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Nachhaltiges Branding

Paul

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Hi, ich bin Paul und entwickle nachhaltige Marken für Unternehmungen, die wirklich was verändern wollen. Und da Wissen für alle da ist, teile ich es nur zu gerne.

Nostalgisches Branding

Vinz

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Nostalgie mit cleanem Sex-Appeal. Dafür stehe ich mit meiner Arbeit. Fancy Firlefanz brauche ich nicht, dafür steht Substanz und Echtheit bei mir ganz oben.

3 Regeln, wie Stoizismus deine Marke robuster macht (spontane Branding-Masterclass)

  • vor 2 Tagen
  • 18 Min. Lesezeit




Was Stoizismus mit Markenführung zu tun hat


Marken scheitern selten an schlechten Produkten. Sie scheitern häufiger daran, dass die Menschen dahinter versuchen, Dinge zu kontrollieren, die sie nie kontrollieren konnten. Die Meinung der Kunden. Die Reaktion des Marktes. Ob jemand kauft, empfiehlt oder wiederkommt.

Das ist kein Branding-Problem. Es ist ein Führungsproblem. Und die Stoiker hatten dafür vor zweitausend Jahren bereits eine Antwort.


Stoizismus ist keine Lifestyle-Philosophie für Produktivitätsjunkies. Es ist eine Lehre darüber, wie man handlungsfähig bleibt, wenn die Umstände es einem schwer machen. Drei Grundregeln davon lassen sich direkt auf Markenführung übertragen – konkreter, als man zunächst denkt.



Regel 1: Kontrolliere, was du wirklich kontrollieren kannst


Die stoische Kernunterscheidung ist simpel: Es gibt Dinge, die in deiner Macht stehen, und Dinge, die es nicht tun. Deine Gedanken, deine Haltung, deine Handlungen – das gehört dir. Alles andere nicht. Für eine Marke heisst das:

Du kannst nicht kontrollieren, ob jemand kauft. Du kannst nicht kontrollieren, ob dich jemand versteht oder gut findet. Was du kontrollieren kannst, ist, wie du dich positionierst, wie du kommunizierst und wie du auftrittst.

Das klingt banal. Ist es aber nicht – weil die meisten Marken genau das Gegenteil tun. Sie versuchen, Reaktionen zu steuern. Sie formulieren weich, damit niemand abgeschreckt wird. Sie vermeiden klare Kanten, damit sich möglichst viele angesprochen fühlen. Das Ergebnis ist eine Marke, die niemandem wehtut – und die sich auch niemand merkt.


Wer versucht, alle zu erreichen, kommuniziert für niemanden. Eine Marke, die aus dem Wunsch heraus gebaut wird, gemocht zu werden, ist in der Regel weich, austauschbar und irgendwo im Mittelfeld des Preisdrucks gefangen. Die stoische Alternative:

Steh zu dem, was du bist. Sei klar darüber, wen du willst – und wen nicht. Dann ziehst du genau die Menschen an, für die du wirklich relevant bist.


Regel 2: Nicht die Situation ist das Problem – sondern deine Bewertung


Der zweite Grundsatz geht tiefer:

Nicht das, was passiert, bestimmt dein Handeln. Sondern wie du es bewertest.

Das ist unbequem, weil es die Verantwortung zurückgibt. Fachkräftemangel, schwieriger Markt, Auftragsflaute – das sind reale Umstände. Aber wie du darauf reagierst, liegt bei dir.

In vielen Branchen läuft das so: Alle sehen das gleiche Problem, alle klagen über die gleichen Umstände, und alle stehen am gleichen Ort. Das ist kein Zufall. Wer ein Problem als unveränderlich bewertet, handelt nicht. Wer die Schuld im Aussen sucht, gibt damit gleichzeitig die Kontrolle ab. Die stoische Umkehrung lautet:

Dein Problem ist nicht der Markt. Dein Problem ist, wie du ihn bewertest – und was du daraus machst.

Das bedeutet nicht, Schwierigkeiten kleinzureden. Es bedeutet, aktiv zu bleiben statt zu verharren. Wenn niemand gute Leute findet, ist das ein Signal: Wer als Arbeitgeber klarer, attraktiver und sichtbarer ist, findet trotzdem. Wenn der Markt schwierig ist, ist das kein Grund zum Stillstand – es ist der Moment, in dem Positionierung entscheidet. Die Bewertung eines Umstands ist eine Entscheidung. Und sie ist eine der wenigen, die vollständig bei dir liegt.



