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Nachhaltiges Branding

Paul

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Hi, ich bin Paul und entwickle nachhaltige Marken für Unternehmungen, die wirklich was verändern wollen. Und da Wissen für alle da ist, teile ich es nur zu gerne.

Nostalgisches Branding

Vinz

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Nostalgie mit cleanem Sex-Appeal. Dafür stehe ich mit meiner Arbeit. Fancy Firlefanz brauche ich nicht, dafür steht Substanz und Echtheit bei mir ganz oben.

KI wird dein Branding nicht retten! (Du aber schon …)

  • Autorenbild: Paul Stolle
    Paul Stolle
  • 7. Apr. 2025
  • 13 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Dez. 2025




Warum KI dein Branding nicht retten wird


KI kann Texte schreiben, Bilder generieren und Prozesse beschleunigen. Was sie nicht kann: Verstehen, fühlen, einordnen.

In dieser Folge sprechen wir darüber, warum KI im Branding ein Werkzeug ist – aber niemals die Lösung. Denn Marken entstehen nicht aus perfekten Outputs, sondern aus Haltung, Entscheidungen und menschlicher Reibung.

KI kann helfen. Aber retten kann sie dein Branding nicht.



Was du mitnimmst


  • KI ist ein Werkzeug – keine Markenstrategie.

  • Branding entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Echtheit.

  • Menschen bauen Vertrauen zu Kanten auf, nicht zu glatten Oberflächen.

  • Eine Marke wirkt immer – auch dann, wenn KI die Inhalte liefert.

  • Wenn Verhalten und Auftritt nicht zusammenpassen, entsteht Misstrauen.

  • Fehler, Unschärfen und Unperfektheit machen Marken menschlich.

  • Marken brauchen Verantwortung – und die kann keine KI übernehmen.


Warum das wichtig ist


Gerade jetzt greifen viele Unternehmen zur KI wie zu einer Abkürzung: Neue Website, neue Texte, neues Design – schnell, günstig, automatisiert.

Das Problem: Wenn alles von KI kommt, aber dein Verhalten, dein Service und deine Kommunikation nicht dazu passen, entsteht ein Bruch. Und Brüche zerstören Vertrauen.

Branding lebt davon, dass das, was du sagst, mit dem übereinstimmt, was Menschen erleben. Und genau dort endet aktuell die Fähigkeit von KI.



Jetzt reinhören


Wenn du verstehen willst, warum KI zwar Zeit spart, aber keine Haltung ersetzt, warum menschliche Fehler oft die stärksten Markenmomente sind und wieso echte Wirkung immer bei dir selbst beginnt, dann hör dir die ganze Folge an – auf Spotify oder YouTube.









Bildtext: KI kann keine Marke bauen


Das Transkript zu E003

Vinz:

So, hallo. Das heutige Thema, das ich mitgebracht habe – wie immer im charmanten Bündnerdialekt, damit alle Hochdeutschsprechenden gratis einen Schweizerdeutsch-Kurs haben. Ähm, bitte schön. Mein Thema: KI und Kreativität. Werden Maschinen unsere Marken gestalten? Und was sind die Folgen?


Paul:

Merci vielmal, Vinz. Hammer.


Vinz:

Ja, ich habe letztes Jahr mal «Matrix» geschaut. Darum habe ich gedacht, ich gehe wieder auf KI. KI, die in den letzten Jahren ein richtiges Schreckgespenst war, vor allem für alle Kreativen. Die eine Seite sagte: Voll geil, wir müssen bald nicht mehr arbeiten, wir können alles mit einem Mausklick erledigen. Und die anderen waren voll krass so: Die klauen unsere Jobs.


Das war wie so ein Lager. Riesenhysterie. Aber es wird ja jedes Jahr schlimmer, mit Trends und KI-Bots und allem Bullshit, den du mittlerweile machen kannst. Drum, Paul, einfach so ins Blaue: Wie stehst du dazu? Zu KI, zu deinen Erfahrungen.


Paul:

Diese KI-Events … ja, ja, Wahnsinn. Also danke erst mal für das Thema. Schön, dass wir wieder zusammenhocken und über die tollen Branding-Themen reden können. Ohne Bullshit, wohlgemerkt.


Und KI, ja, ich glaube, das hatte seit den Anfängen einen kleinen Bullshit-Faktor. Und ich glaube, nach diesen ersten Wellen zwischen absolutem Hype auf der einen Seite und absoluter Ablehnung auf der anderen Seite glätten sich gerade so ein bisschen die Wogen. Du weisst, was ich meine. Es wird ruhiger, und alle können sich langsam wirklich hinsetzen und das Zeug mal ausprobieren.


