Du postest, niemand antwortet? (Warum Community für KMU existenziell ist)
- 15. Mai
- 14 Min. Lesezeit
Du postest, niemand antwortet? Warum Community für KMU existenziell ist
Viele KMU sind auf Social Media aktiv. Sie posten regelmässig, zeigen sich, teilen Einblicke. Und trotzdem passiert – wenig. Keine echten Gespräche, keine Bindung, kein Gefühl von Austausch. Nur Reichweite, die irgendwo verpufft. Das ist kein Content-Problem. Das ist ein Beziehungsproblem.
Der Unterschied zwischen Reichweite und Community ist grösser, als er auf den ersten Blick wirkt. Reichweite bedeutet, dass Menschen dein Posting sehen. Community bedeutet, dass sie bleiben, antworten, zurückkommen – und irgendwann, wenn sie ein Problem haben, das du lösen kannst, direkt zu dir kommen. Nicht weil sie deine Werbung gesehen haben. Sondern weil sie dir vertrauen.
Senden ist keine Verbindung
Das Grundproblem der meisten KMU auf Social Media lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Sie senden, statt zu verbinden. Posting um des Postings willen. Themen, die sicher sind. Inhalte, die niemanden stören. Und genau deshalb auch niemanden interessieren. Community entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Beziehung. Und Beziehung ist immer Arbeit – egal in welcher Form.
»Community entsteht nicht durch reinen Content, sondern durch Beziehungsaufbau. Beziehung ist immer Arbeit, egal welche Art.« – Vinz
Wer das versteht, stellt sich zwangsläufig andere Fragen. Nicht: Was soll ich heute posten? Sondern: Was will ich eigentlich auslösen?
Was Content wirklich leisten muss
Punkt eins ist der, der am häufigsten falsch gemacht wird – und gleichzeitig der, von dem alles andere abhängt: Der Inhalt selbst. Content ist nicht das Ziel. Er ist der Einstieg. Er ist der Türöffner für ein Gespräch, das danach stattfinden kann. Und dafür muss er etwas leisten, das die meisten aalglatte Beiträge nicht leisten: er muss hängenbleiben. Er muss es wert sein, gehört zu werden. Vielleicht sogar weitererzählt.
Was das konkret bedeutet: echte Einblicke statt Hochglanzdarstellung. Klare Meinungen statt vorsichtiger Neutralität. Ehrliche Gedanken, auch wenn sie unbequem sind. Nicht: »Wir sind stolz auf unser Team.« Sondern: warum ihr lieber einen Auftrag ablehnt, als ihn halbherzig auszuführen.
»Die Welt zeigen, wie man sie durch seine eigenen Augen sieht – das ist der Hauptsatz, den ich mitgenommen habe.« – Vinz
Wissen allein hat im Jahr 2025 keinen Wert mehr. Das findet man mit drei Klicks schneller als die Person, die es teilt. Was Wert hat, ist die Perspektive dahinter. Die Art, wie jemand über ein Thema denkt. Der persönliche Hintergrund, der das Fachliche erst lebendig macht.
Und noch etwas: Wer sich traut, eine echte Meinung zu zeigen, lädt andere ein, ihre Perspektive zu zeigen. Aalglatter Content bleibt allein. Persönlicher Gedanke zieht Gespräch nach sich.
Antworten ist nicht optional
Punkt zwei klingt simpel. Ist er aber nicht – zumindest nicht in der Konsequenz, die er verlangt.
Wer postet und dann verschwindet, baut keine Community. Er sammelt Follower. Das ist etwas anderes.
Community entsteht in den Kommentaren, in den Nachrichten, im Austausch. Genau dort, wo die meisten aufgehört haben hinzuschauen. Und wenn jemand etwas schreibt, nachfragt, sich die Zeit nimmt – und keine Antwort bekommt oder nur eine halbherzige –, dann schreibt er nicht nochmals.