Regel 3: Akzeptiere die Realität – und handle trotzdem


Der dritte Punkt schliesst den Kreis:

Akzeptanz bedeutet nicht Resignation. Es bedeutet, die Realität so zu nehmen, wie sie ist – und trotzdem aktiv zu bleiben.

Wer einen Umstand nicht akzeptiert, kann nicht sinnvoll darauf reagieren. Wer ihn akzeptiert, aber nicht handelt, bleibt stehen. Beides hilft nicht. Ein konkretes Beispiel: Ein Unternehmen wächst schnell, alle sind ausgelastet, das Geschäft läuft gut. Wer hier die Realität nicht sieht – dass das Team gerade an seine Grenzen kommt – wartet, bis es knallt. Burnout, Kündigungen, schlechte Stimmung. Was sich dann herumspricht, ist nicht der Erfolg, sondern der Umgang damit.


Akzeptanz heisst: Ja, es läuft gut. Und genau deswegen ist jetzt der Moment, die Verantwortung zu übernehmen. Nicht warten, bis das Problem erzwingt, was man früher hätte entscheiden können.

Das gilt für Krisen genauso wie für Wachstum. Branding im eigentlichen Sinne – nicht Logo und Farben, sondern die bewusste Führung einer Marke – bedeutet, Szenarien durchzudenken, bevor sie eintreten. Was machen wir, wenn wir zu wenige Leute haben? Wenn ein Auftrag wegbricht? Wenn wir zu schnell wachsen? Wer dafür keine Antwort hat, lässt sich treiben. Wer sie hat, führt.



Drei Fragen, die zählen


Stoizismus wird nicht durch Lesen praktisch. Er wird es durch Anwenden. Drei Fragen, die sich jede Unternehmerin und jeder Unternehmer stellen kann:


  1. Wo versuchst du gerade, Reaktionen zu kontrollieren, statt einfach klar zu sein? Formulierst du weich, weil du niemanden verlieren willst? Vermeidest du eine klare Aussage, weil sie jemanden abschrecken könnte? Das ist der Punkt, an dem Klarheit beginnt – oder endet.

  2. Wo nutzt du den Markt, den Fachkräftemangel oder die Auftragslage als Ausrede? Nicht als Vorwurf. Als ehrliche Frage. Weil der Unterschied zwischen »der Markt ist schwierig« und »was kann ich jetzt tun« der Unterschied zwischen Stillstand und Bewegung ist.

  3. Wo verweigerst du gerade die Realität – oder läufst du blind hindurch? Gibt es etwas, das du weisst, aber nicht anschaust? Eine Situation, die eine Entscheidung braucht, die du aufgeschoben hast?



Takeaways für stoische Marken


Starke Marken reagieren weniger. Sie führen mehr. Das beginnt nicht mit einem neuen Auftritt, sondern mit einer klaren Haltung zu dem, was kontrollierbar ist – und dem, was es nicht ist.

Drei Sätze, die das zusammenfassen:

Kontrolliere deinen Auftritt – nicht die Reaktion darauf. Übernimm Verantwortung für deine Bewertung eines Umstands, nicht für den Umstand selbst. Akzeptiere die Realität so, wie sie ist – und entscheide trotzdem bewusst.

Das ist keine Philosophie für ruhige Zeiten. Das ist eine Praxis für alle anderen.



Jetzt reinhören


Vinz hat diese drei Regeln in einer kompakten Masterclass-Folge von MACH MAL MARKE durchgearbeitet – direkt, ohne Umwege, mit konkreten Übertragungen auf den Alltag von KMU. Wer das lieber hört als liest: Folge 104 ist genau dafür gemacht. Und wer danach mehr über stoische Marken wissen will, kann sich schon mal für Teil 2 melden.













Bildtext: Drei stoische Marken-Lehren


Das Transkript zu E104

Vinz: Viele Marken da draussen scheitern nicht am Markt, wie man immer denkt, sondern daran, dass sie Sachen kontrollieren wollen, die sie gar nicht kontrollieren können. Heute geht es um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und das Paul sich schon lange in Verbindung mit Branding gewünscht hat. Und zwar: Stoizismus.


