Warum Einfachheit dein Branding besser macht (mit Klarheit)
- Paul Stolle

- 3. Apr. 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Dez. 2025
Warum «Branding und Einfachheit» zusammengehören
Viele Unternehmen glauben, sie müssten laut, komplex und möglichst einzigartig auftreten, um aufzufallen. In Wahrheit passiert das Gegenteil: Je klarer, reduzierter und einfacher eine Marke ist, desto stärker wird sie wahrgenommen. In dieser Folge sprechen Paul und Vinz darüber, warum «Branding und Einfachheit» untrennbar zusammengehören – und wie Klarheit nach innen zu Wirkung nach aussen führt.
Was du mitnimmst
Einfachheit schafft Vertrauen. Wenn deine Marke klar, verständlich und fokussiert ist, fällt es Menschen leichter, sich zu entscheiden.
Komplexität schwächt Marken. Je mehr du erklärst, desto weniger bleibt hängen. Reduktion ist kein Verzicht, sondern Fokus.
Ein Wort kann alles tragen. Starke Marken haben eine zentrale Idee, die sich in allem wiederfindet – von der Strategie bis zum Design.
Einfachheit ist harte Arbeit. Weglassen ist schwieriger als Hinzufügen. Gute Marken trauen sich, klar zu entscheiden.
Disziplin schlägt Perfektion. Einfachheit entsteht, wenn du immer wieder prüfst, was wirklich zählt – und was nur Lärm ist.
Klarheit innen = Wirkung aussen. Wenn dein Team weiss, wofür ihr steht, entsteht automatisch Konsistenz und Vertrauen.
Einfachheit macht anziehend. Marken, die klar sind, ziehen die richtigen Menschen an – weil sie verstanden werden.
Warum das wichtig ist
Einfache Marken sind nicht langweilig – sie sind klar. Und Klarheit ist die Grundlage für Vertrauen, Wiedererkennbarkeit und langfristigen Erfolg. Wer seine Marke einfach hält, ermöglicht Orientierung – für Kund:innen, Mitarbeitende und Partner. Das ist kein Marketing-Trick, sondern die Grundlage für echtes, nachhaltiges Wachstum.
Jetzt reinhören
Wenn du nicht nur wissen willst, dass Einfachheit wirkt, sondern wie du sie für dein Branding nutzt, hör dir die ganze Folge an. Genau dort wird’s konkret.

Das Transkript zu E002
Paul:
Hi und herzlich willkommen bei Mach mal Marke. Nee, keine Ahnung. Wir machen einen anderen Einstieg. Egal. Vince, ich hab dir ein Thema mitgebracht, und das ist Einfachheit. Ich glaub, ich muss gar nicht mehr dazu sagen, weil ein richtig gutes Branding ist immer einfach.
Ich sag das, weil man oft das Gefühl hat, dass es ein superkomplexer Prozess ist und so ein Branding richtig aufwendig ist. Und wenn du Markenentwicklung hörst, klingt das nochmal technischer und schwieriger – fast so, dass man sich denkt: Okay, dann mach ich’s einfach nicht. Dann hab ich einfach mein Logo und gut ist. Aber das ist ja keine Lösung.
Der Punkt ist: Wenn du das Ganze einfach hältst und dich auf das Wesentliche reduzierst, wird es auch leicht verständlich. So, und jetzt würde ich direkt den Ball zu dir geben. Moin Vince, schön, dass du da bist. Was denkst du zu dem Thema?
Vinz:
Ciao, danke, gleichfalls.
Paul:
Ist ein gutes Branding einfach?
Vinz:
Ich finde es spannend. Ich bin ein Anhänger des sogenannten Essenzialismus. Und da geht’s eigentlich genau darum: Mach weniger, aber besser.
Das kann man, abgesehen vom Branding, aufs ganze Leben anwenden. Weg mit all dem Bullshit – und einfach das machen, worauf man wirklich Bock hat, wofür man steht. Und dort dann die ganze Energie reinfliessen lassen. Dann wird man, ob man will oder nicht, früher oder später Erfolg damit haben.
