Kein Bock auf Content? So geht Sichtbarkeit ohne posten zu müssen (für KMU)
- 24. März
- 23 Min. Lesezeit
Kein Bock auf Content? So geht Sichtbarkeit ohne Posten
Irgendwann sitzt du da und weisst: Du müsstest eigentlich sichtbarer sein. Mehr posten. Aktiver sein. LinkedIn, Instagram, vielleicht sogar YouTube. Alle sagen das. Und gleichzeitig spürst du, dass es sich falsch anfühlt. Zu aufwendig. Zu gekünstelt. Zu weit weg von dem, was du eigentlich machst. Das ist kein Versagen. Das ist ein Signal.
Content funktioniert – aber nur, wenn er gewollt ist. Wer sich zum Posten zwingt, merkt es selbst. Und die anderen merken es auch. Halbherziger Content ist nicht besser als keiner. Er ist schlechter, weil er Energie frisst und trotzdem nichts aufbaut.
Die eigentliche Frage ist nicht: »Warum mache ich keinen Content?« Die Frage ist: »Wie werde ich trotzdem wahrgenommen?«
Drei Wege, die funktionieren – ohne einen einzigen Post
1. Direkte Akquise: Auf Menschen zugehen
Der älteste Weg ist auch der direkteste. Du nimmst das Telefon in die Hand, schreibst eine persönliche Nachricht, gehst mal vorbei. Kein Algorithmus, kein Hoffen – du entscheidest selbst, wen du erreichst. Das klingt für viele nach Kaltakquise. Nach Telefonvertrag aufschwatzen und Versicherung schmackhaft machen. Dieses Bild stimmt nicht – wenn man es richtig macht.
Der Unterschied liegt in der Vorbereitung und in der Haltung. Wer sich vorher informiert, wer wirklich weiß, was das Gegenüber braucht, und wer überzeugt ist, dass die eigene Leistung einen echten Nutzen bringt – der führt kein Verkaufsgespräch. Der leistet Hilfe. Und wenn du das so siehst, ist nicht anrufen fast schon unterlassene Hilfeleistung.
Ein persönlicher Liebesbrief funktioniert besser als jeder Akquise-Leitfaden: Ich lese, was du machst. Ich finde es gut. Falls ihr mal Unterstützung braucht – hier sind zwei, drei Gedanken dazu. Kaffee?
Vorteil: Schnell, direkt, volle Kontrolle darüber, wen du erreichst. Direkte Resultate möglich.
Nachteil: Braucht Überwindung. Kaum skalierbar ohne Team. Zeitintensiv, wenn man es richtig macht.
2. Empfehlungssystem: Andere sprechen für dich
Weiterempfehlungen passieren. Aber die meisten warten einfach darauf. Das ist zu wenig.
Ein aktives Empfehlungssystem bedeutet: Du baust bewusst Strukturen, die dafür sorgen, dass zufriedene Kunden, Partner und dein Netzwerk deinen Namen aktiv ins Gespräch bringen. Nicht irgendwann, nicht vielleicht – sondern weil du es ermöglichst.
Das kann so einfach sein wie ein kleines Päckchen am Ende eines Projekts. Ein Zollstock, ein Block, eine Vorlage mit zehn Fragen, die man vor einem Umbau kennen sollte. Nichts Teures. Aber etwas Konkretes, das man gerne weitergibt – und das deinen Namen mitträgt. Oder ein kurzes Erinnerungs-Follow-up eine Woche nach Projektabschluss. Nicht „Bitte bewerte uns", sondern ein ehrlicher Dankesmoment, der gleichzeitig eine Einladung ist.
Empfohlen zu werden ist die stärkste Form von Sichtbarkeit. Keine Werbung hat die Glaubwürdigkeit einer echten Empfehlung. Wer einmal empfohlen wurde, steht selten im Vergleich mit der Konkurrenz.
Vorteil: Höchste Glaubwürdigkeit, kaum Streuverlust, hohe Abschlussquote.
Nachteil: Schwer steuerbar, braucht eine bestehende Basis, zeigt Wirkung erst mit der Zeit.
3. Präsenz im echten Raum: Menschen kommen zu dir
Der dritte Weg ist der langsamste – und der nachhaltigste. Du bist dort, wo deine Zielgruppe ist. Nicht als Werbefläche, sondern als Erlebnis. Das kann eine Branchenmesse sein. Oder eine, auf der du als Einziger aus deiner Branche auftauchst, weil alle anderen immer die gleiche besuchen. Ein Zimmermann, der an einer Oldtimer-Messe seine Autounterstände bewirbt, ist der Einzige auf dem Platz – und das Thema Holz und Handwerk schwingt trotzdem mit.
Es kann auch kleiner sein. Ein Stand am Stadtfest. Ein Bratwurststand, der nichts mit dem eigenen Produkt zu tun hat, aber mit der Persönlichkeit dahinter. Ein Bauunternehmen, das mit dem Bagger zu Kinderanlässen kommt – und irgendwann haben alle Kinder in der Region genau eine Meinung dazu, welches Bauunternehmen kommen soll. Das ist keine Werbung. Das ist gelebte Marke. Und Menschen erinnern sich an Erlebnisse weit länger als an Posts.
Vorteil: Starke emotionale Wirkung, echte Beziehungen, klare Differenzierung.
Nachteil: Zeitaufwendig, lokal begrenzt, nicht kurzfristig messbar.
Welcher Weg passt zu dir?
Drei Fragen helfen bei der Einordnung:
Erstens: Warum machst du keinen Content – wirklich? Ist es Zeitmangel, fehlende Identifikation, oder hast du es schlicht nie ernsthaft ausprobiert? Die Antwort beeinflusst, welche Alternative sinnvoll ist.
