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Nachhaltiges Branding

Paul

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Hi, ich bin Paul und entwickle nachhaltige Marken für Unternehmungen, die wirklich was verändern wollen. Und da Wissen für alle da ist, teile ich es nur zu gerne.

Nostalgisches Branding

Vinz

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Nostalgie mit cleanem Sex-Appeal. Dafür stehe ich mit meiner Arbeit. Fancy Firlefanz brauche ich nicht, dafür steht Substanz und Echtheit bei mir ganz oben.

Schärfen statt skalieren – was hohe Auslastung wirklich bedeutet (und die meisten aufhält)

  • 5. Mai
  • 15 Min. Lesezeit




Schärfen statt skalieren: Was hohe Auslastung wirklich bedeutet


Es gibt einen Moment, in dem viele KMU-Inhaber:innen glauben, das Schwerste sei geschafft: Der Kalender ist voll, Aufträge kommen rein, das Team läuft auf Hochtouren. Was von aussen nach Erfolg aussieht, ist in Wirklichkeit oft der gefährlichste Punkt im Unternehmertum – weil er das kritische Denken betäubt.


Wer gerade mehr Aufträge hat, als er abarbeiten kann, denkt nicht über Marke nach. Wer denkt, wäre falsch. Denn genau jetzt wird entschieden, ob ein Unternehmen wirklich führt – oder einfach mitgeschwemmt wird.



Volle Auftragsbücher sind kein Beweis für eine funktionierende Marke


Die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist nicht: «Wie schaffe ich das alles?» Sondern: «Warum kommen diese Aufträge?»

Wer das nicht beantworten kann – wer also nicht weiss, ob das Volumen auf einer klaren Positionierung basiert oder schlicht auf Zufall, auf einer Marktlage, auf einem Empfehlungsnetzwerk, das irgendwann abreisst –, der hat kein Geschäftsmodell. Der hat Glück.

Glück lässt sich nicht führen. Und wenn man nicht führt, wird man geführt – von den falschen Kunden, den falschen Aufträgen, dem falschen Tempo. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob genug Aufträge da sind. Sondern ob es die richtigen sind.



Drei Schritte, wenn es zu gut läuft


1. Radikal auswählen – nicht mehr alles annehmen


Wer in Aufträgen untergeht, glaubt oft, er müsse noch mehr leisten, noch schneller liefern, noch mehr annehmen. Das Gegenteil ist richtig. Der Job in diesem Moment ist nicht, mehr zu tun – sondern besser zu filtern.


Das bedeutet: Kunden, mit denen man von Anfang an keinen Bock hat, ablehnen. Projekte, die Energie kosten ohne Gegenwert, abgeben. Alles, was nicht zur eigenen Positionierung passt, loslassen.


Das klingt hart. Und es ist auch so gemeint – aber nicht im Sinne von Kälte, sondern von Klarheit. Ein Nein muss nicht unfreundlich sein. Es kann serviceorientiert formuliert sein: «Das ist nicht unser Feld, aber ich kenne jemanden, der genau das kann.» Ein gutes Netzwerk an Kolleg:innen, an die man weiterverweisen kann, macht aus einer Ablehnung einen Mehrwert – für den Kunden und für die eigene Reputation.


Was dabei oft vergessen geht: Das Nein ist auch Selbstschutz. Es schützt das Team, die eigene Energie, den Massstab, den man sich aufgebaut hat. Und es hält die Selbstbestimmung aufrecht, bevor sie einem aus den Händen gleitet.


Eine Marke zeigt sich nicht nur durch das, was sie annimmt. Sondern genauso durch das, was sie ablehnt.


2. Schärfen statt skalieren


Der grösste Fehler, den man machen kann, wenn das Geschäft läuft: denken, man solle jetzt noch mehr davon machen.

«Skalieren» klingt nach Wachstum. In der Praxis bedeutet es oft: mehr von einem System, das noch nicht wirklich funktioniert. Mehr Volumen bei gleichbleibender Unschärfe. Mehr Kunden, die eigentlich nicht passen. Mehr Druck auf ein Team, das schon am Anschlag ist.

Was stattdessen nötig ist: weniger Angebote, dafür klarere. Einen schärfer definierten Leistungsbereich. Und – das klingt kontraintuitiv, ist aber eine verlässliche Faustregel – höhere Preise.


