Wer Social Media ignoriert, verschenkt Umsatz (und verliert als KMU)
- 6. Feb.
- 18 Min. Lesezeit
Warum «keine Zeit» keine Strategie ist – und wie du ohne Theater anfängst
Viele KMU behandeln Social Media wie ein Zusatzprojekt. Wie etwas, das man auch noch machen könnte, wenn mal Luft ist. Und genau deshalb passiert es nie.
Das Problem ist nicht, dass Unternehmen Social Media nicht mögen. Das Problem ist, dass sie Social Media noch immer falsch einsortieren: als Marketingkanal, als Reichweiten-Spiel, als Posting. Und dann kommt automatisch der Reflex: Dafür haben wir keine Zeit. Unsere Kunden sind da nicht. Das ist nur was für die Grossen.
Das klingt vernünftig. Es ist aber meistens ein Selbstbetrug. Denn Social Media ist längst nicht mehr primär Werbung. Es ist ein Beziehungs- und Vertrauenskanal. Wer ihn ignoriert, spart nicht. Er verzichtet – auf Sichtbarkeit, auf Bewerbungen, auf Partner, auf Umsatz. Oder wie Vinz es in der Folge sinngemäss aufzieht:
Viele KMU wundern sich über Fachkräftemangel, fehlende Sichtbarkeit und darüber, warum andere plötzlich als moderner wahrgenommen werden. Das ist kein Zufall. Das ist die Folge davon, dass man im Kopf der Leute nicht stattfindet.
Social Media ist kein Nice-to-have. Es ist die Frage, ob du überhaupt existierst.
KMU haben oft einen unfairen Nachteil: Sie sind gut in dem, was sie tun – aber sie sehen nicht so aus. Und wer dich nicht kennt, kann dich nicht wählen. Weder als Kunde noch als Arbeitgeber.
Genau hier wird Social Media relevant. Nicht weil man viral gehen muss. Sondern weil Menschen heute Vertrauen nicht erst am Telefon aufbauen. Sie bauen es vorher auf – durch das, was sie über dich sehen, lesen, hören. Das gilt für Kundschaft genauso wie für Talente.
Wenn du auf Social Media nicht vorkommst, passiert im Kopf deiner Zielgruppe etwas Brutales: Du bist kein Risiko. Du bist einfach nicht da. Und dann gewinnt nicht zwingend der Bessere – sondern der Sichtbarere.
Der grösste Hebel liegt nicht im Firmenprofil, sondern in den Menschen
Ein Punkt aus dem Interview mit Nicole (und der in E082 nochmals sauber rausgearbeitet wird) ist zentral: Viele Unternehmen glauben immer noch, sie müssten „die Unternehmensseite bespielen“. Logo, Claims, ein paar Beiträge, fertig.
Das Problem: Niemand baut zu einem Logo eine Beziehung auf. Menschen bauen Beziehungen zu Menschen auf.
Paul sagt in der Folge sinngemäss etwas, das viele KMU erst schlucken müssen: Wenn du deine Leute nicht als Personen sichtbar werden lässt, weil du Angst hast, sie könnten irgendwann gehen, verbaust du dir Potenzial. Und du handelst dir einen Widerspruch ein: Du willst Talente, die sichtbar sind – aber du verbietest es intern.
Das beisst sich, weil du am Ende genau solche Leute einstellen willst: kompetent, kommunikativ, präsent. Und sobald sie bei dir sind, soll plötzlich Ruhe sein. Das geht nicht auf. Der bessere Blick ist:
Mitarbeitende als Mini-Brands sind kein Risiko, sondern ein Multiplikator. Wenn mehrere Menschen aus einem Unternehmen sichtbar sind, entsteht ein ganz anderer Eindruck: Da wird gedacht, da wird gearbeitet, da ist Kultur, da ist Substanz. Das wirkt viel stärker als jede Anzeige.
«Aber das ist doch gefährlich…» ist die falsche Angst
Natürlich gibt es Risiken. Menschen können gehen. Menschen können Dinge sagen, die man nicht toll findet. Menschen können Fehler machen. Nur:
Die Alternative zu Social Media ist nicht «sicher». Die Alternative ist Unsichtbarkeit. Und Unsichtbarkeit ist im Markt die sicherste Art, langsam abzubauen.
Was man stattdessen braucht, ist nicht Kontrolle, sondern Rahmen:
Klarheit, wofür das Unternehmen steht (Markenfundament)
Freiraum + Verantwortung (nicht Micromanagement)
Befähigung (damit niemand improvisieren muss)
Paul bringt dafür ein Bild, das hängen bleibt: Wenn du willst, dass Leute Kaffee trinken, stellst du eine Kaffeemaschine hin. Du erwartest nicht, dass sie sich die Infrastruktur privat zusammenschrauben. Übertragen heisst das: Zeit geben, Workshop ermöglichen, gutes Grundsetting schaffen – und dann laufen lassen.
