencing« immer noch so ein bisschen negativ behaftet ist – von den Menschen, die mit einer Flasche Weichspüler am Strand sitzen und sagen: »Kauft das.« Das ist ein bisschen ungünstig. Und deshalb haben wir gesagt: Wir nennen sie die GLS-Bank-Markenbotschafterinnen und haben dann den Hashtag »Team GLS Bank« auch ins Leben gerufen. Und die werden dann eben so in diesen Workshops im ersten Schritt an dieses ganze Thema überhaupt herangeführt, damit sie sich eine Vorstellung davon machen können: Was kommt denn da auf mich zu? An Arbeit? Inhaltlich? Wie kann ich mich mit den Themen, mit denen ich mich in meinem Alltag beschäftige, so auseinandersetzen, dass ich sie auch verschriftliche? Im zweiten Workshop haben wir dann das ganze Thema LinkedIn-Profil erstellen und professionalisieren: ordentliche Fotos gemacht, ordentliche Headlines für die Menschen geschrieben, Hintergrundbilder eingeführt, sind die Profiltexte mit denen durchgegangen. Und im dritten – das ist natürlich der wichtigste Baustein –: das ganze Thema Networking und Content-Erstellung. Das ist der grobe Aufbau unserer Workshop-Serie, die ich jetzt in den letzten Jahren dann eben mehrmals gemacht habe. Und zwischendurch gibt es dann eben noch ganz viele andere Bausteine: Content-Auditing – ich schaue mir immer wieder die Profile an, ich schaue mir Beiträge von Menschen aus der Bank an, gebe Tipps und Tricks. Wir haben eine Social-Media-Sprechstunde. Wir machen regelmässig Online-Meetings und tauschen uns aus. Ich sage jedem: Sucht euch einen Online-Buddy, damit die sich so ein bisschen auch als Sparringspartner austauschen können, sich gegenseitig die Texte anschauen. Und dann gibt es noch eine Teams-Gruppe. Und jetzt sind wir gerade dabei, auch ein Social-Media-Dashboard und ein Advocacy-Tool intern bei uns zu implementieren, um dann später auch ein paar valide KPIs ziehen zu können.
Vinz: Ich finde es extrem spannend. Das war eine Wand an Information. Wenn ich fragen darf: Was siehst du als die grössten Herausforderungen bei so einem Programm in einem grossen Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitenden?
Rouven: Die grösste Herausforderung ist immer, dass die Menschen dranbleiben. Das ist so der klassische Spruch: Das Thema Corporate Influencing ist ein Marathon, es ist kein Sprint. Denn du hast – das merke ich ganz oft, wir haben letztes Jahr auch beim Corporate Influencer Barcamp in Frankfurt darüber gesprochen –, du hast so verschiedene Arten von Menschen, die in diese Programme reinkommen. Du hast zum einen eben die Leute, die sind wirklich Feuer und Flamme und die legen dann los, die schreiben jede Woche irgendwie ein oder zwei Postings und kommentieren auch ganz fleissig. Dann hast du so ein paar Leute, die sind erst mal so ein bisschen distanziert und schauen sich das in Ruhe an, fangen dann an, ziehen erst mal ihr Profil gerade, schreiben dann ein paar Kommentare und so alle zwei, drei Wochen kommt dann das erste Posting. Und dann hast du auch Leute – die haben wir in diesem Workshop dann liebevoll »die U-Boote« genannt –, die tauchen dann ab und sind weg und tauchen irgendwie gar nicht mehr auf. Die waren dann in dem Workshop, aber es passiert einfach nichts. Und ich denke, irgendwann wird eine programmverantwortliche Person auch an den Punkt kommen zu sagen: Jetzt müssen wir mal schauen, wen nehmen wir denn noch weiter mit? Und wem sagen wir: Es macht keinen Sinn, wenn du jetzt noch offiziell dabei bist, weil du machst ja vielleicht gar nichts. Oder: Womit kann ich dich unterstützen? Was brauchst du? Brauchst du noch Workshops? Brauchst du Textschreibe-Workshops? Brauchst du Contentplan-Workshops? Sollen wir dir zusammen einen Redaktionsplan erstellen? Sollen wir schauen, für welche Themen du stehst? Also es sind ganz unterschiedliche Ansätze. Aber dieses – die Leute wirklich zu motivieren, dass sie nach zwei Wochen weitermachen, nach zwei Monaten weitermachen, nach einem halben Jahr weitermachen – das ist so die Löwenarbeit auch im Community-Management bei dieser ganzen Geschichte, wie ich finde. Dass die Leute wirklich kontinuierlich auch dranbleiben. Weil du hast meistens auch keine schnellen Erfolge. Dann kommen natürlich immer so die klassischen Enttäuschungen: »Ich habe heute nur 148 Impressions gehabt. Das liest ja keiner. Für wen mache ich das denn überhaupt?« Und ich sage dann immer: »Ja, aber wenn du heute eine Person davon überzeugt hast, vielleicht in ihrem Leben ein kleines Stückchen etwas zu verbessern, oder ein Konto zu wechseln – dann hast du doch eigentlich alles damit erreicht.« Man muss den Leuten dann auch manchmal so die virtuelle Schulter bieten und sagen: Das geht auch nicht von heute auf morgen. Das ist immer viel Arbeit, und das müssen wir denen von vornherein klar und transparent sagen. Ich glaube aber an die grosse Chance – egal ob ein grosses, mittleres oder ein kleines Team –, dass dieses Markenbotschafter-Ding funktioniert. Ein bekannter Schweizer Online-Marketer hat vor einer Woche einen sehr kritischen Beitrag dazu auf LinkedIn verfasst: Wenn man das Ganze mal in Relation zu KPI und Ausgaben setzen würde, dann wäre der Return on Investment wohl ziemlich mies. Ich glaube, das ist das völlige Gegenteil. Denn ich habe alleine in der letzten Woche drei Nachrichten bekommen, wo Menschen sagen, sie hätten jetzt bei uns ein Konto eröffnet. Ich kann es mit mindestens drei Leads belegen, dass dem nicht so ist.
Paul: Zumal man das heutzutage immer schwerer rausfinden kann: Wo kommen die Leute her? Wie viele Kontaktpunkte hatten die vorher? Wie ehrlich sind die auch, wenn man die fragt? Das ist ja ganz oft in so einer Customer Journey der Fall: Wenn du irgendwo gefragt wirst, woher du jemanden kennst, ist die Reise meist schon so weit fortgeschritten, dass man sich gar nicht mehr an den Anfang erinnern mag. Wir sagen ja immer: Wir sind die Summe aller Kontaktpunkte.