Weniger Volumen bei gleichem oder höherem Umsatz. Das ist kein Luxus für grosse Firmen. Das ist der vernünftige nächste Schritt für jedes KMU, das merkt, dass es in Arbeit untergeht.


Dazu kommt: Gerade wenn viel läuft, sieht man am klarsten, welche Leistungen wirklich funktionieren, welche Kunden man am liebsten hat, welche Aufträge Spass machen und ein gutes Portfolio aufbauen. Das ist der Moment, in dem man sagt: Hier bin ich gut. Hier fokussiere ich. Alles andere gebe ich ab.



3. Marke bauen, bevor du sie brauchst


Das ist der Schritt, den die meisten zu spät machen – oder gar nicht. Wenn alles läuft, ist das der einzige Zeitpunkt, zu dem man wirklich die Freiheit hat, bewusst zu investieren. Nicht aus der Not heraus, nicht mit dem Rücken zur Wand, nicht weil die Aufträge bereits einbrechen. Sondern weil man gerade die Wahl hat.


Diese Wahl zu nutzen bedeutet: Positionierung überarbeiten. Kommunikation schärfen. Auftritt professionalisieren. Nicht weil es brennt – sondern weil es danach viel schwieriger wird.


Was das bringt, ist keine abstrakte Markenwirkung. Es ist Konkretes: Man zieht automatisch Kunden an, die die eigene Qualität schätzen – und hat weniger Preisdiskussionen. Man wird in der Branche als Kompetenz wahrgenommen, nicht nur als Kapazität.


Und ein Punkt, der dabei oft unterschätzt wird: Mitarbeiterbindung. Alle reden von Mitarbeitergewinnung. Kaum jemand redet von Mitarbeiterhaltung. Dabei ist das der härtere Teil. Gute Leute bleiben nicht wegen des Gehalts allein. Sie bleiben, weil sie stolz darauf sind, wo sie arbeiten. Weil sie das Unternehmen nach aussen vertreten können, ohne sich erklären zu müssen. Das ist kein HR-Thema. Das ist ein Markenthema.



Überfluss ist Verantwortung


Es gibt einen Kalenderspruch aus dieser Folge, der mehr trifft als die meisten Strategie-Frameworks:

«Überfluss ist kein Erfolg. Überfluss ist Verantwortung.»

Wer gerade in Aufträgen versinkt, hat die Verantwortung, nicht einfach weiterzuschwimmen. Sondern zu entscheiden. Wen nehme ich an? Was biete ich an? Wo investiere ich, bevor es zu spät ist?


Marke ist nicht das, was man macht, wenn es nicht läuft. Marke ist das, was entscheidet, wie es in zwei Jahren läuft. Und der beste Moment, das anzugehen, ist nicht morgen – sondern genau jetzt, solange man noch die Wahl hat.




Takeaways für stoische Marken


  • Volle Auftragsbücher sind kein Beweis für eine funktionierende Marke – nur für aktuelle Nachfrage.

  • Wer nicht weiss, warum die Aufträge kommen, kann nicht steuern, ob sie bleiben.

  • Auswählen ist keine Arroganz. Es ist Führung.

  • Schärfen schlägt skalieren: Weniger Angebot, klarere Leistung, höhere Preise.

  • Marke baut man, wenn man die Freiheit dazu hat – nicht wenn man sie dringend bräuchte.

  • Mitarbeiterbindung ist ein Markenthema. Wer das ignoriert, verliert die Falschen zuerst.



Jetzt reinhören


Vinz und Paul sprechen in dieser Folge offen darüber, was hinter vollen Auftragsbüchern wirklich steckt – und warum genau jetzt der richtige Moment für Markenarbeit ist. Konkrete Schritte, klare Haltung, keine Beschönigung. Eine Folge für alle, die gerade im Strudel sind und nicht wissen, ob das gut oder gefährlich ist.













Bildtext: Hast du zu viele Aufträge?


Das Transkript zu E105

Vinz: Hast du zu viele Aufträge? Weil dann hast du ein fucking Markenproblem. Recht provokant, ich weiss, aber wenn du zu viele Aufträge hast, dann ist das eher der Moment, in dem du entscheidest, ob du deine Marke – oder dich – mit der Zeit kaputtracken wirst.