Plattformwahl: nicht dort sein, wo man sein muss, sondern dort, wo es passt
Einer der wenigen Punkte, wo viele KMU sich ausnahmsweise nicht komplett belügen: Nicht jede Zielgruppe ist überall. Und nicht jede Plattform passt zu jedem Typ.
Das Entscheidende ist die Kombination aus zwei Fragen:
Wo sind die richtigen Leute? (Kunden, Talente, Partner)
Welches Format hältst du durch, ohne dich zu verbiegen?
Wenn du Video hasst, bringt dir TikTok nichts, selbst wenn es Reichweite verspricht. Wenn du B2B machst und Entscheider willst, ist LinkedIn oft der naheliegendste Start. Wenn du Kultur, Einblick, Nähe zeigen willst, kann Instagram sinnvoll sein. Wenn du Expertise langfristig aufbauen willst, ist YouTube ein Trust-Medium – aber es kostet deutlich mehr Produktion.
Der Punkt ist nicht, dass eine Plattform die beste ist. Der Punkt ist: Wenn du die falsche wählst, hältst du nicht durch. Und ohne Rhythmus gibt es keine Wirkung.
Drei Wege, wie KMU Social Media wirklich angehen können
In der Folge landen wir bei drei pragmatischen Optionen – und alle drei funktionieren, wenn man ehrlich ist.
1) Du machst es selbst
Klingt simpel, ist aber oft die härteste Variante, weil du Zeit, Lernkurve und Disziplin brauchst. Der wichtigste Satz dazu aus der Folge: Wenn du’s selbst machst, mach’s nicht halbherzig. Lieber weniger – aber regelmässig.
Und: Hol dir gutes Schuhwerk. Profil sauber, Foto gut, Setup stimmig. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Respekt gegenüber dem, was du da vorhast.
2) Du gibst es an Profis ab
Das spart Zeit und vermeidet Anfängerfehler. Aber Outsourcing ersetzt keine Haltung. Wenn du nicht weisst, wofür du stehst und was du erreichen willst, kann dir auch die beste Agentur nur Content produzieren – aber keine Wirkung.
Und es gibt eine echte Gefahr: Wenn jemand deine Persönlichkeit für dich baut, entsteht schnell eine Version von dir, die sich gut verkauft, aber sich nicht nach dir anfühlt. Dann hast du Sichtbarkeit – und gleichzeitig ein Authentizitätsproblem. Das ist der Preis für zu viel Abgabe.
3) Du verankerst es im Team
Das ist langfristig oft der stärkste Weg: Menschen im Unternehmen werden sichtbar, teilen Alltag, zeigen Kultur, erklären Dinge. Das wirkt glaubwürdig, weil es nicht wie Werbung aussieht.
Wichtig: Das darf keine Gratisarbeit sein. Das ist Verantwortung, das ist Kommunikation, das ist Markenarbeit. Also braucht es Zeit, Rückendeckung, manchmal Training – und vor allem Ernsthaftigkeit.
Die 10-Minuten-Aufgabe, die wirklich hilft (und nicht nur gut klingt)
Der Punkt, den Vinz am Ende sauber macht: Nicht alles gleichzeitig. Minimal anfangen.
Wenn du heute etwas tun willst, das nicht nach Selbsthilfe klingt, dann diese drei Entscheidungen:
Wähle eine Plattform. Nicht die beste, sondern die, die zu Zielgruppe und Format passt.
Bestimme eine verantwortliche Person. Mit Freiraum, nicht mit Dauer-Korrektur.
Lege Zeit oder Budget fest. Pro Woche/Monat. Irgendwas, das realistisch ist.
Und dann der Rahmen, den Paul ergänzt: Mach es als Experiment. Sechs Monate. Nicht sechs Tage. Am Ende schaust du ehrlich hin: Was hat es gebracht? Was hat funktioniert? Was nicht? Und dann entscheidest du weiter. Damit nimmst du Druck raus – ohne dich rauszureden.
Schlussgedanke
Social Media ist nicht dafür da, beliebt zu sein. Vinz sagt’s am Ende in einem Satz, der hängen bleibt: Es geht um Sichtbarkeit für die richtigen Leute. Wenn du das verstanden hast, ändert sich alles:
Du brauchst keine Show, keinen Trend, keine Dauerbeschallung. Du brauchst Rhythmus, Substanz und eine Form, die du durchhältst. Und dann ist Social Media plötzlich nicht mehr Marketing, sondern Markenführung.