»So stirbt einfach jede Community sofort. Was wirklich funktioniert, ist das komplette Gegenteil: ehrlich antworten, nachfragen, Gespräche führen. Und wenn man keine Zeit hat – dann einfach das Lebenszeichen zeigen.« – Vinz
Das Gegenteil ist genauso einfach: ehrlich antworten. Nachfragen. Gespräch aufnehmen. Und wenn die Zeit fehlt – wenigstens ein Lebenszeichen geben. »Geile Frage, gerade voll im Stress, ich melde mich.« Das reicht. Es zeigt: du bist da. Du siehst die Person.
Und das ist der Kern der ganzen Sache. Menschen wollen gesehen werden. Wer ihnen dieses Gefühl gibt, baut Vertrauen auf – ohne dass dafür auch nur ein einziges Geschäft gemacht werden muss.
Menschen ernst nehmen – nicht nur bespielen
Punkt drei ist der, der am meisten unterschätzt wird. Die grössten Fehler, die KMU in ihrer Community-Kommunikation machen: Sie reden nur über sich. Über Angebote, Leistungen, Preise. Über Fakten, die niemanden interessieren. Und sie behandeln ihre Follower als potenzielle Kunden – nicht als Menschen mit eigenen Perspektiven, Problemen und Meinungen.
Was stattdessen funktioniert: Fragen stellen, die ehrlich gemeint sind. Diskussionen anregen, bei denen man selbst nicht die Antwort liefert. Raum schaffen für Gleichgesinnte.
»Wirklich Fragen stellen, Diskussionen anregen, einen Raum schaffen für gleichgesinnte, interessierte Leute – wo sich dann eine Bubble bildet. Dann fährt man auch das Magische, das Sarah beschrieben hat.« – Vinz
Wenn das funktioniert, entsteht etwas, das sich jede Marke wünscht: eine Community, die sich selbst trägt. Die Gespräche am Laufen hält. Die neue Mitglieder anzieht. Und bei der man selbst nicht mehr bei jedem Post anwesend sein muss.
Auch unter fremdem Content sichtbar werden
Ein Gedanke, der häufig übersehen wird: Community Building endet nicht beim eigenen Kanal.
Wer bei anderen Beiträgen kommentiert – sinnvoll, hilfreich, mit Persönlichkeit –, wird dort sichtbar, wo die eigene Zielgruppe bereits aktiv ist. Als Handwerksbetrieb bei YouTube-Creatoren, die Häuser renovieren. Als Beraterin bei LinkedIn-Posts, die das eigene Fachthema streifen. Als Marke mit Haltung unter Beiträgen, die eine Reaktion verdienen.
»Es ist nicht nur der eigene Content, der relevant ist, sondern auch deine Gedanken unter dem Content von anderen.« – Paul
Das ist Community Management. Auch wenn es nicht so heisst.
Wo KI aufhört
Ein letztes Wort zu KI – weil die Frage kommt. KI kann beim Schreiben helfen. Sie kann Entwürfe liefern, Ideen strukturieren, Texte glätten. Das ist sinnvoll. Aber im Community-Aufbau selbst hat sie eine klare Grenze.
»Ein Gefühl für die Menschen zu bekommen, mit denen man schreibt oder bei denen man kommentiert – das kriegt man nur selber hin. Die KI dichtet im Zweifelsfall noch etwas hinzu, was gar nicht stattgefunden hat.« – Paul
Den Gesprächsverlauf lesen. Zwischen den Zeilen hören. Echtes Interesse zeigen. Das ist nicht automatisierbar. Genau dort, wo KI aufhört, fängt das an, was Vertrauen schafft.
Takeaways
Content ist der Einstieg, nicht das Ziel. Er muss hängenbleiben und Gespräch ermöglichen – nicht nur informieren.
Antworten ist die Arbeit. Wer postet und verschwindet, baut keine Community.
Menschen wollen gesehen werden. Wer ihnen dieses Gefühl gibt, baut Vertrauen auf – lange bevor ein Geschäft entsteht.