Wie kann Stoizismus deiner Marke helfen? Viele wissen das kurz vorweg: Stoizismus hat eigentlich drei Kernpunkte. Wenn du diese auf deine Marke überträgst, wird alles plötzlich brutal fucking klar. Und was ich damit meine, erklären wir gleich.


Lieber Paul, hast du eine Ahnung, welche Richtung das geht? Ich glaube, du kennst mich auch ein bisschen und das Thema auch. Ich rede etwa darüber. Sag mal, was geht dir durch den Kopf, wenn du das hörst?


Paul: Hey, ich finde es so grossartig, dass du das endlich mitbringst, das Thema. Ich habe das Gefühl, es kommt bald Content von dir persönlich dazu. Ich meine, wenn ich irgendjemanden für dieses Thema begeistert sehe, dann bist du das – du könntest das perfekt rüberbringen. Den Bogen zu spannen zu den ganzen Contentfolgen, die wir jetzt hatten. Deswegen finde ich jetzt die Folge als Abwechslung mal sehr, sehr gelungen und wichtig. Keine Ahnung, worauf du jetzt im Exakten hinaus willst. Ich weiss nur,


weil wir uns ja auch andauernd über Sprachnachrichten austauschen, dass du mir das immer wieder ans Herz legst, dass der Stoizismus durch deine Weisheiten hindurchschimmert, dass du mir da schon viele Sachen mitgegeben hast auf meinen Weg. Aber ich weiss genauso, ich muss das Zeug immer wieder hören, damit man sich diese Grundregeln vor Augen führt und irgendwie klarkommt mit dem Leben. Aber hau mal raus, was du vorbereitet hast. Ich bin gespannt auf eine spontane Masterclass, auch wenn die vielleicht ein bisschen kürzer wird als eine Stunde, aber ich glaube, es hat auf jeden Fall das Niveau.


Vinz: Yes! Ich habe mir eigentlich vorgenommen, dem Stoizismus gerecht zu werden: kurz und bündig, auf das Wesentliche reduziert. Ich finde die Lehre so faszinierend. Sie ist so simpel, einfach, roh und hart, dass sie für viele recht kalt und emotionslos rüberkommt. Aber eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Es ist sehr tiefgründig.


Es geht darum, sich mit sich selber und seinem Umfeld auseinanderzusetzen. Ich finde es wunderbar, wie übertragbar das auf das ganze Leben ist. Deshalb habe ich das Thema extra nochmals auf Branding bezogen. Ich versuche, das zu kombinieren, und habe die drei Kernpunkte des Stoizismus herausgepickt.


Ich dachte, vielleicht nützt es jemandem oder vielleicht kann ich sogar jemanden begeistern, sich mit dem Thema auch mal auseinanderzusetzen. Denn mir hat das ganze Thema sehr geholfen in einer Phase, in der es mir auch nicht so gut ging. Darum, ja – gönnt euch hier mal ein bisschen Lektüre dazu.


Paul: Ich bin echt gespannt auf die ganzen Sachen, die du da mitgebracht hast. Ich denke nur ganz persönlich an eine Zeit zurück, wo ich mal für ein halbes Jahr in Japan war. Ich hatte damals noch überhaupt keine Verbindung mit Stoizismus. Aber das war so eine Phase, wo ich absolut mit mir im Reinen war. Und ich glaube, da gibt es einige Überschneidungen, weil diese japanische Kultur ja auch auf dem Glauben beruht, dass Wert in allen Gegenständen, in allen Dingen drin ist. Und dass man diese Dinge,


die im Aussen sind, schützen und bewahren muss und sich deswegen auch im Inneren mit ganz viel Ruhe und Ausgeglichenheit dazu verhalten muss. Und ich glaube, da gibt es ein paar spannende Parallelen. Deswegen vorneweg: Nennt es, wie ihr wollt. Wenn man mit solchen Tipps etwas anfangen kann, ist das cool. Wenn nicht, dann hat das vielleicht in einer anderen Glaubensrichtung, mit einer anderen Philosophie, einen anderen Namen. Aber ich glaube, die Grundregeln sind alle relativ ähnlich. Aber hau mal raus, was du da hast.


