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Nachhaltiges Branding

Paul

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Hi, ich bin Paul und entwickle nachhaltige Marken für Unternehmungen, die wirklich was verändern wollen. Und da Wissen für alle da ist, teile ich es nur zu gerne.

Nostalgisches Branding

Vinz

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Nostalgie mit cleanem Sex-Appeal. Dafür stehe ich mit meiner Arbeit. Fancy Firlefanz brauche ich nicht, dafür steht Substanz und Echtheit bei mir ganz oben.

Nix Vertrauen. Nix Marke. (3 Phasen für KMU für Vertrauen im Branding)

  • Autorenbild: Paul Stolle
    Paul Stolle
  • vor 12 Stunden
  • 17 Min. Lesezeit





Vertrauen im Branding


Man kann über Branding alles Mögliche erzählen. Über Sichtbarkeit, Reichweite, Design, Social Media, Logos, Farben, Storytelling. Und ja, das alles hat seine Berechtigung. Aber wenn man ehrlich ist, ist das alles wertlos, wenn am Ende niemand deiner Marke vertraut. Keine Kundin kauft ohne Vertrauen. Kein Mitarbeiter bleibt ohne Vertrauen. Und kein Markt nimmt dich ernst ohne Vertrauen.


Vertrauen ist kein «Nice-to-have». Vertrauen ist das höchste Ziel von Branding. Alles andere sind Werkzeuge, um dorthin zu kommen.

Und das Spannende: Vertrauen ist nichts Mystisches. Es entsteht nicht durch Magie, sondern durch einen ziemlich klaren Prozess. Für uns lässt sich dieser Prozess in drei Phasen aufteilen. Nicht als starres Modell, sondern als Orientierung. Wie bei einer guten Beziehung. Oder einer Freundschaft. Oder einer Zusammenarbeit, die länger als drei Monate halten soll.



Phase 1: Der erste Eindruck – die Eintrittskarte zum Vertrauen


Der erste Eindruck wird oft als oberflächlich abgetan. Gerade im Branding hört man schnell: «Ja, Design ist nicht so wichtig.» Doch genau hier wird es spannend. Denn beim ersten Eindruck ist Design extrem wichtig. Nicht als Selbstzweck, sondern als Signal.


Wie trittst du auf? Wie wirkst du? Meint ihr das ernst oder sieht es nach halbgarer Selbstinszenierung aus?

Beim ersten Eindruck spielen für uns drei Dinge zusammen:


  1. Erstens: Auftritt und Erscheinung. Farben, Typografie, Bildwelt, Tonalität, Gesamtwirkung. Nicht, um «schön» zu sein, sondern um Haltung zu zeigen. Um spürbar zu machen: Hier sitzt jemand, der weiss, was er tut.

  2. Zweitens: Kommunikation. Versteht man sofort, worum es geht? Oder muss man sich alles mühsam zusammensuchen? Klarheit schlägt Cleverness. Eine Marke darf einfach sein, ohne banal zu sein.

  3. Drittens: Das Versprechen. Das Angebot selbst. Passt es zur Situation der Menschen? Holt es ein echtes Bedürfnis ab? Oder ist es überladen, zu kompliziert, zu «innovativ» für ein Problem, das eigentlich nach einer simplen Lösung schreit?


Wichtig ist: Dieser erste Eindruck gilt nicht nur für Kund:innen. Er gilt genauso für Mitarbeitende, für Bewerber:innen, für Partner, für Verbände, für dein gesamtes Umfeld. Wer gute Leute will, muss auch als gutes Unternehmen wahrgenommen werden. Wer Respekt im Markt will, muss ihn zuerst ausstrahlen.


Aber: Der erste Eindruck funktioniert nur, wenn ein Fundament dahintersteht. Ohne Markenstrategie, ohne Klarheit, ohne Substanz wird er zur hübschen Fassade. Und hübsche Fassaden fallen schneller zusammen, als man denkt.



Phase 2: Vertrauen halten – liefern statt labern


Der schnellste Weg, Vertrauen zu zerstören, ist: mehr zu versprechen, als man halten kann.

Hochglanzauftritt, aber chaotische Prozesse. Grosses Marketing-Geschwafel, aber schlechte Qualität. Buzzwords statt Substanz. Laut sein, aber nichts dahinter haben. Vertrauen ist kein Wunschkonzert. Es ist ein Versprechen an dich selbst, das du jeden Tag neu einlösen musst. Intern wie extern.