Community entsteht auch unter fremdem Content. Der eigene Kanal ist nicht die einzige Arena.
KI hilft beim Erstellen, nicht beim Verbinden. Das Persönliche lässt sich nicht delegieren.
Jetzt reinhören
Diese Folge ist kurz und dicht. Vinz und Paul destillieren darin die wichtigsten Learnings aus dem Gespräch mit Community-Expertin Sarah – und bringen sie auf den Boden, den KMU im Alltag wirklich betreten können. Wer das Interview noch nicht gehört hat: auch das lohnt sich. Und wer danach immer noch nichts kommentiert – nun, zumindest weisst du jetzt warum.
Das Transkript zu E108
Vinz: Wir hatten in der letzten Folge das Interview mit Sarah, und wir haben dort ein bisschen über das ganze Thema Community Management gesprochen. Es war sehr interessant – darum war ich auch so ruhig, weil ich alles einfach aufgesogen habe. Aber ich hab mir am Schluss gedacht: Poah. Mir haben sich hier neue Weiten eröffnet. Und vielleicht ist es euch da draussen genauso gegangen – und ihr dachtet, was fange ich jetzt mit dem Thema an?
Darum haben wir gedacht, wir versuchen das ganze Thema und unsere Learnings nochmals so herunterzubrechen, dass es wirklich auch für die Kleinsten da draussen greifbarer wirkt, umsetzbarer wirkt – und dass man die ganzen PS auch auf den Boden kriegt, die wir von Sarah hören und erfahren durften.
In der heutigen Folge soll es also eben darum gehen: Community-Aufbau – die drei Sachen, die wirklich zählen. Die aber wirklich auch jeder, der Letzte, mit Community Building etwas anfangen und sich eine aufbauen kann. Yes. Paul, willst du da noch etwas anhängen? Was war dein Resümee nach dem Interview?
Paul: Ich finde es super, dass du das Thema mitbringst, und ich habe auch sehr gestaunt, was das für eine Tiefe hat. Sarah hat so viele Aspekte mit reingebracht, die eine Rolle spielen, auf die man achten sollte. Im Anschluss hatten wir kurz darüber geredet und kamen beide zu dem Fazit, dass das vor allem für grössere Unternehmen, die eine unglaubliche Social-Media-Präsenz haben, natürlich relevant ist, Community Management aktiv als eigenen Posten zu betreiben. Aber wie du gerade meintest – kleine KMU haben gar nicht die Ressourcen. Das hast du ja auch im Interview immer mal nachgefragt, wie man damit umgehen sollte.
Was mir aber in jedem Fall hängen geblieben ist, ist diese Power – wirklich diese Macht, die dahinter liegt, wenn du es schaffst, mit den Menschen, die du da draussen erreichen willst, ins Gespräch zu kommen, in den Austausch. Die vielleicht auch irgendwann mit dir zu schreiben, mit dir mal zu reden, die mal draussen in der Natur zu treffen – oder was auch immer.
Das ist die Macht von Community, die entstehen kann – und alles, was von denen zurückkommt. Also wenn du ihnen das Gefühl gibst, du bist jemand, der interessiert ist, der hören will, der wirklich wissen will, was die Leute da draussen von dir denken – und du antwortest, du kommst ins Gespräch – dann geben sie dir auch ganz viel zurück. Und das ist heutzutage eigentlich Gold wert. Alle erzählen immer von Daten, die sie haben und mit denen man arbeiten kann. Als kleines KMU – wo willst du die ganzen Daten herhaben? Du kannst ja kein Kaufverhalten tracken und so weiter.