Rouven: Ja. Und jetzt haben wir natürlich ein Angebot, das schmeisst du nicht mal eben in den Warenkorb und klickst auf »Kaufen«. Also die Bank zu wechseln ist ja für manche Leute schlimmer als Zahnarzt oder Friseur zu wechseln. Da hängen ja auch ein paar bestimmte Voraussetzungen dran. Jetzt ist die Schufa auch mit einem neuen Score dabei. Der Bankwechsel wird jetzt auch nicht gerade von der Schufa toll gefunden – die bevorzugt natürlich eine langfristige Bankmitgliedschaft. Aber wenn ich jetzt sage, ich möchte von einer Bank, die nach wie vor immer noch in Rüstung investiert, weg zur GLS Bank wechseln, dann ist mir das wahrscheinlich egal. Aber wie du schon sagst: Den Prozess überhaupt in Gang zu bringen, einen Bankwechsel anzugehen, da braucht es schon einige Touchpoints. Und wenn die Initialzündung durch einen Mitarbeitenden kommt, ist das super.
Paul: Genau. Und das ist ja dann eher der hintere Teil von so einer Reise. Ich glaube, ganz viel passiert immer aus dem engeren Umfeld. Also wenn du – blöd gesagt – ich vergleiche es immer mit der Strasse, wo meine Eltern wohnen: Wenn da alle Leute zwei Autos haben, ist es sehr einfach, auch zwei Autos zu haben. Und schwerer, nur ein Auto zu haben. Und sehr, sehr schwer, kein Auto zu haben. Weil wir einfach solche Herdentiere nun mal sind an ganz vielen Punkten. Deswegen machen wir auch den Podcast – weil einfach alle anderen auch Podcast machen. Aber das ist ein anderes Thema. Spass. Aber das beginnt natürlich immer im Privaten oder durch irgendwelche Auslöser, zu sagen: Ich denke mal darüber nach. Oder: Mir ist das Thema wahrscheinlich schon wichtig. Dann stellt sich natürlich immer die Frage: Wohin gehe ich denn? Wohin will ich denn wechseln? Und wenn ich dann natürlich eine Bank habe, wo ich sogar weiss, wer da arbeitet, und ich folge einer Person, wahrscheinlich auch aus einem persönlichen Interesse heraus – Testsiegerin ist sie auch noch, genau. Also hinten muss natürlich der Ablauf immer noch stimmen. Ich habe ohne Witz schon Dinge abgebrochen, weil im Verkaufsprozess oder dann wirklich im Warenkorb irgendwas hängen geblieben ist, ich keine Nerven mehr hatte, die Website geschlossen habe und nach drei Tagen war das Ding dann vergessen. Also das ist auch wieder eine Summe aller Teile. Da muss wirklich so ein Fluss durchgehen. Und ich meine: Man folgt Leuten wie dir beispielsweise oder Team GLS auch nicht aus der Motivation »Ich will unbedingt ein Konto eröffnen, dann seid ihr alle weg«, sondern man folgt euch ja auch mehr aus einem persönlichen Interesse daran. Weniger »Ich will wissen, was macht die Bank gerade«, sondern mehr: »Du bist Rouven, ich finde deinen Content klasse, und lustigerweise bist du bei der GLS und wir finden es spannend, was du machst.« Und du bist mal bei uns im Podcast. Und so kommt dann irgendwie eins zum anderen und das hören dann wieder drei Leute und vielleicht wechselt ja – wenn das jetzt irgendjemand hört – auch noch die Bank. Also das sind ja so verrückte Reisen, gerade bei diesen schweren, komplizierten, erklärungsbedürftigen Produkten. Deswegen würde ich auch mal diesen langen Widerspruch hier beenden und da auch ganz klar sagen: Ihr macht alles richtig aus meiner Sicht. Aber – und da würde ich jetzt eine Frage anschliessen –: Ihr macht das ja aufgrund eurer starken Marke. Und ich habe das vorhin vor allem so verstanden: »Team GLS« bedeutet ja auch schon, wir sind ein Team, wir sprechen geschlossen eine Sprache, wir stehen für eine Sache ein. Wir können uns dadurch auch gut miteinander motivieren, weiterzukommen und voranzukommen. Und wir haben einfach im Hintergrund eine starke Marke, die es uns eigentlich leicht macht, die Guten zu sein im ganzen Bankgeschäft, wenn man so will, oder?
Rouven: Ja, das stimmt. Ich würde uns aber so ein bisschen auch als Love Brand unter den Banken bezeichnen, zumindest in Deutschland. Also wir sind ja auch eine Genossenschaftsbank. Das heisst, die Bank gehört nicht irgendwelchen Aktionärinnen oder Aktionären, sondern die Bank gehört aktuell knapp 140.000 Menschen. Und das unterscheidet uns natürlich schon mal von einer klassischen Grossbank sehr deutlich. Und dann haben wir natürlich immer noch den Ansatz, dass unser gesamtes Anlageuniversum irgendwann mal wieder mit dem 1,5-Grad-Klimaziel in Einklang geht. Das sind natürlich Ziele, von denen wir zehren. Und wir veröffentlichen unsere Kredite. Also du kannst bei uns auf der Website im Nachhaltigkeitsbericht sehen, wer bekommt denn von uns die 24.000 Euro für eine neue Scheune oder die 78.000 für den Erweiterungsbau einer Kita. Also dieses ganze Thema auch Transparenz und Fairness hat uns zu der Marke gemacht, die wir nach 52 Jahren heute sind. Und wenn wir das so nicht gemacht hätten – also auch die Pioniere in der analogen Zeit vorher haben da eine ganz tolle Vorarbeit geleistet, das Geld wirklich dorthin zu bringen, wo es für Mensch und Natur am sinnvollsten und am sinnstiftendsten ist –, dann würden wir heute diese Geschichten nicht weitererzählen können. Und diese Geschichten erzählen wir heute weiter, die erzählen unsere Mitarbeitenden weiter. Und was ich ganz wichtig finde: Wir geben da auch keine Vorgaben, damit es wirklich – und jetzt kommt wieder dieses Wort – authentisch bleibt. Also wir sagen nicht: »Poste heute bitte mal das oder dies oder jenes« oder »Das darfst du nicht sagen« oder »Das musst du bitte anders formulieren.« Und da wissen wir, dass wir da wirklich auf dem Glückspfad sitzen, weil wir genau wissen, dass ganz andere Unternehmen ganz andere Compliance-Richtlinien haben. Und das machen wir aber bewusst, damit eben genau dieses Erlebnis, sich als Markenbotschafterin anzuschliessen, ihnen zuzuhören und ihre Geschichten zu erfahren, wirklich so authentisch wie möglich bleibt. Und wir sind natürlich auch als Kommunikationsabteilung Anlaufstelle für alle, die sagen: »Ich habe hier was, könntest du mal draufschauen, meinen Text? Ich fühle mich da noch nicht wohl.« Aber dann geben wir Hilfestellung. Es wird aber nicht so sein, dass wir eine E-Mail an alle Markenbotschafterinnen schreiben und sagen: »Bitte postet das nächste Woche mal. Wir haben da jetzt wieder ein Schwerpunktthema XY.« Wir sagen natürlich: »Pass mal auf, bei uns im Redaktionsplan für die nächsten Wochen steht dieses oder jenes. Wer da thematisch eine spannende Geschichte zu erzählen hat, damit es wie ein roter Faden wird – das ist völlig okay.« Aber wir machen gar keine Vorgaben. Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum es bei uns so gut funktioniert. Denn ich habe immer ein schlechtes Gefühl, wenn ich Mitarbeitenden, die ja ihre privaten Kanäle dafür hergeben und auch wirklich hinter den Botschaften stehen müssen, wenn ich da anfangen würde, Vorgaben zu machen.