Vinz: Genau. Yes. Also die wichtigsten Regeln – der wichtigste Pfeiler: Lern zu unterscheiden, was du kontrollieren kannst und was nicht. Das ist im Stoizismus nichts anderes als: Du kannst nicht die Meinung von anderen über dich kontrollieren. Was du kontrollieren kannst, ist, dass du dein Bestmögliches gibst,


damit sie eine gute Meinung haben. Dass du respektvoll auftrittst, dass du auf dich achtest, auf dein Äusseres, auf deine Wortwahl – was auch immer. Und krass gesagt, sagen die Stoiker: Das Einzige, was du kontrollieren kannst, sind deine Gedanken, deine Emotionen und deine Handlungen. Adaptiert auf deine Marke kann das heissen:


Was du nicht kontrollieren kannst, ist, ob jemand kauft, ob jemand dich versteht oder ob dich jemand gut findet. Was du hingegen kontrollieren kannst – mit Branding, mit Markenarbeit – ist, wie du dich positionierst, wie du kommunizierst und wie du auftrittst, wie du deine Arbeit, dein Produkt, deine Dienstleistung präsentierst.


Das Problem, das viele Marken haben, ist, dass sie versuchen, Reaktionen zu steuern. Das heisst, sie sagen Dinge, damit es gut ankommt. Man macht sich viel zu viele Gedanken, um es allen recht zu machen, anstatt einfach klare Kanten zu zeigen. Man kann hinterfragen, wen man eigentlich abholen will.


Das haben wir auch schon zum x-ten Mal gesagt: Eine Marke, die es allen recht machen will, ist in der Regel weich, austauschbar oder sogar belanglos. Dort fangen Probleme an wie Preisdruck, Austauschbarkeit, das Verschwinden in der Masse. Und die stoische Übersetzung auf dieses Thema heisst einfach: Hör auf damit, von allen


gemocht werden zu wollen. Und fang an, klar zu sein. Steh zu dir, zu deiner Arbeit, zu dem, wie du auftreten willst – und dann wirst du genau die Leute anziehen, die du willst.


Paul: Ja, ich denke noch, dass das eine ganz wichtige Basis schafft, nämlich: Wenn es dir egal sein soll, ob dich andere mögen, musst du dich selber erst mal mögen und selber damit im Reinen sein. Sonst funktioniert das andere nicht. Und ganz oft hat man ja dieses »alle müssen mich mögen«, weil man selber Chaos im Inneren hat oder da nicht zufrieden ist. Deswegen braucht man diese Kompensation von aussen oder diese Bestätigung von aussen, dass man gut ist, so wie man ist. Und wenn die ausbleibt, hat man ein noch grösseres Problem.


Aber je mehr man sagen kann: Ich bin mit mir selber im Reinen. Ich fühle mich wohl mit dem, was ich mache. Ich bin zufrieden. Oder: Wir stehen zu unserem Angebot, wir stehen zu unserer Arbeit, wir kennen unsere Qualität. Wir wissen, dass wir gute Arbeit machen, guten Service. Alles, was drum herum abläuft – wir haben das im Blick und sind damit so aufgeräumt, dass wir anderen gegenübertreten können und auch nicht böse sind, wenn die kein Interesse haben. Das ist ja der nächste Punkt:


dass man da nicht hässig wird, wenn irgendjemand absagt oder sich nicht mehr meldet. Ich finde das eine coole Grundlehre, die ich mal von meiner Mutter mitbekommen habe, als wir auf der Autobahn unterwegs waren. Sie meinte: Je nachdem, wie die Leute fahren – das kannst du gut finden oder schlecht finden, aber du weisst nie, was die Leute gerade beschäftigt. Ob die mit einer schwangeren Frau auf dem Rücksitz ganz schnell ins Krankenhaus müssen, oder sich frech auf den


Behindertenparkplatz stellen, weil sie dringend aufs Klo müssen und alle anderen Parkplätze besetzt sind – oder was auch immer, oder einfach einen schlechten Tag haben. Also: Wir können nicht steuern, was andere Leute für Päckchen mit sich tragen. Aber wir können uns davon einfach lösen.


Vinz: Genau. Das geht direkt in den nächsten Punkt. Das ist für mich der zweitwichtigste Punkt im Stoizismus: Nicht das Ergebnis oder die Situation ist das Problem, sondern deine Bewertung – und dementsprechend deine Reaktion darauf. Oder wie du es gerade gesagt hast: Du kannst nicht beeinflussen,


wie jemand reagiert oder was der gerade im Kopf hat oder welche Probleme der mit sich herumträgt. Aber du hast sehr wohl in der Hand, wie du darauf reagierst. Das ist der Kern. Wenn ich auf der Strasse bin und jemand mich anrempelt und sagt: »Hey du Trottel.« Dann kann ich entweder wütend werden und ihm eine verpassen, oder ich kann einfach darüber lachen. Und das ist damit gemeint.