Aber vielleicht ist Community in der Hinsicht viel stärker und viel einfacher zu erreichen, als zu denken: »Da mach ich halt nichts.« Ich sehe da wirklich unglaublich viele Möglichkeiten. Allein der Aufbau einer langfristigen Verbindung. Also wenn ich dich, Vinz, über meinen Content kennenlerne, mit dir schreibe und du weisst, du kannst mir vertrauen – ich weiss, ich kann dir vertrauen – dann haben wir auf einmal schon eine Beziehung, ohne dass wir miteinander ein Geschäft gemacht haben müssen. Aber ich weiss genau: wenn du mal ein Thema hast, das ich abdecke, dann wirst du zu mir kommen und nicht zu jemand anderem. Und da baust du dir wirklich für die Zukunft schon eine Zielgruppe auf. Das finde ich so schlau und so smart daran. Wirklich – nutzt das. Aber jetzt bin ich neugierig, was du mitgebracht hast.
Vinz: Ja, vielleicht nochmals zur Einordnung, wie es im Alltag aussieht: Viele KMU posten ja zum Beispiel regelmässig etwas. Die zeigen sich, die haben vielleicht sogar gute Reichweite oder Zahlen, die für sie relevant sind. Aber sie haben keine echten Gespräche, keinen Austausch, keine Bindung und nicht unbedingt eine Wiederkehr der Mehrheit ihrer Follower. Und warum ist das so? Weil sie meistens nur sendend statt verbindend sind.
Das sind die Unterschiede, die ich jetzt auch lernen durfte. Community entsteht eben nicht durch reinen Content – also nicht durch reines einseitiges Senden –, sondern durch Beziehungsaufbau. Beziehung ist immer Arbeit, egal welche Art. Und eben nicht nur Reichweite.
Darum habe ich jetzt wirklich drei Punkte mitgebracht: Wie kann man das eins zu eins umsetzen, auch wenn man selbstständig ist? Soll ich gleich anfangen, oder willst du noch etwas anhängen?
Paul: Ja, den Gedanken, dass ich Beziehungen wirklich als Kernelement verstehe – das ist ja das: Du gibst den Leuten da draussen das Gefühl, dass sie gesehen werden. Du baust eine Beziehung auf. Und das ist wirklich der Wert für die Zukunft. Ich sage da manchmal: Das ist, als Unternehmen oder gerade als selbstständige Person, deine Lebensversicherung. Du kannst ganz viele Versicherungen abschliessen – aber das ist, was deine Marke betrifft, die Absicherung für die Zukunft.
Dieses Vertrauen, das du damit aufbauen kannst, und diese Nahbarkeit – die ist heutzutage so viel wert. Es wird ja nicht weniger Content da draussen, und es wird nicht weniger Leute geben, die diese Möglichkeiten nutzen. Aber mit dem, was du zeigst, kannst du eine Verbindung aufbauen zu den Menschen da draussen. Und damit hast du in jedem Fall einen Vorteil.
Vinz: Also ich fange an. Punkt eins – das haben wir auch von allen anderen Interviews dieses Jahres, bei denen es um das Thema Content ging, mitgekriegt. Das war auch der grösste Punkt, den ich für mich mitnehmen konnte: Sag etwas, was es wert ist, gehört zu werden. Sprich: Content ist nicht das Ziel, sondern er ist der Einstieg.
Dort machen die meisten wieder Fehler. Da war ich selber auch mal, zu meinen LinkedIn-Zeiten. Da habe ich einfach aalglatte Sachen über Branding-Facts rausgelassen. Und das Problem ist: Es ist austauschbar, aalglatt, eher vorsichtig. Und dann verwundert man sich, wenn es keine Sau interessiert.
Was hingegen funktioniert – und was alle unsere Interviewgäste, inklusive Sarah, gesagt haben –: echte Einblicke. Sei menschlich. Habe klare Meinungen. Ehrliche Gedanken. Und vor allem: trau dich, anzuecken. Sei ein Charakter, so wie im echten Leben. Sonst bist du irgendein Flummi.
Es sollen Sachen sein, die man auch weitererzählen würde. Die können lustig sein, traurig sein, ernst sein – was auch immer. Nicht nur »wir sind stolz auf unser Team«, sondern warum wir lieber einen Auftrag ablehnen würden, als ihn halbherzig auszuführen. Sachen, die spannend sind. Gute Geschichten.
