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Nachhaltiges Branding

Paul

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Hi, ich bin Paul und entwickle nachhaltige Marken für Unternehmungen, die wirklich was verändern wollen. Und da Wissen für alle da ist, teile ich es nur zu gerne.

Nostalgisches Branding

Vinz

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Nostalgie mit cleanem Sex-Appeal. Dafür stehe ich mit meiner Arbeit. Fancy Firlefanz brauche ich nicht, dafür steht Substanz und Echtheit bei mir ganz oben.

Dein KMU ist nicht überfordert — nur unklar geführt (und das kostet dich alles)

  • 10. März
  • 19 Min. Lesezeit




Dein Unternehmen ist nicht kompliziert — du führst es unklar


Lange Meetings, die zu nichts führen. Entscheidungen, die immer wieder neu verhandelt werden. Ein Team, das nicht mitzieht — oder zumindest so wirkt. Wer das kennt, denkt meistens zuerst an Prozesse, Tools oder zu wenig Personal. Die eigentliche Ursache liegt aber fast immer woanders: in fehlender Klarheit an der Führungsspitze.


Komplexität in KMU ist selten ein Marktproblem. Sie ist ein Führungsproblem. Und Branding — richtig verstanden — ist das direkteste Werkzeug dagegen.


Wenn die Führung unklar ist, zieht niemand mit


Wer selbst nicht weiss, wohin der Laden soll, kann das von niemandem anderen verlangen. Das klingt banal. Ist es aber nicht, weil es in der Praxis selten so benannt wird. Stattdessen wirkt es wie ein Motivationsproblem, ein Kommunikationsproblem, ein Personalproblem.


Ein Team, das keine klaren Leitplanken hat, erfindet sich seine eigenen — oder wartet ab. Beides kostet. Aufgaben werden falsch priorisiert, weil niemand weiss, was wirklich zählt. Meetings dauern lang, weil Dinge verhandelt werden, die eigentlich längst entschieden sein sollten. Und wer als Führungsperson selbst im Stress ist, überträgt diesen Zustand automatisch auf alles andere.


Der erste Schritt ist deshalb nicht ein neues Organigramm oder ein Workshop über Kommunikation. Der erste Schritt ist die ehrliche Frage: Ist mir selbst klar, wofür dieses Unternehmen steht — und wohin es will?


Keine Position bedeutet: alles ist verhandelbar


Wenn ein Unternehmen keine echte Haltung hat, wird jede Entscheidung zur Diskussion. Passt dieser Kunde zu uns? Machen wir bei diesem Trend mit? Nehmen wir diesen Auftrag an? Das sind keine schlechten Fragen — aber wenn sie jedes Mal neu beantwortet werden müssen, fehlt schlicht ein klares Ja oder ein klares Nein als Grundlage.


Eine starke Marke entscheidet das einmal. Nicht für immer, aber bewusst und verbindlich. Und dieser eine Entscheid spart im Alltag hunderte von Diskussionen, die sonst still und unbemerkt Energie, Zeit und Nerven fressen.


Das gilt nach innen genauso wie nach aussen. Ein Team, das weiss, wofür das Unternehmen steht, braucht weniger Anleitung. Es trifft bessere Entscheidungen im Alltag — nicht weil es klüger ist, sondern weil es den Rahmen kennt.



Wer alles sein will, ist nichts


Der Wunsch, niemanden auszuschliessen, ist menschlich. Im Unternehmenskontext ist er gefährlich. Wer premium wirken will, aber niemanden abschrecken möchte. Wer klar kommunizieren will, aber niemanden irritieren möchte. Wer Kante zeigen will, aber niemanden verärgern möchte — der wird weich. Und Weichheit erzeugt automatisch Unklarheit.


Wenn niemand im Unternehmen weiss, wie man spricht, was man sagt, wofür man wirklich steht — dann entstehen zwanzig verschiedene Antworten auf dieselbe Frage. Oder gar keine.

Das ist kein Zeichen von Offenheit. Es ist ein Zeichen von fehlendem Mut zur Entscheidung. Und dieser Mangel kostet: in Form von falschen Kunden, falschen Mitarbeitenden, falschen Aufträgen — und einer Positionierung, die sich mit der Zeit selbst auflöst.



Unsicherheit als getarnte Strategie


Es gibt eine besonders teure Form von Unklarheit: wenn man weiss, dass etwas getan werden müsste — aber nicht genau was. In diesem Zustand landet man schnell bei Aktivismus. Jede neue Plattform wird ausprobiert. Jeder Trend mitgemacht. Jede Messe besucht, weil die Konkurrenz auch dort ist.


»Hauptsache aktiv sein« fühlt sich nach Strategie an. Ist es aber nicht. Es ist Angst vor Irrelevanz, die sich als Pragmatismus verkleidet.