Zweitens: Was kannst du umsetzen – und was willst du umsetzen? Nicht jeder Weg liegt jedem. Wer Menschenkontakt liebt, ist bei direkter Akquise gut aufgehoben. Wer lieber im Hintergrund wirkt, baut ein Empfehlungssystem.
Drittens: Fang an. Nicht perfekt, nicht komplett durchgeplant. Einfach anfangen. Und wenn sich ein Weg nach zwei Wochen falsch anfühlt, ist der nächste Weg einen Versuch wert.
Takeaways
Halbherziger Content ist schlechter als keiner – er kostet Energie und baut nichts auf.
Direkte Akquise funktioniert, wenn sie aus echter Überzeugung kommt – nicht aus Verkaufsdruck.
Ein Empfehlungssystem baut man aktiv auf, man hofft nicht darauf.
Präsenz im echten Raum schafft Erinnerungen, die kein Algorithmus replizieren kann.
Nicht der Lauteste gewinnt. Sondern der, der überhaupt wahrgenommen wird – und das echt.
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In Episode 095 sprechen Vinz und Paul genau darüber – offen, ehrlich und mit konkreten Beispielen aus der eigenen Erfahrung. Vinz erklärt, warum er selbst keinen klassischen Content macht. Und Paul zeigt, warum das kein Problem ist – solange man einen anderen Weg geht. Wer sich in diesem Thema wiederfindet, hört am besten direkt rein.
Das Transkript zu E095
Vinz: Wenn du als Selbstständiger oder KMU keinen Bock auf Content hast, dann ist das eigentlich gar kein Problem. Das Problem ist nämlich nur – und das behaupte ich jetzt einfach mal –, wenn du gar nichts machst. Wer kennt es nicht: Gefühlt behauptet jeder heutzutage, ja, du musst Content machen, posten, sichtbar sein, aktiv sein.
Wer mich kennt oder die letzten Folgen gesehen hat, weiss, ich selber bin hier eher etwas zurückhaltend. Abgesehen vom YouTube-Kanal, den wir hier regelmässig bespielen. Ich weiss aber, vielen KMUs geht es genau so. Content macht einfach keinen Spass – gut Deutsch gesagt. Das hat auch nicht unbedingt etwas mit Faulheit zu tun. Es ist ein bisschen wie bei mir auch. Und genau darum soll es heute gehen. Was machst du, wenn du keinen Bock hast auf das klassische Content-Geposte, aber trotzdem sichtbar sein willst? Könntest du spontan etwas sagen, was man da als KMU machen kann?
Paul: Willkommen zu Mach mal Marke, dem einzigen deutschsprachigen Branding-Podcast ohne Bullshit. Viel Spass!
Danke für das ehrliche Thema. Also endlich packst du das mal an. Es tut mir ohne Witz – ja, es tut mir so leid, dass es jetzt so oft ums Thema Content geht. Mich packt das voll und ich finde das sehr faszinierend. Die ganzen Möglichkeiten. Und ich will nur noch einmal die Möglichkeit betonen, dass wir Content machen, weil es diese Plattformen gibt. Also die Plattformen sind schlimm genug, weil sie sich ja nur über Werbung und Daten finanzieren.
Aber sie bieten halt KMUs oder Leuten die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, und du kriegst direkt Marktfeedback. Also du kriegst ja in Form der Zahlen direkt die Wirkung: Passt das oder passt das nicht? Erreicht das Leute oder erreicht das niemanden? Und dadurch kann man sich was aufbauen – und die Sachen, die gut funktionieren, da kannst du sogar noch Geld dahinterbuttern und dann sehen es noch mehr Leute. Deswegen machen wir das alles. Und wenn man auf Content keinen Bock hat, würden mir je nachdem, wo man aktiv ist, spontan die Klassiker einfallen: regionale Unterstützung, man ist in irgendwelchen Vereinen aktiv, man macht mal ein schönes Fest oder Events. Also alles so in Richtung Events. Oder man geht ganz klassisch auf Print – schreibt Grüsskarten, macht das ein bisschen anders als die anderen. Ich kriege komischerweise von der Wärmepumpe, die wir jetzt seit ein paar Jahren haben, einmal im Jahr noch irgendein Magazin. Ich will das gar nicht haben, aber es ist erstaunlich, wie viele Leute einem noch irgendwelche Magazine schicken. Kriegen auch von der Apotheke hier komischerweise ein Magazin. Interessiert mich überhaupt nicht. Also ich sehe dann immer eher den Schwund, den man da mitfinanziert, wenn man so Dinge rausschickt. Aber scheint sich ja für irgendjemanden zu rechnen. Und vielleicht sind es genau die Leute, die sich auch denken: Auf Content haben wir eigentlich keinen Bock, aber so ein Magazin, das würden wir schon mal finanzieren.
Vinz: Eine Frage – warum machst du persönlich Content? Aus dem gleichen Grund, weil es für dich am einfachsten geht? Vielleicht ist das auch spannend für andere. Man muss es auch nicht verstecken. Warum machst du Content? Zum Beispiel auf LinkedIn oder so.