Und genau hier wird Branding unbequem. Denn hier reicht kein gutes Design mehr. Hier geht es um Unternehmenskultur. Um Markenkultur. Um die Frage: Wie gehen wir wirklich miteinander um? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie fühlt es sich an, hier zu arbeiten? Wie ehrlich sind wir mit unseren eigenen Grenzen?


Eine Marke, die intern Menschen schlecht behandelt und nach aussen heile Welt spielt, wirkt nie stimmig. Irgendetwas passt immer nicht. Und das spüren Menschen schneller, als jede Marketingabteilung denkt.


Lieber ehrlich, klar und vielleicht etwas leiser auftreten, dafür zuverlässig sein. Als laut, perfekt inszeniert und am Ende unglaubwürdig.


Phase 3: Vertrauen pflegen – zuhören, lernen, weitergehen


Vertrauen ist kein Zustand. Vertrauen ist ein Prozess. Wer glaubt, man könne es einmal aufbauen und dann verwalten, verliert es früher oder später.


In dieser Phase geht es um Feedback. Und zwar aus drei Richtungen:


  1. Von den Kund:innen. Was funktioniert wirklich? Wo reibt es? Wo entstehen Frust, Unsicherheit oder Enttäuschung?


  2. Von den Mitarbeitenden.

    Leben sie die Marke – oder ertragen sie sie nur? Ist die Marke für sie mehr als ein Lohnzettel?


  3. Vom Markt.

    Was verändert sich? Was wird erwartet? Was ist überholt? Wo entstehen neue Chancen?


Wer Feedback ignoriert, verliert zuerst Relevanz. Und danach Vertrauen. Branding bedeutet deshalb: dranbleiben, nachschärfen, weiterformen. Nicht hektisch, sondern aufmerksam. Nicht getrieben, sondern bewusst.


Vertrauen ist menschlich, nicht technisch


Am Ende geht es immer um Menschen. Menschen, die gesehen werden wollen. Gehört werden wollen. Ernst genommen werden wollen.

Marken, die das schaffen, werden mehr als Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen. Sie werden zu Bezugspunkten. Zu Orten von Zugehörigkeit. Zu etwas, das über den reinen Nutzen hinausgeht. Und genau dort entsteht diese Form von Vertrauen, die man nicht kaufen kann. Sondern nur verdienen.




Die 3 Phasen von Vertrauen auf einen Blick


  1. Ein ehrlicher, starker erster Eindruck

  2. Liefere das, was du versprichst

  3. Bleib offen, lernfähig und in Beziehung


Mehr braucht es nicht. Aber weniger reicht auch nicht.




Takeaways


  • Vertrauen ist kein Marketingziel, sondern das eigentliche Ziel von Branding.

  • Der erste Eindruck öffnet Türen, ersetzt aber kein Fundament.

  • Hochglanz ohne Substanz zerstört Vertrauen schneller als schlechtes Design.

  • Unternehmenskultur ist immer auch Markenkultur.

  • Feedback ist kein Risiko, sondern der Treibstoff für Relevanz.

  • Vertrauen entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Ernsthaftigkeit.



Jetzt reinhören und Vertrauen aufbauen


In der Folge sprechen wir noch viel tiefer über die drei Phasen von Vertrauen, über echte Beispiele aus dem Alltag, über Führung, Unternehmenskultur und darüber, warum Vertrauen nichts mit Lautstärke, sondern mit Stimmigkeit zu tun hat.


Wenn du wissen willst, wie Vertrauen konkret in deiner Marke entstehen kann – bei Kund:innen, Mitarbeitenden und im Markt, dann hör unbedingt rein. Diese Folge ist kein Motivations-Geschwafel. Sie ist eine Einladung, ehrlicher mit der eigenen Marke umzugehen.













Bildtext: Bau mal Vertrauen


Das Transkript zu E079

Vinz:

Hoi. Viel redet beim Branding ja immer über Sichtbarkeit. Oder Reichweite, Design, Social Media oder sonst irgendeinen Scheiss. Aber ganz ehrlich finde ich all das wertlos, wenn niemand deiner Marke vertraut.


Denn ohne Vertrauen kaufst du nicht als Kunde. Und ohne Vertrauen willst du, blöd gesagt, bei keiner Firma arbeiten. Und meine Kerntese, oder brisante Aussage, die ich heute mitgebracht habe – oder einfach gesagt: Thema ist das höchste Ziel des Brandings – ist Vertrauen. Und zwar Vertrauen bei Kunden, bei Mitarbeitenden und im Markt insgesamt.