Ich würde mal ganz frech behaupten: Für die meisten hat es einen ziemlichen Vorteil, unterschiedlichste KI-Tools zu nutzen. Selbst wenn wir das Ding hier nachproduzieren, nutzen wir KI. Damit sich die Stimmen ein bisschen angleichen von der Lautstärke her, dass automatisch transkribiert wird, dass man es gut schneiden kann – und es fühlt sich nicht nach KI an. Das ist ein Riesenpunkt.


Aber wir wollen ja aufs Thema Marke. Meine ersten Gedanken damals waren auch: Was passiert jetzt mit dem Job, wenn KI auf einmal geile Logos machen kann? Und tatsächlich war der nächste Gedanke: Geil. Das ist doch voll schön, dass ein Tool kreativ unterstützen kann.


Danach war der nächste Gedanke: KI greift ja aktuell nur auf Bestehendes zurück. Das ist praktisch wie ein Mixer. Ein krasser Mixer, weil er auf alle Zutaten zugreifen kann. Absolut! Und nicht zu sagen, es gibt nur Bullshit im Markt – es gibt auch richtig geiles Branding und geile Designs. Aber KI ist aktuell ein Mixer: Das kann auf alles zugreifen und es kann alles neu miteinander paaren.


Vinz:

Bullshit rein, Bullshit raus.


Paul:

Aber das ist in der Hinsicht kein krasser Gamechanger, würde ich meinen. Und deswegen denke ich mir – und das ist direkt schon der beste Punkt an dem ganzen KI-Thema – das Menschliche wird immer wichtiger. Eigentlich lernen wir erst jetzt, wie relevant gerade in der Markenentwicklung, im Branding, das Zwischenmenschliche ist. Weil KI kann keine Marke generieren. Das geht nicht.


Noch nicht. Oder? Yay, geschafft. Was war denn dein erster Gedanke?


Vinz:

«Fuck off», war eigentlich meine Zusammenfassung vom Ganzen. Ja super, gehen wir gleich rein. Nein, finde ich spannend.


Zuerst war ich voll interessiert. Ich bin gar nicht so der Techie. Ich habe immer noch einen Notizblock, ich arbeite viel, zeichne viel. Weil mich das ganze Zeug einfach dermassen genervt hat. Und je mehr Tools ich hatte, mich zu fokussieren, desto unfokussierter war ich schlussendlich. Weil ich einfach meine Zeit damit vertändelt habe, irgendwelche Scheisse noch zu tragen.


Ja. Was mich dann von Produktivität wieder abgeholt hat, anstatt effektiv etwas zu machen. Und darum muss ich sagen: Back to basics, back to the roots. Einfach Stift und Papier. Zack.


Aber nichtsdestotrotz: KI ist ein Werkzeug. Und wer es heutzutage nicht nutzt, ist einfach dumm. Ganz ehrlich, meine Meinung. Aber die Frage ist: Wie nutzt man es?


Paul:

Ich glaube, das wird die Folge mit den meisten «Aber». Weil bei jedem Punkt, den man sagt, kommt immer ein Einwand. Noch mal: «Pass auf, aber so war’s nicht gemeint.»


Vinz:

Ja, ja, genau. Aber es ist ja eigentlich ein Werkzeug. Viele haben das Gefühl, sie müssten alles selber machen. Das ist mega cool und top. Aber: Nur weil du einen Hammer hast, der 10’000 Stutz kostet, heisst das noch lange nicht, dass du auch gerade eine Ecke einschlagen kannst. Du musst ja auch wissen, wie du diese Tools nutzt.


Und ich finde, wenn man es mal gliedert: Was sind die positiven Aspekte von KI? Das habe ich mir für mich aufgeschrieben, weil ich mittlerweile auch täglich mit KI arbeite.


Aber man muss dort auch schauen: Tools wie die ganzen Adobe-Programme haben schon seit Jahren KI-Systeme eingebaut. Allein schon der intelligente Grid-Clipper, wie man dem sagt, der Magnet, der Elemente gerade ausrichtet – das ist auch KI. Einfach auf einem mittlerweile recht tiefen Level.