Paul: Warum ich Content mache? Ohne Witz – ich habe ein Sichtbarkeitsproblem sonst. Also ich will gesehen werden. Ich bin selbstständig, ich habe kein Ladengeschäft, ich habe kein Schaufenster. Also muss ich mir das online aufbauen. Und ich habe vor allem immer das Gefühl: Wenn ich mich um meine Kinder kümmere – und das sind aktuell fünf Tage die Woche, die ich bei ihnen bin und mit ihnen Zeit verbringe – das sind Tage, wo ich nicht arbeiten kann tagsüber. Da will ich irgendwas da draussen wissen, dass ich trotzdem gesehen werde. Dass Leute mitbekommen: Den gibt's, der macht was, der hat eine Meinung zu bestimmten Dingen. Und vor allem unsere Arbeit zahlt langfristig darauf ein, mein Wissen aufrechtzuerhalten. Und wenn ich das teilen kann und das Leute sehen und das Leuten weiterhilft, finde ich es wunderschön. Also auch dieser Grundgedanke: Ich kann damit Leuten helfen, von denen ich noch nicht mal weiss, dass es sie gibt. Das finde ich mega faszinierend. Und auf LinkedIn kommt dazu – da teile ich halt die Dinge, die mich gesellschaftlich interessieren und fertig machen, wo ich das Gefühl habe, da habe ich eine Meinung, die könnte andere interessieren. Vielleicht auch völlig gegen den Strich, aber mir egal. Ich nutze das, ich will das irgendwie loswerden. Ob das jetzt gut oder schlecht ist – man kann über alles streiten –, aber das sind meine ehrlichen Gründe, das zu machen.
Ja, jetzt aber du: Warum machst du keinen Content? Die ehrlichen Gründe dahinter.
Vinz: Hey – kein Content? Ich mache mit dir zusammen einen Podcast. Das ist ja eigentlich auch Content, Paul. Nein, aber wie soll ich sagen: Ich habe dem klassischen, polierten Insta, LinkedIn auch mal eine Chance gegeben. Keine Ahnung, vielleicht bin ich es auch völlig falsch angegangen, hatte falsche Erwartungshaltungen, weiss auch nicht was. Ich habe einfach für mich gemerkt: Es braucht verdammt viel Zeit. Es braucht einfach Ressourcen. Entweder machst du es selber – dann braucht es Zeit, braucht Leidenschaft, du musst Ideen haben, was auch immer. Und dann soll es eben nicht so krampfhaft gekünstelt rüberkommen, sondern am besten locker-flockig. Und für mich ist es ehrlich gesagt wirklich so: Zum einen ist es eine Identitätsfrage. Ich habe mittlerweile keine Instagram- oder Facebook-App mehr auf dem Handy. Ich habe noch Profile, aber ich merkte, es lenkt mich mehr ab, als dass es mir etwas nützt. Und ich finde so generell – ich bestreite das nicht allen –, aber ein grosser Teil dessen, was Leute heutzutage posten, ist recht oberflächlich. Es bietet Chancen, vor allem für Unternehmen, aber mein Gefühl hält mich da schlicht ab. Darum kann ich mich mit dem Ganzen nicht so identifizieren.
Ja, und ich habe einfach andere Wege ausprobiert, die mir besser liegen. Darum habe ich auch gleich drei davon mitgebracht, die vielleicht auch für das eine oder andere KMU oder für Selbstständige interessant sind. Vielleicht packt mich irgendwann der Teufel und dann schmeiß ich wirklich einen eigenen YouTube-Kanal als Ergänzung raus – oder etwas, das vielleicht gar nicht ums Thema Branding geht, sondern über etwas anderes. Wer weiss. Aber wie gesagt, genau.
Paul: Und dann ist es genauso richtig, das nicht zu machen.
Das würde ich noch als kurzen Zwischenpunkt ergänzen wollen. Wir hatten ja wirklich im Sommer letzten Jahres – das war so rund Folge 20 – die Überlegung, jeweils noch einen eigenen Kanal auf YouTube zu starten. Und in der Theorie hat sich das sehr richtig und cool angefühlt, weil wir gerade im Flow waren und das hat sich alles eingespielt und gut angefühlt. Wir dachten: Dann nutzen wir das Momentum und machen einfach noch mehr und teilen die Dinge, die uns beschäftigen. Und der Grund, warum wir es nicht gemacht haben, war einerseits Fokus und das ehrliche Eingeständnis, dass das echt viel Zeit braucht. Und das hält man sehr gut eine Woche durch, auch zwei und auch den ersten Monat, vielleicht auch die ersten zehn Folgen. Aber danach wird es halt zäh. Und wenn du da nichts gefunden hast, was du gerne machst, dann solltest du es wahrscheinlich besser nicht machen. Du musst den Leuten schon beweisen, dass du das erste Jahr durchhältst – oder auch beim Newsletter, dass du erstmal zehn Ausgaben regelmässig rausgehauen hast –, damit die Leute auf dich verlassen können. Und wenn du das nicht gerne machst, dann wird es halt direkt ab Serie 2 oder 3 extrem mühsam. Deswegen lieber Fokus auf die Dinge, die man gerne macht, die eine Routine drin haben, die sich eingespielt haben, die sich einfach gut anfühlen – und den Rest dann lieber weglassen.
Vinz: Yes, genau so ist es. Vielleicht noch schnell als kleiner Einstieg in die ganze Thematik: Es ist so ein bisschen das Denken, das man überall mitkriegt. Ja, wir müssen eigentlich mehr posten, Social Media machen. Aber unter dem Strich hast du keine Zeit, keine Ressourcen, keinen Bock, keinen Zugang – oder einfach keine Ahnung. Denn das ist mittlerweile schon ein Thema für sich. Es gibt 100'000 Leute, die Experten in diesem Bereich sind. Jeder hat gefühlt eine eigene Meinung dazu. Und dann ist die Gefahr recht gross, dass du den Wald vor lauter Bäumen gar nicht mehr siehst. Wie bei jedem Thema heutzutage.
