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Hi, ich bin Paul und entwickle nachhaltige Marken für Unternehmungen, die wirklich was verändern wollen. Und da Wissen für alle da ist, teile ich es nur zu gerne.

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Vinz

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Nostalgie mit cleanem Sex-Appeal. Dafür stehe ich mit meiner Arbeit. Fancy Firlefanz brauche ich nicht, dafür steht Substanz und Echtheit bei mir ganz oben.

Was Marken von Content Creators wirklich lernen können (mit Patrick Schnitzler)

  • 3. März
  • 46 Min. Lesezeit




Was Marken von Content Creators wirklich lernen können


Es gibt einen Grund, warum manche Unternehmen auf Social Media posten und trotzdem niemanden erreichen. Nicht weil die Kamera schlecht ist. Nicht weil der Algorithmus gegen sie arbeitet. Sondern weil hinter dem Content niemand steht. Keine Haltung, keine Geschichte, keine echte Überzeugung – nur die Hoffnung, dass Sichtbarkeit irgendwie entsteht, wenn man oft genug postet.


Content Creators machen instinktiv etwas anders. Nicht weil sie eine bessere Strategie haben. Sondern weil sie verstanden haben, dass Menschen keinen Marken folgen. Sie folgen anderen Menschen.


Das Problem fängt nicht beim Content an


Wer jetzt anfängt, Videoformate zu planen, Hooks zu schreiben und Redaktionspläne zu bauen, hat den ersten Schritt übersprungen. Den entscheidenden.


Die Frage, die zuerst beantwortet werden muss, ist nicht: Was posten wir? Sondern: Was fehlt der Welt, wenn wir nicht mehr da wären?

Das klingt gross. Ist es aber nicht zwingend. Es geht nicht darum, eine weltbewegende Mission zu formulieren. Ein Schreiner, der einfach ehrliches Handwerk liebt und seinen Leuten ein gutes Umfeld bieten will, hat bereits mehr als genug. Was zählt, ist nicht die Grösse der Antwort – sondern ihre Echtheit.


Wenn diese Frage nicht beantwortet ist, wird Content zu Lärm. Man kann die besten Frameworks haben, die cleversten Hooks, das teuerste Equipment – und trotzdem niemanden berühren. Weil Leute innerhalb von Millisekunden spüren, ob jemand mit Überzeugung spricht oder einfach nur bespielt.



In den Keller gehen


Patrick Schnitzler, Gründer von klima&so und 300-Tage-Content-Creator mit neuem Fokus auf »Think Like An Athlete«, nennt es «in den Keller gehen». Gemeint ist: sich ehrlich machen. Mit sich selbst, mit dem Unternehmen, mit dem, was einen wirklich antreibt – fernab von Produkten, KPIs und dem, was man glaubt, kommunizieren zu müssen.


Warum hast du das Unternehmen gegründet? Was beschäftigt dich wirklich? Wofür stehst du ein, wenn es nicht um Geld geht? Was berührt dich an dem, was du tust?

Das sind keine Fragen für ein Strategie-Workshop-Flipchart. Das sind die Fragen, die ehrlichen Content erst möglich machen. Wer sie nicht beantworten kann oder will, wird auch keinen Content machen, der hängen bleibt.


Der Beweis dafür ist simpel: Die Videos, die am besten performen, sind fast nie die, die am meisten vorbereitet wurden. Es sind die, bei denen jemand einfach gesagt hat, was er wirklich denkt – ohne Filter, ohne Skript, ohne den Versuch, professionell zu klingen.



Warum KMUs hier einen echten Vorteil haben


Grosse Unternehmen können das nicht. Nicht wirklich. Da kommt ein Kommentar von Legal, einer von Compliance, einer vom Vorstand. Bis ein Post rausgeht, ist jede Ecke abgeschliffen, jede Kante weg. Was bleibt, ist glatte Kommunikation ohne Reibung – und ohne Wirkung.


Ein KMU mit 15 Leuten kann fünf davon rauslassen. Als echte Menschen, mit echten Perspektiven, mit echten Interessen. Der Logistiker, der Basketball liebt. Die Projektleiterin, die morgens als erstes die Sportnachrichten liest. Der Chef, der zugeben kann, dass gerade alles brennt. Das ist keine Schwäche. Das ist Substanz.


Und genau diese Substanz ist das, was Content Creators von Anfang an haben – oder entwickeln müssen. Nicht die Technik. Nicht die Follower-Zahl. Sondern die Bereitschaft, das Innere nach außen zu kehren.


Ego ist das eigentliche Problem


Der häufigste Grund, warum Leute keinen Content machen oder aufhören, hat nichts mit Zeit, Budget oder Equipment zu tun. Es ist das Ego.

Die Angst, falsch verstanden zu werden. Die Angst, dass etwas nicht perfekt ist. Die Angst, von der Gruppe ausgeschlossen zu werden – evolutionär einer der stärksten Impulse, den wir kennen.


Das Paradoxe: Wer genau diese Angst versucht zu vermeiden, indem er poliert, schleift und absichert, verliert genau das, was Aufmerksamkeit erzeugt. Menschen folgen keiner Maske. Sie folgen jemandem, der die eigene Verwundbarkeit zeigt – und trotzdem weitergeht.


Das ist kein Aufruf zur Selbstentblößung. Es ist ein Aufruf zur Ehrlichkeit. Zeig, wie es wirklich ist. Nicht das Bankkonto, aber die Herausforderung. Nicht die perfekte Lösung, sondern den Weg dahin.



Own the Process – die Athleten-Analogie


Kobe Bryant hat gesagt, er spürt in entscheidenden Momenten keinen Druck. Nicht weil er kein Ego hat. Sondern weil er diesen Wurf schon tausendmal trainiert hat – mit Hand im Gesicht, unter Druck, ohne Publikum. Warum sollte der tausendste Versuch vor 15.000 Menschen anders sein? Auf Content übertragen bedeutet das:


Der Prozess ist das Training. Nicht das Video, das viral geht. Nicht die Follower-Zahl nach Monat eins. Sondern das tägliche Machen, das Rausgehen, das Veröffentlichen – auch wenn es nicht perfekt ist.

Was man kontrollieren kann: wie viele Posts man rausschickt. Was man nicht kontrollieren kann: den Algorithmus, die Reichweite, das Ergebnis. Wer seine Emotionen ans Ergebnis hängt, brennt aus. Wer sie an den Prozess knüpft, bleibt. Das gilt für Content Creators. Und es gilt genauso für Unternehmen, die anfangen, ihre Marke menschlich zu kommunizieren.



Persönliche Interessen als stärkste Verpackung


Ein letzter Punkt, der unterschätzt wird: Du musst nicht über dein Produkt reden, um deine Marke zu stärken. Eine Schlafwissenschaftlerin hat Patrick nicht mit Schlaf-Content gepackt. Sie hat ihm erklärt, dass Basketballspieler nach sieben Wochen richtigen Schlafs neun Prozent bessere Freiwurfquoten hatten. Sport als Einstieg, Schlaf als Thema, Wissenschaft als Substanz.

Der Logistiker, der Formel 1 liebt, kann über die Logistik hinter einem Grand Prix reden – und damit mehr Aufmerksamkeit erzeugen als mit dem besten Erklärvideo über seinen Betrieb. Der Handwerker, der ehrlich sagt, dass die Heizung noch zwei Jahre hält, wird in zwei Jahren als erstes angerufen.


Die Verpackung kommt aus dem, was dich wirklich interessiert. Der Kern ist das, wofür dein Unternehmen steht. Beides zusammen ergibt Content, den niemand anderes so machen kann. Weil er von dir ist.


Takeaways


  • Content ohne Substanz ist Lärm. Wer nicht weiß, wofür er steht, wird auch niemanden erreichen – egal wie viel er postet.

  • Das Ego ist der größte Feind am Anfang. Überwinde es durch Wiederholung, nicht durch Perfektion.

  • Own the process. Das Scoreboard folgt. Aber es darf nicht dein Gefühl bestimmen.

  • KMUs haben einen echten Vorteil: Nähe, Persönlichkeit, Mut zur Reibung. Nutz ihn.

  • Persönliche Interessen sind die stärkste Verpackung für Markenbotschaften – kombiniere beides.

  • Starte mit dem kleinstmöglichen Experiment. iPhone reicht. Haltung ist entscheidend, nicht Auflösung.


Jetzt reinhören


Patrick Schnitzler hat in dieser Folge mehr auf den Punkt gebracht, als die meisten Content-Kurse zusammen. Wer verstehen will, was Marken vom Creator-Mindset wirklich lernen können – und warum der erste Schritt kein Video, sondern eine ehrliche Frage ist – sollte sich E089 anhören. Es lohnt sich.












Bildtext: Content Creator Patrick Schnitzler


Das Transkript zu E089

Paul: Marken haben ein Problem. Die kommunizieren nämlich wie Unternehmen und das zieht keine Leute an. Denn Menschen folgen ja bekanntlich Menschen. Aber wir haben alle Glück. Denn es gibt sogenannte Content Creators und von Content Creators können Marken eine ganze Ecke lernen. Die Frage, was sie lernen können und wie das Ganze funktioniert, das wollten wir nicht alleine beantworten und haben deswegen die große Ehre und das große Vergnügen, mit Patrick Schnitzler von Klima und so reden zu können. Was es mit ihm auf sich hat, was er gemacht hat, das erfahren wir jetzt alles gemeinsam. Wir haben natürlich noch ein Thema mitgebracht – eine spannende These, die Vinz direkt hier einstreuen wird, bevor wir dann direkt mit dir in die Tiefe abtauchen, Patrick.


Vinz: Genau. Wir haben eine sogenannte Leitfrage zusammengewurscht und die lautet wie folgt: Was müssen Marken heutzutage von Content Creators lernen? Und was verstehen sie teilweise immer noch falsch am ganzen Content Game? Mit dieser Frage begrüsse ich auch herzlich Patrick und ich würde sagen, hau mal rein! Willkommen zu »Mach mal Marke« – Branding ohne Bullshit – mit mir, Vinz, Paul und unserem heutigen Interviewgast Patrick.