Auf Marken bezogen könnte es Sachen geben wie Ergebnisse aus dem vorherigen Punkt: Wenn man zum Beispiel Fachkräftemangel hat, im Preisdruck gefangen ist oder viel Konkurrenz hat. Alle sehen das Gleiche, aber nicht alle reagieren gleich darauf.


Der Umstand ist derselbe. Es kommt darauf an, was du daraus machst. Wenn viele Unternehmer sagen – ich kenne auch Teile der Branche, in denen ich mich ein bisschen bewege, die sagen dann am Stammtisch: Der Markt ist schwierig, die Kunden sind schwierig, man findet keine gescheiten Leute. Und alle bleiben stehen. Mit dem Stoizismus


hast du aber die Möglichkeit zu sagen: Dein Problem ist nicht der Markt – dein Problem ist, wie du ihn bewertest. Und was du daraus machst. Was kannst du jetzt tun, um es zu ändern? Weil das hast du. Du hast die Macht als Unternehmer. Du musst nicht das Gleiche tun wie alle, sondern du kannst es so machen, wie du es willst. Es ist dein Unternehmen.


Jeder hat irgendwelche Regeln und Rahmenbedingungen. Aber dort fängt ja auch Kreativität an, das auszureizen. Bevor du sagst, man findet keine guten Leute, wirst du halt klarer, wirkst attraktiver, kommunizierst spitzer. Und das ist etwas komplett anderes. Es ist das gleiche Problem.


Aber du gehst es anders an. Statt zu jammern und Verantwortung abzugeben, wirst du aktiv und handelst. Und das wird sich auszahlen.


Das ist der Punkt, den ich sehe.


Paul: Perfekt. Dazu noch ein kurzer Gedanke: Man fühlt sich manchmal sicher, indem man das nachsagt, was die anderen sagen, oder indem man sich so verhält, wie sich alle anderen verhalten. Aber das ist ja gerade die grösste Unsicherheit, die du heutzutage an den Tag legen kannst – zu sagen: Ich mache alles wie die anderen, und trotzdem funktioniert es nicht. Und dadurch verlierst du eigentlich das, was dich persönlich ausmacht oder das, was dich besonders macht, nahbar oder irgendwie


so speziell, dass Menschen dich in Erinnerung behalten und eine Meinung zu dir haben. Wenn du das nicht herausfinden willst, sondern einfach alles nachplapperst oder nachkopierst, dann bist du genauso bedeutungslos wie alle anderen auch. Und die Schuld liegt nie im Aussen. Sie liegt nie bei den Personen, die dich falsch verstehen oder falsch deuten, oder die meinen Text nicht richtig gelesen haben, oder die nicht bis ans Ende der Website gescrollt sind – sondern dann ist es an dir, das zu richten und zu überlegen: Wenn das nicht passiert,


wie kann ich darauf reagieren, damit es sich ändert? Oder ist es mir vielleicht doch nicht wichtig, und ich bleibe lieber im Meckern hängen? Auch eine Variante – aber die anderen tragen daran keine Schuld.


Vinz: Genau. Der dritte Punkt klingt im ersten Moment ähnlich wie der zweite. Aber da geht es nochmals etwas tiefer rein. Es geht um Akzeptanz. Akzeptiere, was ist – aber handle. Es soll nicht heissen, wie vorhin, der Markt ist schwierig oder man findet keine Leute, also kann man halt nichts machen. Sondern du sagst wirklich: Okay, es ist so. Du akzeptierst es – und jetzt handelst du. Du gehst wirklich aktiv in die Problemlösung. Und das konstant.


Das ist auch ein sehr wichtiger Gedanke: Verantwortung. Denn einer Person oder einem Umstand, dem du die Schuld gibst für etwas, dem gibst du automatisch auch die Verantwortung. Und so kannst du nicht mehr aktiv führen. Du gibst eigentlich die Situation ab.


Und das ist auch ein sehr wichtiger Punkt, an dem viele Marken sich ein bisschen verhängen. Das kann auch ein Beispiel sein, bei dem es zum Beispiel extrem gut läuft, aber alle ausbrennen. Dann könnte man einfach sagen: Ja, läuft ja gut. Aber du musst es zuerst mal akzeptieren. Klar, das ist dann schneller gemacht, wenn es gut läuft.