Paul: Von diesem Gedanken: Man kann besonders gut Vertrauen geben, je stärker die innere Basis oder die eigene Substanz ist. Und wenn du schon weisst: »Mit der Marke als solche machen wir eigentlich alles richtig, also wir sind ehrlich vom Produkt bis zur Kommunikation nach aussen«, fällt es natürlich umso einfacher, da anzuknüpfen und zu sagen: »Ich erzähle die Geschichte einfach aus meiner Perspektive als Mitarbeiterin weiter.« Und das schafft dann den roten Faden, von dem du gerade gesprochen hast.
Vinz: Ihr habt recht lockere Vorgaben. Heisst das auch, ihr habt zum Beispiel keine bis wenige Vorgaben, die am Turnus eines Contents bestehen? Ihr sagt auch nicht: »Wenn du in diesem Programm teilnehmen willst, musst du mindestens einmal in der Woche etwas posten.« Oder gibt es das auch gar nicht?
Rouven: Es ist natürlich die Wunschvorstellung jeder programmverantwortlichen Person, dass das so wäre. Natürlich auch, weil wir ja alle wissen: LinkedIn hätte gerne, dass jeder einen Beitrag die Woche schreibt. Aber das wirst du von vornherein nicht schaffen. Weil die Menschen natürlich auch, obwohl sie so ein bis zwei Wochenstunden freigestellt werden – arbeitsrechtlich –, erst mal auch in diese ganze Situation reinwachsen müssen, wenn sie sich bisher noch nicht damit befasst haben. Also ich habe auch ein schönes PDF, wie man so sukzessive jeden Tag einfach mal erst fünf Minuten, dann zehn Minuten, dann 15 Minuten: Kaffee kochen, Computer hochfahren, zwei, drei Kommentare abgeben, den Feed durchschauen, wo ist denn ein spannendes Thema. Und das muss man natürlich auch einüben. Wie in einem neuen Job ist LinkedIn ja dann vielleicht auch eine neue Aufgabe, in die man hineinwachsen muss. Und die Menschen müssen einfach schauen – zum Beispiel die, die vertrieblich arbeiten –, dass sie sagen: »Ich telefoniere 15 Minuten am Tag weniger, dafür mache ich 15 Minuten am Tag LinkedIn.« Und dann kommt natürlich – und das sagte ich ja vorhin schon – der Punkt, an dem man sagt: Wer macht das denn jetzt noch? Und wie lange ist die Person dabei? Und wann hat sie ihren letzten Post verfasst? Und müssen wir da mal nachhaken und fragen, woran es liegt? Oder ist das Interesse nicht mehr so gross? Es gibt unterschiedliche Fragestellungen, die man an die Menschen hat, warum sie dann plötzlich nicht mehr schreiben. Und das ist ganz spannend zu beobachten, wenn man dann mal mit denen spricht. Denn dann sagen die Leute: »Ja, ich hatte dann keine Zeit mehr« oder »Ich hatte Urlaub« oder »Meine Frau ist schwanger geworden.« Und da gibt es für alles Mittel und Wege, wenn das Interesse dabei bleibt, die Menschen da rauszuholen mit fachlicher Unterstützung. Aber irgendwann wird es auch Menschen geben, da muss man halt sagen: »Okay, wenn das jetzt einfach nicht mehr das Richtige für dich ist, dann ist das auch gut. Aber dann: Vielleicht hast du ja irgendwann mal wieder Lust einzusteigen. Dann ist die Unterstützung unsererseits jetzt erst mal weg, und das Zeitkontingent ist dann für dich jetzt auch vorbei.« Da muss man dann auch mal ganz klare qualitative Richtlinien ziehen.
Paul: Ein Hauptmerkmal oder eine Hauptvoraussetzung, die ich so mitbekommen habe, ist, dass ihr auf jeden Fall Ansprechpersonen habt. Also wahrscheinlich du als Hauptansprechperson zu sagen: »Ich bin immer da, wenn irgendwas ist, ihr könnt auf mich zugehen.« Und einen zweiten Punkt – da würde ich gerne noch mehr reingehen –: der Faktor Team. Ist das eine relevante Grösse, zu sagen: »Wir treffen uns regelmässig, es gibt regelmässig eine Art Weiterbildung – keine Ahnung –, jetzt gibt es noch einen Workshop zum Thema Storytelling. Da gibt es ein neues Feature auf LinkedIn, hier habt ihr schon mal eine Guideline dazu, eine Empfehlung.« Weil du ja meintest, das Wichtigste ist, die Leute am Ball zu behalten. Wenn die sehen, wie toll manche Beiträge durch die Decke gehen von Kollege XY, ist das ja auch manchmal eine Art Ansporn zu sagen: »Jetzt will ich das aber auch.« Und man baut sich ja auch etwas persönlich damit auf. Also das ist für alle Beteiligten positiv.
Rouven: Ja. Also wir haben natürlich wie in den meisten Unternehmen auch einen Gruppenchat dafür, wo die ganzen Markenbotschafterinnen drin sind. Und ich poste da jede Woche was rein, sei es spannende Beiträge von Kolleginnen mit der Aufgabe beziehungsweise mit dem Hinweis, die Personen doch vielleicht ein bisschen zu unterstützen. Da muss man allerdings natürlich auch ein bisschen aufpassen, dass es nicht in so eine Richtung Engagement-Pod geht. Also ich sage den Leuten schon: »Versucht bitte, dass ihr euch alle eure eigenen Netzwerke aufbaut und nicht nur in diesem GLS-Kosmos herumschwirrt, sondern geht raus, baut euch ein eigenes Netzwerk auf.« Denn das organische Wachstum ist das A und O. Und dann gebe ich Tipps: Was gibt es Neues bei LinkedIn? Trends. Also ich habe jetzt auch gerade eine schöne Studie gesehen, da ging es um ganz neue Massstäbe, welche Reichweiten jetzt überhaupt noch Standard, Median, gut und viral sind. Und dann kann man auch die Leute damit begeistern zu sagen: Auch aktuell, selbst wenn du unter 1.000 Follower hast, bist du mit 178 Impressions noch gut dabei. Um die Leute auch an der Stelle zu motivieren, weil ja durch den Algorithmus, der jetzt wieder verändert wurde, die Impressions ganz stark runtergegangen sind und die Leute alle immer sagen: »Meine Beiträge liest ja keiner mehr.« Also da muss man auch fachlich ein bisschen die Leute unterstützen und sagen: »Es ist alles gar nicht so schlimm.« Dann schreibe ich den Leuten zum Thema Barrierefreiheit: »Bitte keine Fettschrift benutzen. Die neuen Bildformate sind das. Es würde sich für das Thema XY ein Karussell anbieten. Wer hat Fragen zu dem und jenem Thema? Wir haben einen Preis gewonnen. Wer braucht Unterstützung? Wer braucht Bildmaterial? Wer möchte ein Posting machen?« Und die Leute unterhalten sich auch untereinander. Also einer schreibt: »Ich habe was geschrieben zum Thema XY, guckt doch mal drauf, wie findet ihr das, gebt mir bitte Feedback.« Also wir haben da schon so eine gute Austauschkultur. Und wir haben als bundesweit agierende Bank natürlich die Herausforderung, dass wir grösstenteils virtuell zusammenarbeiten müssen. Also es wird nicht das grosse Corporate-Influencer-Treffen der GLS Bank geben, wo dann alle 100 Menschen mal nach Bochum kommen. Dafür haben wir auch leider nicht die finanziellen Ressourcen im Rahmen dieses Programms – das muss man ganz klar sehen. Aber wir machen mit allen digitalen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, das Beste raus. Und wir sind als Social-Media-Team ganz gut aufgestellt mit zwei Vollzeitkräften, die sich auch gegenseitig vertreten. Also es ist immer jemand ansprechbar. Wir haben noch eine Praktikantin, eine Werkstudentin und noch jemanden aus der Presse und eine Grafikerin, die so ein bisschen mit draufschauen. Also es gibt ganz viele Menschen, die auch gefragt werden können. Und von daher wird das Know-how auch nicht plötzlich wegbrechen, wenn ich mal Urlaub habe oder mir einen Fuss breche oder so. Im Gegenteil: Meine Kollegin Natalie ist da auch genauso im Thema wie ich, und wir sind immer und überall ansprechbar – ausser am Wochenende oder wenn ich auf dem Rennrad sitze. Oder wenn ich in einem Podcast bin. Oder wenn ich die Katze füttere.