Patrick: Vielen Dank. Danke für die Einladung, Paul und Vinz. Gute Frage, die geht direkt deep rein, glaube ich, in den Kern des ganzen Themas. Ich glaube, wo sich Marken schwertun, historisch und wahrscheinlich auch in der Gegenwart – weil sich Plattformen oder Kommunikationskanäle ändern, aber das Game ja eigentlich immer das Gleiche bleibt –, ist die Frage: Wie schaffe ich es, eben nicht als Marke dazustehen, sondern als Enabler von Erfahrungen, von Lebensinhalten, die Menschen spüren? Weil Menschen haben Emotionen und Marken tendenziell nicht. Eine Marke ist ja einfach nur eine Gruppe von Menschen, die sich geeinigt hat: Lass mal hier irgendwie täglich ins Büro fahren und irgendwelche Produkte verkaufen. Aber wir müssen ja irgendeine Story erzählen, damit die Leute das Produkt gut finden und verstehen, was der Vorteil ist. Und im besten Fall sind Marken so weit, dass sie dann auch noch verstehen, dass dazu auch eine Emotion stattfinden muss. Und ich glaube, der große Unterschied ist: Wenn du als Content Creator auf den Plattformen stattfindest – also jetzt vor allem Social Media, aber auch als Personenmarke, wenn du keine Ahnung Vorträge hältst oder so –, dann weißt du als Standardeinstellung schon: Es geht über Emotionen, es geht über Geschichten, es geht darum, wie fühlen sich Menschen in meiner Gegenwart. Und es geht nicht darum, dass ich das beste Produkt verkaufe. Zumindest ist das so das, was ich am Anfang schnell gelernt habe und was ich glaube, was auch viele, die die Bühnen bekommen, verstehen. Also nicht dieses: Was gibst du den Menschen in Form von physischen Produkten oder Tickets oder irgendwas? Sondern: Wie fühlen sich Menschen, wenn sie mit dir in Kontakt kamen? Ich glaube, das ist das Entscheidende. Und wenn wir sogar noch eine Ebene höher gehen, philosophisch, ist das auch das, was irgendwann den Unterschied macht. Weil wenn wir uns fragen, woran erinnern wir uns eigentlich aus unserer Vergangenheit? Und an welche Person erinnern wir uns? Dann sind es meistens nicht die Personen, die unser Gehalt gezahlt haben oder uns die größte Gehaltserhöhung gegeben haben oder uns irgendwie das neue PlayStation-Spiel gekauft und geschenkt haben. Sondern es sind Menschen, mit denen wir auf dem Festival waren, die uns ein gewisses Gefühl verliehen haben. Die Grundschullehrerin, die uns in einer schwierigen Phase an die Hand genommen hat und gesagt hat: Komm, wir setzen uns noch mal hin. Weißt du, die mehr an uns gesehen haben. Das sind die Menschen, die wir dann irgendwie in Erinnerung haben. Die Sportcoaches, die mit einem einfachen Satz auf einmal dein ganzes Denken umgestellt haben, wie es bei mir teilweise passiert ist. Das sind Sachen, die bleiben wirklich in deinem Kopf hängen und die verändern auch das Leben der Konsumentinnen. Und ich glaube, das ist was, was Marken vielleicht im ganzen KPI-Dschungel und in Absprachen mit Agenturen und Vorgesetzten so ein bisschen verlieren und vergessen.


Paul: Perfekt zusammengefasst. Du hast direkt alle Ebenen aufgezogen. Wir haben ja folgenweise darüber geredet und du packst das so auf den Punkt. Und man hört bei dir schon den Coach durch. Es fehlt nicht mehr viel und du stehst als Coach vor Marken und coachst sie genau wie ein Coach ein Sportteam coachen würde. Aber das finde ich das Spannende: Man kann aus so vielen Alltagsdingen immer irgendwas für dieses Markenthema lernen. Und wir sehen das ja auch ein bisschen größer als Logo, Schrift und Farbe. Und du verstehst voll, was dahinter steht – nämlich wirklich diese Frage: Wie bringt man da Persönlichkeit und Emotionen rüber, fern von diesem Produkt- und Qualitätsversprechen, was heutzutage nicht mehr zieht? Es gibt keine Produktneuerung mehr, wo das Produkt alleine reicht. Eine Marke muss immer mehr sein als das. Und die müssen halt persönlich kommunizieren. Ich glaube, die großen Marken – sowas wie Nike – die haben mittlerweile verstanden, dass sie kleine Subbrands gründen, die möglichst nah an den einzelnen Personas dran sind, die sie erreichen wollen. Und die kleinen Unternehmen, und das ist ja unsere Hauptzielgruppe hier im Podcast – KMUs zu erreichen –, die wollen immer so handeln wie die großen Unternehmen. Dabei haben sie den Vorteil, dass sie klein sind. Dass du wirklich sagen kannst: Wir sind eine kleine Bude, wir haben 15 Leute. Theoretisch können von den 15 fünf selber Content Creators werden und da draußen ihre Reise angehen, so wie du das gemacht hast, und damit Menschen erreichen. Und das fällt alles auf unsere Marke zurück. Das schaffen die, weil die – und da würde ich gern mal den ersten Take von dir einspielen – in ihren persönlichen Keller gegangen sind und rausgefunden haben: Was ist denn da drin und was beschäftigt uns denn wirklich, fernab von den Produkten, die wir herstellen? Und da bist du ja Experte, diesen Keller durchzulüften. Was hat es mit dem Bild auf sich und warum hast du das überhaupt gefunden?


Patrick: Das ist eine sehr gute Frage. Ich bin da irgendwie zufällig in einer vergangenen Podcast-Aufnahme drauf gekommen. Also vielleicht ein bisschen zurückgehend: Ich habe ja mit Klima und so ein Unternehmen gegründet und wir waren zu zweit. Wir hatten mit Klima natürlich ein Thema, wo nicht jeder Bock hat zuzuhören. Und deswegen sind wir so reingestolpert in so ein Marketing- und Markenthema. Wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen das super persönlich kommunizieren, wie wir es spüren – jetzt nicht irgendwie irgendeine Sprache wählen, die cool ist für Investorinnen oder Kundinnen, sondern so wie wir sprechen. Und das war von Anfang an klar. Und dann sind wir so reingerutscht in so ein organisches Markenthema. Und dann bin ich immer mehr auch quasi mit meinen persönlichen Accounts rausgegangen und dann halt auch nebenbei Content Creator geworden. Und vor allem bei dieser persönlichen Reise finde ich interessant, dass die Themen, über die du sprichst, so ein bisschen deinen eigenen inneren Gemütszustand reflektieren, wenn du es gut hinbekommst. Also es gibt Videos, die machst du und du weißt eigentlich, wenn du ehrlich zu dir bist, die spielst du gerade. Und es gibt Videos, da checkst du: Okay, das fühle ich gerade und da muss ich nicht skripten, sondern muss ich einfach nur sagen, was ich denke. Und das sind meistens die Videos, die gut performen. Ich glaube, jeder kennt diesen Vergleich, wo Leute sagen: Ich mache ein Video und mir ist es scheißegal und das kriegt Klicks. Und ich mache ein Video, scripte es und mache voll gute Edits – und das erreicht niemand. Genau aus diesem einen Grund: Bei dem einen Video checken Leute innerhalb von Split-Seconds, okay, da spricht jemand mit Conviction und der hat es wirklich erlebt. Und dann gibt es die Videos, wo man sagen kann: Ich kann als Viewer gar nicht bewerten, ob du dir das ausdenkst, ob AI das geschrieben hat, wer diese Edits gemacht hat, wie viele Takes du gebraucht hast. Die Fragen haben die Viewer gar nicht im Kopf, aber das sind natürlich Heuristiken, die innerhalb von Split-Seconds ablaufen. Und dann ist halt ein Swipe und du bist raus. Und wenn 200 Leute von den ersten 500 Viewern innerhalb einer Sekunde weiterswipe, dann wird dein Video halt schlecht sein. Und deswegen glaube ich, ist es super wichtig, sich mit sich selber auseinanderzusetzen. Und wenn wir jetzt vor allem über Marken sprechen und nicht so Personal-Creator-Journeys, dann ist die Frage: Warum sitzt du denn da? Warum hast du das Unternehmen gegründet? Was verfolgst du für ein Ziel? Wie sieht die Welt aus, wenn du dein Ziel erreichst? Wofür möchtest du einstehen? Was sind die Hebel, die du bewegen möchtest? Und nicht dein Produkt, vielleicht in unserer Gesellschaft sogar: Wofür stehst du ein? Für wen machst du dich stark, wenn es nicht um dich selbst geht? Warum machst du dich für die stark? Was ist die Geschichte dahinter? Was berührt dich daran? Das sind alles Sachen, wo ich für mich sehr viel Energie rausgezogen habe und was am Ende auch die Stories sind, die überzeugen. Klima und so ist auch aus dem Thema heraus entstanden, dass bei meinen Eltern 2021 in Deutschland, in Westdeutschland, die Flut vor der Tür war. Und wenn du diese Geschichte erzählst, hörst du die Stecknadel fallen im Raum, wenn ich so meinen Vortrag beginne. Warum? Weil es natürlich super emotional und relatable ist. Die Leute müssen gar nicht dabei gewesen sein – ich zeige drei Bilder und erzähle, wie ich meinen Vater bei Facetime angerufen habe und der auf einer Straße steht, die nicht mehr sichtbar ist, weil alles voller Wasser ist. Und wenn man das Bild vor Augen hat und dann meine Stimme hört, die vielleicht sogar auch, weil es ein emotionales Thema ist, spürbar berührt ist – jedes Mal, wenn ich das erzähle, habe ich Gänsehaut –, dann können Menschen gar nicht anders als mit mir empathisieren. Und ich glaube, das ist was, was Markenverantwortliche wirklich verstehen sollten. Das ist ja kein Laientheater, was wir im besten Fall aufführen, sondern das ist eine Überzeugung. Die einfachste Frage, die ich mir immer stelle oder die ich anderen stelle, ist: Warum gibt es dich? Wenn ich eine gute Frage stelle, kriege ich innerhalb von 15 Sekunden hochqualitative Studien raus, die ich durchlesen kann. Dann bin ich sofort Experte. Warum sollte ich jemandem folgen? Warum sollte ich die Schraube bei dir kaufen und nicht bei jemand anderem? Und das sind am Ende Geschichten – weil die Probleme kriegen alle Schrauben gelöst. Und wenn du da sozusagen in deinen eigenen Keller gehst und dich ehrlich machst und vielleicht auch deine eigene Verletzlichkeit nach vorne stellst, um zu sagen: Ich war da und deswegen habe ich dieses Problem mit dieser Lösung angegangen – und falls du das auch spürst, lass mich dir helfen. Auf diesem Level ist das was ganz anderes, als wenn du sagst: »20 Prozent auf alles außer Tiernahrung.«


Paul: Das schließt ja direkt neun von zehn Leuten in einem Unternehmen raus. Weil wenn man die fragen würde: Warum bist du in diesem Unternehmen, was willst du denn mit der Marke gemeinsam erreichen? – wenn das Unternehmen entschieden hat, dass Leute Content kreieren sollen, dann denken die sich: Ich bin halt hier, um Geld zu verdienen. Wir machen halt das Produkt, aber da steckt ja nicht mehr dahinter. Oder neun von zehn Leuten haben neun unterschiedliche Ansichten, was die Marke überhaupt ausmacht. Und da hat mir dein Content extrem geholfen zu sagen: Als Marke sind KPIs keine Ziele, die man wirklich erreichen kann. Klar, ist wie ein Experiment – wir machen jetzt irgendwie 100 Beiträge und gucken, was passiert. Das ist cool, mach das. Aber das ist kein Ziel, was dich verändern wird. Sondern es geht eher darum, dieses Identitätsziel zu challengen: Wer wollen wir denn als Marke überhaupt sein? Und was bringt jedes Teammitglied einzeln mit, um das nach draußen zu kommunizieren? Und dann auch die Brücke zu schlagen: Was treibt die denn privat an? Was können wir davon als Marke nutzen? Und wie kriegen wir das alles unter einen Hut?