Ich finde, Vertrauen entsteht nicht einfach zufällig, sondern es braucht meiner Meinung nach genau drei klare Phasen. Die will ich heute mit dir anschauen. Ich bin jetzt einfach mal gespannt: Was meinst du? Hat das gerade irgendwie Hand und Fuss, was ich gerade von mir gegeben habe, oder würdest du dem komplett widersprechen?


Paul:

Willkommen zu Mach mal Marke, dem einzigen deutschsprachigen Branding-Podcast ohne Bullshit mit Vinz und Paul.


Du kennst mich, Vinz. Ich würde natürlich sofort komplett widersprechen. Spass beiseite: Ich muss bei «Phasen» lustigerweise gerade an Physikunterricht denken und war kurz mit dem Kopf woanders. Aber die Grundaussage – Vertrauen ist das höchste Gut, darum geht es beim Branding – das würde ich dir sofort unterschreiben. Also können wir die Folge gleich beenden. Richtig gut.


Vinz:

Quatsch.


Paul:

Passt. Vertrauen ist eigentlich – und den Punkt finde ich noch wichtig – ein riesengrosses Geschenk, das man als Marke bekommen kann. Denn wenn dir Menschen einmal vertrauen, dann muss schon echt viel passieren, dass sie dir das Vertrauen wieder entziehen. Dass sie sagen: Okay, der Marke habe ich vertraut, der vertraue ich jetzt nicht mehr, weil die irgendwas Schlimmes, Blödes, Doofes gemacht hat.


Aber wenn du einmal Vertrauen hast, dann musst du dich um die Leute eigentlich gar nicht mehr so richtig kümmern. Also Vertrauen ist so ein höheres Gut, das bringen wir ja auch meist nur zwischenmenschlich raus. Wir brauchen schon irgendwelche Anker, einer Marke vertrauen zu können. Da muss schon Persönlichkeit mitschwingen. Aber wenn das einmal da ist, ja, dann hast du es eigentlich geschafft. Zehn am Lotto.


Vinz:

Ich würde jetzt sagen: Nein. Denn schon klar, du hast gesagt, wenn Vertrauen da ist, dann ist das ja sehr stark und es braucht schon was, bis es wieder mal einen Knick kriegt. Aber du darfst das auch nicht vernachlässigen. Ich meine, es ist ja wie bei einer Partnerschaft oder Freundschaft oder so. Ja, logisch: Wenn du mal Vertrauen hast, ist es gut. Aber wenn du dich dann einfach einen Scheiss darum kümmerst, irgendwann ist es dann eben nicht mehr gut. Und das ist ja eigentlich auch bei einer Marke. Oder?


Paul:

Okay. Ja.


Ja, es basiert immer auf Gegenseitigkeit. Freundschaft ist, glaube ich, das perfekte Thema, wenn man sich überlegt: Warum befreundet man sich mit einer anderen Person? Entweder ist es ein Kontext, man ist innerhalb des gleichen Kontextes unterwegs – man geht zusammen zur Schule oder besucht zusammen irgendeine Bar oder ein Restaurant oder irgendein Event – und man hat dort irgendeine Art Erstkontakt, redet miteinander, und hat dann das Gefühl, dass man sich verstanden und gesehen fühlt. Und findet die andere Person sympathisch und interessant.


Das ist auch noch so ein Punkt: Man kriegt nicht sofort alles mit. Man will noch mehr kennenlernen von der Person. Daraus kann eine Freundschaft entstehen. Klar, ich habe das auch schon erlebt: Wenn man sich um Freunde nicht kümmert, dann kann das einfach wegsterben mit der Zeit. Dann endet so eine Freundschaft. Genau, weil das Gegenseitige fehlt.


Absolut. Guter Einwand. War das jetzt schon Phase 1 oder …?


Vinz:

Ha! Fast, fast. Ich würde sagen, ich habe das meiner Meinung nach in drei klare Phasen hineingegliedert. Ich hoppe jetzt einfach mal in Phase 1: Das ist der erste, positive Eindruck. Das ist die Hürde zum Vertrauen.


Denn mein Gedanke war: Für viele oder mittlerweile ist der erste Eindruck immer etwas oberflächlich. Oder? Aber ich finde, vor allem bei Marken ist er eigentlich ein klares Signal. Du fragst dich als Kunde: Cool, meint die das ernst, ist das wirklich so?


Und was dort reinspielt, sind für mich drei Sachen. Das wäre der Auftritt und die Erscheinung. Ich, der immer sagt, Design ist zweitrangig – aber dort ist halt das Design am entscheidendsten. Dort spielt es halt …


Paul:

Ja. Da spielt es eine Rolle, mitschreibend.