Aber eben, positive Gründe: Für mich ist einer der wichtigsten positiven Aspekte einfach die Zeitersparnis. Vor allem in der Konzeption und der Ideenfindung. Du kannst so schnell Ideen aufschreiben, stichwortartig. Und vor allem, wenn man allein ist, kannst du dir Feedback holen: Rückmeldung geben lassen, Varianten machen, sagen «Sei ehrlich: Wo ist es noch nicht gut? Wo kann man es verbessern – mit dem und dem und dem?» Fertig. Das ist Punkt eins.


Punkt zwei: Du kannst für einen Kunden sehr schnell einen greifbaren Entwurf machen. Viele, die nicht in kreativen Berufen sind, haben die Vorstellungskraft gar nicht so, oder können sich das schwer vorstellen, wie das in unseren Köpfen gerade ist. Dann kannst du schnell etwas eingeben, zack, und du hast mal einen ersten Draft, der ehrlich gesagt völlig random aussieht, austauschbar. Aber du kannst schon etwas zeigen – meistens sogar im Kennenlerngespräch.


Paul:

Nutzt du das schon rein visuell, die ganzen Möglichkeiten?


Vinz:

Hey, teils.


Paul:

Weil ich nutze vor allem nur das ganze Textgedöns. Gerade jetzt auch mit Google Gemini, das ist irgendwie an den Workspace angedockt. Für mich ist es ein absolutes Research-Tool. Irgendeine Idee, die ich im Kopf habe, mal zu challengen und zu sagen: «Überleg dir mal, du wärst die Person, liebe KI, und hättest den Hintergrund, die Erfahrung, das Wissen. Wie klingt das für dich?»


Also wirklich diese Low-Level-Abkürzung: Versetz dich in eine potenzielle Kundin oder einen Kunden und überleg dir, wie würdest du darauf reagieren? Was wären deine ersten Gedanken?


Und ich glaube, der wichtigste Punkt ist: KI ersetzt das Denken nicht. Du musst selber eine Entscheidung treffen. Ich nutze es auch gerne ganz basic für Rechtschreibkorrektur, oder um Texte zu straffen.


Und nicht nur dieses «Hier ist eine Idee für einen Blogartikel, schreib mir das mal.» Sondern: Ich nehme den Entwurf, schreibe ihn daraus nochmal neu, schaue: Welche Parts sind gut? Wo kommen neue Gedanken dazu? Wo kann ich das in meine Sprache fassen? Und dann sage ich nochmal: «Straff mir das bitte, sodass es nicht ausufert.» Und dann habe ich ein gutes Ergebnis.


Vinz:

Genau.


Paul:

Und das ist Arbeit mit einem Tool – nicht: Das Tool macht die Arbeit für mich. Es ist wirklich Werkzeug.


Vinz:

Mhm. Genau, das verwechseln viele, oder? Das ist halt auch … ja.


Paul:

Und bei Research genauso. Nenn mir ein paar gute Hooks, Ansätze, Weiterentwicklungen. Es ist dieses schnellere Ideenfinden, aber nicht, um die Ideen eins zu eins zu nehmen, sondern um dadurch auf neue Ideen zu kommen.


Weil das, was wir kreativ machen – schon bevor es KI gab – ist ja eh schwer beizubringen. Wie kommt man auf kreative Ideen? Keine Ahnung. Wann kommst du denn auf kreative Ideen, Vinz? Was sind deine besten Momente?


Vinz:

In den unterschiedlichsten Momenten. Die meisten Ideen habe ich wirklich, wenn ich im Wald spazieren gehe. Oder auch beim Duschen, auf der Schüssel sitzen, keine Ahnung. Oder beim Kochen. Das sind genau die Momente, wo man gar nicht krampfhaft versucht, kreativ zu sein.


Paul:

Ja, perfekt. Da ist keine KI mehr dabei. Bei mir super oft beim Zähneputzen und beim Duschen.


Aber wann nutzt du KI? Immer dann, wenn du aktiv kreativ sein möchtest. Und deswegen ist es ja die Hilfe.


Vinz:

Ja, oder wenn du aktiv suchst. Eben, die Ideenfindung. Einfach mal alles, was im Kopf ist, loslassen, ordnen und schauen, ob es Sinn ergibt. Ja. Und das ist, glaube ich, wesentlich.


Paul:

Auch ein perfekter Punkt: ordnen und Zusammenhänge herausfinden. Diese KI-Basics.


Ich schaffe ja viel mit Miro. Miro als Whiteboard-Tool hat die Funktion: «Fass mir mal die ganzen Post-its zusammen. Welche Muster und Zusammenhänge siehst du?» Megacool, dass das geht. Aber es ist niemals ein fertiges Ergebnis.