Patrick: Ja, ich glaube, da stellst du eine sehr gute Frage, die wahrscheinlich sehr unangenehm ist. Nämlich: Warum sind die Leute eigentlich da? Ich stelle mir das unangenehm vor, wenn ich als CEO da stünde und irgendwie 100 Leute hätte und dann sage: Ich habe jetzt Paul und Vinz mit Patrick im Podcast gehört und irgendwie hat mich das voll gepackt. Ich muss jetzt rausschälen: Warum bin ich eigentlich hier? Warum braucht die Welt mich? Und das ist noch krasser: Was fehlt der Welt, wenn ich nicht da wäre? Das ist wirklich eine krasse Frage. Was fehlt der Welt, wenn dein Unternehmen oder du als Creator nicht da wärst? Und wenn man sich dann hinstellt und sagt: »Dann haben halt irgendwie 100 Leute keinen Job« – die werden ja nicht aufhören, Geld zu verdienen. Die werden halt woanders arbeiten.


Paul: Ist ja krass, oder? Weil die großen Unternehmen stellen sich ja meist so dar: Ich bin wichtig, weil ich Arbeitsplätze schaffe. Ist ein fairer, valider Punkt – wir brauchen alle Arbeit, weil das ein Teil der Erfüllung ist. Wir wollen der Welt irgendwas zurückgeben oder gemeinsam was bewirken. Und Arbeit ist für ganz viele Menschen Erfüllung. Wir hatten in einem letzten Interview das Thema Vereinbarkeit und haben festgestellt, es braucht halt beide Welten. Diese Work-Life-Balance ist schon berechtigt, weil man sagen kann: Wir haben alle ein privates Päckchen mit und ein Geschäft dazu zu erledigen und müssen irgendwie Geld verdienen. Im Idealfall kann eine Arbeit wirklich Erfüllung sein. Da habe ich mal das Beispiel in den Raum gebracht: Wenn du ein großes, wichtiges Hotel bist, dann ist jede Person, die dort arbeitet, wichtig und trägt zu diesem Markenerlebnis bei. Das geht beim Portier von einer Tür los. Wenn du dem schaffst beizubringen, dass seine Position eine entscheidende ist – weil wenn der erste Eindruck nicht stimmt bei dem ganzen Hotelerlebnis, dann überträgt sich das auf alle weiteren Kontaktpunkte, also Rezeption, Fahrstuhl, Essen, Room Service –, dann haben alle weiteren Punkte es schwer, wenn der erste Eindruck nicht stimmt. Und da ist jede Stellschraube entscheidend. Und da kannst du sofort sagen: Lieber Portier, mach halt deinen eigenen Content darüber. Du weißt, was du beiträgst – und damit wird es gut. Aber wie du meinst: Das kann sehr unangenehm sein, wenn diese Mission oder diese Identität im Hintergrund nicht gibt.


Vinz: Ich finde es noch spannend. Wir haben auch mal zwei, drei Folgen über das Thema Mission gemacht. Viele tun sich aber schwer damit, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Für viele ist es nicht greifbar. Es muss immer etwas sehr Grosses sein oder etwas Weltverbesserndes. Ich finde, das muss es eigentlich gar nicht immer. Jemand kann auch einfach seinen Job lieben und seinen Mitarbeitern ein gutes Umfeld bieten. Einfach miteinander arbeiten. Das vergessen aber viele. Immer wenn wir aus dem Markenjargon über Vision reden oder Fragen auf den Tisch kommen wie »Was würde der Welt fehlen, wenn es sie nicht gäbe?«, ist das für viele eine künstliche Hürde. Es dürfen auch einfach einfache Antworten sein. Wenn die Intention dahinter von Herzen kommt, ist das 100-mal stärker, meiner Meinung nach, als wenn es eine dahingeschwurbelte Sache ist, die viele auch krampfhaft rauspicken. Nicht jeder Schreiner muss für Naturschutz oder Ökologie stehen. Es kann einfach ein gutes Umfeld sein. Oder wirklich – so kitschig es klingt – Liebe für das Handwerk. Aber dann macht es wieder die Summe aller Teile aus: Wie verpackt man die Message konkret, dass es die Leute auch anspricht? Einfach meine fünf Rappen dazu, damit nicht alle das Gefühl haben, man muss immer die Welt verändern wollen mit seinem Unternehmen. Im Gegenteil, es langen auch kleine Sachen.


Patrick: Ich glaube auch. Also, du kannst ja sogar so krass sein und sagen: »Wir wollen einfach maximal Geld machen.« Und wahrscheinlich wäre das sogar besser als nichts – du hättest einen Backlash bei, weiss ich nicht, 70 Prozent der Bevölkerung. Aber wenn du damit die 30 Prozent ansprichst, die einfach nur Cash machen wollen und dann in ihrer Freizeit die teuersten Hotels besuchen und das teuerste Essen essen wollen – dann attractest du die sogar noch besser als wenn du sagst: »Unsere Mission ist XYZ.« Aber lass uns mal ein ganz einfaches Experiment machen: Was würde der Welt fehlen, wenn euer Podcast nicht da wäre? Was würde der Welt fehlen, wenn Mach mal Marke morgen weg wäre?


Paul: Ja, wahrscheinlich in erster Linie nichts. Aber es gibt eine Handvoll Personen, die das vermissen würden. Einfach unsere Perspektive zu hören. Und vielleicht ist das auch einfach die Antwort. Wie Vinz meint: Das muss nicht bombastisch groß sein. Unsere Mission ist nicht, dass jedes KMU einen mega krassen Markenaufbau betreibt – weil da gibt es genug, für die das nicht relevant wäre. Und die haben sich auf andere Sachen fokussiert. Wir müssen nicht missionieren. Das schadet auch mehr Unternehmen, als es ihnen nützen würde. Aber die Menschen zu erreichen, die das Gefühl haben: »Ich fühle mich verstanden und die helfen mir, ein bestimmtes Ziel zu erreichen« – das machen wir liebend gerne weiter, weil das eher unserer Mission entspricht.


Patrick: Ja, das finde ich ganz interessant. Du musst ja nicht sagen: »Mit Mach mal Marke connecten wir irgendwie die großen Corporates mit Content-Creators aus Berlin, damit der Welthunger besiegt wird.« Sondern es sind halt irgendwie KMUs, vielleicht sogar in einem regionalen Einzugsgebiet, die eigentlich nie mit Leuten in Kontakt kommen, die in Berlin irgendwas markenmäßig oder creatormäßig machen. Die einfach so in Kontakt kommen, die A den anderen nie finden würden und B niemals mit dem sprechen würden. Und das ist ja dann vielleicht schon das. Und das ist okay. Und ich glaube, das ist genau das Ding: Du kannst diese Frage nicht immer beantworten. Und ich glaube, viele können sie irgendwann nicht mehr beantworten, weil dieses Everyday Business – dieses nochmal ein Prozent Cost-Cutting, nochmal die letzte Prozentstelle durchoptimieren – dich irgendwann blind macht für die eigentliche Frage: Wo steuert dieses Raumschiff eigentlich hin und warum sind wir eigentlich vom Launchpad ins All geflogen? Und ich glaube, das ist wichtig, sich immer wieder zu hinterfragen. Und das gilt genauso fürs Privatleben. Es lohnt sich auch im Privatleben, sich mal hinzustellen und zu sagen – vielleicht einmal im Jahr, vielleicht am Ende des Jahres –: Welche Projekte habe ich gerade auf dem Tisch? Wo arbeite ich? Wie läuft meine Beziehung? Welche Freundschaften pflege ich gerade? Was sind gerade meine Hobbys? Einfach mal zu sagen: All diese Sachen, die ich gerade in meinem Leben habe – wenn ich mich jetzt nochmal dafür entscheiden müsste, würde ich mich dafür entscheiden? Oder würde ich sagen: Nee, das lasse ich lieber? Das ist auch eine relativ schwierige Frage, weil du feststellen wirst, es wird jedes Jahr Sachen geben, wo du sagst: Mit dem Wissen von heute würde ich da nicht nochmal mit anfangen. Okay, aber warum bist du dann noch da? Da musst du vielleicht einfach gehen. Es ist dann vielleicht unangenehm, den Job zu verlassen, die Partnerschaft zu beenden, vielleicht keinen Kontakt mehr zu bestimmten Freundeskreisen zu pflegen. Aber es ist das, was eigentlich das Richtige wäre, weil du nicht mehr dabei bist mit ganzem Herzen. Weil: Wir geben, aber wir müssen auch zurückbekommen.


Vinz: Die einfachsten Fragen – privat oder im Unternehmensbereich – sind die, die dich wirklich vorwärtsbringen. Die du wirklich tief bohren kannst. Wir sagen immer: Frag fünfmal warum und schliesslich bist du im Kern. Wirklich an dem Punkt angelangt, wo es dann auch drauf ankommt.


Paul: Ja. Und passend dazu: Das fällt aktuell so schwer, weil ich immer das Gefühl hab, es gibt diese Möglichkeiten, das nach draußen zu kommunizieren über Social Media. Aber es gibt auch hunderttausend Millionen Anleitungen dazu. Und dann geht's direkt los: Wir haben nicht das passende Equipment. Oder mir geht's grad nicht so gut. Oder dies, das, Ananas. Es gibt immer so viele Vorwände. Und dann hängt man sich eher an die KPIs auf. So ein Experiment nach zwei Reels schon wieder abbrechen, weil die Aufrufzahlen nicht stimmen – weil die komischerweise nicht so sind wie bei einem Content Creator mit Millionen Followern. Das frustriert. Man kann sich so mit dem Außen aufhalten, ohne sich um das Innen kümmern zu müssen. Und ich glaube: Wie kommt man da überhaupt hin?


Patrick: Ja, vielleicht kann ich da direkt einhaken. Ich glaube, es gibt eine Sache bei Content – und vor allem bei dieser persönlichen Ebene. Wir haben jetzt gerade eigentlich festgestellt: Wir müssen irgendwie persönlich reingraben und unser Inneres nach außen kehren. Das würde ich jetzt mal als Kapitelmarke setzen. Wenn wir das nicht tun und nicht bereit dazu sind, dann können wir die besten Content-Frameworks haben. Der Content wird schlecht sein. Sind wir ehrlich. Weil dann machst du irgendwas mit AI und dann kommt so: »I'm happy to announce that I'm now joining company XYZ« – nobody gives a shit. Viel interessanter wäre die Frage: »War noch nie so verwirrt in meinem Leben und Quarterlife-Crisis hits hard – jetzt habe ich alles auf den Kopf gestellt.« Das würden die Leute lesen. Also gut: Wir gehen runter in den Keller, wir müssen das Innere nach außen kehren. Und dann stehen wir irgendwann an dem Punkt und sagen: Okay, jetzt müssen wir aber auch schreiben. Und jetzt gibt es tausend Frameworks. Und ich glaube, ich bin der prädestinierteste Typ dafür, der in Frameworks und Theorien Sicherheit sucht – für Sicherheiten, die es nicht gibt.