Dasselbe Muster zeigt sich im Umgang mit KI-Tools. Wer unklar ist, was er überhaupt will, nutzt KI hauptsächlich als Beschäftigungsplattform. Man bekommt Antworten, stellt Folgefragen, entwickelt Ideen — und am Ende hat man viel gemacht und wenig entschieden. KI verstärkt, was vorher schon da ist. Wer mit Unklarheit reingeht, kommt mit mehr Unklarheit raus. Wer mit einer klaren Frage reingeht, bekommt einen brauchbaren Ansatz.



Was Klarheit konkret verändert


Wenn Unternehmen anfangen, wirklich Klarheit zu schaffen — nicht als Rebranding-Projekt, sondern als bewusste Entscheidung für eine klare Linie — passiert meistens dasselbe: Das Angebot wird kleiner und schärfer. Die Zielgruppe wird enger definiert. Gewisse Initiativen werden gestoppt. Und ein paar unbequeme Nein-Entscheide werden endlich getroffen.


Die Konsequenzen sind fast immer dieselben: weniger Meetings, schnellere Entscheidungen, mehr Fokus, mehr Energie im Team. Und wirtschaftlich: nicht immer mehr Umsatz, aber fast immer bessere Margen — weil man weniger Auftragsvolumen braucht, gezielter kommuniziert und höherpreisiger positioniert ist.


Branding ist in diesem Sinne kein Kommunikationsthema. Es ist ein Führungsinstrument.


Drei Fragen zum Selbstcheck: Ist dein KMU unklar geführt?


Wer jetzt selbst Hand anlegen will, kann mit drei ehrlichen Fragen beginnen:


  1. Wo fehlt aktuell der Mut, klar Nein zu sagen? Welche Aufträge, Kunden oder Initiativen fressen mehr, als sie bringen — und werden trotzdem weitergeführt?

  2. Welche Entscheidung wird seit Langem aufgeschoben? Was wäre eigentlich längst fällig — und wird immer wieder vertagt, weil es unbequem ist?

  3. Was würde wegfallen, wenn das Unternehmen wirklich klar wäre? Welche Diskussionen, Prozesse, Meetings — und was hätte das für Konsequenzen? Meistens bessere, als man im ersten Moment denkt.




Takeaways


  • Komplexität in KMU ist fast immer ein Führungsproblem, kein Marktproblem.

  • Fehlende Positionierung macht alles verhandelbar — und frisst täglich Ressourcen.

  • Wer alles sein will, schreckt niemanden ab — und überzeugt auch niemanden.

  • Ein klarer Rahmen engt nicht ein, er befreit: das Team, die Entscheidungen, die Kommunikation.

  • Klarheit ist nicht das Ergebnis eines Rebrandings. Sie ist eine Führungsentscheidung.

  • Unklar zu sein fühlt sich sicher an. Es ist das teuerste Geschäftsmodell, das es gibt.



Jetzt reinhören


Paul und Vinz gehen in dieser Folge durch alle drei Punkte — mit konkreten Beispielen aus der Praxis, dem KI-Exkurs, der wehtut, und Vinz' Kalenderspruch am Ende, der sich festsetzt. Wer seinen Laden entlasten will, hört hier rein.













Bildtext: Kein Fokus kostet alles


Das Transkript zu E091

Vinz: Wer kennt es? Meetings, die ewig lang sind. Projekte, die sich hinziehen, wo niemand genau weiss, was eigentlich Priorität hat. Irgendwie kennt man das. Dadurch entsteht etwas — und das ist meine Behauptung: Sie sind nicht überfordert vom Markt oder von den Umständen oder was auch immer, sondern sie sind eher überfordert von der Unklarheit. Es liegt eigentlich auch nicht daran, dass es kompliziert ist oder was auch immer — du bist dir einfach nicht im Klaren. Mit dieser smoothen Einleitung würde ich zu dir switchen, Paul. Kommt dir das bekannt vor? Wenn ja, woher? Und was würdest du einfach für fünf Rappen in den Topf werfen?


Paul: Willkommen zu Mach mal Marke, dem einzigen deutschsprachigen Branding-Podcast ohne Bullshit. Viel Spass!

Danke fürs Stichwort. Ich muss direkt an eine Alltagssituation denken, die letzte Woche erst passiert ist, wo ich jemanden besucht habe — auch mit Kindern — und gemerkt habe, wie die Person mit den eigenen Kindern umgegangen ist. Und ich mir dachte: »Chill kurz.« Ich merke genau, es liegt nicht an den Kindern, es liegt an dir, dass du gerade überfordert bist. Und das ist auch überhaupt kein Problem. Aber ich glaube, den Punkt kann man eins zu eins auf Unternehmen übertragen.