Vinz:

Vor allem dort spielt es eine Rolle. Es ist ja wie bei uns auch. Du kannst nicht sagen, wer will, aber … wenn du einen Partner suchst und sagst, du schaust nicht aufs Äussere, dann lügst du. Sorry, meine Meinung. Schreib gerne einen Kommentar rein, wenn ich mich irre.


Paul:

Jaja, nur … ähm … ich würde das gerne nochmal streuen, das Äussere. Das sind ja bestimmte Dinge, die dir gefallen. Das ist ja bei allen Leuten anders.


Vinz:

Genau. Es muss dir gefallen. Es muss für dich ansprechend sein. Aber das ist genauso bei einer Marke: Wenn das Design schön ist, schöne Farben, das Logo, was auch immer, Schrift. Oder generell die Tonalität, die Klarheit. Die Gesamtwirkung einfach von einem Produkt oder einem Unternehmen. Das ist schon mal etwas, das dich anzieht. Das weckt Interesse.


Der zweite Punkt wäre die Kommunikation. Versteht man sofort, was hier läuft, was hier abgeht, wofür man steht? Oder muss man sich alles selber zusammenreimen? Das ist recht unterschätzt, weil du natürlich auch sehr klar und faktisch kommunizieren kannst – aber es checkt keine Sau, weil es langweilig ist, weil es keine roten Fäden hat. Da sind wir wieder beim Storytelling.


Und das ist ja auch wissenschaftlich belegt: Die Art und Weise, wie man kommuniziert, ist oft viel ausschlaggebender als was man kommuniziert. Kommt natürlich immer drauf an, wie, wo, was. Aber es soll halt schon einfach einen Effekt machen.


Paul:

Naja, Emotionen schwingen immer mit.


Das hätte auch mein Physiklehrer wissen können: Wenn man Stoff trocken erklärt, emotionslos, dann schwingen auch da Emotionen mit, die man auslöst. Man kann das anders machen. Auch da holt man Leute in einer bestimmten Verfassung ab. Das muss man beachten.


Vinz:

Genau.


Der dritte Punkt in diesem ersten Eindruck wäre das Versprechen. Also: Das Produkt oder die Dienstleistung an sich, die ein echtes Bedürfnis abholt. Ist es gefragt? Oder ist es etwas komplett Neues, das die Leute trotzdem abholt? Ist es innovativ oder was auch immer?


Paul:

Ja, oder passt es einfach perfekt gerade zur Situation, in der man sich befindet. Es gibt nämlich umgekehrt auch den Fall, dass viele Dinge zu innovativ sind, wenn man eine ganz einfache, simple Lösung sucht.


Gerade bei Software-as-a-Service, Tools und so: Die können mittlerweile alle unglaublich viel. Du kriegst kein Tool mehr ohne irgendeinen AI-Agent, der noch mithilft, zusammenfasst, optimiert und einstellt. Und letztlich willst du einfach eine Notiz-App haben, die das alles nicht kann, wo du Zeug reinschreiben und terminieren kannst. Ganz simpel. Und auch da kann man sich schnell verrennen und alles vollladen. Da hilft Einfachheit. Und Fokus: In welcher Verfassung befindet sich mein Zielpublikum, meine Zielperson?


Vinz:

Genau.


Und jetzt ist aber noch, was ich sagen will, bevor ich weitergehe und zu meinem Twist komme: Das Ganze zu definieren, braucht eine Marke zuerst einmal ein Fundament. Also die strategische Arbeit, die wir immer sagen: Mach deine Brandsubstanz, deine Positionierung, deine Zielgruppenanalyse. Das muss bestehen, bevor man einen gescheiten ersten Eindruck hinterlassen kann. Sonst ist das einfach nur verwässerter 0815-Scheiss. Darf ich nicht mehr so viel Scheiss sagen? Yes. Also, das einfach als Anmerkung.


Aber jetzt als Twist: Wir haben eigentlich immer nur aus Kundenperspektive geredet. Der erste Eindruck gilt eben nicht nur für Kunden, sondern genauso für Mitarbeitende, zum Beispiel potenzielle Angestellte. Keine Ahnung: Wer will schon als Bauarbeiter mit einem pinken Leibchen, mit einer Giraffe drauf, auf dem Bau arbeiten. Nur weil, keine Ahnung. Ja, aber das sind so Sachen.


Das ist halt nicht mehr so wie früher, wo sich die Firmen quasi die Leute aussuchen konnten. Es weht mittlerweile ein anderer Wind. Die meisten Firmen suchen Leute, haben offene Stellen – dauernd. Und die suchenden Leute … ja, dann macht halt auch etwas dafür.