Paul: Und auch da – das wird verkauft von den ganzen Experten auf den Plattformen. Also auf LinkedIn wird LinkedIn wie der heilige Gral verkauft. Auf YouTube bin ich in einem Strudel dringewesen, als wir begonnen haben, erste Videos zu teilen, wie man YouTube wirklich gut nutzt. Und alles klingt immer super perfekt. Die auf LinkedIn versprechen: LinkedIn ist der relevanteste Kanal. Die auf YouTube genauso: Wenn du YouTube-Videos machst, nur ein Video pro Woche, wirst du Millionen erreichen. Das ist ja alles Käse.
Der Weg dahinter ist so interessant, weil du bei beiden Sachen durchhalten musst.
Vinz: Ja, so ist es. Und was bei den meisten passiert, ist eben genau: gar nichts. Weil du gegen eine Wand rennst und einfach nicht dazu kommst, anzufangen. Oder du fängst an, etwas zu machen, und dann bist du in der Perfektionsfalle – nein, das ist nicht gut genug –, und dann passiert einfach nichts. Die Konsequenz daraus ist automatisch: Du bist nicht sichtbar. Du baust keine Beziehungen auf, du wirst nicht wahrgenommen. Und dann gehst du unter. Das hast du auch gut gesagt, Paul. Darum ist das eine legitime Sache, dass du da aktiv bist. Und jetzt ist aber meine Haltung zu dem Ganzen: Content ist ein Weg. Aber er ist nicht der einzige. Content funktioniert – wenn man dranbleibt und seine eigene Sprache in einem Medium findet. Aber nur, wenn er auch gewollt ist. Wenn er echt ist. Wenn er smooth ist. Weil halbherziger Content ist Bullshit. Das merken die Leute, das merkst du selber. Du zerrst deine Kräfte, deine Ressourcen. Dann kannst du es eigentlich auch ganz lassen. Und vor allem: Wenn du keinen Bock hast, dann zwing dich nicht. Ich sage nicht: Probier es nicht aus. Probier es unbedingt aus. Wir haben hier auch mit YouTube angefangen, und ich war am Anfang etwas dagegen. Mit Reels macht es mir mega Spass. Also probiere Sachen aus. Aber wenn du längerfristig merkst, es kostet mehr als es bringt, dann suche etwas anderes. Es ist einfach wichtig, dass du dich bewusst entscheidest. Und das muss einen Grund haben – warum ja oder warum eben nein.
Paul: Ja, und dafür haben wir eine eigene Playlist zu dem ganzen Thema Brand-Content oder Marken-Content erstellt. Da könnt ihr gerne reinschauen. Weil das ganze Wissen und die Erfahrungen unsererseits dazu haben wir alles schon mal aufgenommen und darüber gesprochen. Ich möchte noch einen Punkt betonen: Es geht darum, dranzubleiben. Wir orientieren uns immer an Beispielen, bei denen es leicht, unangestrengt und locker aussieht. Und wir haben bei Patrick im Interview erfahren, dass auch er zweifelt, auch er braucht irgendwelche Frameworks, um Dinge überhaupt machen zu können. Und wenn du nicht dranbleibst und wirklich täglich auf dem Platz stehst – oder auf LinkedIn zweimal die Woche deine Gedanken teilst und das aber auch ein Jahr durchhältst, statt nach drei Wochen wieder weg zu sein –, dann ist es ein Problem. Dann wirst du das auch nicht auf das Niveau schaffen, wo die anderen sind. Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber der Grossteil aller Podcasts ist nach den ersten zehn Folgen wieder weg. Die halten nicht durch, die machen nicht weiter. Die haben das ausprobiert, weil es cool klang, aber dann bist du enttäuscht, weil am Anfang nur zehn Leute zuhören, und hörst ganz schnell wieder auf. Aber schön wird es erst, wenn du eine Weile dranbleibst.
Vinz: Das sind mir jetzt auch gerade drei – zur Abwechslung – Mal machen.
Paul: Durchhalten wins.
Vinz: Yes.
So, jetzt genug geschwafelt. Meine drei Alternativen für KMUs, die keinen Bock auf Content haben, aber irgendwie sichtbar sein wollen. Das ist ja eigentlich das Ziel des ganzen Spass. Gesehen werden, verstanden werden, Beziehungen aufbauen, Vertrauen aufbauen – und einfach die richtigen Leute abholen. Entweder Kunden an Land ziehen oder potenzielle Mitarbeiter erreichen. Was auch immer.
Der erste Punkt ist direkte Akquise und Beziehungspflege. Quasi die aktiven Schienen fahren. Das mache ich selber zum Beispiel. Das kann heissen, du nimmst einfach old-school das Telefon in die Hand, du suchst persönliche Gespräche, du machst wirklich Termine aus, gehst einfach mal persönlich vorbei in ein Geschäft, machst Follow-ups. Im Kern baust du Vertrauen direkt auf, ohne Umweg. Und jetzt kommen irgendwelche und sagen, das sei tot und das dürfe man gar nicht – Bullshit. Das ist ein legitimer Weg, um Kunden zu kontaktieren und Beziehungen aufzubauen. Es ist ein sehr schöner Weg.