Paul: Oder wenn du gerade mit uns Podcast aufnimmst, aber das ist auch okay. Bevor wir das gleich mal so ein bisschen auf KMUs übertragen – was die aus all dem mitnehmen können –, würde mich noch interessieren: Jetzt ging es ja vor allem ums Thema LinkedIn. Wenn man jetzt sagt, Markenbotschafterinnen sprechen für die Marke, die sind eigenständige Personal Brands wahrscheinlich auch, dann kann man das ja über die Plattform hinaus auch denken. Wie seid ihr denn aufgeschlossen gegenüber Instagram, einem eigenen Blog, TikTok, oder bis hin zu: Die dürfen dann auch auf Speaking-Events gehen, dürfen dort die Geschichte weiter erzählen. Es geht auch darum, die Leute auf Messen zu schicken und das dann wiederum als Content zu verarbeiten. Man kann das sehr ganzheitlich sehen, dieses »Creator sein« oder »Markenbotschafterin sein«. Wie relevant ist denn das Thema für euch?
Rouven: Es ist total relevant. Also meine Kollegin Manuela Zenker, die kümmert sich um Nachwuchskräfte und die Auszubildenden, die macht das auf Instagram, weil sie natürlich sagt: »Wenn ich zu einer Ausbildungsmesse fahre, poste ich das in meinen Stories.« Weil da natürlich eher tendenziell junge Menschen sind, die vielleicht einen Ausbildungsplatz suchen. Also wir machen auch gar keine Vorgaben, was den Kanal betrifft. Wenn jemand sagt: »Ich habe bereits eine starke Community bei Bluesky, bei Mastodon, bei Threads – wo auch immer«, dann soll die Person das doch natürlich gerne da machen. Also es ist kein Muss, das unbedingt bei LinkedIn zu tun. LinkedIn bietet sich natürlich – das wissen wir alle – ganz gut dafür an. Ich würde sagen, zu 90 Prozent ist es auch ungefähr der beste Kanal dafür. Aber wenn jemand sagt: »Ich bin bei Reddit super unterwegs«, dann macht das doch bei Reddit. Ist doch super. Wenn du deine Community dort erreichst – klassische Zielgruppenansprache –, dann macht das dort. Also da sind wir natürlich auch völlig offen, und einige tun das eben auch. Der vorhin genannte Kollege Stefan hat auch auf Instagram angefangen und ist dann ganz spät erst rüber zu LinkedIn und ist jetzt erst da aktiv. Da habe ich gar keine Probleme, im Gegenteil. Also wenn sich jemand in irgendeinem Kanal wohlfühlt – ob er nun Mastodon-Fan ist oder im Fediverse unterwegs –, dann soll die Person das doch gerne tun. Ich habe es ja selber früher auch auf Twitter gemacht. Das wird auch irgendwie alles funktionieren. Dann wird es natürlich noch schwerer mit der Messbarkeit, weil es da gar keine Statistiken gibt in diesen dezentralen Netzwerken. Jetzt schiessen ja noch mindestens sechs neue Plattformen aus dem Boden – W Social, und wie sie alle heissen. Und es gibt jetzt tatsächlich auch aus Deutschland einen Open-Source-Ableger, der das neue datenschutzkonforme LinkedIn werden will. Ich habe heute noch einen Artikel dazu gelesen, da stehe ich jetzt schon auf der Warteliste. Also wir probieren als Bank auch selber alles aus. Wir waren früher auch bei Ello, GNU Social, sind bei Mastodon, wir sind bei Pinterest – mit 92 Followern im Moment. Also wir schauen uns ja auch selber alle Kanäle an. Und warum soll ich den Markenbotschafterinnen dann diese Chance verwehren, da unterwegs zu sein? Das wäre ja Quatsch.
Paul: Absolut. Aber es ist schon so, dass ihr als Bank, als Unternehmen, auf jeder dieser Plattformen auch vertreten seid, als eine Art Rückendeckung zu sagen: »Guck mal, das ist jetzt nicht daher gesagt, die GLS gibt es wirklich. Hier ist der Account, da könnt ihr auch folgen, wenn ihr mehr erfahren wollt«, beispielsweise.
Rouven: Genau, wir sind als Bank ja auch überall vertreten. Ausser auf X – das geht nicht mehr.
Paul: Jetzt. Wir hatten ja die Hauptthese, Vinz, willst du mal übernehmen?