Oder eben wie du mal gesagt hast: Chefs legen mega Wert auf Etiketten bei ihren Mitarbeitern, aber gleichzeitig ist die Firma aussenwahrnehmung einfach für den Arsch. Das beisst sich halt.


Wenn du gescheite Leute willst, hochqualifizierte Leute für dein Unternehmen willst, dann schau halt auch, dass der Firmenauftritt dementsprechend gegen aussen wahrgenommen wird. Und das eben in diesen drei Sachen: Auftritt und Erscheinung, Kommunikation, aber auch im Versprechen an sich.


Und dann geht es noch tiefer: Wie behandelst du deine Mitarbeiter? Das haben wir schon hundertmal in anderen Folgen angeschnitten, aber das vergisst man dann viel.


Das Gleiche gilt auch aus Marktperspektive: Ein hochwertiger Auftritt – damit wirst du auch in deinem Umfeld ernst genommen. Von Konkurrenten, von Verbänden, von was der Gugger auch immer war. Es ist eine Basis für mögliche Partnerschaften, Kooperationen.


Paul:

Ja.


Vinz:

Es ist einfach Vertrauen auf Augenhöhe. Du kannst nicht am laufenden Band von Qualität reden, ich weiss nicht, was der Gugger war, aber es sieht alles aus wie eine Sieben und Fünf und es passt nicht zusammen. Das ist einfach inconsistent as hell.


Der erste Eindruck öffnet Türen, aber er ersetzt kein Fundament. Das brauchst du auch. Ja. Jetzt kannst du ausführen.


Paul:

Ja, das passt. Letztlich wollte ich nur zusammenfassen: Es geht immer darum, dass sich deine Mitarbeitenden wohlfühlen bei dir. Wenn die sich wohlfühlen, dann vertrauen die dir auch – oder dann können die überhaupt Vertrauen und eine Beziehung zu dir, zu deinem Unternehmen aufbauen. Und dann können die auch richtig gut arbeiten.


Und auch – das ist der Punkt, der gerade gut passt – wenn man merkt, dass das alles gespielt ist: Du willst einen guten ersten Eindruck hinterlassen, und dann ist der zweite Eindruck ziemlich schlecht, dann hast du ein Problem. Oder dann ist der letzte Eindruck schlecht. Das gibt es ja auch manchmal.


Man sagt ja: Die zwei Momente, die in Erinnerung bleiben, wenn man mit Menschen in Kontakt ist, sind meist der erste Moment, also das kurze Begegnen, und dann der letzte Moment, wenn man sich verabschiedet. Klar, zwischendurch gibt es auch Sachen, die eine Rolle spielen. Aber das sind Punkte, auf die es ankommt.


Und man merkt einfach, wenn irgendwas aufgesetzt oder gespielt ist. Es ist komisch, nicht stimmig, irgendwas passt nicht. Und deswegen – das hatten wir in anderen Folgen auch schon – ist es so wichtig, dass man sich nicht selber anlügt und sich nichts vormacht und nicht irgendwas spielt. In Summe muss der komplette Prozess von Anfang bis Ende stimmig sein als Marke.


Wenn du irgendwas da draussen verkaufen willst, dann führe die Leute wirklich wie gute Freunde durch diesen Prozess. Aber dann achte halt wirklich an allen Touchpoints, dass die funktionieren.


Vinz:

Das ist die perfekte Überleitung zu meiner Phase 2, und zwar: Vertrauen halten. Da heisst es kurz und knapp: liefern statt labern. Denn der schnellste Weg, Vertrauen zu zerstören, wenn du es mal hast mit deinem ersten Eindruck, ist mehr zu versprechen, als du halten kannst.


Konkrete Probleme, die du tagtäglich siehst, sind zum Beispiel grosses Marketing-Gefasel. So eine Krankheit Nummer eins: Alle fokussieren sich immer nur auf irgendwelche Marketingfloskeln. Balabern ohne Ende. Aber schlussendlich können sie das gar nicht halten, weil es hintenrum gar nicht so auf Hochglanz ist, wie es präsentiert wird. Da sind wir wieder bei den Prozessen oder in der internen Struktur.


Das Zweite sind mehr Buzzwords als Substanz. Alles ist hochgestochen und kompliziert. Komplizierter als es sein müsste. Abgehoben, anstatt einfach auf dem Boden zu bleiben.


Und was auch noch ein Klassiker ist: Hochglanzauftritt, aber in der Realität ist es einfach eine Enttäuschung.