Vinz:

Genau. Ich finde es jetzt spannend: Das ist jetzt unsere Sicht auf unsere Arbeit im Bereich Markenentwicklung.


Paul:

Sag mal noch ganz kurz: Wie stark würdest du sagen, nutzt du KI? Von dem, was möglich wäre, und dem, was du tatsächlich nutzt. Ich persönlich nutze KI zu, keine Ahnung, 10 Prozent. Ich bin absoluter Noob.


Vinz:

Ja, ich auch. Für mich bin ich ein absoluter Vollposten. Aber …


Paul:

Deswegen Triggerwarnung an alle, die das jetzt schauen oder hören: Eigentlich haben wir keine Ahnung. Wir nutzen ein bisschen KI, mehr auch nicht.


Vinz:

Aber ich glaube, viele kleine und mittelständische Unternehmen sind etwa auf dem gleichen Level wie wir. Nutzen ab und zu ChatGPT, um sich irgendwas zusammenzuwurschteln, wenn sie mal einen Blog machen oder so.


Aber ich glaube, keine Ahnung: Du kannst es lernen, aber es wird noch Jahre gehen, bis das wirklich auf so einem Level ist, das brauchbare Ergebnisse liefert. Klar: Wenn du allein bist und irgendwie eine Coiffeuse und du nutzt Canva und wurschtelst dir Posts zusammen, voll okay. Aber wenn du professionell, durchdacht, etwas Hochwertiges willst, dann musst du da ein paar Runden drüber. Für Ideenfindung: voll okay.


Aber ich gehe nicht hin und sage: «Mach mir ein Logo für mein Unternehmen», und wurschtle mir irgendwas zusammen.


Paul:

Ja, das schon gar nicht. Für ganz viele Aspekte … anders angefangen: Es gibt ja keine Märkte mehr, wo du als einziges Unternehmen etwas anbietest. Auf jedem Markt gibt es schon Unternehmen, die das auch anbieten. Bei manchen ist es ein voller Markt, manchmal kleiner.


Und allein das vermag KI nicht. Wenn wir in Positionierungsaufträgen hängen und für Unternehmen rausfinden sollen: Wo seid ihr positioniert? Da kann KI vielleicht Inspiration geben, aber nicht helfen. Die würde einen Dachdecker immer als Dachdecker einordnen, als Handwerksbetrieb.


Wenn wir aber mit dem Dachdecker reden und rausfinden: Der verortet sich eigentlich ganz woanders. Der ist für eine spezielle Zielgruppe, und bevor du ein Haus baust, denkst du zuerst an den Dachdecker. Dann ist der anders positioniert. Und solche Querverbindungen entstehen noch nicht so einfach.


Aber Ideen generieren? Klar, nutzt das. Ich denke nur: Je mehr KI-Content entsteht – ein Blog zu schreiben ist mittlerweile keine Kunst mehr, weil KI das komplett für dich übernimmt – desto mehr merkst du, wie wertvoll menschlicher Content ist. Und wir können immer besser unterscheiden.


Vinz:

Genau. Und das ist eigentlich auch meine Überleitung: die negativen Punkte. Das ist der wichtigste Punkt. Du merkst mittlerweile, was KI ist und was nicht. Es ist einfach seelenlos, sorry.


Klar gibt es Tools, wo du richtig krasse, hochauflösende KI-Fotos generieren kannst, die aussehen wie hyperrealistische Fotografien. Aber beim grossen Teil – sagen wir 90 Prozent – siehst du einfach: Das ist KI.


Gut, ich schaue das aus der Designerbrille an. Bei anderen, keine Ahnung, die haben dann wirklich das Gefühl, wenn sie irgendwelche Deepfake-Videos auf YouTube sehen: «Was? Der Politiker hat das wirklich gemacht?» Alles real. Ja logisch gibt es auch die Extremfälle, aber grundlegend …


Paul:

Ich würde auf der anderen Seite sagen: KI wird immer besser. Ich habe erst heute ein Reel gesehen, das jemand mit KI erstellt hat – von einer Influencerin, die es nicht gibt, mit einer KI-Stimme, die super real klingt. Und es sah wirklich echt aus.


Wir sind täglich Millionen von Impressionen ausgesetzt, also wir haben so viele Eindrücke den ganzen Tag, dass du nicht bei jedem Bild sofort filtern kannst: Ist es KI oder ist es real? Und dieses «Das sieht aus wie KI» wird gefühlt Woche zu Woche abnehmen. Es wird immer realer aussehen. Irgendwann werden wir es nicht mehr unterscheiden. Und ich glaube, das wird nicht mehr lange dauern – wäre meine Prognose.