Es geht um eine gewisse Falle. Punkt Nummer eins: Man hört dann, wir haben mega viele Aufträge, sie sind voll ausgelastet, der Kalender ist voll, Auftrag ohne Ende. Aber es ist ein so schleichender Prozess. Du merkst richtig, die Leute sind erschöpft. Und genau dort beginnt das Problem.


Die Frage ist nicht, ob man genug Aufträge hat. Die Frage ist, ob es die richtigen sind. Und über dieses Thema will ich heute konkret reden – unter anderem, damit ich das all den Leuten schicken kann, die mir immer sagen, sie haben genug Aufträge. Weil ich es schon als Thema finde, über das eigentlich niemand spricht. Ich bin jetzt mega gespannt, dass ich das Wort an Paul übergebe. Was denkst du?


Paul: Sehr gut.


Vinz: Was könnten so Probleme sein, wenn man zu viele Aufträge hat und nichts dagegen macht – in Markenarbeit et cetera?


Paul: Ich finde das eine super spannende Folge, und du hast recht, sehr provokant. Weil man im ersten Augenblick sofort denkt: Das ist doch positiv. Viele Aufträge ist doch positiv. Auch ein gut laufendes Business ist doch positiv. Auch wenn du drei null mehr hinten dran hast, ist doch sehr positiv, wenn das so läuft. Aber was wirklich dahinter steckt, ist ja die Grundfrage: Läuft es ohne dich? Läuft es einfach frei, oder hast du – keine Ahnung – das Steuer noch in der Hand? Also: Führst du dein Unternehmen noch, oder wird es einfach geführt, läuft es so vor sich hin, und gerade ist sehr viel los?


Es ist ein bisschen die Frage in die Perspektive, in die Zukunft: Kann das so überhaupt gesund weiterfunktionieren? Also: Ist »viele Aufträge« nicht zu viel an einer Stelle? Kannst du sicher sein, dass es gesteuert viele Aufträge sind, oder basiert es auf irgendeinem Zufall gerade, auf irgendeinem Markt-Machtverhältnis – was auch immer – dass es gerade viel ist? Und ist es in zwei Wochen immer noch viel? Und worauf baut das Ganze auf? Also: Weisst du, warum viele Aufträge kommen, und fühlen sich die Aufträge auch nach den richtigen an? Das sind alles so Grundfragen, die man sich stellen sollte.


Wenn das natürlich alles mit Ja beantwortet wird und du weisst da voll Bescheid, dann kannst du wirklich stolz sein. Dann kannst du auch das Volumen bewusst aufdrehen oder abdrehen. Dann hast du nämlich die Zügel in der Hand. Und wenn nicht, ist es glaube ich höchste Eisenbahn zu hinterfragen: Willst du das so in der Form weiterfahren? Tut dir das überhaupt auch gut? Weil ich glaube, diese emotionalen Fragen – die stellt man immer nicht in den Business-Kontext, weil es hat ja nichts mit Business zu tun. Finde ich aber ganz relevant, weil dieses Grundgefühl, also dieses Bauchgefühl – wenn das nicht mitspielt, dann machst du da in kurzer Zeit sehr viel kaputt, reitest da einfach weiter, ohne dass du überhaupt weisst, warum und wieso und weshalb und wohin.


Vinz: Es sind Themen, worüber man vielleicht nicht gerne redet, wie du es gesagt hast. Man ist ja eigentlich happy, es läuft, man ist ständig im Flow. Aber oftmals knallt es dann, und man ist völlig ausgebrannt. Oder im schlimmsten Fall sind die Mitarbeiter alle am Arsch und kündigen am Laufmeter. Oftmals steht man dann allein auf einem sinkenden Schiff – oder eben auf dem explodierenden Schiff von lauter Anfragen et cetera.


Ich finde, das ist eigentlich noch etwas, das ich noch nie richtig gehört habe – dass da jemand einfach mal darüber redet. Ich finde das sehr wichtig. Es geht sehr viel nach Branchen, in denen man sich immer bewegt. Und darum hoffe ich, dass diese Folge denen was bringt, und dass sie sich das zu Herzen nehmen.


Ich finde: Eine starke Marke entsteht nicht im Mangel, sondern eher im Überfluss. Dort kannst du wählen. Dann zeigt sich erst, ob du wirklich klar bist. Darum habe ich heute drei Punkte mitgebracht. Das System, wenn es zu gut läuft. Was kannst du dort machen? Wo sind Gefahren versteckt? Und was hast du für Handlungsmöglichkeiten, früh aktiv zu reagieren?