Paul:

Yes. Lustigerweise muss ich bei allen Punkten an Tesla denken gerade und an Elon Musk, weil er ja wirklich Vollprofi darin ist, seit Jahrzehnten Dinge zu versprechen und vorzumachen, dass es immer kurz vor dem Durchbruch steht, kurz davor, brandneue Technologie umzusetzen, irgendwas zu schaffen – und letztlich bleibt es beim Reden und beim Versprechen. Und grösstenteils dann irgendwann auch beim Lügen von irgendwelchen Zahlen, die nicht stimmen und so weiter. Nur, um Leute, die investiert haben, bei Stange und bei Laune zu halten. Man liefert halt nicht.


Deswegen: Aber wenn man das mal kleiner denkt – es ist wirklich so ein Prozess, wie wir gerade schon gesagt haben, von Anfang bis Ende. Wenn der nicht stimmig ist, dann merkt man das.


Und ich finde ein grosses Stichwort dazu passend ist eine Unternehmenskultur oder vielmehr eine Markenkultur. Unternehmenskultur kannst du prägen durch Miteinander, durch eine bestimmte Art der Kommunikation und so weiter. Wenn du es weiterträgst, ist es gleichzeitig auch eine Markenkultur. Das heisst: Wie du dich intern benimmst, schwappt immer nach aussen.


Und wenn du es intern nicht schaffst, dass es eine gute Stimmung gibt, dass sich Menschen wohlfühlen, wie willst du es dann nach aussen machen? Dieser Punkt: intern Leute scheisse behandeln und nach aussen heile Welt vorspielen – das wird nie ganz funktionieren. Das merkt man.


Vinz:

Branding ist kein Wunschkonzert. Es ist eigentlich bloss ein Versprechen an dich selber, das du jeden fucking Tag neu einlösen musst. Intern wie extern.


Die Auswirkungen sind klar: Entweder kommt der Kunde nur einmal und dann nie wieder. Du hast schlechte Google-Bewertungen, die dir noch mehr schaden. Deine Mitarbeitenden verlieren Motivation oder können nicht mehr. Und der Markt ignoriert dich komplett oder nimmt dich nicht ernst.


Das sind messbare wirtschaftliche Probleme, Konsequenzen, die das Unternehmen tragen muss, wenn es die Marke nicht so führt, wie man es könnte. Und das ist eigentlich nicht so schwierig.


Meine Kernregel: Lieber bist du ehrlich, klar und vielleicht ein bisschen leise. Aber dafür läuft es, und du kannst es halten. Du bist nicht laut und unglaubwürdig, sondern eher geerdet. Aber die Leute checken auf einmal: Hey, die halten ihr Versprechen.


Paul:

Das ist das, was wir vor zwei Folgen gesagt haben, worauf es dieses Jahr beim Branding ankommt: diese Natürlichkeit. Wenn du natürlich bist, dann verstellst du dich auch nicht. Dann bist du immer du selbst. Das kannst du nicht abändern oder dich belügen. Das ist die ehrlichste Art und Weise, und das baut Vertrauen auf. Auch wenn nicht alles perfekt ist, das gehört dazu.


Das ist aber auch kein Freifahrtschein, Leute scheisse zu behandeln. Diese klassische Chef-Attitüde: «Ich bin nun mal so und ihr seid alle doof, ich kann mich nicht ändern.» Ganz ehrlich: Dann solltest du besser kein Chef sein.


Vinz:

Ja, das ist so. Ich ehrlich sagen: Ich komme aus dem Militär, war bei uns schon in Chefpositionen, habe Lehrlinge ausgebildet. Wenn irgendwer, der Nachgestellte, keinen Bock hat oder schlechte Arbeit liefert, dann ist es meistens – ich sage nicht immer, aber meistens – ein Führungsproblem.


Du musst nicht starre Mitarbeiterrollen kreieren und deine Leute blöd sehen. Weisst du, für Nachlässigkeiten: Nutze doch das Potenzial, das diese Leute haben. Die Ruhigsten sind oft die, die am meisten auf dem Kasten haben. Aber sie werden halt nicht gehört. Das sind wir wieder in gesellschaftlichen Themen.


Aber ich würde sagen, bevor wir uns hier verlieren, gehen wir mal …


Paul:

Naja, kurzer Aufruf an der Stelle: Wenn sich jemand angesprochen fühlt und in dem Bereich extrem viel Ahnung hat – Führungskräfte, Coaching, Leadership, Ausbildung und so weiter – gerne mal anhauen. Ich finde, das wäre ein gutes Interviewthema.