Denn wenn du selbst als CEO, als Chefin, als wer auch immer mit einem Zustand überfordert bist, überträgst du das automatisch auf alles andere auch. Und dadurch werden bestimmte Dinge dann unklar — oder du hast das Gefühl, alle anderen ziehen nicht mit, und du wirst einfach nicht verstanden. Und dann fängst du an, komische Entscheidungen zu treffen oder dich komisch zu verhalten. Dann könntest du jetzt entweder sagen: »Dann iss mal einen Snickers, damit du dich wieder beruhigst« — oder schau auf die Basis, die euren Laden zusammenhält. Und das ist ja zumindest einer der Punkte, die wir immer mal in Folgen angesprochen haben. Wenn für alle klar ist, worum es geht, dann muss man nicht in jedem Meeting Dinge neu entscheiden oder verhandeln, sondern dann hat man eine Basis, auf der man Dinge aufbauen kann. Der andere Punkt wäre, glaube ich, aus dieser Erfahrung, die ich gerade erzählt habe, dass man schon mit den eigenen Gefühlen und Emotionen erst mal klarkommen muss, bevor man irgendetwas anderes will. Das wäre wahrscheinlich immer so Punkt null — zu sagen: »Komm mal selbst mit dir klar.« Auch wie Patrick das im Interview genannt hat: Geh erst mal in deinen Keller, räum noch mal ein bisschen auf, und dann kannst du wieder hochkommen und dich wirklich um andere Dinge kümmern.


Vinz: Ja, also kann ich voll nachvollziehen, was du gesagt hast. Ich kenne es auch viel aus dem Alltag oder auch mit Kunden. Vor allem bei den ersten paar Gesprächen, wenn ich zum Beispiel mit dem ganzen Markenthema auf jemanden zugehe. Man sieht ja von aussen schon einiges — wenn man Webseiten anschaut, hapert es. Oder wenn man sieht, dass fünf Stellen pendent sind. Wenn man da reinkommt und alle im Stress sind oder gar nicht erst erreichbar, dann weiss man, wo es im Kessel brodelt.

Wenn man dann kommt mit Markenentwicklung und so, haben die meisten immer das Thema Marketing im Kopf. Ist ja völlig okay, aber es nervt ehrlich gesagt ein bisschen — muss ich ehrlich sagen. Aber nicht verwunderbar. Das haben wir ja schon x-fach angesprochen, auch grosse Agenturen: Für die ist das Thema Branding sehr oberflächlich. Es geht meist nur um Design — Schriften und so. Meine Haltung dazu, kurz und knapp zusammengefasst: Komplexität in einem Unternehmen ist ein Führungsproblem. Und Branding, das eigentlich ein Instrument für eine Führungsebene ist, ist eben kein reines Designthema. Es ist per se ein Entscheidungsthema, wo kernrelevante Sachen bestimmt werden.

Ich habe auch ein interessantes Projekt — oberflächlich gesehen wissen eigentlich alle, was sie machen. Aber wenn man dann einfach mal ein paar einfache Fragen stellt, hat man entweder zwanzig verschiedene Antworten oder gar keine. Dort ist meistens der Wurm drin. Weil wenn man dort einfach mal eine gescheite Basis schafft, sind auf einmal einfache Sachen allen klar. Ich habe jetzt wirklich drei konkrete Punkte für diese heutige Folge. Soll ich da mal einfach reingrätschen — oder willst du mich noch mit irgendetwas ergänzen?


Paul: Ja, einen Punkt. Du kennst mich. Einen Punkt habe ich noch, den ich kurz loswerden möchte. Vielleicht an alle, die aus der Designbranche zuhören: Wenn man in solchen Momenten bei solchen Unternehmen ankommt mit Branding — oder wie du gerade meintest, mit Marke — und das als Marketing verstanden wird, ist das einfach der völlig falsche Anker. Weil an dem Punkt, wo man startet, hat das alles noch nichts mit Branding und Markenentwicklung zu tun.

Wir würden sagen: ja, im weitesten Sinne schon — aber du beginnst an einer anderen Basis. Und dann gilt es erst mal, die grundlegenden Herausforderungen zu benennen. Da meintest du zu Recht: Das ist eine Führungsaufgabe. Das heisst, erst mal herausfinden — was wollen wir denn gemeinsam als Ziel erreichen? Und welche Dinge halten uns aktuell komplett auf und kosten uns vor allem richtig Geld? Also wenn man sich die Dinge ehrlich anschaut: Warum haben wir aktuell so viele Krankheitstage? Warum wollen Mitarbeitende lieber im Homeoffice arbeiten? Warum kriegen wir Bewerbungen, aber nur die falschen?