Was sind jetzt Vor- und Nachteile? Da kann ich aus eigener Erfahrung reden. Vorteile: Es ist ein sehr schnell und effizienter Weg, vor allem für den Vertrauensaufbau. Vor allem, wenn du weisst, wer du bist, was du machst, wie das Unternehmen tickt und wie du den Leuten helfen kannst. Und vor allem, wenn du dann noch die Extra-Meilen gehst und bevor du jemanden kontaktierst, wirklich mal schnell recherchierst. Dann hast du direkt einen Grund zum Anrufen und kommst sofort rein. Direkte Resultate sind möglich – das erlebe ich immer wieder. Wenn jemand sagt: »Hey, das ist interessant, lass uns treffen, Kaffee, zack.« Das hast du bei Content nicht. Oder erst irgendwann. Aber hier hast du wirklich volle Kontrolle darüber, wen du adressierst und erreichst. Du kannst dich im Vorfeld über Leute oder über ein Unternehmen informieren und wirklich gezielt vorgehen. Beim Content hoffst du darauf, dass jemand reagiert. Hier kannst du direkt auf Leute zugehen, die vielleicht auch deine Wunschkunden sind.
Was sind aber Nachteile? Vor allem, wenn du alleine bist, ist es sehr schwer skalierbar – ausser du baust oder hast ein Vertriebsteam. Es braucht verdammt viel Überwindung, vor allem wenn du es old-school machst, telefonisch oder persönlich. Du musst Courage mitbringen. Und es ist ziemlich zeitintensiv. Auch viele sogenannte Gurus sagen, man müsse jeden Tag 100 Calls machen – das muss man nicht. Wenn man seine Zielgruppe kennt, weiss, was sie wollen, weiss, wie sie reden, dann reichen am Tag vielleicht auch fünf Telefonate. Aber die sind dann viel gezielter. Es braucht mehr Zeit in der Recherche, aber schlussendlich machst du es damit viel effizienter, als wenn du jeden Tag 100 zufällige Leute anrufst, von denen du teilweise nicht einmal weisst, wer sie sind. Als Einordnung: Für mich persönlich ist das der effektivste, aber der unbequemste Weg. Das ist der Haken dran. Hast du da etwas reinzuwerfen?
Paul: Immer. Ja, einfach ein Gedanke dazu. Ich glaube, das fällt schwer, weil es da draussen negativ besetzt ist. Es ist bekannt unter Kaltakquise, Telefonakquise, dieses ganze Akquisethema. Das klingt schon so nach Vertriebler und irgendwie so ein bisschen schleimig und eklig. Wir haben alle schon schlechte Erfahrungen gemacht, weil uns allen schon mal ein Telefonvertrag verkauft wurde, obwohl wir keinen brauchten, oder eine Versicherung schmackhaft gemacht werden sollte, obwohl wir auch das nicht wollten. Und das verbinden wir mit Akquise – und mit Telefonakquise erst recht. Ich glaube, was da hilft, ist ein kleiner Perspektivwechsel. Wenn du dich vorbereitest, wie du gemeint hast, wenn du genau weisst, was du machst und warum du anrufst – und dann in dem Moment auch ehrlich sein kannst, also du bietest Hilfe an in einem Bereich, wo du wirklich überzeugt bist, dass es den Menschen Nutzen bringt oder einen Wunsch erfüllt oder sie weiterbringt –, dann macht das Ding auch wieder Spass. Und dann ist nicht anrufen fast schon unterlassene Hilfeleistung.
Also wirklich weitergesponnen: Wenn du Leuten ohnehin folgst und deren Content gerne konsumierst, würden mir auf Anhieb ein paar Leute einfallen, bei denen ich extrem gerne die LinkedIn-Beiträge lese. Dann wäre es eigentlich naheliegend, wenn ich nicht schreiben würde, einfach so aus dem Bauch heraus einen persönlichen Liebesbrief zu schreiben: »Ich finde das super, was ihr macht. Alles Gute für euch – und falls ihr mal Unterstützung braucht, hätte ich zwei, drei Ideen. Vielleicht passt es mal, dass wir zusammen Kaffee trinken.« Sowas. Das ist ein ganz anderes Level als: »Ich habe deine Website gesehen, wir können da noch ein Maximum rausholen.« – und man hat sich halt nicht vorbereitet. Man weiss nicht, dass du selber Websites baust, obwohl es auf deiner Website steht. Und das ist dann eben Vertrieb, wie er nicht laufen sollte. Deswegen: Perspektivwechsel. Das kann schön sein. Das kann einfach eine Hilfeleistung sein, die man gerne gibt – weil du ein Profi bist, weil du dich auskennst, weil du wirklich das Gefühl hast, ich kann Leuten helfen bei einer Sache, die sie brauchen. Und dann entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe. Nicht: Ich muss irgendwas verkaufen.
Vinz: Das ist ein wichtiger Punkt. Noch eine Ergänzung: Wenn du hundertprozentig hinter dem stehst, was du machst und wer du bist, dann ist es in der Regel gar kein schmieriges Verkäufergetue, wie viele im Kopf haben oder wie viele Ratgeber mit ihren komischen Leitfäden vermitteln. Sondern – ich sage jetzt bei mir aus Erfahrung – ich schaue, welche Unternehmen es da draussen gibt. Dann siehst du zum Beispiel eine Schreinerei, die es seit 150 Jahren gibt. Aber die haben halt auch eine Aussenwirkung oder eine Kommunikation von Jenseits von Gut und Böse. Da blutet mir das Herz. Da muss ich sagen: Ihr habt so viel Potenzial, das ihr einfach auf der Strecke lasst. Jetzt rufe ich denen einfach mal an. Und auch wenn kein Interesse da ist: Ich habe durchgehend sehr gute Gespräche mit diesen Leuten. Du lernst immer. Und wenn man Schiss hat vor dem Anrufen – das habe ich teilweise auch, gebe ich zu –, kann man sich immer sagen: Entweder gewinnst du einen neuen Auftrag, oder du lernst etwas. Verloren hast du nichts. Und auch wenn du mal am falschen Fuss erwischst oder jemandem am Montagmorgen um 8 Uhr anrufst, der sowieso schlechte Laune hat – who cares? Dann siehst du den im besten Fall nie wieder im Leben.