Paul: Eine Sache möchte ich trotzdem noch kurz loswerden, bevor du anfängst – die mir gerade durch den Kopf geht. Weil ganz oft dieses »bei uns läuft es« positiv als Erfolg gedeutet wird, oder auch: »Du hast so viel zu tun, dass du kaum hinterherkommst.« Aber die Grundfrage ist ja: Wie definierst du überhaupt Erfolg? Also: Ist das für alle im Team der gleiche Erfolg, den man hat? Oder ist es nicht viel mehr Erfolg, statt 100 mittelmässiger Anfragen 10 hochqualitative Anfragen zu haben? Ist das nicht viel mehr Erfolg, dann richtig gute Aufträge abzuliefern, statt schnell viele Aufträge abliefern zu müssen – und so weiter und so fort? Und da ins ehrliche Gespräch zu gehen, ist glaube ich Schritt null – oder vielleicht sogar einer deiner Schritte, die du mitgebracht hast. Aber ganz oft hängt es an irgendwelchen Begriffen, und da steckt überhaupt nichts dahinter, weil Erfolg wirklich etwas Subjektives ist – für jeden und jede von uns.


Vinz: Ja, guter Input. Das auf jeden Fall. Zuerst einfach mal die Grundsachen überhaupt klären: Was heisst es für wen? Dementsprechend dreht sich vielleicht das ganze Spiel auch, wo ich jetzt aufrollen werde. Genau. Punkt eins: Was du machen kannst, wenn es eben zu gut läuft – wenn es schon langsam in so einen Strudel hineingeht, dass es in ein Ausbrennen hineingeht – ist: Radikal auswählen und nicht mehr einfach alles annehmen. Also wenn du untergehst in Aufträge und Anfragen, dann ist es dein Job nicht, noch mehr Aufträge anzunehmen und zu allem Ja zu sagen. Sondern dein Job ist es dann, die falschen rauszufiltern. Sprich: Kunden, auf die man von Anfang an keinen Bock hat – raus. Energiezehrende Projekte, die einen einfach abfackeln – weg damit! Und alles, was nicht zu dir passt und für was du nicht stehen willst – weg.


Das klingt hart. Dort haben die meisten schon Mühe, weil man Angst hat, Leute vor den Kopf zu stossen et cetera. Aber es ist notwendig. Das kann kurz-, mittel- oder langfristig so sein, dass es funktioniert. Das hat auch viel mit Positionierung zu tun und viel mit Mut, einfach mal die Kante zu zeigen und sich auch ein bisschen anders aufzustellen.


Eine Marke definiert sich eher durch das, was sie ablehnt, als durch das, was sie annimmt.


Paul: Zusätzlich finde ich noch ganz wichtig, dass es eine Art Selbstschutz ist. Also: Du musst nicht allen gefallen. Du musst nicht zu allem Ja sagen aus Prinzip nur, damit es bei dir »in Anführungszeichen« erfolgreich läuft. Am Ende ist ein Nein wichtiger – weil es deine eigenen Grenzen schützt, weil es die Grenzen deiner Mitarbeitenden schützt, weil du in der Selbstbestimmung bleibst, anstatt dass über dich bestimmt wird mit all den Dingen, die auf dich einprasseln. Und das finde ich noch einen ganz wichtigen, rein psychologischen Aspekt: dass man klare Grenzen setzt. Und gerade diese Nein-Sager – kennen wir alle, egal ob im Privaten oder im Beruflichen – sind manchmal viel entscheidender als zu einem Ja zu sagen. Das noch als Gedanke.


Vinz: Genau. Und je nachdem, welches Umfeld man hat – wenn man einfach mal klar Nein sagt, dann sind manche Leute auch wie … die fühlen sich angegriffen. Das habe ich schon das Gefühl, dass das heutzutage auch ein bisschen so ist, je nachdem wie und was. Aber ein Nein muss ja auch nicht immer radikal und unfreundlich sein. Man kann es ja auch ein bisschen höflich umformulieren. Aber halt einfach ehrlich sein.