Paul:
Auf jeden Fall. Aber es ist ein Prozess, oder? Ich glaube, das geht nicht von heute auf morgen. Das ist schon Arbeit an der Substanz.
Vinz:
Jawohl. Genau. Wie du gesagt hast: Vor allem, wenn man von Markenentwicklung redet – Branding ist ja das englische Wort dafür – denken viele nur an das visuelle Korsett.
Aber eigentlich geht’s darum, die Klarheit und Substanz einer Marke zu schaffen: Positionierung, Angebot, Wirkung, Unternehmenskultur … ein riesiger Plunder.
Doch jeder Bereich lässt sich auf einen Satz runterbrechen: Einfachheit. Wenn das am Ende klar ist, wird alles einfacher – auf allen Ebenen.
Eigentlich geht’s nur darum, die richtigen Fragen zu stellen. Sich selbst – oder, in unserem Fall, unseren Kund:innen.
Paul:
Da würde ich ein Fragezeichen machen, ob das für einen selbst immer so gut geht.
Wir sind ja selbst die Profis vom Fach – und wenn’s ums eigene Branding geht, ist es verdammt schwer. Wenn wir das aber für andere machen dürfen, genügt oft ein Blick von aussen, und man findet direkt heraus, worum es eigentlich geht.
Egal, wie man’s macht – dieser Blick von aussen hilft extrem. Ob vom Profi, vom Freundeskreis oder von der Tante nebenan.
Paul:
Aber die Kunst ist trotzdem, das, was man macht, aufs Wesentliche zu reduzieren. Die Königsdisziplin, die dich als Unternehmen am meisten weiterbringt, ist es, alles auf ein Wort zu reduzieren.
Dass du genau weisst: Alles, was ich tue, dreht sich um diese eine grosse Idee. Ich hatte das neulich bei einem Projekt – da haben wir herausgefunden, es dreht sich alles um Empowerment. Egal, was sie tun, wenn du es weiterdenkst, bist du immer bei Empowerment. Sie wollten Menschen motivieren und befähigen, Dinge selbst zu tun.
Das ist eine grosse Idee. Und sie macht es dir so viel leichter, wenn du sie im Unternehmen lebst. Egal, ob du neue Produkte aufsetzt, neue Themenfelder eröffnest oder nur den Support neu strukturierst – diese Idee schwingt immer mit.
Vinz:
Mhm, ja. Und das gibt dann diese Konsistenz im ganzen Markenauftritt – von der Strategie bis zum Design. Wenn du das einmal klar hast, kann’s dir niemand mehr nehmen.
Paul:
Sag was anderes, aber ich find das grossartig. Ein Wort!
Vinz:
Ja. Genau das. Das ist eigentlich Priorität Nummer 1.
Übrigens kommt das Wort Priorität genau daher: Es gab ursprünglich keine Mehrzahl davon. Es konnte nur eine Priorität geben – das Wichtigste. Später hat man dann Pluralformen erfunden, Prioritäten.
Und genau darum geht’s: Wenn du dein Hauptthema kennst – zum Beispiel Empowerment – kannst du das auf alles anwenden. Das ist viel stärker, als wenn du zehn Dinge gleichzeitig priorisieren willst.
Paul:
Ja, und genau deswegen heisst das Ding ja auch Mach mal Marke. Aber du hast schon zweimal reingeredet, das schneiden wir später zusammen. (lacht)
Vinz:
Nein, lassen wir das. Das ist halt live. Liebe Leute, das passiert im echten Leben.
Vinz:
Wenn du weisst, wofür du stehst, wird vieles klarer – auch bei Entscheidungen.
Zum Beispiel, wenn das Geschäft mal auf der Kippe steht: Wem gibst du Vorrang – den Kunden, den Investor:innen, dem Team? Wenn deine Priorität Kundenbedürfnisse zuerst ist, dann weisst du, was zu tun ist.