Das Ziel sollte sein: auslösen, was hängen bleibt. Die Welt zeigen, wie man sie durch seine eigenen Augen sieht. Das ist der Hauptsatz, den ich mitgenommen habe.
Paul: Das hat Patrick mal gesagt: Lasst die Leute durch eure Brille schauen, damit sie die Welt so sehen, wie ihr sie wahrnehmt – mit eurer Persönlichkeit. Das ist ja nicht nur die Expertise oder das fachliche Wissen, was man bringt, sondern eben auch der persönliche Hintergrund. Und das macht es spannend. Wissen allein hat heutzutage keinen Wert mehr. Das findest du mit drei Klicks immer besser raus als die Person, die es sogar teilt.
Es geht ja darum, dass die Leute sehen, wie wir über die Dinge denken. Und das ist der Grund, warum Leute überhaupt Social Media nutzen und Content konsumieren. Und da beim Content-Erstellen: Achte schon darauf, dass ein Austausch entstehen kann. Aalglatter Content lädt nicht zum Austausch ein. Ein persönlicher Gedanke oder eine persönliche Erfahrung lädt viel mehr dazu ein – weil Leute, wenn jemand sich traut, Persönlichkeit zu zeigen, auch bereit sind, ihre eigene Perspektive zu zeigen. »Kenn ich. Fühle ich. Mir ging es auch mal so.« Und das sind tragende Effekte. Man merkt: ich bin damit nicht allein.
Was nicht reicht, ist hinterher einfach zu fragen: »Was denkt ihr darüber?« Das ist immer etwas flach. Was soll man da im Moment gerade drüber denken? Aber du kannst ein bisschen anecken oder eine tiefer gehende Frage stellen. Ruhig bei einer Frage bleiben – und schon entsteht da etwas.
Vinz: Was dort vielleicht noch wichtig ist: das Thema Umsetzbarkeit. Sich nicht einfach vornehmen, dreimal am Tag, siebenmal in der Woche irgendetwas zu posten – und nach drei Tagen hat man keinen Bock mehr oder weiss nicht mehr was. Sondern realistische Ziele setzen. Lieber weniger, dafür besser.
Paul: Ja, weil das hat auch Sarah mitgebracht. Das braucht einfach Zeit und Arbeit, auf alle Kommentare einzugehen. Ich kommentiere ja auch bei vielen anderen Leuten auf LinkedIn – wenn da aber keine Antwort zurückkommt, wenn ich sehe, dass die Person keinen einzigen Kommentar beantwortet, kommentiere ich manchmal auch gar nicht mehr darunter. Weil dann fehlt die Interaktion. Das ist schon ein entscheidender Teil.
Vinz: Das ist eigentlich genau der Punkt... Punkt zwei. Du hast schon wieder vorgegriffen. Danke vielmals, Paul.
Paul: Entschuldigung – ich denke nur mit.
Vinz: Nein, easy. Das wäre genau Punkt zwei gewesen: Antworten. Sarah hat das auch wirklich explizit nochmals gesagt, weil viele posten und dann verschwinden sie wieder. Community entsteht aber genau da – in den Kommentaren, in den Nachrichten, im Austausch. Wenn die Leute merken: »Ich kann da auch etwas reinschreiben, und es wird auch geantwortet.« Das ist die Zauberformel. Ernst nehmen, Leute. So wie man selber auch ernst genommen werden will.
Was dort zu vermeiden ist: gar nicht antworten. Oder einfach nur halbherzige Reaktionen. Keine Tiefe reinbringen. Ich redet von mir – wenn jemand, der mich interessiert, eine Frage stellt oder einen langen Text schreibt, und dann kommt einfach nur zurück: »Okay, cool.« Dann würde ich nicht mehr schreiben. Hätte mir diese zehn Minuten Leben gespart. Und so stirbt einfach jede Community sofort.