Paul: Absolut. Aber ganz konkret, damit wir hier ein bisschen Service-Dienstleistung machen können – das ist nämlich genau der springende Punkt: Du kannst deinen Auftrag liebevoll ablehnen. Wenn du merkst, dass solche Aufträge öfter kommen, die aber nicht zu dir passen, dann besorgst du dir einfach ein gutes Umfeld – in dem Sinne, dass du auf andere Kolleginnen und Kollegen verweisen kannst. Zu sagen: »Wir machen das nicht, aber ich habe hier ein Netzwerk. Da kann ich dich weiterempfehlen, da kriegst du sogar noch einen Vermittlungsrabatt oder was auch immer.« Ich stelle direkt den Kontakt her, und einen Tag später hast du die Verbindung aufgebaut. Und das ist dann wiederum ein serviceorientiertes Nein – oder ein anderes Ja dazu: »Nein, das können wir hier nicht machen, aber ja, wir können das mit dir gemeinsam realisieren oder dir weiterhelfen in der Hinsicht.« Darum geht es ja. Es soll nicht dieses unfreundliche »Nö, geben wir keine Auskunft, haben wir keinen Bock drauf, geh weiter« sein. Das sollen wir nicht sein.


Vinz: Das hast du gesagt. Aber ja, richtig guter Punkt auf jeden Fall. Unterschreibe ich.


Paul: Naja, ich darf das.


Vinz: Punkt zwei, den ich mitgenommen habe, ist: Schärfen statt ums Verrecken skalieren. Der grösste Fehler, den man machen kann, ist zu denken: »Das läuft voll gut, lass uns noch mehr machen.« Nein.


Du brauchst in dem Moment folgendes: Weniger konkrete Angebote. Klarere Leistungen. Und was viel unterschätzt wird und auch anstrengend und schwierig klingt: Höhere Preise. Da haben wir schon mal eine einzelne Folge darüber gemacht. Das ist eine Faustregel, die du eigentlich immer anwenden kannst, wenn du in Arbeit untergehst: Die Preise erhöhen. Das heisst weniger Volumen bei gleichem Umsatz.


Paul: Plus – anderer Punkt, der zusätzlich hilft – ist Systeme aufbauen. Also gerade wenn du sehr hohes, unterschiedliches Volumen hast, dann zu überlegen: Wo sind Schnittstellen? Was ist immer gleich? Wo kann ich Entlastung alleine durch ein gesundes System, durch einen gesunden Ablauf, durch bestimmte Vorlagen schaffen, um mir die Arbeit einfach zu erleichtern? Und trotzdem – wir sind ein Branding- und Markenpodcast – finde ich immer noch wichtig zu erwähnen, dass dadurch der Service oder die Aussenwirkung oder die Wahrnehmung nicht darunter leidet. Also: Es geht ja nicht darum, dass es nach aussen hin schlechter wird. Gerade durch dieses reduzierte, fokussierte Angebot mit einem höheren Preis hast du eigentlich ein viel stärkeres Auftreten da draussen – als wenn du dieser Gemischtwarenladen bist, der alles anbietet und irgendwie immer helfen kann und zu allem Ja sagt. Da kannst du dann wirklich deinen Fokus schärfen.


Vinz: In der Regel bist du an diesem Punkt auch schon so weit, dass du genug Erfahrung hast. Du weisst, wer dein Lieblingskunde ist. Mit was für Kunden schaffst du am liebsten zusammen? Welche Aufträge sind das in der Regel? Ist es ein Bereich oder eine Dienstleistung, die dir extrem Spass macht, wo die Kunden aber auch den Mehrwert dahinter sehen, wo du auch schon ein gutes Portfolio hast? Das ist der beste Moment, um einfach mal zu sagen: Jetzt fokussiere ich mich, jetzt werde ich spitzer im Angebot – oder auch zugeschnitten auf die Zielgruppe.


Und dann ist es eben auch der perfekte Zeitpunkt für Punkt drei: Die Marke bauen, bevor du sie brauchst. Also wenn es läuft, hast du zwei Optionen. Entweder reagierst du einfach weiter – die Folge ist, du brennst aus. Oder du investierst jetzt bewusst und baust aus. Dort kommt das ins Spiel, was du schon gesagt hast, nämlich: Branding aktiv machen. Wenn du an diesem Punkt bist, positioniere dich besser, deine Zielgruppe klarer, überarbeite deine Kommunikation und auch deine Wirkung nach aussen, deinen Auftritt. Denn was das bringt: Du ziehst dann automatisch wirklich den Kern an Kunden an, den du willst – der deine Qualität schätzt – und du hast nicht immer die doofen Preisdiskussionen et cetera.