Das sind alles Dinge, die einem Unternehmen auf einer ganz faktischen Basis Geld kosten. Dann hast du ein grundlegendes Problem. Und wir wissen, wir vom Fach, dass eine saubere Marke dieses Problem lösen kann. Du hast ja auch etwas vorbereitet. Aber ich wollte nur noch mal betonen: Das gehört zwar alles zum Thema Marke, weil das den ganzen Laden zusammenhält.

Aber es ist nicht der erste Schritt, mit dem man bei einer Markenentwicklung beginnt. Das führt dann später alles zu den Dingen, die man mit Markenentwicklung eher verbindet — Kommunikation, Positionierung, das, was auch auf vielen Websites steht und angeboten wird. Aber es ist nicht der erste Schritt.


Vinz: Genau. Und was heute in dieser Folge das Kernthema sein soll: Wenn man ständig im Strom ist oder das Gefühl hat, der ganze Tag verschwindet mit unnötigen Diskussionen oder Entscheidungen, die eigentlich klar sein sollten — man dreht sich gefühlt im Kreis. Das ist ein reales Problem, das viele Unternehmen betrifft. Aber die meisten werden vom Alltag gefangen gehalten. Man hat die Scheuklappen an und macht eigentlich nichts anderes, als nach bestem Wissen und Gewissen sein Bestes zu geben.


Paul: Ja, aber wenn niemand weiss, was man überhaupt will, dann können auch alle anderen nicht mitziehen. Das habe ich selbst als Praktikum-Erfahrung ganz oft erlebt. Dann bist du irgendwie als Praktikant in einem Unternehmen — in meinem Fall waren es Agenturen — und es wird von dir eine Aufgabe erwartet. Du machst die Aufgabe. Aber niemand hat wirklich Zeit, sie dir genau zu erklären und die Erwartungen zu kommunizieren. Dann präsentierst du das Ergebnis — und es war irgendwie zwangsläufig immer der falsche Moment, die falsche Lösung. Alle waren genervt. »Mach nochmal, aber mach's richtig.« Keine Wertschätzung, keine Resonanz. Rückblickend würde ich sagen: Es lag nicht an mir. Das ist genau dieses Führungsversagen — nicht zu wissen, was man erwartet, Aufgaben in den Raum zu stellen, frustriert zu sein, wenn sie gelöst werden, weil es aber die falsche Lösung ist. Das hat nichts mit den Mitarbeitenden zu tun, sondern damit, wie du Dinge sendest. Und wenn dein Team eine andere Vorstellung von der Marke hat als du, redet ihr zwangsläufig aneinander vorbei.


Vinz: Amen. Erster Punkt — wenn euch das bekannt vorkommt: Ihr habt keine echte Position. Also wird alles irgendwie verhandelbar. Das können Punkte sein, die ständig diskutiert werden — zum Beispiel: Ist das unser Kunde? Passt er zu uns? Können wir diesen Auftrag umsetzen oder nicht? Passt irgendein Trend zu uns? Eine Plattform, auf der man sich etablieren will? Wenn solche Fragen ständig im Raum sind, fehlt nicht irgendein Prozess oder ein Tool — es fehlt einfach ein klares Ja oder ein klares Nein.

Eine starke Marke entscheidet einmal. Das braucht Zeit und ist wohlüberlegt. Aber es spart allen im Anschluss hunderte unnötige Diskussionen, die unter dem Strich Ressourcen fressen — Zeit, Nerven. Wenn in einem Unternehmen ständig alles diskutiert werden muss, gibt es keine klaren Leitplanken, die für die Marke stehen, wohin sie will, was die konkreten Ziele sind. Klar — wenn jemand neu anfängt oder in der Einarbeitung ist, entstehen Fragen. Das ist völlig normal. Aber wenn langjährige Mitarbeitende sitzen und Dinge diskutieren, die eigentlich offensichtlich sein sollten, dann ist das ein Markenproblem. Oder auch ein Mutproblem — einfach mal Nägel mit Köpfen zu machen.


Paul: Ja, und vor allem ganz viele Dinge auszuschliessen. Das beobachte ich oft: Es wird sich sehr viel am Markt orientiert. »Die anderen machen das auch so, deswegen müssen wir das jetzt auch so machen.« Das ist eigentlich Grund genug, es nicht zu machen — weil man sonst einfach mitmacht und austauschbar wird. Aber dann auch bewusst Nein zu sagen zu solchen Dingen. Und genauso klar zu sagen: »Wir als Marke haben uns entschieden, für eine Sache zu stehen — und das gehört nicht dazu, also machen wir es nicht.« Ganz einfach. Wie du meintest, das erspart sehr viel. Es schränkt die Handlungsspielräume zwar ein bisschen ein — es gibt Leitplanken, einen fixen Rahmen. Aber innerhalb dieses Rahmens macht man umso mehr Spass. Du kannst nicht alles machen, aber du kannst bestimmte Dinge in deinem Gebiet richtig gut machen.