Aber dann musst du trotzdem die Verantwortung übernehmen. Weil du die Verantwortung hast – zum Beispiel auch deinen Mitarbeitern gegenüber. Es läuft gut, aber wenn in einem halben Jahr alle ein halbes Burnout haben und krankgeschrieben sind, ist dein Unternehmen früher oder später auch am Ende. Und das spricht sich dann auch wieder herum, und dann haben noch weniger Leute Lust, bei dir zu arbeiten. Es ist ein Rattenschwanz.


Es geht einfach darum, aktive Führung zu behalten. Akzeptieren, aber sich nicht aus der Bahn werfen lassen, sondern Möglichkeiten bereit haben. Und dort ist Branding auch sehr wichtig. Wie schon tausendmal gesagt: Es geht nicht einfach nur um Logo und Design und irgendwelche Herbstfarben. Es geht darum, Szenarien durchzugehen, damit man auch Möglichkeiten parat hat. Wie: Okay, wenn wir jetzt zu wenige Leute sind –


was kann ich kurz-, mittel- und langfristig dagegen machen? Wenn wir keinen Auftrag haben, was kann ich kurz-, mittel- und langfristig dagegen machen? Das hat mit bewusster Entscheidung zu tun, mit Akzeptanz – und nicht einfach damit, sich treiben zu lassen und zu nehmen, wie es kommt. In guten wie in schlechten Zeiten. Es gibt ja einen Spruch:


Paul: Yes.


Vinz: »Lieber ein Krieger im Garten als ein Gärtner im Krieg.«


Paul: Man, den nehmen wir mit auf unseren Kalender! Ich habe von dir vor allem im Hinterkopf diesen Satz: Steuere die Dinge, die du steuern kannst. Wir können nicht alles steuern. Das hatten wir vor allem im Punkt davor – wir können nicht steuern, wie andere uns verstehen, wahrnehmen oder sehen. Wir können die Dinge steuern, die in unserer Verantwortung liegen. Und Verantwortung finde ich gerade in dem Kontext so einen guten Punkt:


dass man eben wegkommt aus dem Jammern, sondern in erster Linie für sich selbst Verantwortung übernimmt und dann aktiv nach draussen handelt. Gleichzeitig mit dem Bewusstsein, dass man aber nicht alles beeinflussen und steuern kann – und das auch ganz bewusst zu sehen: Wie gross ist denn dieser Verantwortungsbereich oder dieses Handlungsfeld, in dem man sich befindet? Was kann man tun? Wie weit geht das? Und wo hört es ganz bewusst auf? Wo kann man eine Grenze setzen?


Das hatte ich in dem Buch »Radical Transformation« gelesen. Ein spannender Punkt: Eine Unternehmerin beschreibt, wie sie innerlich ausgebrannt ist, weil sie versucht hat, für alle Probleme, die im Team aufkamen, sofort Verantwortung zu übernehmen. Also: Sobald du sagst, du hast gerade ein Problem mit deinem Mailfach, würde ich mich als dein Chef sofort in der Pflicht fühlen, das zu lösen, deine Lösung zu finden und so weiter.


Statt zu sagen: Schau mal, Vinz, du bist alt genug – find selbst eine Lösung, find einen Umgang damit. Und ich vertraue dir. Das gehört nämlich auch mit zur Verantwortung: Ich vertraue dir, dass du eine Lösung findest. Beziehungsweise, wenn du keine Lösung findest in deinem Handlungsfeld, dass du zu mir kommst und um Unterstützung bittest. Das gehört, glaube ich, mit zur Verantwortung – dieses Vertrauen geben, dass andere Menschen auch Verantwortung übernehmen für ihren Bereich. Und ich glaube, da sind wir dann ganz schnell wieder beim Thema Kultur:


Vinz: Ja.


Paul: dass so etwas innerhalb einer Marke, eines Unternehmens, eines Teams wie auch immer gelebt werden muss, damit es überhaupt funktioniert. Weil sonst bist du ganz schnell an einem anderen Punkt, wo einfach immer die anderen Umstände schuld sind, dass irgendetwas nicht funktioniert. Aber das ist eine Verkettung der Umstände – weil das wirklich Teamkultur ist. Sind wir alle so drauf, geben wir alle nur die Hierarchieleiter runter die Verantwortung ab und treten nach unten? Oder machen wir das eben anders, wie du das gerade so schön erklärt hast?