Paul: Echt? Du würdest selber so über dich sagen? Nach außen vermittelst du das komplette Gegenteil. Da bist du wirklich derjenige, der einen Gedanken hat, das Handy anmacht, sich filmt. Und das hast du 300 Tage lang bewiesen – vor allem dir selbst. Und im letzten Podcast hast du auch gesagt, irgendwann hast du es dann gar nicht mehr gefühlt am Ende. Das war dann wirklich nur noch: Ich will dieses Ziel mit den 300 Tagen erreichen. Aber danach war dann auch gut, einen Cut zu machen. Ich hätte dich zumindest nicht eingeordnet als Typ, der im Hintergrund die ganzen Frameworks packt, weil so sieht es nicht aus.


Patrick: Ja, und das ist ja das Interessante. Weil am Ende haben wir alle Angst. Wir haben alle Angst, wir haben alle ein viel zu großes Ego. Wir teilen was Persönliches und sobald jemand das irgendwie nicht fühlt, fühlen wir uns rejected. Und evolutionspsychologisch ist das das Schlimmste, was passieren kann – wenn wir Sorge haben, wir werden von einer Gruppe verstoßen. Weil wir damals halt einfach gestorben wären. Das ist die absolute Urangst: Nicht auffallen, nicht anecken, nicht ausgegrenzt werden von einer Gruppe von Menschen. Geliebt und anerkannt werden – darum geht's. Aber das Paradoxe ist: Du kannst nicht geliebt und anerkannt werden, wenn du genau dieses Ziel verfolgst. Du wirst geliebt und anerkannt, wenn du deine eigene Schwäche nach außen kehrst. Das ist das Ding. Wenn du sagst: »Digga, das funktioniert ja alles gerade gar nicht. Unsere Operations im Hotel, das ist so schlecht. Wir können so glücklich sein, dass unsere Kunden gerade noch kommen. Ich werde aber wirklich die nächsten 24 Stunden drei Red Bull reinpfeifen, um das jetzt in einem Emergency Call mit meinem ganzen Staff zu klären.« Das ist was, wo Leute sagen würden: Irgendwie mag ich den Typen. Und wenn ich dahin gehe, dann verzeih ich dem auch, dass vielleicht ein, zwei Fehler passieren.


Paul: Ja, und da geht man fast schon gerne hin. Einfach das mal mitzubekommen und dem Team einen dicken Drücker zu geben und zu sagen: Danke, dass ihr trotzdem durchzieht und dran bleibt. Dann hast du auf einmal wieder eine Story. Plus – ich würde sogar noch einen Punkt weitergehen: Wenn du das alles durchspielst, genau wie beim Beispiel von Vinz mit dem Handwerk, landest du am Ende immer bei einer großen Mission. Weil du dann irgendwann verstehst: Wir wollen einfach nur gutes Handwerk machen. Warum ist das aktuell so verdammt schwer in der Welt? Und dann wird vielleicht aus diesem kleinen »Lass uns einfach in Ruhe« eine große Mission: Wir wollen, dass andere Leute auch diese Ruhe finden können. Diese eigene Reise weitergeben und nach außen transportieren.


Patrick: Dann kommst du halt irgendwann zu diesem: Okay, was sind jetzt irgendwie die Tools, welche Frameworks, welche Theorien gibt es? Und ich bin ein Typ – wenn ich mir so ein quantitatives Ziel setze, und da ist wichtig bei Content: ein quantitatives Ziel setzen im Sinne von was ich kontrollieren kann. Wie viele Content-Pieces kann ich rausschicken? Und nicht: Wie viel Reach generiere ich damit? Weil das kannst du nicht kontrollieren. Du kannst es mittelbar beeinflussen, wenn du guten Content machst, aber du hast nicht den Algorithmus in der Hand. Own the process and measure the process, basically. Wenn du dann viele Frameworks hast und dir viel reinziehst, weil du da Sicherheit suchst, die dir keiner geben kann – kann ich aus meiner Erfahrung sagen: Das ist cool, wühl dich da rein, versuch alles zu lernen, versuch zu lernen, wie man Hooks baut, wie Plattformen funktionieren. Aber am Ende ist es quasi wie ein Handwerk. Du musst dann eigentlich hingehen und – die Regel habe ich mir selber auferlegt – jeden Morgen aufstehen und alles, was du jemals gelernt hast, vergessen und einfach nur dein Unterbewusstsein irgendwann arbeiten lassen. Weil ich habe so viele Hooks gelesen. Ich habe Hook-Templates hier. Tausend Hooks. Ich saß teilweise hier und habe dann gesagt: Okay, ich habe einen Skript geschrieben und jetzt suche ich die beste Hook dafür. Und dann sitzt du eine halbe Stunde da und findest in tausenden Hook-Listen nicht einen Hook. Und wirst mega unzufrieden, postest, findest's schlecht, dass du es gepostet hast, es funktioniert nicht – und alles ist schlecht. Und du denkst: Ich wollte doch eigentlich über meine Leidenschaft sprechen und jetzt ist das mein Gefühl danach. Und jetzt habe ich mir irgendwann gesagt: Ich habe mir so viel draufgeschafft – in einem gewissen Set von Sachen bin ich wirklich Experte geworden. Aber jetzt ist meine Aufgabe, jeden Morgen aufzustehen und alles, was ich theoretisch im Kopf habe, einmal zu vergessen. Und dann ohne Hilfe von AI, ohne Hilfe von Hook-Listen, ohne Hilfe von Frameworks das zu bauen, was ich fühle. Und dann danach zu gucken: Mal schauen, was dabei rausgekommen ist. Aber wichtig – und das versuche ich zu messen, und daran versuche ich mich immer zu erinnern, weil es auch sehr emotional ist, weil natürlich jeden Tag deine Performance von den Plattformen bewertet wird: Ich versuche jeden Tag mich hinzusetzen und ich habe so ein Content-Journal, wo ich reinschreibe: Wie froh war ich heute mit dem Prozess, den ich ownen kann? Das Video, das ich gebaut habe, das Skript, das ich geschrieben habe. Und was ist hinten dabei rausgekommen? Ich versuche den Fokus wirklich darauf zu legen: Ich habe Spaß dabei. Weil darum geht es am Ende. Und ich glaube, wenn wir nicht täglich Spaß daran haben, Sachen von innen nach außen zu kehren und Menschen daran teilhaben zu lassen, dann wird es einen komplett ausbrennen. Und das passiert ja auch regelmäßig.


Paul: Ich muss da gerade an Trockenschwimmen denken. Du kannst ja in der Theorie Schwimmen beibringen, aber wenn du nicht irgendwann ins Wasser springst, um es zu fühlen – dann ist es genau dieser Punkt. Dein Kopf schaltet auf Autopilot und du machst einfach. Und dann siehst du, ob du schwimmen kannst, ob du dich über Wasser halten kannst. Und wenn du das ein paar Mal gemacht hast, dann kannst du dich um die Technik kümmern. Also dann wird es relevant, Hooks zu optimieren. Ich finde das einen sehr spannenden Gedanken, sich eigentlich von der ganzen Theorie freizumachen. Ich fühle mich gerade sehr erinnert an vor unserem ganzen Podcast-Start – das ist ja jetzt fast ein Jahr her. Ich habe mich auch am Anfang – und Vinz kann davon ein Lied singen – so reingewühlt in diese ganzen Content-Sachen. Hätte ich Vinz nicht gehabt, wäre ich da drin wahrscheinlich auch irgendwann verloren gegangen. Weil er derjenige war – und das ist auch extrem wichtig –, der als Counterpart gesagt hat: »Pass mal auf, eigentlich wollen wir was ganz Einfaches auf die Beine stellen. Lass doch mal die ganze Theorie weg, weil du kannst Sachen echt tot optimieren.« Wir setzen uns hin, wir nehmen auf und wir können nach 20 Folgen optimieren. So. Und dann machen wir die nächsten 20 Folgen und können wieder optimieren. Und wie du gerade meintest: Das Ziel ist, auf diese 20 Folgen jeweils zu kommen – bis wir jetzt bald bei Folge 100 sind. Dann haben wir ein nächstes Ziel erreicht und können weitermachen und gucken. Das wird besser, als sich an Zahlen festzuhängen und zu verzweifeln: »Jetzt sind zehn Folgen draußen und es hat fast noch niemand geschaut. Die Welt mag mich nicht.«


Patrick: Ja, ich glaube, es ist auch wichtig, die unterschiedlichen Stages auf dieser Reise festzustellen. Stage 1, wenn du Content machst, ist nicht die Theorie, nicht der Hook oder irgendwas anderes. Sondern es ist: Den eigenen Cringe zu überwinden und vor allem dein Ego einfach mal komplett runterzufahren. Weil alle Leute sagen immer: »Ich hab kein Ego, mir ist das doch alles egal.« Ist es dir nicht. Weil wenn du postest und das sich komisch für dich anfühlt und du Sorge hast, dass sich jemand meldet – dann hat sich eigentlich gerade nur dein Ego gemeldet. Das nicht okay damit wäre, falsch verstanden zu werden, etwas abzuliefern, was andere Leute schlecht finden, etwas abzuliefern, was nicht perfekt ist. Und am Anfang ist kein Content-Piece perfekt. Das ist alles pures Ego. Und deswegen habe ich ja zum Beispiel dieses Experiment gestartet und gesagt: Ich mache jetzt jeden Tag Content. Weil das war ein einziges Trainingslager, mich selber accountable zu halten und zu sagen: Ich werde dieses Ego und diese Zurückhaltung überwinden. Und ich werde mir in diesen Tagen, in denen ich jeden Tag Content mache, erlauben, über Themen zu sprechen, die sehr natürlich gerade an diesem einen Tag für mich sind. Damit es mir nicht schwerfällt, jeden Tag diese Hürde zu überwinden und zu posten. Und ich glaube, das hat irgendwann sehr gut funktioniert. Und da kommen dann super viele Benefits mit. Weil wenn du das jeden Tag machst, kann dein Gehirn irgendwann gar nicht anders als auch in Content zu denken. Das heißt: Als ich dann nach 300 Tagen diese Pause gemacht habe und gesagt habe: »Hey, ich habe jetzt über alles mögliche gepostet, war eine geile Journey, ich mache jetzt mal kurz zwei Wochen Pause und überlege, wie es hier weitergeht« – da ist der Kopf trotzdem noch da und sieht: Ey, das wäre gerade eine lustige Situation, da hätte ich ein Video drüber machen können. Ach nee, ich mache gerade Pause. Und da willst du eigentlich hinkommen. Und ich glaube, das ist die erste Stage überhaupt: In deiner Welt, in deinem Umfeld, in deiner Realität Content zu sehen, in Content zu denken und dieses Ego zu überwinden. Und wenn du das 15, 20 mal gemacht hast, dann können wir darüber reden: Sprichst du da wirklich so, wie du deiner besten Freundin eine Sprachnachricht bei WhatsApp schicken würdest? Oder hast du es vorher noch mal bei ChatGPT durchgehauen, weil du willst klingen wie der CEO von irgendeiner großen Bude, und du glaubst, du musst so klingen, damit Leute dir zuhören? Weil dazu kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Das Gegenteil ist der Fall. Die Leute hören dir zu, wenn sie das Gefühl haben, du sprichst und schreibst genau so, wie wenn sie dich in Person treffen. Und da kommt dann der nächste Punkt – den könnt ihr wahrscheinlich viel besser erklären als ich –, und das ist Counterpositioning. Du willst ja nicht in einem Aquarium schwimmen als Clownfisch mit 100 anderen Clownfischen. Sondern du willst in das Aquarium schwimmen und der eine Albino-Clownfisch sein, der komplett anders aussieht. Und anders sein allein – das ist meine Erfahrung – hat schon einen Wert. Also deine Posts können schlecht sein, aber wenn sie erstmal anders sind, hast du schon mal einen Wert geschaffen, weil du auffallen wirst. Wenn du dann die ersten 20 schlechten Posts gemacht hast, mach Post 21 ein bisschen besser – dann werden sie den aber auch sehen, weil sie vorher immer hingeguckt haben, weil du halt anders bist.