Vinz: Ich habe in meinem Leben immer so ein bisschen beide Extreme gesehen — das Technische, das Militärische, aber natürlich auch das Gestalterische. Und ich finde: Vor allem in der Kreativität gilt mittlerweile für mich — je klarer der Rahmen abgesteckt ist, desto kreativer kannst du dich innerhalb des Rahmens ausleben. Weil du gewisse Grenzen hast, die du ausreizen kannst. Und dann macht es auch Spass. Wenn du hingegen ein völlig offenes Ergebnis hast, finde ich es persönlich viel schwerer. Wenn ich einfach weiss: links darf ich so weit gehen, rechts so weit, oben so weit — geil, jetzt kann ich rein.


Paul: Plus — das muss man auch sagen — das hat nichts damit zu tun, solche Grenzen nicht zu hinterfragen. Die werden ja ganz bewusst gesteckt. Und es kann sein, dass du bewusst sagst: »Wir befinden uns eigentlich immer auf dieser einen Wiese — aber wir gehen jetzt bewusst woanders hin, stecken den Rahmen woanders ab.« Aber dann bleibt er da auch stehen. Wir machen ihn nicht einfach weg, wir engen ihn nicht ein — und wir bleiben auch nicht auf dem Fleckchen stehen, wo wir schon immer waren. Es ist eine bewusste Entscheidung. Und innerhalb dieser Entscheidung kann man sich dann austoben. Das noch als wichtiger Punkt.


Vinz: Genau. Noch kurzer Einschub, bevor ich zu Punkt 2 komme. Wenn ihr euch angesprochen fühlt oder denkt, das ist nicht mal so falsch, was die zwei labern — abonniert gerne unseren Kanal. Wir haben zweimal in der Woche Insights rund um Markenentwicklung und Branding. Das Ziel ist wirklich zu informieren. Branding ohne Bullshit heisst das Ding — und nicht einfach immer wieder dieselbe Geschichte aufwärmen, die alle anderen schon erzählen.

Also, Punkt 2. Wenn ihr alles sein wollt, dann habt ihr Angst, etwas zu verlieren. Wenn euch das bekannt vorkommt: Ihr wollt premium wirken, aber gleichzeitig niemanden abschrecken. Ihr wollt modern wirken, aber gleichzeitig niemanden irritieren. Ihr wollt klar sein, Kanten zeigen, aber niemanden verärgern — dann werdet ihr einfach weich. Und Weichheit erzeugt automatisch Komplexität. Weil nicht klar ist — eben weil dieser Rahmen fehlt — wie redet man? Was sagt man? Wie entscheidet man? Wofür steht man wirklich? Wo will man hin? Wenn niemand das weiss, wird es schwierig. Solange man alles gleichzeitig sein will, ist man zwangsläufig nichts richtig.


Paul: Ja, und dann hat man vor allem die Grundlagen nicht richtig gemacht. Man hat sich nicht bewusst für eine Zielgruppe entschieden, weil man Angst hat vor Ablehnung. Da kann ich nochmal das Interview mit Patrick empfehlen. Wenn du so viel Angst vor Verletzlichkeit hast, solltest du dir nochmal bei den Grundlagen — bei deiner Markensubstanz — Gedanken machen, wofür du eigentlich stehst. Und je weniger du Nein sagst, desto mehr sagst du Ja zu bestimmten Sachen — und die setzen dich früher oder später unter Druck, weil du das Gefühl hast: »Das ist nicht richtig, aber wir müssen es irgendwie machen.« Dann kommen immer ganz viele Zusätze, die man erfindet: weil das schon immer so war, weil wir es machen müssen, weil die anderen das auch so gemacht haben, weil das jemand gesagt hat. Die Gründe findest du immer. Deswegen hilft ein bewusstes Nein.


Vinz: Oder wenn etwas im Raum steht, wo gewisse Leute sagen »Das haben wir schon immer so gemacht« — dann kann man einfach einmal fragen: warum? Und wenn es einen guten Grund hat, noch tiefer reingehen und fragen: Macht das aktuell noch Sinn? Oder hat es einfach mal Sinn gemacht? Die Zeiten ändern sich. Und so kitschig, wie es klingt — es wird mir fast schlecht, weil ich es jetzt schon wieder sage: Nichts ist so beständig wie der Wandel selbst.


Paul: Schön gesagt. Vor allem die positive Variante. Ich hatte neulich das Gegenteil auf der Lippe — dass das grösste Risiko für dich eigentlich Stillstand ist. Aber ich glaube, ich hatte es noch anders formuliert. Ist auch egal.


Vinz: Es gibt ja keinen Stillstand. Wenn du selbst stehen bleibst — auch in einem Unternehmen — fällst du automatisch zurück, weil die anderen sich einfach weiterentwickeln. Es gibt eigentlich keinen Stillstand. Es gibt Fortschritt oder es gibt Rückschritt. Meine Meinung. So, gehört.