Vinz: Wir haben jetzt sehr viel aus deiner Erfahrung, aus deinem Alltag gehört, mit 1.000 Mitarbeitern. Was würdest du sagen, wo wären die grössten Herausforderungen aus deiner Sicht bei einem KMU mit 20 bis 50 Leuten? Wie würdest du dort so ein Programm ins Leben rufen? Vielleicht in fünf Schritten? So anders ist es ja gar nicht, aber vielleicht ist es für die einen oder anderen, die zuhören, sehr abstrakt und denken: »Wo fange ich an?«
Rouven: Ich glaube, dass kommunikationsverantwortliche Menschen in kleineren Betrieben zwei grosse Hürden unter Umständen haben. Das eine ist Chefin oder Chef und das zweite ist Pressesprecher oder Pressesprecherin. Weil das so die klassischen neuralgischen Stellen in kleineren Unternehmen sind, die ganz viel Angst davor haben, wenn plötzlich andere Personen, die nicht in Kommunikationsverantwortung stehen, ins Internet schreiben über das Unternehmen. Und ich glaube, da muss dann einfach in der Unternehmenskultur – davon sprechen wir ja auch gerade – einiges passieren, damit klar wird, dass es gar nicht weh tut. Im Gegenteil: Die Markenbotschafterinnen sind die besten Markenbotschafter, die man kriegen kann. Ich muss keine Influencerinnen kaufen für teures Geld. Wenn jemand eine intrinsische Motivation hat, über die eigene Arbeit zu schreiben, dann lasst die Person das doch bitte tun. Dem Pressesprecher wird ja dadurch nichts weggenommen. Aber ich glaube, viele haben wirklich Angst davor, dass plötzlich so ein Kontrollverlust entsteht – Informationen dringen nach aussen, die ich nicht mehr leiten kann. Und ich glaube, da muss einfach in den Köpfen der verantwortlichen Menschen ein Schalter umgelegt werden: »Nein, wir probieren das jetzt mindestens mal aus.« Und dann aber nicht nur drei Monate oder sechs Monate, sondern mindestens ein Jahr und schauen mal, wohin uns das bringt. Und wenn man vernünftige Social-Media-Guidelines hat, dann werden die Menschen sich ja auch nicht daneben benehmen. Genauso wie es ja auch noch Compliance-rechtliche oder juristische, regulatorische Sachen gibt. Also es gibt auch so paar Kleinigkeiten, an die müssen sich die Menschen bei uns aus der Bank richten. Da dürfen sie natürlich nicht drüber sprechen – Bankgeheimnis, ganz klar. Aber sonst lassen wir den Menschen natürlich freie Hand. Und ich glaube, das ist eine ganz grosse Hürde für viele, gerade so unternehmergeführte Unternehmen, die einfach diese Sachen nicht loslassen können, die so eine Kontrolle haben wollen. Gerade kleine Unternehmen haben ja immer so die grosse Angst vor dem Shitstorm. Aber dann definier doch erst mal einen Shitstorm. Also wenn es nicht in der Tagesschau ist oder im Schweizer Fernsehen in den Tagesnachrichten, dann ist es doch kein Shitstorm. Also das muss man dann auch ein bisschen relativieren und mal sagen: »Lass uns doch einfach mal drüber sprechen, und dann schauen wir uns das mal an, und dann legen wir einfach mal los.«
Paul: So ein Post ist ja auch innerhalb von Sekunden gelöscht und das Internet vergisst Dinge sehr schnell. Also ausser, es sind manche anderen Dinge – dann manchmal auch nicht. Aber ich glaube, gerade so: Wen interessieren denn schon KMUs?
Rouven: Aber ganz ehrlich: Selbst wenn ein – egal wie grosses – Unternehmen einen Fehler macht, dann gibt es doch zwei Möglichkeiten. Entweder ich habe wirklich einen Fehler gemacht, dann muss ich mich dafür entschuldigen. Oder ich habe keinen Fehler gemacht, dann kann ich das auch konstruktiv kritisch annehmen. Also das Schlimmste ist ja eben wegducken. Aber wenn ich mit einer Kommunikationskrise – egal in welcher Form und wie gross die ist – konstruktiv umgehe, dann passiert doch nichts. Und was soll jetzt passieren, wenn so ein Mitarbeiter sagt: »Ich habe heute fünf Meter Kabel zu viel abgeschnitten«? Ich verstehe diese Ängste nicht.
Vinz: Was würdest du sagen – um die Hemmschwelle noch mehr zu entschärfen –, wo wären aus deiner Erfahrung, aus deiner Sicht die grössten Vorteile für KMUs, mit so einem Programm?
Rouven: Also wenn ein KMU fünf Mitarbeitende auf LinkedIn starten lässt und die rechnen am Ende des Jahres mal die Impressions zusammen und stellen dann einen kalkulatorischen Tausender-Kontaktpreis dagegen, dann werden die, glaube ich, sehr schnell merken, dass sie so viel Werbegeld gar nicht hätten ausgeben können, um Ads zu schalten.
Paul: Plus Vertrauensbonus – und den kannst du nicht messen, denke ich. Weil Ads sind Ads und Content von Menschen ist Content von Menschen. Und das eine willst du sehen, das andere – wegen der Ads – schliesst du die Plattform im Zweifelsfall wieder.
Rouven: Genau, so ungefähr.
Paul: Ich würde noch einen anderen Aspekt reinbringen, den wir ja auch ganz oft im Podcast schon erwähnt haben. Ich glaube, der Grundfehler von kleineren Unternehmen ist immer, sich so verhalten zu wollen wie grosse Unternehmen. Also zu denken: »Wir müssen Marke so kompliziert denken. Wir brauchen die ganzen Guidelines dafür. Wir können das nicht starten, weil das Budget fehlt.« All diese Punkte. Dabei wollen ja gerade die grössten Konzerne dieser Welt – sei es Adidas oder die anderen Sportmarkenhersteller – so klein und nahbar sein wie möglich. Die wären am liebsten das kleine KMU von der Ecke, das ganz nahbar den Sportplatz mitfinanzieren darf, Shirts verteilt und neue Kundschaft gewinnt. Und dieses Missverständnis müsste man irgendwie aufheben. Deswegen dachte ich vorhin auch, als du meintest, da will sich niemand in die Karten gucken lassen, da haben Marketingverantwortliche Angst, dass irgendwas falsch gemacht wird: Letztlich ist es ja immer fehlendes Verständnis davon, was eigentlich Marke überhaupt ist und wie Marke wirklich alles betrifft, was du machst. Jede Haltung, jede Handlung, jeder Service, jedes Produkt, das über den Tisch läuft – das ist alles Teil deiner Marke. Und das kann alles dazu führen, dass sie schlecht wahrgenommen wird oder gut wahrgenommen wird.
Rouven: Ja. Ich habe auch regelmässig die Möglichkeit, in anderen Abteilungen zu hospitieren. Und ich war letztens mal in der telefonischen Service-Hotline und habe dann da am Tisch mit einem Headset mitgehört, wie die Leute anrufen, wie deren Probleme gelöst werden und wie die sich dann noch bedanken. Also da kriegt man auch ganz tolle Einblicke. Und das sind ja eben wirklich die Geschichten, die es sich lohnt zu erzählen und die die Leute auch hören wollen – und eben nicht irgendwelche Ads sehen wollen. Und diese Geschichten gilt es zu erzählen. Und da ist es dann auch völlig egal, wie gross das Unternehmen ist. Da muss man den Leuten einfach wirklich vertrauen und die Zügel als Unternehmerin oder Unternehmer mal ein bisschen lockern und sagen: »Das wird bestimmt ganz toll werden. Und wenn es nicht toll wird, dann haben wir auch was daraus gelernt. Aber das Schlimmste ist ja, es nicht zu versuchen.«
Paul: Deswegen hilft es ja auch immer, ein Experiment zu starten und zu sagen: »Wenn das wirklich nichts wird, wir haben es versucht, wir haben 60 Tage durchgehalten, wir haben danach ein Fazit für uns gezogen.« Im Idealfall hält man 90 Tage durch und dann kann man immer noch sagen: »Wir brechen das Ganze ab.« Und dann ist die Sache vergessen – also dann geht das Leben ja weiter. Aber ich glaube, ein Hauptfaktor – oder zwei, um das mal wieder so zusammenzufassen –: Einerseits hattet ihr eine Führungspersönlichkeit in der Chefetage, die das Bewusstsein hatte, warum das Thema so wichtig ist. Und der zweite Faktor ist das Thema Kultur. Was ich von dir raushöre, ist ja nicht nur »Ihr seid eine tolle Bank und macht tolle Sachen«, sondern das weiss auch jeder oder jede, die bei euch arbeitet, und alle leben das. Also es gibt ja auch keine Missgunst gegenüber den Markenbotschafterinnen oder Neid oder was auch immer – oder vielleicht zu einem gewissen Grad schon?