Paul: Aber auch da ist das Problem: Du willst fertig anfangen. Du vergleichst dich die ganze Zeit mit anderen Accounts, die das schon durchgespielt haben. Wenn ich an dir einen Maßstab nehme, ist das super inspirierend. Aber mit meinem ersten Reel würde ich nicht auf dem Level stehen, wo du bist. Ich glaub, das fällt vielen auf die Füße: Wir fangen an, wir wollen schon anders sein, wollen fertig sein, soll alles perfekt natürlich rüberkommen. Alle wollen diese Natürlichkeit, diese Ehrlichkeit. Und im Prozess fangen sie dann aber an, sich an Frameworks festzuhalten und wieder zu verzetteln. Und ich glaube, das ist ein Problem. Da musst du dir – und da finde ich dieses Experiment-Setting super: Nimm dir halt 30 Tage Zeit und mach einfach die 30 Tage voll, egal ob es gut oder schlecht ist. Und da auch wieder dieses Athleten-Denken: Sei einfach da. Du musst nicht jeden Tag 100 Prozent da sein. Wenn du 20 Prozent da bist, dann sind die 20 Prozent die 100 Prozent. Aber komm auf den Platz, wirf deine Körbe und mach einfach. Und danach wirst du eine Entwicklung feststellen. Und lustigerweise – Vinz ist da auch Experte, weil der für sich persönlich auch jeden Morgen aufsteht und Sport macht und fleißig journalt – das verändert einen. Oder Vinz?


Vinz: Ja. Das sind halt – so kitschig es klingt – die vielen kleinen Sachen, die man regelmässig durchführt. That's the magic in allem.


Patrick: Ja und das ist halt nicht dieses Fancy: Ich gehe da einmal hin ins Trainingslager und dann habe ich jetzt diesen einen Wurf in sieben Tagen drauf. Bleiben wir mal bei einer Sportanalogie: Du bist im Basketball und sagst: Okay, ich habe mir jetzt diesen einen Wurf in sieben Tagen draufgeschafft, jetzt ist mein Game komplett anders. Das wird halt nicht passieren. Es passiert dann, wenn du jeden Tag 100 weitere Würfe diesen Einwurf alleine immer wieder trainierst, immer wieder neue Situationen erzeugst, in denen du unter Druck gesetzt wirst, und dann diesen Wurf ziehst – sodass du, wenn du im Game bist, einfach gar nicht darüber nachdenkst. Da gibt es super krasse Kobe-Zitate, wo er sagt: »Ich fühle in diesen Situationen keinen Druck. Weil ich aus dieser Position diesen Wurf mit demselben Druck – nur die Zuschauer waren nicht da –, aber denselben Druck und die Hand im Gesicht, schon tausendmal in meinem Leben getroffen habe. Warum soll ich beim tausendsten Versuch auch vor 15.000 Menschen nicht treffen?« Und das glaube ich auch. Wir müssen jetzt beim Creator-Ding anerkennen, dass die Trainingshalle sozusagen öffentlich ist. Aber das hat ja auch was Schönes. Das kann ja auch Mut machen.


Vinz: Mh.


Paul: Ja, aber das lieben mehr Leute. Leute gucken Drive to Survive, weil sie den Blick hinter die Kulissen haben wollen. Die gucken nicht nur die Rennen, sondern wollen wissen, wie läuft das im Trainingslager ab, wie trainieren Formel-1-Fahrer, wie trainieren Basketballspieler. Man würde sich sofort die Doku darum anschauen. Weil man verstehen will: Es ist gute Unterhaltung, weil es nahbar und echt ist. Und da könnte man fast schon sagen: Mit Social Media hast du den Vorteil, dass das transparent ist, dass die Leute schon jetzt zugucken können. Sieh das doch als Vorteil und als Möglichkeit – und nicht als: Du musst dich irgendwie nackig machen und entblößen.


Patrick: Ja. Und ich glaube auch – weil du vorhin gesagt hast, am Anfang ist es schwer anzufangen und das erste Video sieht nicht aus wie bei einem Creator, der 300 am Stück gemacht hat – es gibt natürlich schon ein paar mentale Abkürzungen, die helfen können. Zum Beispiel: Was einfach Fakt ist, ist, sich vorzustellen, dass diese Kamera oder dieser Bildschirm, den man im Selfie-Kamera-Modus vor sich hält, einfach der beste Kumpel ist. Und da kann man sich kurz mal zehn Sekunden vorher reindenken, bevor man den Aufnahmeknopf drückt, und dann einfach so reden. Und wenn man dann checkt: Okay, ich habe jetzt irgendwie so gestochen geredet, als würde ich einen Vortrag halten – okay, then try again. Du musst ja nicht sofort hochladen. Dieses: Ich erzähle das einfach meinem besten Kumpel, halt nur erst jetzt in diesem Bildschirm, wie bei einem Facetime-Call. Das ist schon mal so die Sprache, die Gesichtszüge, ein bisschen aus dieser Anspannung rauszubekommen. Und dann ist auch viel, dass du dich vorher in so einen Modus bringen kannst, locker überhaupt zu reden. Geh in die Lagerhalle von deinem Unternehmen und schrei mal zehn Sekunden laut rum und tanze dumm durch die Gegend, einfach deinen Körper zu aktivieren und so locker zu sein. Und dann nimmst du die Kamera hoch und dann bist du in einem ganz anderen Modus, als wenn du gerade aus dem abgefucktesten Meeting kommst und dann sagst: Jetzt mache ich irgendwie eine Instagram-Story, wie ich unser neues Produkt annonce. Das wird halt schlecht aussehen, da werden keine Emotionen rüberkommen. Das sind schon so Sachen, wo man ein paar Abkürzungen nehmen kann. Aber vor allem glaube ich: Im Storytelling ist die Abkürzung, zeig und sag einfach so, wie es ist. Und das heißt nicht, dass du jetzt dein Bankkonto vom Unternehmen zeigen sollst. Wobei das wahrscheinlich ein sehr viraler Hit wäre. Aber wenn du Vorgesetzter in irgendeinem Logistikbetrieb bist: Zeig doch so, hey, wenn wir neue Leute einstellen, dann ist das die Führung, die wir durchs Lager geben. Und wir nehmen euch einfach mal mit und zeigen, wie unser Lager funktioniert. Und dann sprich bitte auch genau in derselben Sprache, wie du mit deinem Logistikmitarbeiter sprechen würdest. Wenn das die Sprache ist, die ihr auf der Arbeit sprecht, dann macht das. Weil das ist dann das, was dich wieder unterscheidet. Und das ist das Interessante gerade, wenn wir über KMUs sprechen: Die können sich das nicht erlauben bei großen Konzernen, weil da kommt irgendein Shareholder oder Stakeholder und sagt: »Wie sprecht ihr da? Das ist PR, das könnt ihr nicht machen.« Und das ist immer der Vorteil von Challenger Brands oder von denen, die neu aufkommen. Du hast nichts zu verlieren. Wenn dein Content bisher schlecht ist – was hast du zu verlieren? Die Leute werden maximal abschalten oder weiterswipen und dann kommst du halt nicht mehr auf ihren Screen. Mehr kann nicht passieren. Deswegen mach es einfach so, wie es bei euch gang und gäbe ist, und zeig das nach außen. Und wenn man Angst hat vor Shitstorms, dann weißt du eigentlich schon, dass irgendwas nicht richtig läuft in deinem Unternehmen. Und dann korrigier doch das, wo du befürchtest, einen Shitstorm dafür zu bekommen. Ganz einfach.


Paul: Und wenn dir am Anfang das Skript aber noch hilft, dann bereite es halt vor und dann machst du es trotzdem anders. Das haben wir auch in genug Folgen gehabt, wo ich da saß mit fertigem Skript und dann im Flow gemerkt habe: Nee, das ist gerade Bullshit. Aber ich habe mich mental schon mal in die Verfassung gebracht, zu wissen, welches Thema ich behandeln möchte. Und dann kann ich das Thema spielen, was mir eigentlich gerade auf der Seele liegt. Und das ist ja – wie du meinst – ich habe Vinz jetzt im Podcast. Wenn du Vinz als Adaption auf dein Handy transportieren kannst, zu sagen: Ich spreche da jetzt in die Kamera wie mit meinem Kumpel – dann mach das.


Patrick: Ja. Und ich glaube, gerade beim Thema Skript ist das auch so ein Learning für mich. Es gibt Videos, wo ich wirklich Wort für Wort durchscripte. Aber das sind dann zum Beispiel Sachen, wo es um irgendein politisches Thema geht, wo es sehr viele Daten gibt. Dann ist das mehr so wie Jan Böhmermann, der vom Teleprompter abliest – ich versuche das locker zu machen, aber ich habe eigentlich jeden Satz Wort für Wort, genau wie es im Skript steht, nacherzählt, schaue aber dabei in die Kamera. Aber die wirklich besten Videos ever sind eigentlich die, wo ich quasi ein Skript habe – also wo die zehn Talking Points einfach klar sind, die ich in meinem Kopf dann sogar in drei Unterkapitel teilen kann. Und dann kann ich, wenn ich den Faden verloren habe, noch mal draufgucken, aber da ist nicht alles ausgeschrieben. Zum Beispiel irgendwie über den Coach von den Seattle Seahawks im Super Bowl und sein besonderes Mindset. Da ist dann irgendwie das eine Mindset »Mission over Bullshit«. Und dann habe ich halt zwei Studien im Kopf, die ich nehme, um zu bestätigen, dass das nicht einfach nur ein Spruch ist, sondern wirklich psychologisch untermauert. Und da brauche ich kein Wort-für-Wort-Skript, sondern dann rede ich viel freier. Und das funktioniert dann einfach besser.