Paul: Ja, und das haben wir auch schon früher angesprochen. Liebe Freundinnen und Freunde des Hörgenusses — hört gerne mal in die vergangenen Folgen rein. Es gibt eine von Vinz zum Thema Sicherheit: warum dir Branding eigentlich keine Sicherheit gibt. Und genau das ist der Punkt, der hier eine Rolle spielt. Du hast zwar den fixen Rahmen, aber du hast keine Garantie, dass es immer beständig auf dem gleichen Level weitergeht. Du hast eher ein Werkzeug — eine Grundlage, mit der du bestimmte Dinge bearbeiten kannst, damit du gegen den Stillstand arbeitest und dich weiterentwickelst. So schaut's aus.


Vinz: Machen wir weiter mit dem dritten Punkt. Das wäre so ein Punkt — wie soll ich sagen? Wenn man ein bisschen das Bewusstsein hat, dass man etwas machen müsste, aber nicht weiss was — das kann sein, dass man unsicher ist. Aber noch schlimmer ist, wenn man Unsicherheit auf Strategie ummünzt. Was ich meine: Wenn wieder Fragen im Spiel sind — haben wir eine neue Idee? Machen wir. Neuer Trend? Probieren wir auch. Neue Plattform? Sind wir dabei. Nicht aus Überzeugung, nicht bewusst, weil das zur Strategie des Unternehmens passt, sondern aus Angst, irrelevant zu bleiben.

Wenn man das Gefühl hat, die Konkurrenz ist da irgendwo unterwegs oder geht jedes Jahr an dieselbe Messe — denk doch einfach mal selbst: Macht das Sinn? Ja oder nein? Beim Messenbeispiel: Du kannst da hingehen, dann bist du aber einer von vielen. Oder wenn die Messe im Frühling ist, machst du einfach deine eigene kleine Messe im Herbst — und bist auf einmal der Einzige, der so etwas hat. Auch da kann man spielen.


Paul: Ja, vor allem: Geh mal auf andere Messen. Du musst nicht als Holzbauer auf die Hausgarten-Hobby-Messe, weil da alle sind und du das Gefühl hast, dort wirst du gebraucht. Geh das nächste Mal auf eine Automesse. Mach da einen Stand am Rand — und dann bist du der relevante Partner für alle, die eine Garage oder einen Unterstand bauen wollen. Die willkommene Abwechslung. Misch das vor allem mit deinen eigenen Interessen. Wo bist du fernab vom Business gerne unterwegs? Wenn du dich gerne mit Modelleisenbahnen beschäftigst, dann geh dahin mit deinem Unternehmen. Was gibt es naheliegenderes, als die Sachen, die einen ohnehin beschäftigen, in die Arbeit einzubringen? Weil dann entstehen neue Mixturen, die für bestimmte Leute super relevant sind.


Vinz: Ja. Da kann ich auch aus eigener Erfahrung reden — egal ob vom Militär, aus dem Beruf oder sonst wo. Ich finde einfach: Je unklarer man ist, desto mehr produziert man Komplexität. Und das, um sich beschäftigt zu fühlen. Man weiss nicht so recht, was man genau machen soll — und fängt an, sich im Kreis zu drehen mit Dingen, die eigentlich nichts bringen.


Paul: Ja, bestes Beispiel: KI. Das ist die beste Beschäftigungsplattform. Du gehst rein, willst irgendeine Antwort haben, weisst selbst nicht genau worauf und in welchem Umfang. Und KI gibt dir am Ende immer noch eine Nachfrage, damit du am Ball bleibst. Du bist fast dankbar dafür, dass es eine neue Idee hat. Es entwickelt sich also ganz automatisch in eine bestimmte Richtung — die aber nicht die Richtung ist, die dir gut täte. Weil du dir am Anfang keine Gedanken gemacht hast, unklar reingegangen bist und gehofft hast, da wird schon eine Lösung rauskommen. Und jetzt übertrag das auf dein Meeting-Beispiel vom Anfang, aufs Unternehmensbeispiel. Dann hast du Unklarheit.


Vinz: Ja, das ist im Meeting genau das Gleiche. Es gibt ja schon zwei Typen von Meetings: Das eine ist einfach so ein Treffen, wo jeder sagt, was er gerade im Kopf hat. Die fahren meistens völlig aus. Man ist eine Stunde oder länger am Labern — und am Ende weiss niemand, was mitgenommen wurde. Wenn du eine einfache Traktandenliste hast, die immer gleich ist, hast du in kurzer Zeit klare Punkte, die sich herausgeschält haben. Jeder weiss, was zu tun ist, jeder kennt seine Aufgabe. Bis zum nächsten Meeting kann man das wieder sammeln. Das sind einfache Dinge.