Was wirklich funktioniert, ist das komplette Gegenteil: ehrlich antworten, nachfragen, Gespräche führen. Und auch einfach mal ehrlich sein, wenn man keine Zeit hat. Dann sagen: »Geile Frage. Gerade voll im Stress. Ich melde mich unbedingt zurück.« Einfach das Lebenszeichen zeigen. Das nährt ein gesundes Publikum, das sich auch gesehen fühlt. Es ist ja immer die Beziehung, die gegenseitig stattfinden soll – nicht nur einseitig.
Paul: Genau. Und das ist das schöne Gefühl, das du den Leuten gibst, die bei dir kommentieren und mit dir schreiben: Du gibst ihnen das Gefühl, gesehen zu werden. Darum geht's. Das ist die ganze Magie, die dahinter steckt. Und wenn du das weiterspielst, dann fühlen sich die Menschen als Teil von etwas. Gerade wenn sie nach einer ähnlichen Meinung gefragt werden oder nach Feedback oder nach Unterstützung – dann entsteht wirklich diese Verbindung, die man aufbauen und haben möchte. Mehr sage ich nicht.
Vinz: Genau. Du hast schon halb vorgegriffen – aber nein, easy.
Der dritte Punkt, den ich explizit weiterspielen will: Nimm die Menschen ernst. Sieh sie nicht nur als Kunden. Die grössten Fehler, die du da machen kannst: Es geht alles nur um Verkauf, um Angebot, um Leistung, um irgendwelche oberflächlichen Fakten. Sachen, die niemand mehr hören kann. Es hat ja auch seinen Platz – aber nicht nur. Genau deshalb entsteht keine Community.
Was funktioniert, ist wirklich Fragen stellen, Meinungen einholen und auch Diskussionen anregen. Die Verbindung schaffen. Nicht einfach senden: »Das ist unser neues Angebot. Punkt.« Sondern wirklich in den Raum stellen: »Kennt ihr die Situation XY? Wenn ja, wie geht ihr damit um? Was wäre euch wichtig, das anzuschauen, das zu lösen?« Also wirklich ehrliche Fragen stellen, Diskussionen anregen, einen Raum schaffen für Gleichgesinnte, interessierte Leute – wo sich dann eine Bubble bildet.
Genau dann entsteht auch das Magische, das Sarah beschrieben hat: innerhalb dieser Community bilden sich Mini-Communities. Und die halten schlussendlich auch die ganzen Gespräche am Laufen. Das heisst, du musst nicht immer zwingend selbst präsent sein oder Sachen einbringen – das übernimmt dann auch die Community an sich. Und das ist etwas, was sich eigentlich jede Marke wünscht.
Paul: Und da kannst du davon profitieren und es mit unterstützen. Ich dachte mir auch gerade: Du kannst das nicht nur unter deinem eigenen Content machen – du kannst auch rausgehen und das unter anderen Beiträgen machen. Die Deutsche Bahn zum Beispiel kommentiert ja auch bei anderen grossen Marken. Wenn die Verspätung haben und das teilen, kommentiert Lidl Deutschland darunter: »Wenn ihr Zeit habt, kauft schnell bei uns ein – zumindest habt ihr keine kalten Speisen an Bord.« Das ist ein lustiger Abklatsch zwischen grossen Brands. Und die Deutsche Bahn kommentiert bei der Lufthansa, wenn Flüge ausfallen: »Wir sind wenigstens nicht auf Wind und Wetter angewiesen.« Das kann lustig sein. Und das kannst du natürlich als kleine Marke genauso machen.
Beim Content von anderen Leuten – sei es dein Marktumfeld oder dort, wo deine Zielgruppe aktiv ist. Wenn du da präsent bist und Haltung zeigst, kannst du das als Marke schaffen. Ich finde Humor ist das probateste Mittel, solange es nicht unter die Gürtellinie geht. Noch einfacher ist es natürlich als Personal Brand. Wenn du Geschäftsführerin von einem kleinen KMU-Handwerksbetrieb bist und unter YouTube-Videos kommentierst, die Hausrenovierungen zeigen – dann bist du die Person, die man kennt, weil du coole Kommentare machst oder dein Wissen preisgibst oder Erfahrungen teilst. Also mit viel Zeit kannst du da sehr aktiv sein – und da kommt auch viel zurück. Es ist nicht nur der eigene Content, der relevant ist, sondern auch deine Gedanken unter dem Content von anderen.