Vinz: Da ist es – wie in allem. Wie du vorhin gesagt hast: Du bist der prädestinierte Typ für irgendwelche Strukturen und Leitfäden. Ich glaube, das ist genau die insgeheime Sicherheit, die sich alle wünschen. Perfekt wie möglich starten. Aber das hat jeder schon mal gemerkt im Leben, egal in welchem Bereich: Nutze mal eine Leitplanke als Starthilfe. Aber nachher hör auf dich selbst. Was klappt für dich? Mit welchem Medium fühlst du dich wohl? Und so weiter und so fort. Oder auch schon im Sport: Jeder Fitness-Influencer hat einen speziellen Plan, wie du Muskeln kriegst oder fit wirst. Nur weil es für ihn funktioniert, heisst nicht, dass es für dich funktioniert. Logisch gibt es Basics, die einfach unumstösslich sind – wie zum Beispiel Dramaturgie im Storytelling. Aber die Finesse, die Persönlichkeit damit on point zu kriegen – da muss ich selber mich damit auseinandersetzen. Mir diese unbequemen Fragen stellen. Und wirklich schauen: Was funktioniert für mich am besten? Was kommt am natürlichsten rüber? Was lässt sich aber umsetzen? Start mit Starthilfe und dann find den eigenen Duktus, egal in was.


Paul: Dann wird es wiederum schön. Du kriegst irgendwann die Bestätigung von außen. Das ist auch ein riesiger Vorteil. Ich weiß nicht, wie es dir emotional ging, Patrick. Dein Startschuss für die 300-Tage-Challenge ging ja komplett viral – 140.000 Aufrufe und mittlerweile wahrscheinlich noch mehr. Danach kam natürlich erst mal weniger. Wie hält man das dann aber emotional aus?


Patrick: Ey, es ist insane. Ich spreche auch mit ein paar anderen Creators aus der Bubble und ich sage immer – und alle bestätigen das –: Es ist eigentlich härter als Profisport. Ich war nie im Day-to-Day-Profisport, aber was ich so höre, auch von Profisportlerinnen, mit denen ich spreche: Da kriegt man irgendwie vielleicht mal eine Hassnachricht, wenn man nicht performt. Aber dieses wirklich täglich – ich sag mal – in dein Content-Büro gehen: Wenn du das Büro verlässt, ist jemand mit einem Klemmbrett da und gibt dir fünf Zahlen und sagt, so gut lief es heute für dich. Und das macht was mit deinem Kopf. Dafür sind wir Menschen nicht gemacht, jeden Tag eine Zahl zu haben, an der man objektiv die eigene Leistung messen kann. Und da muss man einfach – das haben die Stoiker schon vor über 2000 Jahren rausgefunden –: Own the process. Das Scoreboard takes care of itself. Mach das Video, schreib den Hook, nimm auf, schneid es, lad es hoch – der Rest passiert von alleine. Das ist nicht mehr dein Ding. Im American Football oder Basketball: Geh ins Gym, mach deine Würfe, hol die Reps rein, sei fokussiert, spiel jedes einzelne Play, als sei es eben dieses eine Play. Denk nicht ans übernächste und nicht ans letzte. Und dann wird das Scoreboard am Ende das Ergebnis anzeigen. Und genauso ist es auch bei Content. Es ist natürlich emotional eine absolute Achterbahnfahrt. Als ich das erste Video hochgeladen habe – da habe ich auch gar nicht kommen sehen –, habe ich einfach gesagt: Ich mache jetzt jeden Tag so ein Video, als hätte ich 500.000 Follower. Mir hilft das irgendwie mental, mich da reinzutricken. Dann sind auf einmal die Leute crazy und folgen dir alle rein, weil sie checken: Das ist Tag eins der Journey. Vor allem kommen Leute immer an Tag eins. Diese Tag-eins-Videos sind immer gut. Aber wer kommt an Tag zwei oder an Tag sieben wieder? Das sind viel weniger. Spätestens an Tag zwölf haben die Leute die Journey gecheckt und engagen auch nicht mehr wie beim Tag-eins-Video. Logisch, weil Tag eins feuert jeder an. Das ist wie beim Marathonlauf: Die Leute stehen am Start und am Ziel. Und dazwischen stehen mal ein paar, aber nicht viele. Und da musst du einfach versuchen, relativ konstant deine Emotionen im Griff zu haben und rauszufiltern: Was ist eine Variable, die ich wirklich verändern kann? Und was ist vielleicht einfach der natürliche Flow, dass nicht jedes Video viral geht und dass nicht jeder Teil einer Journey dieser eine Startschuss ist, wo dann alle kommen? Und tatsächlich war es dann so, dass mein erstes Video etwas langsamer gewachsen ist, aber immer weitergegangen ist. Das hatte innerhalb von drei, vier Tagen irgendwie so 200, 300.000 Views. Dann kommen logischerweise natürlich auch Menschen in die Kommentare, die du eigentlich nur aus dem Internet kennst – also deine Vorbilder oder so. Und du denkst: Holy shit, was geht ab? Und du willst dann einfach Video zwei, drei, vier machen. Und du krebst dann wieder bei 2000 Views rum. Und da musst du halt sagen: Dazu habe ich mich committed. Das ist Teil der Journey. Ich bewerte das Ding, wenn dieses Experiment vorbei ist. Das war immer mein Mindestziel: 100 Tage. Weil ich diese dreistellige Zahl einmal machen wollte. Und ich glaube, wenn du 100 Videos gemacht hast, bist du Content Creator – ob du jetzt 2000 Follower hast oder 200.000. Und dann werde ich das Thema bewerten, wenn das Experiment vorbei ist, und schauen, was ich daraus bauen kann. Und das ist dann interessant: Wenn du jeden Tag diese Reps machst, checkst du irgendwann auf einem größeren Scale: Worüber rede ich eigentlich am liebsten? Worüber rede ich am häufigsten? Und warum ist das eigentlich der Fall? Ich habe dann teilweise lustige Entertainment-Videos gemacht, die super funktioniert haben – aber dann ist mir aufgefallen: Das habe ich vielleicht zweimal von 100 gemacht. Das scheint irgendwie nicht mein Ding zu sein. Was viel natürlicher für mich war, war über Psychologie und Mindset zu sprechen. Und dann war es auch für mich eine Selbsterfahrung: Wenn ich durch meinen Content scrolle, habe ich offensichtlich da ein Thema, was in meinem Herzen viel größer ist, als ich in meinem Kopf angenommen hatte. Und deswegen finde ich einfach diese Journey so ups and downs. Man lernt so viel über sich selber. Man kann so viel auch geben von sich selber für andere. Und am Ende gibt es aber auch so viele Tage – und ich weiß, es klingt traurig –, wo man alleine vor seinem MacBook sitzt und einfach traurig ist und sich fragt: Warum funktioniert das nicht?


Paul: Ja, weil da echt viel Herzblut reingeflossen ist oder reinfließt – gerade wenn das eben keine Corporate Communication ist, wo du einfach sagst, der eine Beitrag pro Woche wird übers LinkedIn-Unternehmensprofil abgesetzt. Das hat mit Content Creation nichts am Hut. Das ist einfach wie Public Relations, irgendeine Pressemitteilung raushauen. Da steckt emotional auch nichts dahinter. Was ich gerade spannend finde: Wenn man das so hört, könnte man ja denken: Da leg ich los. Ich bin motiviert, ich setz mir jetzt selber das Ziel. Aber gerade wenn du das als Marke machst oder aus einem Unternehmenskontext heraus – gerade als kleines KMU, mit vielen Möglichkeiten, weil du nah und persönlich bist –, brauchst du ja am Ende immer noch unglaublich viel Zeit, die du da reinsteckst. Und ich meine, du hast jetzt beide Welten durchgespielt: Du kommst aus der Corporate-Welt, hast dein eigenes Klima-Startup gegründet und spielst jetzt seit über einem Jahr Content Creator. Und gefühlt habe ich dich mehr als Content Creator abgespeichert als als Patrick von Klima und so. Und die Frage ist: Wie passt das? Wie schaffst du das denn alles? Hat dein Tag mehr Stunden? Denn gefühlt: Wenn du eine wissenschaftliche Studie zitierst, bräuchte ich einen halben Tag, um mich in so eine Studie reinzulesen. Wann findest du die Zeit, das alles unter einen Hut zu bringen? Und wie zahlt dann vielleicht auch das Creator Business, das du aufbaust, auf das Startup-Business ein? Oder zahlt das grad nicht ein und ist das ein Problem – oder was sind da deine Learnings?


Patrick: Also erst mal zur Zeit: Es kostet natürlich Zeit. Das finde ich auch immer interessant, dass auch im Personal-Branding-Kontext – was für Unternehmen vielleicht viel relevanter ist – Leute sagen: Ja, ich will all die Vorteile, aber ich will kein Geld ausgeben und keinen Zeitaufwand haben. Was in deiner Welt und deiner Realität war jemals wirklich erfolgreich und hat vielleicht dein Leben oder deinen Balance Sheet verändert, wo du keine Zeit und kein Geld reingesteckt hast? Passiert nicht. Ich glaube, der Aufwand ist da. Und deswegen müssen das Leute machen, die entweder gut genug incentiviert sind, dass sie das regelmäßig machen – und das auch als Teil ihres Jobs verstehen. Also Beispiel: Der Logistiker, der dreimal die Woche bei LinkedIn postet. Da müssen auch die Vorgesetzten verstehen, dass es Teil seines Jobs ist. Weil: Du profitierst als Unternehmen auch davon. Dann musst du das bitte auch anerkennen. Was war der zweite Teil der Frage?


Paul: Wie das auf dein anderes Business einzahlt. Weil gerade wenn man sagt, das ist etwas Emotionales, das mit deiner eigenen Geschichte verwurzelt ist – wie schaffst du da die Brücke, dass es trotzdem zum Markenkontext passt oder auf deine Marke einzahlt?