Takeaways – Social Media für KMU
Social Media ist heute ein Beziehungs- und Vertrauenskanal, nicht nur Werbung.
Wer Social Media ignoriert, spart nicht – er verzichtet: auf Umsatz, Talent, Vertrauen.
Der stärkste Hebel sind Menschen, nicht Unternehmensseiten.
Drei gangbare Wege: selbst machen, abgeben, im Team verankern.
Ohne Rhythmus keine Wirkung. Ohne Substanz keine Richtung.
Starte klein: Plattform wählen, Verantwortung klären, Zeit/Budget festlegen.
Denk in 6 Monaten Experiment, nicht in 2 Wochen Hoffnung.
Jetzt reinhören
Wenn du merkst, dass ihr Social Media irgendwie mal machen wollt, aber euch die Basis fehlt: Meld dich bei Vinz oder mir. Wir helfen euch, die Markensubstanz zu klären, damit aus Aktivität Wirkung wird. Und wenn du einfach nur den Gedankengang hören willst: Hör in E082 rein.
Das Transkript zu E082
Vinz:
Ich habe heute etwas, basierend auf unserer letzten Folge, in der wir ein Interview hatten mit Nicole, Expertin für LinkedIn und andere Social-Media-Plattformen. Der Grund: Sie hat gesagt, dass viele KMU Social Media immer noch ein bisschen ignorieren.
Entweder sagen sie, sie haben keine Zeit, oder ihre Kunden sind da gar nicht. Es sei nicht relevant. Gleichzeitig wundern sie sich über Fachkräftemangel, fehlende Sichtbarkeit oder warum andere Mitbewerber auf einmal als modern wahrgenommen werden.
Meine These, worum es in dieser Folge gehen soll: Wer Social Media als Unternehmen heutzutage noch ignoriert, spart kein Geld, sondern verzichtet im Gegenteil freiwillig auf Umsatz, Talent und Aufmerksamkeit.
Was ist bei dir so hängen geblieben vom Interview mit Nicole? Geht das in eine ähnliche Richtung oder hättest du noch etwas anderes?
Paul:
Willkommen zu Mach mal Marke, dem einzigen deutschsprachigen Branding-Podcast ohne Bullshit.
Ja, vielen Dank, dass du das nochmal aufgreifst. Ein echt schönes, bereicherndes Interview. Das war auf jeden Fall einer der Hauptpunkte, die ich als grosses Überthema mitgenommen habe.
Ein Punkt, der darauf aufbaut, ist mir sehr deutlich in Erinnerung geblieben: Wenn du als Unternehmen bewusst darauf verzichtest, dass deine eigenen Leute auf Social Media aktiv werden als Personal Brand, weil du Angst hast, dass sie eines Tages weggehen könnten, dann verbaust du dir ja noch mehr Potenzial.
Das hatten wir auch miteinander besprochen. Was sie macht, ist vor allem, für Führungskräfte oder Menschen aus Unternehmen Personal Brands mit aufzubauen und sie zu unterstützen. Es geht weniger darum, gerade weil der Hauptfokus LinkedIn ist, dass es irgendwelche schönen Unternehmensseiten gibt und die Unternehmenseite Inhalte teilt, sondern vielmehr darum, dass die Menschen im Unternehmen sich trauen, auf LinkedIn Inhalte zu teilen.
Aus ihrem Alltag, aus dem Unternehmen selbst: wie sie denken, was sie gerade machen, wie die Stimmung ist – alles Mögliche. Es ist ja gar nicht so ein krasses Business-Netzwerk, sondern es geht eher darum, die eigenen Gedanken mit der Welt zu teilen da draussen. Und das ist ein riesengrosser Hebel.
Da haben wir zusammen im Gespräch rausgefunden, dass es eigentlich nur Vorteile gibt, wenn Unternehmen die eigenen Mitarbeitenden dabei unterstützen, auf Social Media – auf LinkedIn – aktiv zu werden und dort ihre Gedanken zu teilen, sich aufzubauen als relevante Mini-Brands. Dadurch fällt ja alles auf die Marke zurück.
Wenn die Leute gesehen werden, relevant sind, Menschen auf deren Profile klicken, sehen sie ja: Die arbeiten alle bei dem einen Unternehmen. Und dann schliesst man automatisch, dass das Unternehmen wahrscheinlich cool ist, wenn so viele gut darüber reden und ihre Gedanken teilen.