Das ist nicht nur Kommunikation nach aussen, sondern auch Haltung nach innen. Und viele machen es sich unnötig schwer, weil sie diese Klarheit nicht haben.
Paul:
Ja, genau. Und das ist der beste Test für jede Strategie: Kannst du sie wirklich umsetzen?
Wenn du etwas so kompliziert aufsetzt, dass es später niemand versteht oder anwenden kann, ist das keine Strategie – das ist eine Wunschvorstellung.
Je einfacher es ist, desto leichter verstehen es auch alle ausserhalb des Unternehmens.
Ich teste das immer an meiner Frau. Wenn ich ihr eine Idee erzähle und sie sie nicht sofort versteht, muss ich nochmal ran.
Dieser Prozess ist ein grosses Herausfiltern von Ansätzen und Ideen, bis nur noch die Essenz bleibt. Und die macht’s dann so einfach für Aussenstehende, zu begreifen, worum’s eigentlich geht.
Paul:
Und da kommt der Test: Wenn du Claims von grossen Marken anschaust – zum Beispiel Nike: Just Do It – das ist die Essenz von allem.
Egal, was Nike macht, sie können alles auf diesen Satz zurückführen. Das ist pure Einfachheit – und das für ein riesiges Unternehmen.
Vinz:
Genau. Ich hab mal das Buch von Rick Rubin gelesen – The Creative Act. Rick Rubin ist dieser legendäre Musikproduzent mit Bart und langen Haaren.
Er hat ein Kapitel, in dem er sagt: Kunst beginnt da, wo du alles weglässt, was überflüssig ist. Wenn du soweit reduziert hast, dass die Essenz erkennbar bleibt – dann hast du’s. Alles, was du danach wieder dazutust, stört.
Und das ist genau der Punkt. Für uns wirkt vieles offensichtlich, aber für Kund:innen ist es oft ein Knoten. Wenn sie dann das Ergebnis sehen, sagen sie: Eigentlich ist es ja logisch. Und genau das ist die Kunst der Einfachheit: Wenn’s so logisch wäre, hätten sie’s selbst gemacht.
Paul:
Dahin zu kommen, ist das Schwierige.
Ich hatte kürzlich ein Projekt, bei dem alles super lief – tolle Zusammenarbeit, klare Antworten – und trotzdem war bei der Essenz Stille im Raum.
Das zeigt, wie schwer es fällt, Komplexes zu vereinfachen. Die Welt da draussen ist verdammt komplex. Du kannst dem nur begegnen, indem du’s einfach hältst.
Der grösste Vorteil: Wenn du’s einfach machst, verstehen’s alle – intern und extern. Und sie können’s sich merken.
Darum kennt fast jeder Just Do It. Klar, Nike hat viel Geld reingebuttert – aber Einfachheit funktioniert, weil sie hängen bleibt.
Vinz:
Das ist wie der Hornbach-Jingle. Oder Magenta bei der Telekom – du siehst die Farbe und hast direkt den Sound im Kopf. Das ist die Macht von Einfachheit.
Paul:
Genau. Wenn du’s reduziert hast, musst du’s danach konsequent anwenden.
Wie in der Musik: Popmusik basiert oft auf denselben vier Akkorden. Spannend wird’s, wenn du an einer Stelle brichst – ein Akkord, der nicht passt, und alle hören hin.
So ist es auch bei Marken. Wenn du die Essenz hast, kannst du sie brechen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aber die Basis bleibt einfach.
Vinz:
Ja, das gilt für jede Kunstform – auch fürs Kochen. Wer wirklich gut ist, reduziert aufs Wesentliche. Alles andere lenkt ab.
Paul:
Und trotzdem ist es ein Paradox. Wir sind selbst unsere grössten Kritiker. Wie oft haben wir unsere Website schon umgebaut?