Patrick: Ja, also mir ist gerade noch das andere eingefallen, was ich noch beantworten wollte – weil du sagst, ich zitiere irgendwelche Studien, und man bräuchte ewig, die zu finden: Ich glaube, wenn man ehrliches Interesse für Themen hat, dann ist man überrascht, wie schnell man an Informationen dafür kommt und wie schnell man auch durch die Anzahl der Wiederholungen – weil es das eigene Interesse ist – gut in Sachen wird. Weil wir haben irgendwie viel zu oft gelernt, dass wir Sachen machen, die Geld bringen. Und: Ja, ist nicht mein Interesse, aber ist mein Job. Aber was ist dein Interesse? Wo kannst du wirklich super schnell super gut drin werden? Ich habe Wirtschaftspsychologie studiert. Ich würde sagen, ich verstehe halbwegs Basic-Psychologie. Ich weiß, wie man Studien liest und wie man Studien recherchiert. Das habe ich gelernt. Deswegen, wenn das dann gepaart ist mit meinem absolut natürlichen, großen Interesse für Sport und wie Athleten denken, dann bin ich natürlich da zehnmal schneller drin als du es wärst. Und ich glaube, das ist was, was man nicht vergessen darf. Wenn der Logistiker das größte Interesse an Sport hat, verbiete ihm nicht das Thema Sport, sondern match die beiden. Weil so viele Leute interessieren sich auch nicht für Logistik. Aber es gibt Videos bei YouTube, wo die Formel 1 auf ihrem Channel erklärt »The logistics behind Formula 1« – und das hat hunderttausende Views, weil Logistik auf einmal interessant ist. Das heißt: Nimm den Menschen doch nicht ihr Interesse, sondern hilf ihnen, das zu kombinieren. Und dann kannst du es vielleicht sogar als Unternehmen so verkaufen: »Hey, du profitierst ja auch als Personal Brand davon. Wir profitieren von deiner Sichtbarkeit, weil du bei uns arbeitest. Du kannst dein Interesse hier ein bisschen ausleben und wir kriegen ein bisschen Logistik-Content.« Und dann hat die eine Mitarbeiterin vielleicht das Interesse Fitness oder Gewichtheben. Wenn du verschiedene Interessenbereiche hast, kannst du das geil miteinander kombinieren. Du hast verschiedene Angles, die auf das eine eigentliche Thema – Logistik – blicken. Und das finde ich eigentlich faszinierend. Also erlaubt euch, diese Interessen zu mergen. Und zur zweiten Frage: Mein LinkedIn ist natürlich relativ – naja, es ist auch ich als Person, aber man nimmt mich bei LinkedIn als Gründer von Klima und so wahr. Das ist auch gut so. Aber jetzt bei Instagram oder TikTok geht es nicht so viel um mein Unternehmen. Das war in Teilen mal so in dieser 300-Tage-Challenge. Als ich dann festgestellt habe: Ich brauche jetzt irgendwie so ein Thema und ich brauche irgendwas, was mich im Alltag interessiert und wo ich gerne einen Wert bieten möchte – dann ist es halt nicht so: Hey, ich habe jetzt hier ein Klimastartup gegründet und die Zeiten sind ganz schwierig. Sondern: Was ist eigentlich noch größer? Das Klima ist ja jetzt nicht die allergrößte Leidenschaft, wo ich mir nachts die Dokumentation reinfahre. Es gibt einen persönlichen Hintergrund. Ich sehe da einen absoluten Bedarf und ich will das Thema angehen. Das mache ich mit meinem Unternehmen. Aber es gibt ja auch noch andere Patricks. Und das dann auf den Kanälen eher privater zu spielen mit der großen Leidenschaft – das zahlt dann auch nicht direkt auf Klima und so ein. Wobei – ich habe keine Beweise dafür – ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht, wenn man sagen kann: Ich komme mit kumuliert fast 50.000 Followern. Das ist was anderes, als wenn man sagt: Ihr kennt mich nicht, aber ich habe so ein Klimastartup gegründet – und die Leute suchen dich bei LinkedIn, Instagram und TikTok und finden gar nichts. Weil auch da Psychologie am Werk ist: Jemand, der 50.000 Follower hat, hat einfach ein anderes Standing. Und den lässt man vielleicht eher mal auf die Bühne, weil man sich insgeheim erhofft, dass er, wenn der Vortrag gut läuft, einen Post darüber macht und wir free Reach kriegen. Das ist mir auch bewusst. Und das setze ich auch ein.


Paul: Ja, ich glaube, das holst du ja automatisch ab. Alle Leute in deinem passenden Zielpublikum für Klima und so, die einen Sporthintergrund haben, werden dich automatisch auch als Creator-Brand wahrnehmen und schätzen. Du kannst ja genauso sagen: Meine Leidenschaft liegt in der Modelleisenbahn. Dann reißt du halt alle Leute, die im Keller eine Modelleisenbahn haben oder einen Vater hatten, der auch eine hatte. Und das sind dann wiederum die verbindenden Elemente, wo man immer sagen kann: Nimm halt was Persönliches, nimm auch irgendwo eine Schwäche, und pack die mit rein in deine Marke, um nach draußen zu kommunizieren.


Patrick: Ja, vielleicht als kleiner Mutmacher für alle da draußen: Ich glaube, wir haben auch mit Klima und so mehr von Netzwerk und Kontakten profitiert, wenn man so casual Leute kennenlernt und auf einer persönlichen Ebene – als von wegen: »Hallo, wir sind die beiden Klima-Founder und wir wollen die Industrie nachhaltiger machen.« Es geht wirklich: Wenn ich irgendwo auf einem Event stehe und einen lustigen Abend habe, macht das bessere Relations. Aus genau demselben Grund. Das ist einfach nur Social übertragen auf die echte Welt. Stehst du auch nicht abends nach dem Event an der Bar und – ich zumindest – kotze manchmal im Strahl, weil ich denke: Frag mich jetzt bitte nicht, was genau ich mit meinem Unternehmen mache. Ich habe keinen Bock, dir das zu erzählen. Ich will jetzt hier nach neun Stunden Arbeit und zwei Stunden Event nicht zum 1293. Mal mein Startup pitchen. Lass doch einfach sagen: Hey, ich mache Content und mess die Emissionen, und du bist in einer Agentur. Cool. Was machst du sonst so? Das will ich viel lieber machen. Und es ist auch viel profitabler am Ende, wenn man sich ehrlich macht.


Vinz: Ich finde das so spannend. Als ich mit der Selbständigkeit anfing, war Akquise ein grosses Thema bei mir. Wie bei vielen anderen auch. Das ist immer so lustig. Da gibt es die geschniegelten Akquise-Coaches: Der eine sagt, gehe auf Performance, der andere Telefonakquise, was auch immer. Aber die schmierige Sache, die dahintersteckt meistens. Weisst du, die perfekten Sätze in der Situation X, Y sagen, casual, was auch immer. Mittlerweile habe ich gemerkt: Einfach locker und ehrlich sein funktioniert am besten. Und wie du auch gesagt hast: Es so vielen Punkten die Persönlichkeit zu machen. Nimm deine Persönlichkeit, kombiniere es mit dem, was du beruflich machst. Nimm irgendeine Leidenschaft dazu. That's the magic. Mehr braucht es nicht.


Patrick: Interessant, weil je mehr man sich als Gründer irgendwann mit Sales beschäftigen muss – man hat irgendwann ein Netzwerk, aber du musst natürlich auch rausgehen und Leute, die reinkommen, in Calls qualifizieren. Und da gibt es natürlich schon Techniken, die Sinn machen: Dass Leute ihre Bedürfnisse nennen, du diese Bedürfnisse nutzen kannst und dann an den Bedürfnissen orientiert verkaufen kannst. Alles logisch. Aber ich würde halt dieses »Netzwerk und einfach cool mit Leuten sein« eine Stufe davor setzen. Damit du auch einen Zugang zu einer Industrie bekommst, mal Abkürzungen nehmen kannst, mal kostenfreie Tickets für Events bekommst. Und das sind alles Vorteile, die du dir über ein »Lass uns einfach auf Freundschaftsbasis kennenlernen« reinholst. Und als kurzer Reminder: Jeder, der schon mal irgendwo verkaufen musste und mit dem Skript in einem Video Call saß und aktiv locker klingende Fragen gestellt hat – die aber alle einen Grund haben –, der kann das auch nicht entlernen, wenn das umgekehrt passiert. Und das fuckt mich total ab. Wenn ich merke: Bro, du versuchst mir gerade zu verkaufen. Hör auf. Und es ist dann teilweise so: Stell dir vor, du hast irgendwas mit der Heizung und dann kommt jemand raus, so wie früher der Heizungsmonteur aus dem Ort. Und der sagt: »Mit den Heizungen, das macht man heute alles ganz anders.« Allein aus den Erzählungen meiner Eltern denke ich mir: Jo, der will euch einfach was verkaufen. Sei doch einfach ehrlich. Jeder hat lieber den Handwerker, der sagt: »Also, ich könnte ihm jetzt was verkaufen, aber das hält noch zwei Jahre. Rufen sie mich einfach in zwei Jahren an.« Und was wird in zwei Jahren passieren? Du wirst genau diesen einen Handwerker anrufen und niemanden anderen. Und ich glaube, das ist dieses: Wir wollen nicht verkauft werden. Wir wollen nicht gepitcht werden. Wir wollen einfach jemanden, der einen Informationsvorsprung hat, weil er Experte in dem Gebiet ist, und der einem da ehrlich sagt, was los ist. Und wenn wir den dann irgendwie im Café sehen, können wir schön Hallo sagen – und er ist sofort top of mind bei mir. Weil dieses Vertrauen direkt durch die Decke ist. Wenn ich dir einen Tipp gebe, mit dem ich kein Geld verdiene: Vertrauen level infinite.


Vinz: Genau. Oder einfach mal einen gut gemeinten Rat dalassen.


Paul: Ja, und da könnte man jetzt eigentlich die Brücke nochmal schlagen. Das Ganze eins zu eins aufbauen – dieses Vertrauen, indem du genau so drauf bist, wie ich es gerade beschrieben habe. Oder halt im Creator Business im Verhältnis eins zu X. Da kannst du dieses ehrliche »Lasst euch nicht verarschen – so ist die Lage« aufbauen. Und bei dir habe ich eins zu eins das Gefühl: Du verkaufst mir hier kein Coaching. Jedes Reel endet nicht mit einem Call to Action, von wegen: »Wenn du mehr wissen willst – hier habe ich mein Programm, das kostet dich nur 2000 Euro im Monat.« Wenn du das eines Tages hast, würde ich es fast kaufen – aber nicht, wenn du mir das jedes Mal unter die Nase reibst.


Patrick: Da gibt es diesen einen Clip von Gary Vaynerchuk, diesen Marketing-Agenturgründer aus den USA, und der hat einmal gesagt: Wenn ich so ein lokaler Klempner wäre – also Gas, Wasser, Sanitär –, dann würde ich als erstes irgendwie 25 Videos machen, wo ich den Leuten erkläre, für was sie alles nicht ihren Klempner anrufen müssen. Nach dem Motto: Ich zeige jetzt erst mal einen kompletten Monat, für was du mich bitte nicht anrufen musst. Weil du brauchst dafür kein Geld zahlen, du kannst es selber lösen. Und das ist unfassbar. Das habe ich gesehen und konnte es nicht mehr vergessen, weil ich dachte: Ja, das ist so logisch. Weil du wirst so ein Vertrauen aufbauen. Leute werden dir folgen, natürlich, weil ihr egoistischer Instinkt ist: Ich will das mitkriegen, weil ich in Zukunft vielleicht Geld sparen kann. Aber wenn sie dann was haben, werden sie als erstes diesen Kontakt anrufen.


Vinz: Hm.