Eigentlich hat es nur Vorteile. Und wenn man das schafft, dass die eigenen Leute das motiviert machen, muss man auch gar nicht so viel unterstützen. Da reicht manchmal Zeit, da reicht so ein bisschen Befähigung. Ich meine auch diesen Spruch: Wenn du gerne Kaffee trinkst, dann stell halt einen Kaffeeautomaten hin und ein paar Tassen. Das ist im übertragenen Sinne das Gleiche wie: Man unterstützt sie mal, macht mal einen Storytelling-Workshop, hilft beim Texten – und dann kommt da etwas gut Wahrnehmbares raus.
Vinz:
Ja, eigentlich auch die Hauptaussage: Social Media ist nicht primär ein Marketingkanal für Unternehmen, sondern eher ein Beziehungskanal, um in den Köpfen zu sein.
Dass reale Personen ihren Alltag teilen, den andere miterleben können. Unternehmen, die das nicht machen, existieren in den Köpfen ihrer Leute nicht – sei es potenzielle Kunden, Mitarbeitende, Lehrlinge, Partner oder generell die Branche.
Wer das macht – und darauf gehe ich nachher nochmals ein, was wir mit Nicole besprochen haben – und das nicht smart in sein Unternehmen einbaut, indem er seinen Angestellten Freiraum bietet, dass sie das Unternehmen auf Social Media mittragen, der verbaut sich heutzutage sehr viel.
Denn es kann sich auch sehr gut ergänzen. Klar hat es immer Gefahren. Aber auch wenn es «nur» um Social Media geht: Wenn ein Mitarbeitender als Kanal einfach so wegfällt, dann verlierst du eine Fachkraft. Dann hast du keinen Ersatz, brauchst jemanden und musst neu anlernen auf einem Fachgebiet. Ist doch scheissegal – das ist Aufwand.
Paul:
Ja, und lustigerweise hättest du ja dann gerne eine Person, die du schon kennst über Social Media. Und wenn du die Person kennst über Social Media, dann macht die ja genau das, was du deinen eigenen Mitarbeitenden verwehrst. Da beisst sich die Katze in den Schwanz – das Prinzip geht nicht auf.
Und noch auf deine These vom Anfang einzugehen: Es gibt ja Gary V. aus Amerika, so der grosse Social-Media-Papst, der immer wieder raushaut, wie toll Social Media heutzutage funktioniert. Dass du eigentlich kostenlose Analyse machen kannst: Du gibst Kreativität rein, guckst, was gut funktioniert. Und das, was gut funktioniert, kannst du mit Werbebudget unterlegen und damit noch mehr Menschen erreichen.
Es gibt dir eine kostenlose Möglichkeit zu validieren, was Menschen da draussen wirklich interessiert. Und wenn man das nicht nutzt, läuft man Gefahr – auch als gestandenes, grosses, etabliertes Unternehmen – dass es eine junge, lustige Bude gibt, die auf TikTok sehr lustige Videos macht und dadurch bekannter wird als deine etablierte Marke und mehr Vertrauen aufbaut als deine Marke.
Auch wenn fachlich überhaupt nicht alles gegeben ist oder die Produktqualität nicht stimmt: Das spielt dann keine Rolle, weil Social Media eher Trust Media ist. Du baust Vertrauen auf. Und das ist das höchste Gut – wie wir gelernt haben, dank dir.
Vinz:
Ja. Ich glaube, ich grätsche da kurz rein: Ein Punkt, der am Anfang im Raum steht. Es braucht eigentlich drei Sachen – das passt auch zu dem, was Nicole gesagt hat.
Erstens braucht es Klarheit. Also ein gewisses Markenfundament: Wer sind wir? Was machen wir? Das, was wir immer predigen. Eine Brand-Substanz sollte einfach mal stehen.
Zweitens sollte klar sein, wo man interagieren will: Wo sind denn die Leute, die man abholen will? Wenn man das nicht weiss, kann man es testen. Dann merkt man anhand der Zahlen schnell, wo man überhaupt gesehen wird. Und sie hat auch gemeint: Jede Plattform hat ihre eigenen Algorithmen, die sich stetig ändern.
Drittens braucht es Mut – den Entschluss, es einfach mal auszuprobieren. Reinzugehen. Denn es ist kein Sprint, den man drei Wochen durchzieht. Es ist ein Marathon oder wie wir gerne sagen: eine Wanderung. Das mussten wir ja auch lernen mit unserem Stuff, den wir hier produzieren.
Es ist ein Dranbleiben, ein Commitment an sich selbst. Wenn du es machst, dann mach es richtig.