Die zweite Möglichkeit wäre die gute, alte Empfehlung. Und zwar nicht einfach nur hoffen, sondern wirklich ein Empfehlungssystem aufbauen. Das heisst eigentlich nichts anderes als: Andere sprechen für dich. Statt einfach zu warten und zu hoffen, dass Peter oder Sandra schon mal ein gutes Wort für mich einlegen oder mich empfehlen, kann man das auch geplant machen. Also du nutzt wirklich Stimmen von zufriedenen Kunden, Partnern oder deinem Netzwerk, damit sie deinen Namen streuen, damit sie dich in Gesprächen mit ihren Partnern und Kunden einbringen. Das kann auch so weit gehen, wie es im Handwerk teilweise üblich ist: dass sich gewisse Unternehmen von unterschiedlichen Gewerken zusammentun und wissen, dass sie sich gegenseitig empfehlen. »Wir kennen einen Elektriker – wir kennen einen Schreiner.« Eine gegenseitige Empfehlung. Wirklich ein Netzwerk schaffen. Im Kern geht es darum, dass du genannt wirst, bevor du dich selber zeigen musst. Das erreichst du am besten, wenn du gute Arbeit ablieferst und einfach angenehm bist im Umgang.
Paul: Ich glaube, du kannst es noch untermauern, wenn du den Leuten auch etwas Passendes mitgibst. Ich denke gerade daran: Wir planen hier etwas am Haus zu machen. Es gibt eine Zimmererei, auf die wir schon vertrauen. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir die weiterempfehlen, weil sie schon mal gute Arbeit gemacht haben und wir sie kennen. Aber die könnten mir dieses »Ich kann die weiterempfehlen« noch leichter machen, indem sie beispielsweise am Ende eines grösseren Projekts wie ein kleines Minikit mitgeben. Ein Block, ein Bleistift, einen Zollstock und – für die nächste Person, die einen Umbau plant – eine Vorlage mit zehn Fragen, die man beachten sollte, bevor es losgeht. Ihr braucht das wahrscheinlich nicht mehr, weil ihr gerade fertig seid mit dem Umbau, aber es gibt immer einen nächsten Umbau. Und man muss ja gar nicht sagen: »Gib das mal bitte der Person, die auch gerade einen Umbau plant.« Wir kennen alle Leute, die irgendwas planen. Und dann hast du das Ding und reichst es gerne weiter, wenn es auch noch Wert hat. Und zwar noch lieber als nur zu sagen: »Ja, wir haben mit denen zusammengearbeitet, die waren ganz nett.« Sondern dann kannst du direkt etwas Konkretes weitergeben. Und das ist manchmal so eine Einladung. Ich glaube, haptische Produkte haben einen ganz unterschätzten Wert. Die könnte man auch vor einer Zusammenarbeit als eine Art kleines Päckchen geben – mit Nervennahrung drin. Eine Tafel Schokolade, eine Packung Tee und Kekse. Von wegen: »Wir wissen, die nächsten zwei Monate bauen wir bei euch zu Hause. Wir planen das jetzt alles. Das wird nicht leicht. Hier einfach schon mal ein Goodie-Bag für euch.« Wie cool ist das? Und ich hätte noch mehr Vertrauen – und da würde es mir auch nicht auffallen, wenn die mal länger brauchen oder wenn mal irgendetwas nicht klappt. Das passt perfekt zu unseren ganzen Storytelling-Folgen: Nicht die Hauptcharaktere als Unternehmen, sondern die Guides sein, die Helfer, die Leute zum Ziel bringen. Und da kannst du mit einer starken Marke und dem passenden Erlebnis drumherum wirklich viel rausholen. Müssen wir mal eine eigene Folge drüber machen.
Vinz: Vorteile eines Empfehlungssystems oder -netzwerks sind, dass du die höchste Glaubwürdigkeit hast. Das ist wie wenn ich sage: »Paul macht gute Arbeit im nachhaltigen Branding. Das ist, glaube ich, der Mann für euch, wenn ihr das braucht.« Dann glauben die mir in der Regel. Dann gehen sie direkt zu ihm. Also sehr hoher Status. Man hat auch kaum Streuverlust. Wenn man einmal empfohlen worden ist, reicht das meistens schon aus, dass man gar nicht mit der Konkurrenz in einen Topf geworfen wird. Man ist wie die erste Nummer im Kopf für einen potenziellen Kunden oder auch für einen potenziellen Mitarbeiter. Und daraus folgt eine sehr hohe Abschlussquote. Man ist einfach direkt in den Köpfen. Der Nachteil ist wirklich, es ist schwer steuerbar. Man kann investieren und Gutes tun, aber kann trotzdem nicht hundertprozentig sagen: »Hey, diese Leute streuen jetzt wirklich meinen Namen.« Es ist halt mehr ein Hoffnungserlebnis. Es braucht auch eine bestehende Basis – man braucht schon ein Portfolio, einen Namen in einer Branche oder ein Referenzprojekt, damit es glaubwürdig ist. Es wird in den meisten Fällen viel zu wenig aktiv gefördert. Dort liegt aber gleichzeitig der grösste Hebel. Nicht einfach nur warten – aktiv solche Dinge fördern. Am Anfang eher geben und säen, bevor man ernten kann.