Ich habe das teilweise auch mit Unternehmen erlebt, wo Mitarbeitende gesagt haben: »Ihr seid die ganze Zeit nur miteinander — und immer im Stress.« Und ich frage: »Habt ihr keine fixen Meetings? Alle zwei Wochen eine Teamsitzung, wo ihr einfach gewisse Punkte anschaut?« — »Nein, einfach spontan.« — »Das ist doch Bullshit. Macht zweimal in der Woche einen fixen Termin, hockt euch zusammen. Wenn ihr zwischendurch einen Punkt habt, kommt er auf eine Liste.« Und siehe da: Auf einmal haben alle Stunden mehr Zeit. Das sind so simple Dinge.


Paul: Ja, und überleg nochmal, was das für einen Stress bei Mitarbeitenden verursacht. Die wissen: Es könnte jederzeit ein spontanes Meeting kommen — anstatt sich auf einen Fixpunkt vorzubereiten und zu wissen, wie ein Meeting abläuft. Es kann ja nicht sein, was in so vielen Unternehmen Standard ist: Man geht rein, hat keine Ahnung, worum es geht, es gibt keine Agenda, wird mal geschaut. Es wird vielleicht erwartet, dass du etwas mitbringst — vielleicht auch nicht. Und dann hast du vielleicht einen wichtigen Punkt, kommst aber gar nicht dazu, den loszuwerden — weil deine Vorgesetzten miteinander streiten. Dann viel Spass beim Weiterentwickeln deines Unternehmens. Wenn da nicht mal Zeit eingeräumt wird, hast du ein Riesenproblem.


Vinz: Ja. Also da kann ich sagen: Mit allen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, wenn man das Thema Branding wirklich ernsthaft angeschaut hat — und das muss nicht immer eine komplette Neuerfindung des Unternehmens sein, sondern einfach eine bewusste Entscheidung für Klarheit — das kann auch mal ein Nachmittagsworkshop sein, wo grundlegende Fragen geklärt werden. Aber was passiert in der Regel? Man fängt an, das Angebot zu streichen oder zu konkretisieren. Man definiert eine klare Zielgruppe. Man sagt Nein zu Dingen, die mehr Zeit fressen als sie bringen. Und man stoppt Initiativen, die mehr das Ego nähren als dem Unternehmen wirklich etwas bringen.

Und dann: weniger Meetings, schnellere Entscheidungen, mehr Fokus, mehr Energie. Die Leute haben mehr Bock zu arbeiten. Der Umsatz steigt. Bei vielen geht es auch nicht immer darum, schneller mehr zu machen — sie haben den gleichen Umsatz, aber mit viel weniger Auftragsvolumen. Weil sie sich das auspendeln. Sie können mehr verlangen. Wenn man dann auch noch Kommunikation und Design anschaut, können sie sich viel höherpreisiger positionieren und präsentieren. Sie brauchen viel weniger Aufträge für den gleichen Umsatz. Das sind alles wirtschaftliche Ergebnisse, die man mit Branding erfahren darf. Es geht nicht immer nur um Gefühl, Logos und Optik. In der Regel soll Kommunikation und Design Mittel zum Zweck sein — ein greifbares Ergebnis produzieren. Und nicht Selbstzweck sein, wie das viele machen. Einfach so: neues Logo, bringt es etwas? Eigentlich nicht. Aber man hat irgendwie 20'000 Franken ausgegeben für oberflächlichen Kram.


Paul: Ja, und die Beobachtung sieht man aktuell, wie Unternehmen mit KI umgehen. Es werden einfach die Tools in den Raum geworfen: »Damit wird man produktiver. Ihr habt die Tools, jetzt werdet mal produktiver.« Und was passiert? Genau das Gegenteil: Man hält sich mit bestimmten Aufgaben auf, weiss nicht genau, was man überhaupt machen soll, verschwendet Zeit mit den Tools. Das habe ich am Anfang selbst gemacht — ist cool, spannend, nach dem ersten Prompt kriegst du ein krasses Ergebnis, denkst: »Weltverändernd.« Und dann hältst du dich nur noch mit den Tools auf, weil dir die Klarheit fehlt, weisst gar nicht, was du damit anstellen sollst.

Das ist dasselbe wie im Marketing: ein Problem mit Geld bekämpfen. »Hier hast du eine Kaffeemaschine — dann arbeite halt auch länger.« Oder: »Hier hast du das KI-Tool — dann werde jetzt aber auch mal produktiver.« Oder: »Wir haben jetzt Paid Ads, dadurch kommen mehr Anfragen.« Ja, aber ob es die richtigen Anfragen sind, ob die Kunden qualifiziert sind — das spielt dann keine Rolle. Hauptsache, man haut Geld drauf. Und komischerweise fehlt das Geld dann immer für Markenentwicklung, weil das ja nur irgendeine softe Strategie ist, wo man keinen direkten Output messen kann. Viel Spass, Sportsfreund. Das ist genau dasselbe wie mit anderen Tools — aber halt viel fokussierter im Ergebnis, weil wir mit der Klarheit an der Basis beginnen.