Rouven: Das ist noch ein ganz wichtiger Punkt. Wenn du so ein Programm startest, ist die Transparenz nach innen entscheidend, damit sich keiner ausgeschlossen fühlt, damit keiner dann guckt und sagt: »Ja, was daddelt denn die Müller wieder den ganzen Tag auf LinkedIn?« »Ja, die Müller hat dafür ein Zeitkontingent zur Verfügung. Und wenn die morgens, mittags und abends drei kleine Kommentare von je 27 Sekunden schreibt, dann sind das auch nur 6,4 Minuten am Tag.« Aber um diese Neid-Diskussion eben auszumerzen, muss man so ein Programm frühzeitig auch im Intranet ganz präsent machen und sagen: »Wir fangen damit an. Ihr werdet vielleicht in Zukunft sehen, dass Menschen Dinge aus ihrer Arbeitswelt ins Internet schreiben. Wer Interesse hat, ist herzlich eingeladen.« Und damit hebelst du ganz schnell diese Neid-Debatte auch aus.
Paul: Plus muss man erklären, warum das gut ist. Also wirklich zu sagen: »Das bringt unsere Marke dies, das, jenes.« Oder ist das dann schon wieder ein Schritt zu viel?
Rouven: Nee, ich glaube schon, dass man das durchaus machen kann, weil es ja auch Kritikerinnen und Kritiker geben wird, die es vielleicht auch gar nicht verstehen oder doof finden. Und die kann man ja auf dem Wege ganz gut abholen.
Paul: Dann ist es meist trotzdem Gesetz der Masse. Wenn alle damit in Ordnung sind, bleibst du entweder der Miesepeter oder du passt dich an.
Rouven: Ganz ehrlich: Es wird unter tausend Mitarbeitenden immer Leute geben, die unternehmerische Entscheidungen, egal in welche Richtung, schlecht finden. Dann ist das so. Da muss ich aber mit leben, dass jemand sagt: »Nee, das finde ich jetzt aber nicht gut, was wir da machen.« Aber das kann ich ja mit einem Auge wegsehen.
Paul: Muss er nicht. Wie denkst du denn darüber, mal rauszukommen aus diesem ganzen Silo-Denken? Weil das ja dann doch für manche jetzt wieder so abgegrenzt, abgekapselt als »Corporate Influencing« oder »Markenbotschafterin« als ein Marketing-Element abgestempelt wird. Und dann gibt es halt entweder ein Häkchen dran für »Ja, versuchen wir« oder »Nein, machen wir nicht«. Letztlich gehört das irgendwie in der Creator Economy, in der wir uns aktuell befinden, alles miteinander zusammen. Und deswegen meinte ich ja vorhin auch »Personal Brands« – die dürfen dann auf Events sprechen. Vielleicht macht man selber ein Event. Vielleicht arbeitet man auch inhouse mit anderen Creatorn von ausserhalb zusammen oder geht andere Partnerschaften ein. Wie handhabt ihr denn das? Wie offen? Jetzt noch mal fernab von den Plattformen: Denkt ihr denn all diese Möglichkeiten, die es aktuell eigentlich gibt?
Rouven: Also wir versuchen natürlich, wenn wir den Redaktionsplan ins Team reintragen, zu sagen: »Pass mal auf, die Bank schreibt nächste Woche über das Thema XY. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch – wenn das in eure Abteilung passt oder in euer Tagesgeschäft –, da dranhängen.« Dann hast du natürlich den roten Faden durch den Redaktionsplan der Bank und die Mitarbeitenden tragen das noch weiter. Oder es gibt ja auch viele Markenbotschaftende, die werden manchmal auch »Brand Ambassadors« genannt, weil es einfach Menschen sind, die im Unternehmen gerne arbeiten und auch die Unternehmensinformationen teilen, aber nicht selber gerne präsent sind. Die teilen ja auch einfach die Unternehmenspostings. Gibt es ja auch viele, die sind gar nicht mal offiziell bei uns im Programm. Die sind dann bei LinkedIn und teilen, was die Bank so schreibt. Und dann ist es aber tatsächlich auch so – das passiert nicht nur mir –, dass ich in Podcasts eingeladen werde. Aber ganz andere Menschen aus unterschiedlichen Abteilungen werden auch auf Fachkonferenzen, auf irgendwelche Messen eingeladen. Das passiert natürlich. Und da freuen wir uns und wir versuchen dann auch möglichst immer Menschen zu diesen Veranstaltungen hinzuschicken, wenn es dann auch nicht vielleicht unmittelbar die Person ist, die angefragt wurde. Also ich habe ja auch nicht immer Zeit, oder es geht vielleicht um ein anderes Online-Marketing-Thema. Dann schicke ich eine Kollegin oder einen Kollegen dahin oder zu einer anderen Podcast-Aufnahme. Und so hast du natürlich auch über die Markenbotschaftenden eine Markenbekanntheit im analogen Raum – auf Events und Messen sowieso. Die sind meistens auch gesetzt. Also wenn wir zur grossen deutschen Biofachmesse fahren, der Biofach in Nürnberg, sind 20 Kolleginnen vor Ort, die vernetzen sich auch wieder mit anderen Menschen auf LinkedIn. Und dann sagt jemand: »Komm nochmal vorbei und mach doch mal eine Keynote bei uns.« Das geht dann Hand in Hand, und das ist natürlich super.
Paul: Und ansonsten habt ihr grosse Kampagnen und Paid Ads und Creator-Partnerschaften, die auch noch eine Rolle spielen. Also das ist dann alles Teil vom Marketing-Kosmos, okay.
Rouven: So grosse Kampagnen haben wir gar nicht. Also wir sind ja als nachhaltige Bank auch gehalten, mit unserem eigenen Geld und auch mit dem Werbebudget nachhaltig umzugehen. Und ich glaube, was wir so an Werbebudget zur Verfügung haben, da lacht sich so manche grosse regionale Sparkasse dann doch drüber kaputt. Aber wir schalten natürlich in unserem Bereich.
Paul: Ja, aber ich meine, die machen da draussen irgendwie paar Luftballons in Rot und Gummibärchen und sponsern, keine Ahnung, den lokalen Fussballplatz. Das darf ich auch sagen, ich bin da nicht befangen.