Aber: Es ist ja immer das Visuelle. Ein Bild, das eine Geschichte erzählt. Und da muss man sich überlegen: Das steuern aktuell noch Menschen. Leute wie du und ich geben ein: «Mach mir bitte ein Reel zu dem Thema, mit der Person, die so spricht, die das sagt.»


KI kann da Vorschläge bringen. Aber selbst wenn du als Unternehmen solche Bilder nutzt, um irgendwas auszusagen: Am Ende ist es die Geschichte, die du erzählst, die den Unterschied macht. Die entscheidet, ob es richtig cool ist oder langweilig. Nur die Bilder alleine bringen nichts. Und dann sind es wieder viele Elemente, die zusammenkommen.


Und alle diese Elemente kommen sicher nicht von KI. Davon bin ich immer noch überzeugt, auch wenn das Zeug richtig gut aussieht.


Vinz:

Genau. Ja, und sonst – wenn alle Elemente kommen – wirkt es Stand jetzt einfach generisch.


Paul:

Ja, das ist der nächste Punkt: Passt es wirklich zu dir, zu dem, was du willst? Wenn du Anspruch hast an deine Arbeit oder an das, was du darstellen möchtest, kannst du schnell abwägen: Passt zu mir oder passt nicht zu mir. Dann bist du mit einem Ergebnis eher unzufrieden als zufrieden.


Aber wenn es dir hilft, zehn Designvorschläge zu sehen, du kriegst ein Gefühl, was möglich ist, und hast dann eine neue Idee, wie es wirklich sein soll – dann ist es die perfekte Abkürzung. Für mich ist es eine Abkürzung.


Vinz:

Genau. Vor allem aus Sicht: Jedes Unternehmen kann das auch selber nutzen. Viele nutzen es ja schon. Aber ich finde, es ist wie … man lässt sehr viele Möglichkeiten auf der Strecke liegen, wenn man sich nur darauf verlässt. Weil wie du vorhin gesagt hast: Es ist nur schnelles Googeln.


Es nutzt bestehende Ressourcen und wurschtet sie neu zusammen. Und frei nach dem Spruch «Bullshit rein, Bullshit raus»: Je mehr Leute Bullshit mit KI produzieren, der sich wieder im Topf sammelt, aus dem KI schöpft, um noch mehr Bullshit zu generieren, desto mehr wird’s zur Self-Making-Money-Machine von Bullshit. Ein Kacke-Strudel.


Also: Es ist nicht alles schlecht, wirklich nicht. Aber ich glaube, wie du am Anfang gesagt hast – und das ist auch mein Fazit aus der Arbeit – jede Bewegung hat eine Gegenbewegung. Je mehr wir auf KI-Level fortschreiten, desto wichtiger wird wieder das Menschliche, das Echte.


Ganz ehrlich, Beispiel: Ich höre auf YouTube gerne im Hintergrund irgendwelchen Motivationsshit. So Kanäle wie «stoische Prinzipien» und so. Und das ist einfach ein KI-Text.


Aber du merkst: Wenn du drei davon gehört hast, ist es immer wieder dieselbe Scheisse im neuen Gewand. Und es zieht sich, es hat so viele Doppelungen drin, anstatt mal auf den Punkt zu gehen.


Und ich nutze KI mega gerne genau für solche Sachen: fürs Knappen. Weil ich glaube, das ist etwas, das KI noch nicht so gut kann, ausser man führt es wirklich präzise hin. Dass du sagst: «Hier sind Firmengeschichte, Werte, Angebot – gib mir mal zehn Vorschläge für einen Claim, der in drei Wörtern präzise sagt, wofür das Unternehmen steht.» Für solche Sachen finde ich KI richtig cool. Oder, oder, oder …


Paul:

Ja klar. Aber auch das ist ja immer die Basis, dann selber nochmal das Beste rauszufinden. Oder erst mal rauszufinden, was es nicht ist.


Mir ist übrigens noch ein Punkt eingefallen, wo KI mich so schnell nicht ersetzen wird. Und das ist in all den Marken-Workshops. Ich finde das einfach so einen schönen Moment, wenn man eine Marke entwickelt, dass man zusammensitzt und den Leuten zuhört.


Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Leute freiwillig gerne mit einer KI über ihr Unternehmen reden. Und dass eine KI oft genug nachfragen kann, um wirklich an den Kern zu kommen. Weil für uns ist die hohe Kunst ja: nicht sofort die Lösung raushauen, sondern erst mal wirklich zuhören und lieber noch dreimal nachfragen, bevor man anfängt, gemeinsam an Ideen zu feilen.


Wenn du fünfmal «warum» fragst, hast du meist den Kern erreicht. Aber bis dahin musst du durchhalten. Und bei KI ist die Verlockung, dass man sich dem nicht mehr aussetzen muss, sondern einfach sagt: «Hey, das ist mein Problem, finde eine Lösung dafür.»


Aber dann ist das Problem sowas wie: «Mich finden keine Kunden, ich brauche eine neue Website – mach mir eine neue Website.» Dabei hast du ja gar nicht rausgefunden: Ist die Website wirklich das Problem? Und da hilft dir KI aktuell noch nicht. Dafür braucht es Expertise. Expertise haben Leute wie wir, die in dem Feld unterwegs sind. Und wir haben dieses Menschliche: zuhören, nachfragen, verstehen.


Dadurch, dass wir eben nicht denken wie KI – nicht so krass vernetzt – aber dafür mit anderen Dingen vernetzt, Natur und was auch immer, kommen wir auf andere Ansätze. Mag sein, dass das technisch gesehen fehlerbehaftet ist, weil es nicht dieses saubere mathematische Modell ist. Aber genau diese Fehler machen es aus.


Fehler machen eine gute Geschichte aus. Fehler machen gutes Design aus. Nicht dieses glatte, perfekte, kalte. Das ist nicht menschlich. Dazu können wir nicht gut resonieren, sondern zu diesem ehrlichen, authentischen, mit Kanten, vielleicht nicht ganz runden. Zu dem können wir Vertrauen und Bindung aufbauen.


Und sobald das im Prozess gegeben ist, kannst du überhaupt erst ein Ergebnis herstellen, das dich später auch weiterbringt – als Marke, als Unternehmen.


Vinz:

Mhm. Schlussendlich macht jeder Mensch Geschäft mit Menschen. Und Branding ist auch so ein bisschen die Seele eines Unternehmens. Und wenn man so etwas Essenzielles von einer KI machen lässt, stellt sich mir die Frage: Wie echt ist das Unternehmen überhaupt noch?


Also was ist, wenn die ganze Hülle – oder wenn man tiefer in die Marke reingeht, die Werte und so weiter – einfach so per Abkürzung, oberflächlich gemacht wird? Wie viel Substanz bleibt denn da noch übrig?


Paul:

Ja, weil letztlich: Du kannst ja alles von KI machen lassen. Du als Mensch setzt es später trotzdem um. Du verhältst dich dazu, du arbeitest damit. Das hat ja trotzdem immer deine persönliche Note.


Im schlechtesten Fall passt es halt nicht zusammen mit deinem Verhalten. Aber das ist wahrscheinlich eine Episode, die können wir im Halbjahrestakt neu aufnehmen, mindestens. Weil sich das Thema ziemlich schnell ändern wird.


Ich würde trotzdem meinen: Das Menschliche wird immer bleiben. Das wird sogar gewinnen.


Vinz:

Ich glaube, eh. Auf jeden Fall. Ich habe das Gefühl, es wird je länger, je mehr wieder gewollter. Vor allem nach Corona, nach der Zeit, in der man sich etwas abgeschottet hat.


Zum Beispiel auch: Wieso nicht einfach mal das Telefon in die Hand nehmen? Die Leute sehnen sich danach, wieder mal zu reden und nicht immer nur sich hinter Mails zu verstecken. Eben, nicht immer nur ohne Stimme.


Yes. Ja, in dem Sinn habe ich das Gefühl: Wir haben ja von Anfang an das Wichtigste zusammengefasst. Ich sage es nochmal: Gute Werkzeuge. Wer sie nicht nutzt, ist dumm – sorry. Aber wer sie nur noch nutzt, läuft Gefahr, seelenlos und abgestumpft zu wirken. Zwei Schneiden eines Schwerts.


Ich glaube, der gesunde Mittelweg macht’s aus. Klar nutzen, aber gezielt. Und dann selber die Learnings draus ziehen. Aber am wichtigsten, wie immer: einfach machen. Oder nicht?


Paul:

Voll bei dir. Danke dir, Vinz. War schön.


Vinz:

Danke, bis zum nächsten Mal.


Paul:

Einfach machen. Hau rein, ciao!


 
 
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