Falls es da Expertinnen oder Experten da draussen gibt, die gerne mal zu Gast kommen wollen, schreibt uns eine Nachricht, dann können wir gucken, ob das gut reinpasst.


Vinz:

Yes. Gut, dann würde ich sagen: Phase Nummer 3. Die Bindung. Oder das Vertrauen zu pflegen und eben nicht zu verwalten. Vertrauen ist kein Zustand, sondern ein Prozess, den du aufbauen musst. Oder halt auch halten durch regelmässige Interaktionen, was auch immer.


Und da finde ich, etwas vom Ausschlaggebendsten ist einfach Feedback. Und das sind, wie es schon angedeutet wurde, die drei Pfeiler: Kunden, Mitarbeiter und Markt.


Bei den Kunden kannst du einfach mal Fragen stellen oder auf Feedback hören: Was funktioniert wirklich oder eben nicht? Wo entsteht vielleicht Reibung? Was ist in der Qualität gut oder schlecht? Was ist im Prozess gut oder schlecht? Fühlen sie sich abgeholt oder nicht, was auch immer.


Beim Punkt Mitarbeitende habe ich mir diese eine Frage aufgeschrieben: Leben sie denn die Marke überhaupt richtig? Oder ertragen sie die Marke einfach nur? Ist die Marke für sie einfach nur Geldgeber, blöd gesagt, für die Büez? Vegetieren sie so dahin beim Arbeiten? Oder sind sie wirklich dabei? Checken sie diese grosse Vision des Unternehmens? Und brennen sie ein bisschen für das Unternehmen? Oder sind sie einfach dort?


Und der dritte Punkt, der Markt: Wie und warum verändert sich das Umfeld? Gibt es neue Dinge? Dinge, die nicht funktionieren, aber auch Dinge, die alle anderen machen, die eigentlich scheisse sind? Oder gibt es Erwartungen, die man erfüllen sollte – oder mit denen man auch spielen kann? Das ist natürlich wieder etwas, das du vorletzte Folge angekündigt hast: Wie kann man mit solchen Sachen spielen?


Und der entscheidende Satz, den ich mir noch aufgeschrieben habe: Wer Feedback ignoriert, verliert zuerst die Relevanz bei diesen drei Säulen – und dann das Vertrauen. Wer faul wird, das zu pflegen, was man sich aufgebaut hat, verliert das irgendwann.


Es ist auch wieder so ein abdröschender, ekeliger Spruch: Aber nichts ist so konstant wie der Wandel. Märkte verändern sich immer, Menschen verändern sich immer, Erwartungen verändern sich immer.


Paul:

Ja. Ja.


Vinz:

Das heisst: Branding heisst, du musst dranbleiben, nachschärfen, weiterformen. Branding ist nicht einmal gemacht und dann lässt man es schleifen. Man muss halt immer ein bisschen dranbleiben.


Paul:

Absolut. Man kann auch sagen: Es ist von Menschen für Menschen.


Und am besten kommen Menschen miteinander klar, wenn sie sich auf Augenhöhe begegnen und zuhören und offen miteinander sprechen können. Und das ist eben nicht nur – auch was das Feedback betrifft – nicht nur zuhören, sondern wirklich ins Gespräch kommen und nachfragen. Und vielleicht auch die Möglichkeit geben, mitgestalten zu dürfen.


Und bei allem kann man immer so tun, als ob. Man kann Mitgestaltung anbieten, so von wegen: «Schickt uns mal Namen, wie wir das neue Produkt benennen sollen.» Und dann nimmst du keinen von den Namen, weil sie dir nicht gefallen. Oder du merkst wirklich, in welche Richtung das geht, gehst auf die Leute ein und kommst in einen Dialog.


Das sind nicht die einfachsten Prozesse. Der entspannteste Weg ist: Ich bin Chef und ich sage, wer was zu tun hat, und dann machen das alle. Aber das ist kein Weg, der natürlich ist oder ein Weg, der sich für alle gut anfühlt.


Und letztlich: Wenn man es wirklich schaffen will, dass man relevant bleibt mit seiner Marke – man kann ja auch sagen, Marken sind für uns Menschen komplett egal. Wir brauchen Produkte, wir brauchen Dienstleistungen, irgendjemand muss uns helfen. Den Rest an sozialer Interaktion haben wir privat.