Was auch wichtig ist, wenn du an so einem Punkt bist: Das Thema Mitarbeitergewinnung ist immer im Raum. Und wenn du dann endlich mal investierst, wirst du genau auch die Fachkräfte anziehen, die Bock haben, in deinem Unternehmen zu arbeiten und sich damit identifizieren können. Und die bleiben dann auch. Denn alle reden immer von Mitarbeitergewinnung. Aber von Mitarbeiterhaltung spricht kaum jemand da draussen. Und das ist wichtiger als Gewinnung. Und dort ist Marke ein wesentlicher Teil.


Also: Wenn du keine Ahnung, zum Beispiel einen Handwerksbetrieb oder eine Garage – was auch immer – hast, und du einfach einen richtig bescheidenen Aussenauftritt hast und irgendwelche komischen Arbeits-T-Shirts mit einem pinken Flamingo drauf oder so einer Sache – da hat doch niemand Bock, breitbeinig dazustehen und zu sagen: »Ich arbeite bei der XY.« Denn alle sagen: »Das sind die mit den merkwürdigen T-Shirts.« Das klingt so blöd und random. Aber das ist doch ein wesentlicher Punkt: Die Leute wollen sich als Teil von etwas fühlen. Und die wollen ja selbstbewusst dahinterstehen können.


Also: Mach halt auch etwas dafür. Genau so baust du dir nämlich langfristig – es ist so ein beschissenes Wort, aber – einen Expertenstatus auf. Du festigst eigentlich deine Rolle oder auch dein Prestige in der Branche, im Markt. Ich verstehe nicht, warum das viele nicht bewusst machen. Bitte, bitte, bitte macht das. Nicht weil wir eure Aufträge wollen – die meisten warten dann, bis es zu spät ist. Und dann ist einfach alles am Arsch.


Paul: Ich auch nicht.


Zwei Gedanken noch ganz schnell dazu. Einerseits: Mit gutem Branding kannst du selbst den Flamingo zum Statement machen. Es hängt immer ganz viel an der Geschichte drum herum. Und wenn die Geschichte dann so ist – »das sind die mit dem pinken Flamingo« – und das ist positiv in den Köpfen der Leute, dann hebst du dich positiv von allen anderen Garagen ab. Dann arbeiten Leute auch gerne bei dir und tragen das mit Selbstbewusstsein und mit Stolz. Ich glaube, das kann in beide Richtungen umschwappen.


Das, wie du deine Marke führst – und ich finde, der Punkt Führung passt perfekt zu deinem dritten Punkt – ist zu sagen: Wie aktiv gibst du den Ton vor? Denn man darf nicht verwechseln, dass Service daraus besteht, Leuten alles recht zu machen oder zu allem Ja und Amen zu sagen. Sondern Führung besteht – oder ein gutes Kauferlebnis besteht auch darin – dass man durch einen Prozess geführt wird. Ich meine, wir haben gerade wieder mit Handwerkern zu tun. Wir wollen gerade wieder was mit denen gemeinsam realisieren und umbauen hier im Haus. Und ich bin darauf angewiesen, dass die mich durch den Prozess führen. Ich habe keinen Bock darauf, mich abends hinzusetzen und stundenlang zu recherchieren, wie sowas funktioniert. Ein guter Service besteht eigentlich darin, dass sie mir sagen, welche Schritte als nächstes folgen – und dass ich nicht jedes Mal nachfragen muss, was jetzt passiert. Auch das ist Markenführung. Auch das ist Führung durch ein bewusst gesetztes Angebot.


Und das ist eben nicht der Punkt: »Wir wachsen, wir skalieren, wir machen einfach mehr von einem nicht vorhandenen System.« Eigentlich nur die einfachsten Systeme, die einfachsten Produkte – die kann man skalieren, weil die dann gefestigt und gesichert sind, weil die auch verstanden werden. Und diese Einfachheit, diese Klarheit – die musst du wiederherstellen, damit eben alle – wir haben ja auch eigene Folgen dazu gemacht, warum Einfachheit und Klarheit so wichtig ist – sie halt alle verstehen und leben und anwenden können. Da schwingen so viele Punkte mit. Das ist jetzt fast schon wieder zu viel, was ich hier mit reinhauer. Aber der Punkt Markenführung – ich glaube, der hat auch noch mal eine eigene Folge verdient. Ganz, ganz wichtiger Faktor.