Vinz: Vielleicht nochmals zusammengefasst in drei Punkten. Punkt eins: Sag etwas, das hängen bleibt – das es wert ist, gehört und vielleicht auch weitererzählt zu werden. Punkt zwei: Antworte und geh aktiv in den Austausch. Punkt drei: Nimm die Menschen ernst, sieh sie nicht einfach als reine Kunden – geh wirklich auf die Bedürfnisse dieser Leute ein. Dann fühlen sie sich gesehen, und so baust du Vertrauen und eine Community für deine Marke auf.
Paul: Genau. Einfach machen, aktiv sein. Und wenn man sich mit eigenem Content noch nicht traut – dann halt bei anderen Content kommentieren. Auch das ist Community Management.
Vinz: Häsch du noch etwas?
Paul: Nee, ich finde, das darf eine kurze Folge sein – in Anführungszeichen. Wir schaffen es nie, wirklich kurz zu sein. Aber ich glaube, das sind alle Kerngedanken, die eine Rolle spielen.
Ich möchte noch ein letztes Mal betonen: Ich finde die Möglichkeiten dahinter so cool. Mir wird selbst gerade bewusst, ich habe noch so viele unbeantwortete Nachrichten, auf die ich eigentlich eingehen will. Mir fehlt schlichtweg die Zeit dafür. Aber ich weiss, ich hätte zu allen Punkten etwas zu sagen.
Und da noch mein Appell: Macht das selbst. KI kann Nachrichten schreiben und kriegt euren Stil hin – und die kann das wahrscheinlich auch halbwegs gut. Aber ein Gefühl für die Menschen zu bekommen, mit denen man schreibt oder bei denen man kommentiert, und zwischen den Zeilen bestimmte Dinge rauszulesen, vielleicht auch den Gesprächsverlauf von anderen Kommentaren darunter mitzubekommen – das kriegt man nur selber hin. Die KI dichtet im Zweifelsfall noch etwas hinzu, was gar nicht stattgefunden hat.
Also nutzt die Zeit, investiert sie selbst und macht das persönlich. Lasst euch lieber beim Content-Schreiben helfen und spart da die Zeit, die ihr dann wiederum für die Kommentare bei anderen Leuten nutzen könnt. Das finde ich noch wichtig.
Vinz: Yes. Würde ich sagen.
Paul: Okay, dann machen wir jetzt noch einen kleinen Aufruf: Wer sich bemüssigt fühlt oder eine Idee hat für ein cooles Fazit für die Folge – schreibt das als Kommentar. Auf Spotify kann man ja kommentieren, auf YouTube unter dem Video, oder schreibt uns eine persönliche Nachricht. Ist auch voll okay. Vielleicht kommt da eine gute Idee aus dem Publikum. Liebe Community – wir wollen ja auch mit euch eine Community aufbauen. Wenn ihr eine Frage habt, einen Wunsch, eine Person habt, die ihr hier mal hören wollt – schreibt uns einfach. Kommt mit uns in den Austausch. Das würde uns voll freuen, weil das ist eigentlich der Hauptpunkt, warum wir den ganzen Spaß mitmachen.
Vinz: Yes. Hey, danke vielmals – bis zur nächsten Folge. Mach mal Marke.
Paul: Danke! Ciao.
Vinz: Ciao.






































































