Vinz: Auf jeden Fall! Genau. Es sind drei von unzähligen Regeln, Weisheiten, Sprüchen. Aber schlussendlich ist das der Kern des Ganzen. Das lässt sich auf alles adaptieren. Das finde ich so faszinierend an dieser Lehre. Eine Situation kann so kompliziert sein, wie sie will – schlussendlich lässt sie sich immer auf die gleichen Sachen herunterbrechen.


Das Thema nochmals zusammengefasst: Es sind Sachen wie – kontrolliere das, was du wirklich kontrollieren kannst. Also sprich: deinen Auftritt. Und versuche nicht, die Reaktion nachzujagen, weil die kannst du nicht kontrollieren. Übernimm Verantwortung für deine Bewertung eines Umstands. Und akzeptiere die Realität so, wie sie ist – aber handle trotzdem bewusst. Das sind die drei Kernpunkte, die ich dachte, nehme ich mal mit.


Und damit das vielleicht noch etwas greifbarer wird, habe ich drei Fragen mitgebracht, die sich jeder einmal stellen kann – für sich, für sein Unternehmen. Nummer eins wäre: Frag dich, wo du gerade versuchst, Reaktionen zu kontrollieren, statt einfach klar zu sein und so aufzutreten, wie du es eigentlich wirklich möchtest.


Frage 2 ist: Wo nutzt du aktuell den Markt, den Fachkräftemangel oder die Auftragslage als Ausrede? Und Frage 3 wäre: Wo verweigerst du aktuell die Realität – oder läufst du vielleicht sogar blind hin und her? Dann triff eine Entscheidung und handle bewusst.


Paul: Yes. Und das am besten direkt nochmal durchhören, die ganze Folge bis hierher, damit man das überträgt auf die Handlungsfelder, die man wirklich hat. Ich finde das so – in der Theorie ist alles so schlüssig. Ich habe mir selber schon gedacht: Ich muss das von dir immer wieder hören. Sollte auch selber mal lesen und mich mehr damit auseinandersetzen. Aber ja, das ist wirklich eine Praxis – dieses immer wieder damit auseinandersetzen, sich das in Erinnerung rufen,


besser zu werden. Wir müssen uns nicht immer stetig optimieren, aber wir müssen einfach mit uns selber klarkommen. Und alleine das ist eine Übung, eine Praxis, mit der man umgehen sollte. Und ich hatte noch etwas im Hinterkopf – das kannst du dann halt sogar übertragen auf Dinge wie Ziele. Weil: Welche Ziele kannst du wirklich beeinflussen? Ich hatte das mal in einem Unternehmen, wo ich angestellt war, mitbekommen. Da gab es das Ziel, dass jeder Angestellte einen bestimmten Umsatz erreichen muss mit den


Vinz: Ja.


Paul: Aufgaben, die man hat, mit den Kunden, die man betreut. Und das war für mich eine unglaubliche Drucksituation. Und viel schlauer ist es, statt dass man sich ein Ziel setzt von wegen: »Wir müssen einen Umsatz von – keine Ahnung – einer halben Million erreichen, sonst passiert XYZ« – was davon können wir denn beeinflussen? Ich kann ja nicht beeinflussen, dass 20 Leute bei mir kaufen, damit ich dieses Ziel erreiche, oder 200 Leute, je nachdem. Aber was ich beeinflussen kann: Um an 20 Leute ranzukommen,


2000 Leute anzuschreiben oder 200 Leute auf einen Kaffee einzuladen – um da hinzukommen. Und das ist ein Ziel, das ist machbar, das ist umsetzbar. Aber alles andere – das sind Ziele, die man erstens nicht knallhart ansteuern kann. Das ist noch ein anderer Aspekt, aber die man eben auch nicht beeinflussen und steuern kann. Und das führt am Ende des Tages nur zu Frust. Wenn du


Vinz: Mh.