Erst klatscht man alles drauf, dann merkt man: sieht schlimm aus. Dann nimmst du wieder weg, reduzierst, dann wieder zu viel … bis du irgendwann merkst: Es braucht eigentlich nur das eine.
Weniger ist mehr.
Vinz:
Ja. Wie an der Uni: Zwei Äpfel und zwei Birnen sind zwei Äpfel und zwei Birnen. Aber auf akademischem Niveau sind’s zehn verschachtelte Sätze – niemand versteht’s, und trotzdem ist’s dieselbe Aussage.
Darum: Weniger ist mehr. Immer.
Paul:
Manchmal packt man extra mehr rein, um sich abzugrenzen. Man hört überall: Differenziere dich! Aber alle Märkte sind voll.
Also stopfen Leute ihre Angebote und Texte voll. Doch das Gegenteil wäre richtig.
Vinz:
Genau. In Angeboten sieht man das oft: Man packt noch zehn Goodies drauf. Statt sich zu fragen: Braucht’s das wirklich? Kann ich was weglassen, um den Prozess einfacher zu machen?
Dadurch reduzierst du Aufwand, Kosten und machst dich attraktiver. Einfachheit ist ein Wettbewerbsvorteil.
Paul:
Und da hilft der Blick auf die Zielgruppe: Was brauchen sie wirklich?
Viele verlieren sich in Details, die Kund:innen gar nicht interessieren.
Ich geb dir ein Beispiel: Eine Autowerkstatt. Kund:innen wollen nicht wissen, wie du das Auto reparierst. Sie wollen, dass es funktioniert – reibungslos. Wenn sie’s morgens abgeben und am nächsten Tag fahrbereit wieder abholen können, zahlen sie lieber mehr, als wenn sie überfordert werden mit Details.
Oder im Restaurant: Du bekommst einen Burger, der einfach perfekt ist. Statt dich durch tausend Optionen zu klicken, bekommst du genau das, was du brauchst. Das ist Einfachheit.
Vinz:
Ja, aber es gibt auch Leute, die das Gegenteil wollen. Wichtig ist, dass du deine Zielgruppe kennst.
Keep it simple – aber passend.
Paul:
Gutes Experiment, Vince. Du könntest den individuell zusammenstellbaren Burger sogar als den einfachsten Burger der Welt verkaufen. Einfachheit ist relativ.
Vinz:
Ja, genau. Und viele sind heute überfordert, weil sie nicht wissen, was sie wollen. Also: Keep it simple.
Paul:
Manche brauchen nur eine klare Empfehlung. Wie auf Websites mit drei Preisplänen – die mittlere Option wird fast immer gewählt, weil sie Orientierung bietet. Das ist Einfachheit in der Praxis.
Aber hey, wir sind fast wieder vom Thema weg.
Vinz:
Ja, aber das zeigt doch: Einfachheit zieht sich durch alles. Also, einfach einfach.
Paul:
Genau. Und als Übung kannst du dich immer fragen: Was kannst du weglassen, bis es nicht mehr funktioniert?
Wenn du weisst, was du nicht mehr weglassen kannst, hast du die Essenz deines Unternehmens gefunden. Darum dreht sich alles.
Und das ist die Basis, auf der du aufbauen kannst.
Vinz:
Jawohl. Das wär’s.
Paul:
Wie immer gilt: einfach machen, ausprobieren, Feedback holen, umsetzen.
Und solche Kernbegriffe – also ein Wort, um das sich alles dreht – kannst du wunderbar testen. Es ist nie in Stein gemeisselt, aber es gibt dir Halt.
Also: einfach machen.
Vinz:
Ja, in dem Sinn: danke und schön.
Paul:
Danke, Devinz. Bis zum nächsten Mal. Mach mal Marke.
Vinz:
Ciao!
Paul:
Darum.

