Rouven: Das hast du jetzt gesagt. Sport-Sponsoring, genau. Ihr in der Schweiz könnt ja sowieso nicht zur GLS Bank kommen, leider. Das wird wahrscheinlich für euch zu teuer. Aber es gibt ja die Alternative Bank Schweiz in Olten, die ja auch zur GABV gehört.
Paul: Die ABS. Ja, da bin ich jetzt Mitglied. Ich schicke denen das einfach – die Folge. Ich habe den Show mal ganz dreist angeboten und gemeint –
Rouven: Ja, freut die. Ich treffe die, glaube ich, auf einer Weiterbildung dieses Jahr von der GABV – das ist so ein Dachverband von internationalen, nachhaltigen Banken, die treffen sich zu ihrem Annual Meeting, dieses Jahr zur Summer School in Irland. Und da darf ich dieses Jahr auch mal mitfahren. Und dann werde ich von der ABS, glaube ich, auch ein paar Leute treffen.
Paul: Sehr gut. Also ganz liebe Grüsse – die dürfen von euch lernen. Ich denke mir immer so: Mach doch was draus. Ja, gut. So ein bisschen Ausblick in die Zukunft: Was denkst du denn, gerade im Hinblick auf die Creator Economy? Es wird irgendwie immer mehr, Grenzen lösen sich auf. Es gibt immer mehr Möglichkeiten, immer mehr Formate, immer mehr Sachen. Es wird wahrscheinlich auch für Menschen sehr schnell überfordernd und schwierig, da mitzuhalten. Aber was denkst du, wohin wird sich das entwickeln? Werden noch mehr Unternehmen aufsteigen und Richtung Markenbotschafterin investieren? Wird sich der Begriff »Markenbotschafterin« oder das, was sich dahinter verbirgt, weiterentwickeln? Wird sich das abändern? Spielt KI eine Rolle? Was sind so deine Gedanken, wenn du so ein bisschen in die nächsten Jahre schaust?
Rouven: Also KI spielt nach meinem Verständnis im Moment noch eine untergeordnete Rolle, die aber insofern dieses ganze Thema Corporate Influencing beeinflusst, dass natürlich jeder meint, er könnte jetzt Content in Sekundenschnelle produzieren – und produziert dabei leider ganz viel Müll. Und wir erleben ja jetzt schon so eine generierte Content-Schwemme, die man schon sieht, also der ketzerische lange Bindestrich und die Aufzählung mit dem blauen Emoji und die Doppel-Emojis. Und ich hoffe, dass sich da in nicht allzu langer Zeit noch ganz schnell etwas tun wird, auch seitens der Netzwerke, dass sie diese Content-Formen irgendwie versuchen zu analysieren, zu erkennen und zu entsprechend zu gewichten, dass also echter, handgemachter oder zumindest von Menschen produzierter echter Content nach wie vor an erster Stelle sein wird. Ich könnte mir vorstellen, dass wir in den nächsten drei Jahren durch die geopolitischen Spannungen und die Bestrebungen von Menschen, die Big-Tech-Netzwerke zu verlassen, das Ganze sich noch sehr stark auf verschiedene Netzwerke aufteilen wird. Also ich glaube, dass viele Menschen jetzt ins Fediverse gehen werden und sich dann auf die verschiedenen Mastodon-Instanzen vielleicht und Bluesky und wie sie alle heissen aufteilen, oder auf die neuen Plattformen, die jetzt nach EU-Konformität kommen und nicht auf irgendwelchen Amazon-AWS-Cloud-Servern laufen. Also da spielen ja eine ganze Menge Faktoren eine Rolle, wenn man sich auch ein bisschen ethisch damit befasst. Eine Rolle, von der wir heute noch gar nicht sagen können: Gibt es Facebook in fünf Jahren in der Form noch? Wird es LinkedIn noch geben, weil sie zu stark von Microsoft abhängig sind? Werden neue Player auf den Markt kommen? Da wird sich sicherlich ganz viel tun. Und ich glaube, es wird immer noch für viele Menschen eine Nische geben, in ihrem Öko-Kosmos mit ihrer Community, mit dem was sie tun, eine Nische zu finden und dann immer noch dort Markenbotschafterin zu sein.
Paul: Da wird mir gerade bewusst: Wir haben Anfang des Jahres in unserer ersten Folge für dieses Jahr so ein bisschen den Trend der Natürlichkeit ausgerufen. Und dahingehend zu sagen: Gerade durch diese ganzen Entwicklungen, die du jetzt aufgezählt hast, wird es umso wichtiger, dass du nicht mehr die grossen Massen erreichst – also nicht mehr dieser Gedanke »Corporate Influencer sind von der Telekom, haben eine Million Followerinnen und sind die grossen Kanäle« –, sondern: Wenn du mit 100 Leuten einen echt guten Austausch hast, dann ist das mehr wert als diese grossen abstrakten Profile auf irgendeinem kleinen Netzwerk, wo du deine absolute Nische und dein Lieblingspublikum gefunden hast. Und das schafft diese neue Art der Natürlichkeit, auch weg von KI oder diesem KI-Überdruss, den wir alle langsam spüren: »Wir können die Bilder nicht mehr sehen, wir sehen die Texte und wissen, egal ob die jetzt von KI sind oder aus Menschenhand, irgendwie gleicht sich alles an.« Und die Frage ist ja: Was bleibt denn davon übrig? Oder sind es dann nur noch – in Anführungszeichen – die echten Netzwerk-Treffen in der realen Welt? Oder bekommen digitale Treffen dann nochmal ein Revival? Irgendwie löst sich das gerade in so viele offene Enden auf. Dann wäre jetzt meine Frage an dich: Was würdest du denn Leuten mit auf den Weg geben? Also die Lösung ist ja wahrscheinlich nicht, nichts zu machen.
Rouven: Die Leute sollen ja nicht keinen Content produzieren. Das ist ja durchaus legitim, das weiterhin zu tun. Es gibt ja auch noch die konventionellen Wege. Also es gibt nach wie vor noch Photoshop und es gibt nach wie vor auch noch ein Textverarbeitungsprogramm. Also ich bin ja nicht auf KI angewiesen, um Content zu produzieren. Wenn ich mich ein bisschen damit beschäftige, dann kriege ich das ja auch noch so hin. Insofern: Die Zugangswege, Content zu produzieren, sollte man vielleicht auch ein bisschen limitieren, nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Denn ich habe im Moment echt schon das Gefühl, dass mit KI wirklich auch viel Unnötiges produziert wird, das es eigentlich gar nicht braucht. Also von irgendwelchen Actionfiguren über digitale Lebensläufe – das sind so Sachen, da denke ich mir: Das ist mal schön. Wenn ich aber dann schon sehe, wer das alles macht und wer es eigentlich gar nicht braucht – ich verstehe natürlich auch den Antrieb der Menschen, die mit Kommunikation gar nichts zu tun haben und jetzt plötzlich in so einen ChatGPT reinclashen und dann sagen: »Ich will jetzt aber auch meine Actionfigur haben, ha ha ha wie lustig.« Aber irgendwann muss ich mir auch mal die Sinnfrage stellen: Muss ich mir dann die 17. Actionfigur auch noch bauen, oder hat das einmal Ausprobieren nicht gereicht? Und da sollten wir uns vielleicht alle ein bisschen zurücknehmen und runterfahren. Also: Schaut euch die Weltwirtschaft an, schaut euch die Energiepreise an, schaut euch die Preise von Rechenzentren an, die man schon kaum noch bezahlen kann, weil irgendwelche Rechenzentren aus dem Boden gestampft werden. Da liegt es auch so ein bisschen an uns, das Ganze wieder in eine etwas positivere Richtung zu steuern und dem AI-Slop so ein bisschen entgegenzuwirken.