Als Faustregel – ohne dass wir hier die riesigen Profis sind, aber einfach, dass wir es gesagt haben:
- LinkedIn ist im B2B stark: Fachkräfte, Entscheider, gute Filterfunktionen.
- Instagram ist mehr für Emotionen, Einblick, Kultur, persönlichere Sachen.
- TikTok ist Nachwuchs: es muss ballern, Aufmerksamkeit, aber auch Haltung. Es ist Videoplattform.
- YouTube ist tieferes Vertrauen: Expertise, Kompetenz, längere Sachen.
Beispiel: Diese Messerfirmen aus Deutschland. Ich habe auch ein Sackmesser von denen. Die haben sogar einen YouTube-Kanal und machen Videos: wie man Messer richtig schleift und so. Da merkst du: Die haben Spass am Handwerk und teilen das. Das ist authentisch und schön – man schaut gerne zu. Oder wie bei dem Autoverkäufer, den du immer erwähnst.
Paul:
Ja, das ist mein Guilty Pleasure zum Runterkommen, weil ich ihm einfach gerne zuhöre.
Ich würde gerne nochmal aufmerksam machen auf unsere Folge zum rebellischen Branding. Man kann da ganz bewusst Brüche einbauen.
Ich würde auf der einen Seite immer sagen: LinkedIn ist gross genug für alle. Alle, die Business machen, Unternehmen sind – für die kann LinkedIn relevant sein. Denn du bringst Persönlichkeit mit rein, die es so noch nicht gibt. Der Mix aus Hintergrund, Fachwissen, beruflichem Werdegang und deiner persönlichen Art gibt es so kein zweites Mal.
Auf der anderen Seite hast du die Möglichkeit, rebellischer zu sein. Wenn IT-Unternehmen normalerweise auf LinkedIn aktiv sind, kannst du auch die einzige IT-Bude sein, die auf Instagram aktiv ist und jeden Tag lustige Reels vom Team macht. Dann erreichst du eine viel grössere Masse. Und vielleicht sind in dieser Masse relevante Menschen, die du erreichen willst.
In der Folge zum rebellischen Branding haben wir Methoden genannt, um zu gucken: Was macht der gesamte Markt? Wo können wir anders ansetzen – sei es im Format, Kurzvideo, Storyformat oder bei der Plattformwahl? Wo brechen wir bewusst mit Konventionen, damit es neu und interessant ist? Das muss man für sich herausfinden.
Vinz:
Yes. Ich habe mir noch drei Sachen aufgeschrieben: Wie könnte ein Unternehmen vorgehen, um auf einer Social-Media-Plattform aktiv zu werden?
Option 1: Das Naheliegendste – man macht es selber. Geschäftsführer, Chefin, Inhaber: Du bist das Gesicht des Unternehmens. Dann bist du halt auf LinkedIn aktiv. Du machst regelmässig Posts – Fachthemen oder das Leben als Inhaber, was auch immer.
Es geht, aber es braucht Zeit, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen. Vor allem Zeit. Du kannst ein Lied davon singen. Mein Haltungssatz dazu: Wenn du es selber machst, dann nicht halbherzig. Lieber weniger, aber regelmässig – das hat auch Nicole gesagt – und mit einem gewissen Level an Qualität.
Oder was meinst du?
Paul:
Würde ich unterschreiben. Und ich würde daran appellieren: Alle Leute, die einen Wanderurlaub buchen, kaufen automatisch gutes Schuhwerk, weil klar ist, dass man damit vorankommt.
Lustigerweise machen das nicht alle Leute, wenn sie auf LinkedIn anfangen. Gutes Schuhwerk ist vergleichbar mit: Guck am Anfang, dass dein Profil anständig aussieht. Ein gutes Foto, ein Titelbild, und lass vielleicht jemanden von aussen drüber schauen: Passt das? Ist das gut getextet? Ergibt das Sinn?
Hol dir am Anfang ein Grundsetting. Wenn du Videos machst, hol dir eine gute Kamera. Wie wir: gutes Mikro. Achte darauf, dass das Grundsetting gut ist. Dann kannst du es auch selber machen.
Oder guck Hybrid: Was machst du selber und was gibst du bewusst ab? Bei Nicole: Vernetzen, kommentieren, Beiträge veröffentlichen – das sind die drei wichtigsten Sachen. Wenn du Beiträge gerne selbst schreibst, aber keine Bilder machen willst, hol dir Hilfe dafür.
Ich finde: Wenn du Dinge mal selber gemacht hast, merkst du leichter, was alles dazugehört – wie bei uns beim Podcast. Schneiden ist Arbeit. Hochladen kostet Zeit. Beschreibungen schreiben, Bilder vorbereiten, Kapitelmarken – ein Sack Arbeit.