Aber wenn eine Marke das Gefühl gibt: Ich sehe dich als Mensch. Mir ist wichtig zu verstehen, was du brauchst, was du willst. Du kannst mitwirken. Wir können gemeinsam etwas verändern. Ich kann als Zielgruppe Teil einer Bewegung sein, fühle mich zugehörig – dieser Zugehörigkeitsaspekt, der voll in Richtung Community geht, was auch Chris im letzten Jahr im Interview so stark betont hat.


Dann sind das Punkte: Gemeinsam kann man etwas aufbauen, das grösser ist als ein klassisches Unternehmen und grösser als so eine 0815-Marke. Das hat Relevanz, das bleibt in den Köpfen. Und da verdrückt man im Idealfall als Kundschaft oder als Mitarbeitendenperson dann doch eine Träne, wenn es die Marke eines Tages nicht mehr gibt. Oder sie entwickelt sich weiter. Das ist etwas ganz Menschliches. Wir entwickeln uns ja auch weiter – also lasst das doch gemeinsam tun.


Vinz:

Ja, also am Schluss kann man sagen, zusammengefasst: Vertrauen ist eigentlich nichts Magisches. Es ist etwas ganz Natürliches, wenn man sich einfach echt gibt.


Und das besteht aus diesen drei Sachen: Erstens ein ehrlicher, starker erster Eindruck. Sei einfach echt, natürlich, wie du das gerne sagst. Punkt zwei: liefern, auch das, was du versprichst oder wofür du stehen willst vom ersten Eindruck her. Und der dritte Punkt: die Bereitschaft zuzuhören und sich weiterzuentwickeln. Diese drei Sachen braucht’s.


Und, äh, soll ich meinen Schlusssatz schon droppen? Oder … oder?


Paul:

Ich freue mich drauf. Hahaha.


Vinz:

Vertrauen entsteht nicht, weil du alles richtig machst, sondern weil man dir glaubt, dass du es ernst meinst. Und genau das spürt man schneller, als jedes Logo zeigen kann.


Paul:

Yes! Das spürt man nämlich durch lauter einzelne kleine Aspekte, die eine Rolle spielen. Sehr schön formuliert. Hey!


Vinz:

Yes. Und wer hier Hilfe braucht und Fragen hat, darf sich gerne an Paul wenden oder an mich. Schreibt einfach, ruft ihn an. Ihr findet unsere Kontaktinformationen eigentlich recht schnell. Überall. Genau.


Paul:

Überall. Ganz ehrlich: überall.


Vinz:

Oder sagt gerne mal in den Kommentaren, wenn ihr Anregungen habt. Vielleicht habt ihr auch nicht die gleiche Meinung. Das ist natürlich auch spannend zu hören. Wir lernen auch immer wieder gerne dazu, weil wir auch nicht alles wissen. Und das ist auch schön. Ja. Ich weiss nicht: Willst du noch etwas sagen? Oder hast du noch …


Paul:

Ja, ich hoffe, dass wir zu euch, die uns zuhören, auch Vertrauen aufbauen können oder vielleicht sogar schon aufgebaut haben. Hinterlasst da gerne Feedback, schreibt uns an, könnt auch eine persönliche Nachricht schreiben. Ich bin recht aktiv auf LinkedIn. Vinz quält sich da auch ab und an hin. Ansonsten: Mail, Telefon, was euch lieb ist.


Ich finde das gerade so bei unserem Medium Podcast: Das lebt ja auch. Es baut Vertrauen unweigerlich auf. Wenn man Menschen hört, baut das mehr Vertrauen auf, als wenn man nur von Menschen liest oder nur irgendwas sieht von ihnen.


Und das ist ja auch das Schöne: Aus Vertrauen kann etwas erwachsen. Und das ist unser Ziel dieses Jahr, mit euch mehr in Kontakt zu kommen. Deswegen meldet euch gerne.


Ansonsten: Viel Spass beim Umsetzen, seid echt, seid natürlich. Macht euer Ding, zieht durch und verstellt euch nicht. Ganz ehrlich: Das tut dem Vertrauen nicht gut. Und Vertrauen wollen wir letztlich alle haben. Genau.


Danke dir für das schöne Thema, Vinz. Hat Spass gemacht. Bis dahin. Hau …


Vinz:

Genau. Ja, danke. Genau. Dann würde ich sagen: bis zum nächsten Mal. Ciao.


Paul:

Merci fürs Zuhören. Teilt die Folge mit allen Leuten, die Nachhilfe in Hinsicht Vertrauen brauchen. Hinterlasst Abos und bewertet den ganzen Spass, denn das schafft uns wiederum Vertrauen. Und ansonsten: bis bald und viel Spass.


 
 
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