Und jetzt mache ich mal den Call to Action dazu. Wer das Gefühl hat: »Ich vertraue den Jungs, gerne mal über meine Marke drüberschauen« — das machen wir super gern. Ein erster Blick kostet nichts und tut manchmal weh, wenn man ehrliche Antworten bekommt. Aber es hilft meist extrem weiter. Manchmal ist es auch einfach ein Bauchgefühl, das man ohnehin schon hatte und das bestätigt wird. Schaden kann das nicht. Also einfach melden.


Vinz: Genau. Und wenn man trotzdem selbst gleich Hand anlegen will und denkt: »Das kann ich auch selbst« — ich habe noch drei Fragen mitgebracht, die man sich selbst beantworten kann. Aber wenn schon, dann macht es ehrlich.

Frage 1: Wo fehlt aktuell der Mut, klar Nein auszusprechen? Bei Dingen, die einfach Zeit fressen oder allen ein bisschen auf die Nerven gehen. Wo könnte man ehrlich gesagt Nein sagen oder es weglassen, damit es allen besser geht?

Frage 2: Welche Entscheidung wird schon seit sehr langer Zeit aufgeschoben, die aber eigentlich essenziell wäre für das Unternehmen?

Frage 3: Was würde wegfallen, wenn man wirklich klar wäre — wenn man einfach die Eier hat, die Hand zeigt und das Unternehmen in eine klare Richtung führt? Einfach nachdenken: Was hätte das für eine Konsequenz, wenn das wegfallen würde? Weil in der Regel hilft es. Und es ist gar nicht so schlimm, wie man im ersten Moment denkt.

Und wenn man diese Fragen beantwortet hat, steht eigentlich nichts im Weg, einfach mal zu entscheiden. Und umzusetzen. Das sagen wir ja auch immer: Es bringt nichts, auch wenn es schön auf dem Papier steht — man muss es auch umsetzen.

Paul: Ja, am Ende ist es auch eine pure Erleichterung. Das kann ja auch passieren. Und schreibt euch das ruhig auf — das noch als letzte Anmerkung. Zettel und Stift. Niemand hat Bock auf endlos lange PDFs oder Slideshows. Das Entspannteste ist, wenn man diese Entscheidungen auf einen A4-Zettel schreibt, den man immer wieder zücken kann — den man auch neben einem Meeting an die Wand heften kann, sodass für alle sofort klar ist, worum es geht und was die Leitplanken in diesem Unternehmen ausmachen.


Vinz: Hast du noch etwas anzumerken? Ich habe dann noch den Kalenderspruch vorbereitet.


Paul: Darauf freue ich mich. Hau raus, Vinz.


Vinz: Also: Dein Unternehmen ist nicht kompliziert, weil es wächst oder weil sich der Markt ändert oder Trends sich ändern. Es ist kompliziert, weil du dich einfach nicht festlegst auf eine klare Linie. Klarheit zu haben — das fühlt sich immer ein bisschen riskant an. Man hat immer das Gefühl, man lässt etwas weg, das vielleicht wichtig wäre. Aber Unklarheit zu haben und zu leben — jeden Tag — das kostet dich tagtäglich Energie, Geld, Ressourcen und vor allem den Respekt deiner Mitarbeitenden, deiner Kunden und deiner Mitbewerber. Sei mutig und sei klar.


Paul: Yes. Und das noch als letzter Gedanke von mir: Du kannst durchaus mal die Perspektive wechseln und überlegen, was dir von anderen Unternehmen in Erinnerung geblieben ist. Und es ist nie die gesamte Story, die sie versuchen zu kommunizieren — sondern manchmal nur einzelne Elemente. Mit deinem Unternehmen wird es wahrscheinlich genauso sein. Also: Pick das eine Element raus, um das sich alles dreht. Nagel das fest. Arbeite damit. Und lass den ganzen anderen Bullshit einfach weg.


Vinz: Genau, das ist ein schöner Abschluss. Darum würde ich sagen: Bis nächstes Mal. Fleissig Marke machen und cool sein. Ciao.


Paul: Bis dahin. Danke, Vinz, für das schöne Thema. Ciao.

Wenn ihr jemanden kennt, dem das ganze Thema hilft, dann teilt die Folge gerne und bewertet unseren Podcast, damit noch viel mehr Menschen davon erfahren. Besten Dank, viel Spass beim Markemachen und bis bald. Ciao.


 
 
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