Wenn man das weiss, schätzt man Details mehr und schätzt auch, wenn das jemand abnimmt. Sonst kommt es schnell zu: «LinkedIn ist relevant, jemand anderes macht’s für mich» – und dann bist du unzufrieden, weil du in zwei Wochen kein dreifaches Followerwachstum hast, ohne zu wissen, ob das überhaupt relevant ist.
Vinz:
Ja, das wäre Option 2 gewesen: Abgeben an Profis, Agenturen oder Freelancer – so wie Nicole es macht, speziell für IT.
Das kostet Geld, spart Zeit, bringt Struktur und vermeidet Anfängerfehler. Aber was oft unterschätzt wird: Wenn du selber nicht mal weisst, was das Ziel deiner Social-Media-Auftritte ist – oder generell von deiner Marke – wie soll eine Agentur das schaffen?
Du brauchst eine klare Grundlage und ein Ziel, damit jemand anderes das übernehmen kann. Outsourcing ersetzt keine Haltung. Du brauchst etwas als Fundament, sonst verstärkt es nur, was ohnehin schon da ist.
Paul:
Ja. Und es hängt sehr davon ab, wer dich berät und begleitet. Bei Nicole habe ich ein sehr gutes Gefühl. Es gibt aber auch andere, die dir eine Persönlichkeit zuschreiben. Problematisch wird es, wenn du diese Persönlichkeit nicht hast.
Wenn für dich Personal Branding betrieben wird, das dich in eine Richtung pusht, die dir nicht zusagt oder die du nicht vertreten kannst. Am Anfang sagst du vielleicht nicht nein, weil dich Ziele locken.
Dann heisst es: «Vince, du bist ein Machertyp. Mach Macher-Content, dann wirst du schnell erfolgreich.» Sie schreiben die Beiträge, vernetzen dich, du hast Erwartungen – und am Ende gibt es da draussen eine Version von Vince, die gar nichts mit dem Vince zu tun hat, der du sein willst. Das ist das Problem, wenn du zu viel abgibst.
Vinz:
Wichtiger Punkt. Das gehört in den Charakter rein, aber auch generell in Sales.
Ich finde, du solltest es zumindest teilweise selber machen – vor allem als Einzelperson oder kleines Unternehmen. Wenn du selber mit Kunden sprichst oder auf Social Media unterwegs bist und Leute anschreibst.
Sonst gibt’s peinliche Situationen: Du wirst auf einer Messe angesprochen: «Wir kennen uns von LinkedIn», und du hast keine Ahnung, wer das ist. Das ist mega peinlich.
Gib von mir aus Content-Produktion ab, aber bleib dabei. Du musst wissen, was abgeht.
Option 3: Der stärkste Weg – im eigenen Team verankern. Den Angestellten die Möglichkeit geben, sich über die Firma eine Personal Brand aufzubauen. Menschen im Team haben oft Lust, vor allem Jüngere. Sie kennen das Unternehmen, reden authentisch und sind in den Medien teilweise näher drin als man selbst.
Wichtig: Das soll keine Gratisarbeit sein. Es ist Verantwortung und muss entlohnt und ernst genommen werden. Denn es ist Werbung, Marketing – Arbeit. Es soll ein Geben und Nehmen sein.
Ein grosser Nebeneffekt: Du ziehst automatisch Leute an, die sich mit dem Team identifizieren können. Das sind Fürsprecher des Unternehmens. Oder?
Paul:
Und das sind vor allem Leute, die du über klassisches Marketing nicht erreichst. Anzeigen sind anonym, viele sind genervt davon. Es gibt gute Ads, aber auch viel Trash.
Auch auf LinkedIn gibt’s immer mehr gesponserte Beiträge. Ich finde das oft suspekt. Authentischer sind Beiträge, die nicht gesponsert sind, aber trotzdem Reichweite bekommen, viele Likes oder Kommentare – weil da echter Austausch stattfindet.
Alles, was mit Geld gepusht wird, macht bei mir direkt Fragezeichen, ob es wirklich relevanter Content ist. Da merkt man den Wert von persönlichem Vertrauen. Und du hast recht: Die Leute brauchen Zeit und Rückendeckung.
Wenn du überlegst: Diese Leute stärken deine Marke so stark, wie es keine Werbeanzeige könnte, dann sollten sie Zeit bekommen. Zeit ist Geld. Also bezahlen – und Anreize geben, Unterstützung, Anleitung, Weiterbildung.