Paul: Und da kannst du dir ein System bauen. Das machen grosse Shop-Systeme von alleine – dass sie dich nach einer Bewertung fragen, dass du danach personalisiert Werbung bekommst, um dich als Kunden zu halten. Aber du kannst es bei einem Empfehlungssystem genauso handhaben. Dass du genau weisst: Nach einer Woche kommt nochmal die Dankesnachricht. Die ist schon vorformuliert, man kann sie aber an drei Stellen manuell anpassen, damit es auch personalisiert ist, damit man wirklich merkt, da steckt ein ehrlicher Gedanke dahinter. Dann gibt es die Einladung dazu, vielleicht auch ein kurzes Videogespräch zu machen, das man aufzeichnen kann für die Website beispielsweise. Wirklich so ein kleines System zu haben, das einen da durchleitet – das hilft. Oder sogar proaktiv dabei helfen, Leute weiterzuempfehlen: »Wir wissen, ihr seid nächste Woche auch auf der Handwerksmesse. Das sind die Punkte – oder da sehen wir uns wahrscheinlich.« Einfach nochmal in Erinnerung zu bleiben. Das wäre auch eine Möglichkeit.
Vinz: Der dritte und letzte Punkt ist eher so ein bisschen die strategische Präsenz im echten Raum. Also passive Präsenz zeigen. Das heisst eher so: Die Menschen könnten zu mir kommen. Das heisst: Events besuchen, Vorträge halten, in irgendwelchen Branchen-Veranstaltungen präsent sein. Oder halt einfach generell lokale Präsenz zeigen. Zum Beispiel an einem Stadtfest einen Stand haben. Was auch immer. Der Kern ist einfach, dass du hier erlebt wirst und nicht beworben. Das heisst nicht, dass du rausgehen musst und immer einen klassischen Werbestand mit irgendwelchen Flyern haben musst. Keine Ahnung – du kannst als Zimmermann auch einfach mal einen Bratwurststand am nächsten Stadtfest machen. Und das witzig verpacken. Das bleibt in den Köpfen.
Was Vor- und Nachteile sind: Vorteil ist eine sehr starke emotionale Wirkung, die man bei solchen Sachen hinterlässt. Auch wenn du als Schreiner oder Zimmermann immer an die Zimmermessen gehst, dann bist du einer von vielen. Aber gehst du vielleicht mal an eine Oldtimer-Messe und bietest dort deine Autounterstände an, dann bist du auf einmal der Einzige auf dem Platz – aber das Thema Holz und Handwerk schwingt mit. Und wenn du das noch cool verpackst, bist du einfach ein Hingucker. Und du baust durch so etwas auch echte Beziehungen auf. Du bist präsent, Leute können zu dir kommen, dich erleben. Und du differenzierst dich von allen anderen.
Ein Nachteil ist, dass es sehr zeitaufwendig ist. Es ist teilweise auch sehr lokal begrenzt. Man muss schauen, welche Möglichkeiten es dafür gibt. Oder du kannst dir Möglichkeiten selber schaffen: Wenn alle immer nur an die gleiche Messe gehen einmal im Jahr, macht man eben selbst eine kleinere im Frühling. Und es ist halt nicht so direkt messbar. Du musst also zuerst investieren, bevor du etwas rausholen kannst. Das ist aber ein sehr nachhaltiger Weg. Aber auf gar keinen Fall ein schneller Weg, der sofort Resultate bringt.
Vielleicht nochmals zur Einordnung von diesen drei Punkten: Der erste Punkt ist, du gehst aktiv auf Menschen zu. Der zweite Punkt ist, andere bringen dich aktiv ins Gespräch – sozusagen der umgekehrte Weg, sie machen Werbung für dich. Der dritte Punkt: Menschen kommen zu dir – das ist der passive Weg. Das sind die drei Wege. Mit Content sind es vier. Vermutlich gibt es noch fünf andere. Aber ich finde, das sind die wirkungsvollsten. Und schlussendlich haben alle drei das gleiche Endresultat: Vertrauen. Du musst Vertrauen schaffen. That's it.
Paul: Ergänzungen, die mir noch im Kopf rumspinnen – ich muss das kurz loswerden. Du kannst auch noch als Einwand deine Mitarbeiterinnen in ihren Hobbys unterstützen, was ich völlig unterschätzt halte. Also jetzt nicht das klassische »Ich finanziere die Bandenwerbung, weil alle im Fussballverein spielen.« Aber vielleicht ist eine Mitarbeiterin professionelle Hobby-Gamerin, und dann schenkst du ihr einen schönen Bürostuhl für zu Hause oder ein Mauspad oder was auch immer – irgendeinen Gegenstand, den man vielleicht auch einfach mit einem unverständlich grossen Logo von euch drauf versieht oder mit einem komischen Teamfoto oder was auch immer. Einfach um einerseits zu zeigen: »Wir sehen dich, du bist nicht nur eine Nummer bei uns, wir wissen, du hast ein persönliches Hobby, du bringst dich da ein, und wir finden das irgendwie lustig.« Das kann man wirklich schön verpacken als Wertschätzung – und gleichzeitig als Marke subtil präsent sein. Würde ich nie als Haupttreiber nehmen, aber es spielen da immer zwei Varianten eine Rolle.