Paul: merkst: Ich habe das Umsatzziel nicht geknackt. Was viel schlauer wäre: Habe ich denn das machbare Ziel darunter erreicht? Habe ich so viele Leute angeschrieben? War ich jeden Tag auf LinkedIn aktiv? Habe ich den Podcast durchgezogen – oder was auch immer dahinter steht, was machbar ist? Und dann auch zu sagen: Okay, was ist das Ergebnis, das daraus resultiert ist und das ich vielleicht vorher auch gar nicht beeinflussen konnte? Weil es kann durchaus sein, dass ich damit das Dreifache an Umsatz erreiche – mit den Mitteln,


die machbar sind, die umsetzbar sind. Und das ist eben dieser Handlungsradius – was kann ich aktiv steuern – dann zu übertragen in grössere Dimensionen, die manchmal auch nicht greifbar sind. Und da wäre noch ein zweiter Punkt zum Thema Ziele – dem können wir auch mal eine eigene Folge widmen, aber kurz gesagt: Was ist denn so wichtig daran, dass man das Umsatzziel erreichen muss? Was passiert dann, wenn man das erreicht hat?


Vinz: Mhm.


Paul: Wie fühlt sich das an? Oder warum ist das so entscheidend, damit das Team weiter funktionieren kann, das Unternehmen überlebt – oder was kommt dann, wenn man es erreicht hat? Weil ganz oft kommt danach eine nüchterne Erkenntnis: Man hat die Millionen geknackt, und dann fragt man sich: Okay, und jetzt sind 10 Millionen das nächste Ziel – oder wie geht es weiter? Worüber reden wir eigentlich gerade? Aber ich will nicht vom Thema abschweifen.


Vinz: Ja, diesen Punkt habe ich vielleicht sogar ausgelassen. Das ist auch ein grosser Punkt – so ein bisschen Genügsamkeit. Und wirklich Wert darauf legen, was effektiv wichtig ist. Das habe ich gar nicht angesprochen. Aber vielleicht will jemand mal einen Teil 2 dieses Videos. Ich habe noch unzählige schlaue Sprüche in diesem Bereich. Ich bin aber noch kein langer Profi in diesem Thema. Ich setze mich jetzt seit


zwei, drei Jahren intensiv damit auseinander und lerne trotzdem noch jeden Tag. Das finde ich aber auch schön, weil es ja langweilig wäre, wenn ich schon alles wüsste. Dann könnte ich auch nichts mehr mitnehmen. Genau wie ihr hoffentlich auch bei unserem Podcast. Genau. Ja – ich hätte noch meinen literarischen Erguss zum Schluss, wenn ich den noch kundtun soll.


Paul: Immer gerne!


Vinz: Immer! Stoizismus – egal ob für dich selber oder für deine Marke – ist unbequem, oder kann verdammt unbequem sein. Aber er macht dich gleichzeitig handlungsfähig, robust und vor allem unabhängig. Und genau das ist der Punkt, an dem deine Marke – oder du selber – aufhört zu reagieren und stattdessen anfängt, aktiv zu führen


und die Zügel in die Hand zu nehmen. Das wäre so meine wissensgeschwängerte Folge zum guten alten Stoizismus gewesen. Ich hoffe, irgendwer hat da etwas mitnehmen können. Und wie gesagt: Wer Teil 2 will, einfach melden.


Paul: Genau, kommentiert mal, was ihr vom Thema Stoizismus haltet. Manchmal ist da auch die Verpackung ein Problem – wie du am Anfang gesagt hast, dass das Ganze so kühl und unnahbar wirkt, aber im Kern dahinter eigentlich ganz andere Dinge eine Rolle spielen, die es anderswo auch gibt. Der Stoizismus hat das ja nicht für sich gepachtet. Ich glaube, ganz viel aus Leadership-Weisheiten oder Mindset-Geschichten basiert am Ende auch bloss auf stoischen


Grundsätzen und Werten. Von dem her ist es eigentlich cool, das mal zu dechiffrieren und zu schauen, wo das herkommt – was schon die alten Stoiker in der griechischen Antike dazu gehalten und geschrieben haben. Deswegen würde ich mich über einen zweiten Teil freuen. Bin sehr gespannt auf Kommentare und Rückmeldungen. Ansonsten folgt rein, um keine weitere Folge zu verpassen, und dir, Vinz, ganz lieben Dank dafür. Hat Spass gemacht. Endlich ist das Thema mal gekommen.


Vinz: Danke vielmals. Yes! Hey, cool – danke auch von mir fürs Zuhören. Und natürlich für den spannenden Austausch mit dir, wie immer. Von daher würde ich sagen: bis nächstes Mal.


Paul: Bis dahin, macht's gut, ciao!


Vinz: Ciao!


 
 
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