Vinz:
Genau. Es macht die Marke menschlich. Das ist das Hauptziel von Branding: Emotionen wecken.
Wenn du schon die Chance hast und Leute in den eigenen Reihen hast, die Bock haben: wieso nicht nutzen? Das ist Win-win-win.
Paul:
Und ich würde betonen: Auf LinkedIn – und bestimmt auch auf anderen Plattformen – ist das kein Altersding. Auch erfahrene oder ältere Leute können Fürsprecher sein. Alter spielt weniger eine Rolle. Eher: Leute ziehen automatisch Menschen aus ihrem Umfeld an.
Wenn man bei uns schaut, wer den Podcast hört, sind die ähnlich alt wie wir. Keine 18-Jährigen, wenige über 60. Das ist meist unsere Altersgruppe, weil man Wellenlänge spürt. Entweder Mentorenrolle oder gleiche Ebene.
Vinz:
Was auch wichtig ist: Wenn man sich entscheidet, es zu machen, soll es kein Nebenprojekt sein, sondern ernsthaft.
Das haben wir mit dem Podcast gemerkt. Es bringt nichts, wenn du hier und da mal etwas «bröckliweise» machst. Es ist kein Sprint, es ist eine Wanderung. Es braucht Rhythmus, sonst hast du keine Wirkung. Du baust keine Beziehung auf und kein Vertrauen.
Wenn es ein Flickenteppich ist und zwei Monate zwischen Sachen liegen, musst du dich nicht wundern, wenn nichts geht. Es ist ein Langzeitgame, egal auf welcher Plattform.
Paul:
Aber wenn du bekannt wirst für eine Sache und regelmässig dran bleibst, wird das aktuell sehr stark belohnt – so wie der neue Algorithmus funktioniert. LinkedIn schaut stark auf Interessen.
Wenn du schaffst zu sagen: Ich bin für ein Thema relevant, ich beleuchte es aus unterschiedlichen Facetten und baue eine Community drum herum, dann wirst du belohnt. Es wird anderen Leuten ausgespielt, für die es relevant ist. Das ist das Schöne.
Du baust dir mit einer Marke eine eigene Marke auf. Das machen auch grosse Unternehmen. Die holen sich manchmal in-house Influencer, Corporate Influencer. Das macht Sinn.
Und grosse Unternehmen haben oft das Problem, dass sie keine vertrauenswürdige Beziehung zu Einzelpersonen aufbauen können. Über die Brücke – eine Person agiert im Namen des Unternehmens – kann ich eine Beziehung zur Person aufbauen.
Vinz:
Yes. Ich habe hier noch eine Aufgabe zusammengewurstelt. Wir schreiben uns immer auf die Kappe: Es soll umsetzbar und einfach sein.
Und seien wir ehrlich: Beim Thema Social Media hat jeder das Gefühl, er checkt es, aber eigentlich checkt es niemand, weil sich immer alles ändert.
Paul:
Ja, plus die ganzen Leute, die dir täglich neue Tipps geben: «Das sind die drei Sachen, die du beachten musst» – und dann wieder fünf neue. Man kann sich in einem Loch verlieren. Ich bin gespannt.
Vinz:
Genau.
Wenn ich in einer der letzten Folgen gesagt habe: Wenn du etwas angehst, brich es auf den minimalen Aufwand herunter, den du jetzt machen kannst. Eine 10-Minuten-Aufgabe, die du sofort umsetzen kannst – allein oder im Team:
1) Wähle eine Plattform, die für dich relevant ist. Du kannst Zahlen vergleichen: Wo ist die Zielgruppe unterwegs? Aber du musst dich auch wohlfühlen. Es bringt nichts, TikTok zu starten, wenn du dich null mit Video identifizieren kannst. Das soll sich ergänzen: Zielgruppe + Wohlfühlfaktor. Wo bist du vielleicht selber schon aktiv? Wo gibt es schon ein Profil, privat oder Unternehmensprofil?
2) Definiere, wer Verantwortung übernimmt. Chef, Chefin oder jemand im Team, der sagt: «Ich kenne mich etwas aus» oder «Ich will dazulernen». Fixieren: Du bist Sprechperson. Gleichzeitig Freiraum geben, sich auszuprobieren und sich in dem Medium weiterzuentwickeln.
Paul:
Finde ich wichtig: Verantwortung hat immer mit Freiraum zu tun. Man kann nicht Verantwortung geben und dann jeden Schritt kontrollieren und korrigieren wollen. Das geht nicht.
Vinz:
3) Definiere grob, wie viel Zeit und/oder Budget investiert werden soll – pro Woche, pro Monat oder übers Jahr. Scheissegal, aber es muss klar sein.