Vinz: Kurz und bündig vielleicht nochmals zusammengefasst. Drei Punkte: Wenn du gerade am Schwimmen bist oder kurz davor – erstens: Wähle aus, statt alles zu nehmen. Zweitens: Schärfe, statt mehr zu machen. Und drittens: Baue deine Marke, solange du noch kannst. Weil das ist wirklich wachsen – mit Verstand, mit Strategie, mit Marge.


Willst du noch was sagen? Oder … ich habe noch meinen … meinen … Schlusssatz … Den retten wir durch heute.


Paul: Jetzt bin ich gut.


Ja, nee, ist alles gut. Wir können ja auch mal ein paar kürzere Folgen machen. Mich würde zwischendurch voll interessieren, ob das die Leute bis hierher abgeholt hat. Also: Wenn ihr anderer Meinung seid, dann kommentiert es gerne oder schreibt uns eine Nachricht. Das würde super helfen. Ist auch wirklich interessant, weil ich meine, ich habe die Erfahrung auch gemacht, dass das oft als Antwort kommt, wenn man vorschlägt: »Schaut mal hier, ihr habt einen komischen Auftritt. Wollen wir da was raus holen? Wollen wir da was draus machen?« Und dann ist die Antwort – wie du am Anfang meintest – immer sehr schnell: »Bei uns läuft es aktuell. Wir sind voll am Strudeln. Das ist mehr als genug. Das brauchen wir gerade nicht.« Aber ich glaube, genau das ist – wie du gemeint hast oder wie wir jetzt gemeinsam festgehalten haben – genau der Punkt, wo man aktiv handeln sollte. Deswegen: Andere Meinungen sind da immer willkommen, oder Erkenntnisse, die ihr habt – kommentiert es gerne, folgt rein für mehr. Auf jeden Fall interessiert uns da der Austausch mit euch.


Vinz: Vielen Dank.


Paul: Aber jetzt: Kalenderspruch. Ich bin gespannt.


Vinz: Genau. Kalenderspruch. Ja Gott … »Überfluss ist kein Erfolg. Überfluss ist Verantwortung.« Du bist ja fast schon Spider-Man-Niveau. Genau dort entscheidet sich, ob du an der Marke arbeitest oder einfach nur beschäftigt bist.


Paul: Tief, sehr gut. Wenn das Peter Parker hören würde, er würde handeln, glaube ich. Und ich glaube, das ist ein gutes Schlusswort. Wir enden ja immer damit zu sagen: Macht halt Marke, also macht was draus. Und ich glaube, dieses aktiv handeln – und sich nicht einfach gleiten lassen oder da hinfliesssen, weil es gerade läuft, oder blind mitschwimmen – das ist ganz wichtig. Sondern Marke bedeutet eben auch, das aktiv zu führen und da immer den Überblick und das Steuer in der Hand zu behalten. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.


Vinz: Ich hoffe, das hat jemandem genützt. Vielen Dank fürs Zuhören. Danke dir, Paul, für die guten Inputs. Es ist immer sehr gut, dass wir uns da so ergänzend austauschen. Das bringt jeden dazu, seinen Senf dazu zu geben. Plötzlich öffnen sich da ganz andere Felder. Und wenn jemand Bock hat …


Paul: Naja, ich sollte mal mitschreiben, wenn ich immer sage: »Da sollten wir noch eine Folge dazu machen.« Ich glaube, wenn ihr – also ganz ehrlich – schreibt uns halt eine Nachricht, wenn ihr einen Folgenwunsch habt. Das hat schon mal gut funktioniert. Wir gehen da super gerne drauf ein. Und ich sage sowas so oft, und dann sind die Themen wenig später wieder weg aus dem Kopf. Aber hey – ich meine, wir haben noch ein paar Folgen vor uns. Es gibt genügend Markenthemen zu bearbeiten. Ich finde, das war heute wieder mal ein sehr interessantes Thema. Ich bin gespannt, was du nächstes Mal mitbringst. Bis dahin erst mal viel Spass beim Markemachen, und danke dir.


Vinz: Danke auch, bis nächstes Mal, ciao zusammen.


Paul: Bis dahin, ciao!


 
 
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