Und beim Punkt Event dachte ich noch: Wirklich Events neu zu denken. Gerade Bauunternehmen haben halt den perfekten Vorteil, dass überall, wo kleine Kinder feiern, du der Einzige bist, der mit dem Bagger ankommen kann. Dann stellst du den Bagger irgendwo an eine Grube, können alle Leute Schlange stehen, weil sie schon immer mal Bagger fahren wollten. Vor allem die Eltern, die dann mit den kleinen Kindern zufällig auf dem gleichen Sitz sitzen und auch mal die Knöpfe und Hebel betätigen dürfen. Das ist halt einfach ein Ding – und du bleibst dadurch präsent als lokales Bauunternehmen, das immer mit dem Bagger irgendwo ist. Und das kann ja auch so ein Running Gag sein: Du hast eine Abendveranstaltung und der Bagger steht auch dort, vor der Turnhalle, wo eigentlich die Blaskapelle spielt. Einfach weil der Bagger random immer mit dabei ist. Mal dir noch zwei Augen vorne drauf – dann ist es einfach so ein Wiedererkennungsmerkmal. Wenn du dann dein Bauunternehmen aussuchen musst, werden deine Kinder automatisch sagen: »Aber kann bitte das Unternehmen mit dem Bagger mit den Augen kommen, weil wir dann auch mal Bagger fahren dürfen.« Das ist subtiles Marketing. Gelebte Marke, die eine Rolle spielt. Es braucht nicht viel, aber du spielst das Ding durch – lokal, regional. Und ich frage mich, warum das so wenige Leute machen. Gerade Handwerk hat einen riesigen Vorteil, weil Handwerk anfassbar ist, du kannst irgendwie mit anpacken und etwas erleben. Und du kannst auch einfach immer da sein. Du kannst Leuten schöne Geschenke machen. Dann bist du nicht so plump. Du dekorierst nicht einfach den Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz, sondern machst noch irgendetwas Besonderes drumherum. Du verschenkst kostenlos Lebkuchen und zündest die Feuertonne an. Und dann haben alle im Team dort eine schöne Zeit – aber Leute können noch mit dazukommen, weil die Mitarbeitenden dort in der Region wohnen, alle Bekannte und Familie haben und die mitbringen können. Dann machst du so ein kleines Stadtteilfest daraus. Und da geht es nicht darum, dass überall deine Marke gross draufsteht, sondern das ist ein subtiles Erlebnis, das die Leute trotzdem mitbekommen.
Vinz: Und wenn man so einen Weg aktiv geht und es von Herzen kommt, dann braucht es auch nicht immer den klassischen Contentweg. Dann passiert es manchmal von alleine – andere Leute machen Content über das, was du machst.
Paul: Genau – der passiert manchmal von alleine. Da machen andere Leute Content über das, was du machst.
Vinz: Und genau so bleibt man eben in aller Munde. Hat Sichtbarkeit und schafft Vertrauen.
Ja, jetzt – herauszufinden, welcher Weg passt denn und wie – habe ich wieder drei Punkte. Die erste Frage, die man sich stellen kann: Warum macht man denn keinen Content? Hat man wirklich keinen Bock? Hat man es überhaupt einmal ausprobiert? Was hat man ausprobiert? Wirklich mal hinterfragen: Ist es einfach eine Ausrede – oder ist es ein wirklich triftiger Grund, warum man es nicht macht? Punkt zwei, wo man sich fragen kann: Welche Alternative passt am ehesten zu mir? Was kann ich umsetzen? Was will ich umsetzen? Wo bin ich bereit, mal ins kalte Wasser zu springen? Und der dritte Punkt: Einfach machen. Einfach mal probieren. Und wenn man in zwei Wochen merkt, auch das ist nichts für mich, dann geht man halt zum nächsten Weg. Irgendetwas muss man machen.
Paul: Ja, oder zu dir. Also man kann einfach Vinz anrufen, bevor er einen anruft. Man kann einfach mit dir mal darüber reden, was es für Möglichkeiten gibt, fernab von Content. Da hat man mit dir die richtige Wahl. Mir fallen auch gerade lustige Ideen ein. Ich denke mit euch gerne so ein Event einmal von der verkehrten Seite aus – um auf neue Ansätze zu kommen. Dann habt auch ihr den Bagger mit Augen, und der wird euch gut tun.
Vinz: Der klassische Kalenderspruch – der obligatorische Kalenderspruch – darf natürlich nicht fehlen: Du musst nicht posten, wenn es für dich falsch ist oder sich falsch anfühlt. Aber du musst einen Weg finden, wie Menschen dich erleben können. Weil am Schluss gewinnt nicht der oder die Lauteste, sondern der oder die, die überhaupt wahrgenommen wird. Und das eben echt. Yes. Das war meine Anti-Content-Folge. Ich hoffe, es hat gefallen und ihr konntet etwas mitnehmen. Hast du da noch etwas zur Ergänzung?
Paul: Wenn es euch gefallen hat, dann hilft uns eine Bewertung. Lasst mal ein bisschen Liebe da – ein paar Sterne auf Apple Podcasts oder auf Spotify –, weil dann können noch mehr davon erfahren. Und ansonsten einfach die Folge teilen. Das hilft in jedem Fall, für alle Content-Muffel da draussen.
Vinz: Yes. Und sonst wie immer: geschmeidig bleiben, mutig bleiben – und einfach Marken machen.
Paul: Auf jeden Fall. Danke für die schöne Folge. Und ich habe – auch wenn ich Content liebe – vollstes Mitgefühl für alle, die keinen Content mögen und das nicht gerne machen. Und deswegen ganz lieben Dank dafür, dass du mal aufgezeigt hast, was es da für Möglichkeiten gibt.
Vinz: Dankeschön. Bis zum nächsten Mal. Ciao.
Paul: Bis dahin, ciao! Merci fürs Zuhören. Teilt die Folge gerne mit allen, bewertet den Podcast – und macht Marke. Bis bald.










































