Wenn diese drei Sachen definiert sind, kommt der Rest oft von allein. Dann hast du in der Regel jemanden, der motiviert ist und die Karre zieht. Diese Person musst du ernst nehmen – inklusive ihrer Ideen. Strategie ergibt sich dann oft im Prozess.
Ich habe das Gefühl: Mit diesen drei Punkten – 15 Minuten bis eine halbe Stunde – bist du schon viel weiter. Dann kommt ein Stein ins Rollen, der den nächsten bewegt.
Paul:
Ich würde als Letztes noch den Rahmen abstecken: Seht das Ganze als Experiment. Framed es wirklich so: Wir machen das als Testballon für sechs Monate. Wir geben was rein und schauen am Ende, wo wir gelandet sind und welche Ergebnisse es gibt.
Nicht nach einer Woche schon Erwartungen stellen oder verurteilen. Das braucht Zeit. Man muss sich ausprobieren, den Rhythmus finden, sich wohlfühlen.
Alles kann ein Ergebnis sein nach sechs Monaten: «Ich fühle mich wohl», «Ich habe meinen Platz», «Ich kann relevante Ergebnisse zeigen». Oder auch: «Das war’s nicht, wir stoppen» oder «Wir bauen aus». Dann kann man neue Ziele setzen oder eine neue Identität formen.
Aber zu sagen: «Wir starten und innerhalb einer Woche müssen zehn Leads reinkommen, perfekt passend» – utopisch. Dann kann man es direkt lassen.
Vinz:
Guter Punkt. Mut zum Ausprobieren, nicht sofort Ergebnisse erwarten. Mut als Ergebnis sehen.
Und man lernt so oder so. Vielleicht merkt man: Eine andere Plattform ist viel relevanter. Dann stürzt man sich darauf.
Paul:
Es können alle möglichen Ergebnisse sein. Wir haben uns vorgenommen, bis Folge 100 durchzuziehen. Dinge, die wir am Anfang gedacht hätten, sind nicht eingetreten. Dafür andere: Es ist unser Trainingslager – miteinander reden, über Marken nachdenken, handlungsfähige Tipps geben.
Solche Dinge ändern sich während des Experiments. Wichtig: Fangt an und werdet aktiv.
Aber du hast bestimmt noch einen Abschlusssatz, oder?
Vinz:
Ja, ein recht kurzer: Social Media ist primär nicht dafür da, beliebt zu sein, sondern sichtbar zu werden – und zwar für die richtigen Leute. Egal auf welcher Plattform.
Paul:
Yes. Und falls ihr dabei Unterstützung braucht, um die Markensubstanz zu klären, die es dafür braucht, meldet euch gerne bei Vince oder bei mir. Wir helfen.
Wir sind der Meinung: Wenn man diese Markensubstanz klärt – von der wir in fast über 80 Folgen in fast jeder Folge mindestens einmal gesprochen haben – dann ist man einen Riesenschritt weiter. Denn man kann sie auf alles anwenden: visuelles Storytelling, Storytelling allgemein, Social Media, Website-Texte.
So viele Elemente bauen darauf auf. Deswegen: Tut uns den Gefallen. Klärt eure Substanz, entwickelt daraus eure Marke und werdet aktiv – mit oder ohne uns.
Wenn wir mit dem Podcast einen Beitrag leisten, kommentiert gerne, ob euch das hilft oder nicht. Das gibt uns Einblick und Feedback, ob wir so weitermachen sollten.
Vinz:
Genau.
Paul:
Ich glaube, wir machen trotzdem weiter. Ist egal. Macht einfach weiter. Sehr schön.
Vinz:
Ja, genau. Joi, hast du noch was?
Paul:
Ich bin wunschlos glücklich und bin gespannt, welche Folge als nächstes kommt. Es werden schöne Interviews kommen. Wir werden unsere Formate bedienen und euch mitnehmen mit handfesten Tipps, um eure Marken besser zu machen. So viel steht fest.
Vinz:
Genau. Yes, dann bis zum nächsten Mal und Dankeschön.
Paul:
Danke dir fürs schöne Thema und bis bald. Ciao.
Vinz:
Ciao.
Paul:
Merci fürs Zuhören. Teilt gerne eure Gedanken als Kommentar, liked das Ganze, hinterlasst Abos und bewertet den Spass auf Spotify oder Apple Music – das hilft uns weiter. Danke und bis bald. Ciao.




























