Paul: Genau so ist es. Was sollten denn – Richtung Abschluss – Unternehmen allgemein von diesem Creator Business mitnehmen? Sollten jetzt alle selber Creator werden? Oder Inhouse-Creator anstellen – was ja auch gerade für große Unternehmen die Zukunft zu sein scheint? Oder sind es gerade für KMUs eher andere Tabs? Was würdest du mitgeben?


Patrick: Also ich glaube, das kommt auf jeden individuell an. Content Creation ist nicht der heilige Gral. Ich möchte nochmal erinnern an das, worüber wir am Anfang gesprochen haben: Wenn du unten deinen Keller nicht aufgeräumt hast, wird dir auch Content nicht helfen. Und wenn der Content hilft, vielleicht nur eine gewisse Zeit – und dann wird es irgendwann unecht. Also: Überleg dir eher, was fehlt der Welt, wenn ich nicht mehr da wäre? Und was sind die ehrlichen Geschichten, die ich hier erzählen kann, die kein anderer erzählen kann? Weil die ehrlichsten Geschichten, die wir von uns erzählen können, sind meistens die, die andere nicht erzählen können. Weil es ein anderes Setting ist, weil wir andere Widerstände hatten als andere Unternehmerinnen und so weiter. Und dann ist wichtig, dass man checkt, dass das ein strategisches Thema ist. Das ist einfach eine Marketing-Disziplin, die ich entweder mache oder nicht. Sie heutzutage nicht zu machen, halte ich für einen großen Fehler. Aber wenn ich sie mache, dann muss ich sie auch machen mit dem Approach, das ein Jahr oder so zu machen. Und nicht zu sagen: Wir machen jetzt mal fünf Reels, und da ist irgendwie ein Freelancer im Ort, der 3000 Follower bei Instagram hat, und den fragen wir mal, ob der mal vorbeikommen kann und irgendwie fünf Videos macht. Eher nicht. Und dann würde ich mich eher darauf committen – weil dann ist die erste Gefahr: Oh Gott, dann brauchen wir einen Videografen, dann brauchen wir einen Content Creator, und dann siehst du schon, wie die Rechnung immer größer wird. Dann würde ich sagen: Mach das allerkleinstmögliche Experiment. Und das kann sein: Wer hier in der Company macht regelmäßig Content? Wer fällt auf? Okay. Und dann gehst du zu der Person hin und sagst: Hör zu, hier ist ein Handy. Wir erlauben dir, in 20 Prozent der Zeit, die du sonst für andere Sachen gearbeitet hättest, jetzt durchs Büro zu laufen und dir den Chef zu nehmen. Du hast alle Freiheiten. Denk dir die dümmste Sache aus. Mach aber einfach. Und es gibt maximal eine Kontrollschleife: Einer sagt am Ende, »Das können wir so nicht sagen« oder »Das ist zu krass«. Und dann einfach rausknallen. Und wenn nur ein iPhone 12 rumliegt, was nicht 4K aufnehmen kann, dann nimmst du halt das iPhone 12. Also ich würde das kleinstmögliche Experiment bauen und dann einfach anfangen mit den Sachen, die da sind. Man tut sich ja noch häufig schwer und sagt: Welche Kamera kaufen wir? Welchen Freelancer brauchen wir? Wie muss der Vibe im Video sein? Der Vibe wird hergestellt durch das Umfeld, was dein Alltag ist. Wenn du Logistik machst, stell dich in die Logistikhalle – und alle checken sofort: Hier ist irgendwas Logistikmäßiges. Und das wäre so der Anfang. Und wenn es dann Fragen gibt, einfach mir bei Instagram oder LinkedIn schreiben.


Paul: Du antwortest auch – das ist noch der wichtige Punkt. Da fällt mir echt noch als letztes Gary V ein, weil der auch meinte: Wir haben halt über Social Media die Möglichkeit, Dinge zu validieren. Und alle wollen immer validierte Fakten haben. Dann mach halt dieses Experiment, geh raus und lass deinen Content validieren. Du hast es kostenlos zur Verfügung. Du musst dafür nicht mal Geld zahlen. Musst keine Markt-Studie beauftragen, sondern kannst halt rausgehen – iPhone 12 in die Hand, aufnehmen und gucken, was für Reaktionen zurückkommen. Und danach noch mal in den Keller gehen und ehrlich machen: Was willst du jetzt wirklich? Weinst du jetzt im Keller da unten oder hast du noch eine andere Kiste mit Erinnerungen gefunden, die relevanter sind? Was erfüllt dich denn? Das würde ich auch noch mitgeben. Oder von allem, was du jetzt erzählt hast: Es muss schon von Herzen kommen. Sonst fehlt dir die Leichtigkeit – und dann wird es verkrampft, dann wird es nicht gut, und dann hörst du irgendwann automatisch auf, weil es dir nur im Weg rumsteht.


Patrick: Ja. Und ich glaube, das ist halt das Ding. Wenn dich der – wieder Logistik – du hast so ein paar LKW-Fahrer oder auch LKW-Fahrerinnen und deren große Leidenschaft ist, morgens zusammenzukommen und den Filterkaffee zu trinken: Das kann doch schon ein Format sein. »Logistik-Schnitzler: Das sind unsere LKW-Fahrerinnen. Und jeden Morgen gibt es das News-Update.« Die Filter-News. Keine Ahnung. Leute, die eigentlich nicht vor die Kamera gehören oder das nicht eigentlich machen würden, sitzen da einfach anderthalb Minuten und sagen: »Josef, hast du das gelesen? Das kann ich auch nicht glauben.« Das wäre doch witzig. Das würden Leute gucken, weil sie das Gefühl hätten: Ich kann in eine Welt reinblicken, die ich eigentlich nicht sehen würde. Und das reicht ja manchmal schon.


Vinz: Was wäre denn deine Grossprognose für 2026 oder auch darüber hinaus im Bereich Content, für Marken, KI? Oder zum Eingrenzen: Was wird immer wichtiger? Was ist absoluter Aberglaube, was soll man auf keinen Fall machen?


Patrick: Also Prognosen finde ich immer schwierig, weil die Welt sich so schnell ändert. Aber ich glaube, eine Tatsache, die einfach immer wichtiger wird: Zu verstehen – auch für sich selbst, vielleicht auch mit ein bisschen Mut, Content zu machen –: Es geht nicht darum, dass du einzigartige Informationen mit deiner Audience teilst, sondern es geht darum, dass die Menschen durch deine Brille blicken können. Du bist der Kurator oder die Kuratorin der Information. Alle Informationen, die ich bisher bei Social Media geteilt habe, kann man alle innerhalb von fünf Sekunden selber googeln, sich selber durchlesen, mit viel mehr Tiefinformation. Das Einzigartige an dem Content, den ich mache, ist, dass meine Perspektive – wie ich auf einzelne Themen blicke – reflektiert wird. Und das resoniert mit Menschen. Ich bin wie so ein Filterglas auf einem Thema. Das heißt: Wenn ich jetzt sage »Think like an Athlete«, weil Athleten und Athletinnen in absoluten Drucksituationen trotzdem performen und einen klaren Kopf haben – und das hilft immer im Leben, im Business, in Freundschaften, in Beziehungen, in Content Creation –, dann sind das meine Key Messages, an die ich mich selber immer wieder erinnere. Und das ist ja auch nur Information von Wissenschaftlerinnen oder Expertinnen, die ich aufgreife und so zusammenstelle, dass es für Leute ist wie: Geil, da folge ich mal rein, da kriege ich beim nächsten Mal noch eine Story. Und das ist dieses: Was ist dein Angle auf Themen? Und ich glaube, das ist wichtig. Kuration. Also: Create like a curator.


Vinz: Katalysator.


Paul: Hey, schön.


Patrick: Ja.


Vinz: Finde ich gut, den Ansatz. Finde ich spannend. Top.


Paul: Danke dir für diese Masterclass – wie man mit diesem ganzen Creator-Sein umgeht und was psychologisch dahintersteckt. Ich glaube, dazu könnten wir fast noch mal eine eigene Folge machen. Wir haben einige Punkte angerissen, aber für alles weitere können wir eigentlich nur sagen: Folgt Patrick, guckt seinen Content. Das ist unglaublich bereichernd und faszinierend. Ich habe mir in der Vorbereitung auch noch mal echt viele Sachen von dir angeschaut, mir direkt auf die Finger geklopft und mir gesagt: Ich müsste auch mal mehr schlafen, um besser zu performen. Ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall sehr spannend, das aus deiner Brille sehen zu können – wie du die Welt wahrnimmst und was du für Schlüsse daraus ziehst. Weil das spannender ist als eine Studie zu lesen – für ganz ganz viele Menschen da draußen. Wir packen alle Links zum Folgen in die Shownotes und ansonsten hast du noch berühmte letzte Worte?


Patrick: Vielen Dank für die Einladung. Gute Frage. Ich glaube wirklich: Wer glücklicher und gesünder leben möchte – und da spreche ich aus eigener Erfahrung, weil Unternehmertum und Content Creation wahrscheinlich die absoluten wildesten Achterbahnen sind, in die man steigen kann –, der sollte sich fokussieren auf das, was man kontrollieren kann. Alles andere liegt nicht in eurer Macht. Hängt eure Emotionen nicht ans Resultat, sondern an den Prozess. Macht den Prozess und die täglichen kleinen Aktivitäten so, dass – wie gesagt – das Scoreboard irgendwann automatisch das Ergebnis anzeigt. Und welches Ergebnis am Ende dabei rauskommt, das darf nicht euer Gefühl bestimmen. Und das ist ein Training. Ich scheitere da teilweise auch an mir selbst. Aber das ist immer mein Reminder. Das macht nachgewiesen psychologisch glücklicher – und ist gesünder.


Vinz: Das ist ja das deutsche Prinzip Nummer 1. I feel you. Cool.


Paul: Wenn ihr bereit seid, das nächste Mal eine Folge zum Stoizismus vorzuhalten – ich glaube, das hilft allen.


Patrick: Kann man gar nicht genug machen, oder?


Vinz: Cool, ja. Danke vielmals. Wirklich sehr interessant gewesen, alles mal durch deine Brille sehen zu dürfen. Mir hat es mega Spass gemacht. Ich war stellenweise recht ruhig – es war so ein Moment, wie wenn man den eigenen Podcast einfach mal hört. Recht interessant. Danke vielmals.


Paul: Sehr gut. Danke dir. Dafür machen wir das ja. Unser eigenes Trainingslager hier. Folgt Patrick für mehr. Schaut mal bei Klima und so vorbei. Ist echt eine wichtige, spannende Geschichte. Und ansonsten alles Gute dir und bis bald mal wieder.


Patrick: Vielen Dank für die Einladung. Bis dann.


Paul: Gerne, ciao!


Vinz: Ciao!


Paul: Vielen Dank fürs Zuhören. Teilt die Folge gerne mit allen, die auch schon mal Content Creator spielen wollten – und bewertet den ganzen Spaß, damit wir noch viel mehr solcher spannenden Interviews machen können. Viel Spaß und bis bald. Ciao.


 
 
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