Paul: Und wir werden weiter beobachten, wann die Blase platzt, wie weit das überhaupt noch alles kommt und geht. Und ansonsten kann Vinz endlich mal eine Folge zu dem ganzen Thema Offline vorbereiten. Denn das haben wir zumindest privat in meinem Austausch – so sich wieder lossagen von den ganzen Online-Tools, von den ganzen Möglichkeiten, von den Funktionen, weil Möglichkeiten sofort überladen und überfordern. Finde ich auch eigentlich einen wichtigen Gedanken, gerade wenn man so ein Programm aufsetzt, zu sagen: Leute, habt einfach Spass, probiert es aus, aber es geht nicht darum, die perfekte Technik zu haben, oder noch drei Planungstools und einen Reminder und was auch immer. Schreib halt, veröffentlicht, guck was passiert – und gut ist.
Vinz: Bewusster angehen. Das ist gar nicht so schwierig. Bewusster und ein bisschen mutiger. Fertig. Man hat immer das Gefühl, alles muss glänzend perfekt sein. Ich glaube, das ist halt auch ein bisschen ein Trend: Mit dem ganzen KI-Thema haben dann alle, auch kleine Unternehmen, das Gefühl, die hätten so eine Schlagkraft und hauen täglich die Dinge raus. Dabei ist es einfach drittklassiger Content. Ich bin mittlerweile wieder auf dem Qualitäts- statt Quantitäts-Trip. Wenn du dann links und rechts schaust, schwappt der Bullshit aus allen Ecken und Öffnungen.
Rouven: Ja. Ich mache auch lieber ein Handy-Selfie als ein KI-Foto zu generieren.
Paul: Nicht mehr so einfach.
Rouven: Ich kann diese KI-Bilder auch im Moment einfach nicht mehr sehen. Es ist mir einfach viel zu viel. Man sieht ja auch sofort, es ist KI-generiert – ob es jetzt als KI gekennzeichnet ist oder nicht. Aber du siehst halt einfach an der Ästhetik: Das ist ein KI-Bild. Und ich finde es ganz furchtbar. Also ich schreibe immer drunter: »Ich hätte gerne das gute alte Stockbild zurück. Macht lieber ein schlechtes Selfie.«
Vinz: Ja.
Paul: Die hatten wenigstens noch unterschiedliche Stile. Ja, das ist ja auch fast eine Befreiung. Ich glaube, das hatten wir auch im Interview mit Patrick. Da kann man gern noch mal reinhören. Er als Content Creator hat damals auch einfach begonnen, sich mit der Kamera zu filmen. Der hat das Ding nicht mal bearbeitet. So: Er hat einfach da reingeredet, und es ging wieder um den Inhalt. Und das ist ja eigentlich fast – und da würde ich immer gerne Leute damit motivieren – der schönste Teil aktuell an der Entwicklung: Dass man sich lossagen kann. Dass es wirklich mehr um den Inhalt geht und weniger um Ästhetik und perfekte Verpackungen. Und das kann man doch nutzen. Da sollte man direkt anfangen und einfach die Botschaften nach draussen testen, aber nicht die perfekten KI-Bilder. Was wären denn sonst noch so die drei Dinge, die du KMUs – weil das ja unsere Hauptthese war – mit auf den Weg geben würdest? Zu sagen: »Probiert es doch einfach mal aus, fangt an, es tut nicht weh, macht einfach.« Was wäre es?
Rouven: Ja, also wie gesagt: Die erste These ist, Silos und Brücken im Unternehmen abbauen, durchbrechen, Wände einreissen, Menschen transparent mitnehmen, Menschen dafür begeistern – und es auf jeden Fall mal auszuprobieren.
Paul: Sehr schön. Wo kann man dir folgen? Darf man dir folgen? Hau gerne noch kurz den Werbeblock raus.
Rouven: Der Werbeblock: Also mir kann man überall folgen. Ich habe jetzt tatsächlich auch wieder im Zuge der Diskussion um digitale Souveränität mein eigenes Blog reaktiviert, wo ich so ein bisschen schreibe – auf Gestalterhuette.de. Man kann mir natürlich auf LinkedIn folgen. Ausser bei Twitter Schrägstrich X bin ich glaube ich überall zu finden – entweder als »RouvenKasten« oder als »Gestalterhuette«. Und wer sich für das Thema LinkedIn Corporate Influencerinnen interessiert: Da gibt es eine ganz tolle Gruppe von Klaus Eck mit – ich weiss nicht –, über 6.000 Mitgliedern. Du bist glaube ich auch drin, wo man sich zu dem Thema austauschen kann. Oder sonst einfach an mein LinkedIn-Buddy Britta Behrens – dem kann man ganz toll folgen für alle Tipps und Tricks und Analysen rund um den Algorithmus.
Paul: Vielen lieben Dank, dass du bei uns warst. Folgt auf jeden Fall Rouven, schreibt ihn an, fragt nach, probiert das aus mit dem Corporate Influencing, Markenbotschafterin – nennt es wie ihr wollt, das spielt da wirklich überhaupt keine Rolle. Hauptsache ihr nutzt die Möglichkeiten, seid aktiv und macht was draus. Und dir weiterhin alles, alles Gute für euer Programm. Ganz viel Motivation, und ich finde es toll, dass du davon berichtet hast, und hoffe, dass sich jetzt noch mehr Leute davon inspirieren lassen und mitmachen. Und ansonsten überlegt noch mal, bei welcher Bank euer ganzes Geld geparkt ist. Liebe Zuhörer, es ist ein Thema. Muss man nicht morgen entschieden haben, aber da darf man mal drüber nachdenken.
Vinz: Danke auch vielmals von mir, es war wirklich sehr spannend und auch alles Gute weiterhin. Go for it, würde ich sagen. Cool.
Rouven: Ich danke euch recht herzlich für die Einladung. Es hat mir sehr viel Spass gemacht. Ich komme ja immer gerne in Podcasts. Und für alle, die bei YouTube sind: Das heisst nicht CEO, es heisst Chief Espresso Officer.
Paul: Danke für den Disclaimer. Und falls es im Hintergrund gerumpelt hat, es waren deine Katzen, nicht unsere Kinder. Sehr gut. Dann alles Gute und bis bald wieder, und viel Spass beim Marke machen. Ciao.
Rouven: Das waren die Katzen, genau. Vielen Dank, ich danke euch.






















































































